Die E3 2017 ist vorbei, Shooter sind es nicht. Um die fünf besten davon geht es heute. Macht es euch etwas aus, zu diesem Anlass eine eigene Einleitung zu formulieren? Zur Verfügung stehen unter anderem "dicke Wummen", "blaue Bohnen", "ordentlich krachen lassen", "Gastgeberwettbewerb", "auf die Nuss" und "Bulletstorm 2". Ansonsten hier die fünf Schießspiele, die zumindest ganz cool und im besten Fall sogar großartig werden.

Metro: Exodus

Entwickler: 4A Games
Plattform: PC, PS4, Xbox One
Erscheint: 2018

Diese Ankündigung stand in einer im Zweijahrestakt durchgeplanten Spielwelt nicht gerade oben auf dem Zettel. Die Vorgänger Metro 2033 und Metro Last Light gelten als feine und aufrichtige Plädoyers für geradeheraus gerichtetes Shooter-Design in klaustrophobischen Umgebungen. Exodus will mit der Tradition nicht brechen, mit den Tunnelsystemen, den geschlossenen Schächten voller Unrat, Strahlung und mutierten Streunern. Es hat ebenso düstere lineare Abschnitte, die man in einem Metro-Spiel erwartet, wie es seiner geschlossenen Enge entwächst, gibt es einen Anlass dafür.

Eine im modernen Sinn offene Welt zum Sammeln und Abgrasen soll es nicht werden, was in Hinblick auf Metros Untergangsstimmung nur zu begrüßen ist. Ein beachtlicher Teil des Entwicklerstudios 4A Games rekrutierte sich aus dem Zerfall von GSC Game World. Ihre dort entstandenen Stalker-Spiele zeigten schon vor zehn Jahren, wie eine Spielwelt im Wechsel zwischen Außen- und beklemmenden Innenarealen nicht nur funktionieren, sondern streckenweise brillieren kann. Stalker und Metro teilen eine DNA, eine gewinnende Atmosphäre der Entfremdung, seien es die jenseits gesunder Proportionen verformten Kreaturen oder die dahinsiechende Menschlichkeit nach einer schlimmen Katastrophe. Metro Exodus scheint beide Ansätze in seinem unbewohnbar gemachten Russland unter einen Hut bringen zu wollen.

Dazu Survival-Komponenten wie Waffenbau und Nachschubbesorgung, multiple Wege durch vor euch liegende Ruinen oder einfache Sonnenstrahlen, die sich an knochigen Bäumen vorbei an die Oberfläche mogeln. Metro: Exodus entwickelt sich mit Blick auf die Vorgänger behutsam weiter, ohne seine Identität aufzugeben. Das muss man erst mal hinbekommen, ganz besonders, wenn es so gut aussieht wie im Video.

Wolfenstein 2: The New Colossus

Entwickler: Machine Games
Plattform: PC, PS4, Xbox One
Erscheint: 27. Oktober 2017

In Wolfenstein 2: The New Colossus schießt man unter anderem auf Krokodile. Und wie man spätestens seit Resident Evil 2 weiß, sind Spiele, in denen man auf Krokodile schießt, automatisch die besseren Spiele. Aber nicht nur deswegen hat sich die Fortsetzung von Machine Games' Fast-wie-früher-Shooter einen Platz in dieser Liste verdient. Es ist der unverschämt schmissige Zusammenschnitt aus Spielszenen, in dem Protagonist B.J. Blaszkowicz das Genre im ganz urtümlichen und wörtlichen Sinn von hinten aufrollt. Ja, es geht einzig und allein ums Schießen, und wie!

Als der Kerl mit automatischer Schrotflinte durch einen Flur fegt und Nazi-Köpfe platzen lässt wie Oma die Noppen einer Luftpolsterfolie, wirkt das fast wie eine Parodie auf eine meist sehr verbissene Spielgattung. Die zur Schau gestellte Gnadenlosigkeit unterliegt einem pulpig-verquatschten Grundton, der vergleichbaren Großformat-Shootern wie Killzone abgeht. Ich meine, der Typ beginnt das Spiel nach dem Ende von The New Order in einem Rollstuhl mit Kanone auf dem Schoß, was ihn nicht von einem Massaker abhält. Auch die restlichen Szenen sehen nach einem schnörkel- wie leinenlosen und wild um sich feuernden Shooter aus, der nur eines sein will: ein schnörkel- und leinenloser, wild um sich feuernder Shooter. Manchmal genügt das vollauf.

Splatoon 2

Entwickler: Nintendo
Plattform: Switch
Erscheint: 21. Juli 2017

So verlässlich eine Chow-Yun-Fat-mäßig aus dem Mantel gezogene Kanone die Wände rot tapeziert, so einfach schafft Nintendo das ohne explizite Gewalt. Und ohne Chow Yun-Fat, was jammerschade ist, spinnt man diese Verbindung lose weiter. Tapeziert wird in Splatoon 2 jedenfalls nur mit einer Farbkanone und nach den E3-Spielszenen fällt es schwer, diesem liebevoll ausgeheckten Shooter einen Platz zu verwehren.

Der Grimm am Abgrund stehender Welten flutscht hier mit einem Lachen zurück an den Absender, denn das ist Splatoon 2: pure Spielfreude. Etwa wenn der Inkling die "gegnerische" Farbe überkleistert, um schadlos darauf laufen zu können. Wenn er das tut, um vorher in Position gebrachte Blöcke betretbar zu machen. Wenn er klecksend auf Schienenkonstruktionen entlangrutscht, als wäre es Sunset Overdrive. Oder wenn der Bosskampf nach der farblichen Reviermarkierung mit der einzig wahren Männerwaffe ausgetragen wird: einem Farbroller.

Far Cry 5

Entwickler: Ubisoft
Plattform: PC, PS4, Xbox One
Erscheint: 27. Februar 2018

Klar, niemand mag zeitlebens Aussichtstürme erklimmen und damit die Karte im Umkreis aufdecken, um immer wieder die gleichen Dinge tun zu können. Deshalb gibt es die in Far Cry 5 nicht mehr, also die Türme. Ob man ansonsten immer die gleichen Dinge tut, das hängt davon ab, wie weit ins Grundlegende die Betrachtung gehen soll. Krach und Abfallhaufen machen alle Shooter, wenn man mit 150 Projektilen pro Minute durch Mutanten, Terroristen, Roboter oder Gangster fegt.

In Far Cry 5 sind es Kultisten in einer vom realen Montana inspirierten Spielwelt. Die sieht mit ihren Gebirgslandschaften und Grassteppen fantastisch aus, wie man es von Ubisofts großen Eigenproduktionen gewohnt ist. Eine festgelegte Missionsreihenfolge zum Aufbau des wie auch immer gelagerten Widerstands soll es nicht geben. Jeder kann losziehen, wohin er mag, und dort Fortschritte erzielen. Wenn das System ansatzweise so frei ausfällt, wie es sich meine Fantasie gerade ausmalt, ist es, was dem sklavisch in seiner Struktur gefangenen Far Cry zuletzt fehlte. Die schönste offene Welt ist nicht mehr als aufgespachteltes Make-up, sollte sie peinlich genau aufeinanderfolgende Missionen und Krimskrams entlang des Weges überdecken. Letzteren wird es trotzdem geben, machen wir uns nichts vor.

Wie weit Ubisofts Ansatz geht und wie viele feste Handlungspunkte es gibt, wird sich zeigen. Schön zu sehen, dass die Begleiter aus Far Cry 2 eine Art Revival feiern. Far Cry war immer am besten, oft sogar verblüffend gut, wenn die Umwelt auf Einflüsse von mehreren Seiten reagieren muss. Hier ein sich langsam ausbreitendes Feuer mit dem Flammenwerfer legen, dort einen Tiger oder Elefanten befreien, schnell ein Versteck finden und gucken, wie sich das Problem von selbst löst. Ein einziges Händereiben beim Einfädeln und ein riesiger Spaß, jedes Mal aufs Neue. Solange es im virtuellen Montana Flammenwerfer gibt, sehe ich keinen Grund, wieso sich das grundlegend ändern sollte.

Hunt: Showdown

Entwickler: Crytek
Plattform: PC, PS4, Xbox One
Erscheint: tba

Hunt... Hunt... da war doch was... Im Juni 2014, um genau zu sein, kündigte Crytek mit Hunt: Horrors of the Gilded Age einen sichtlich von Left 4 Dead inspirierten Mehrspieler-Shooter an, bevor sich das Unternehmen existenzbedrohenden Problemen ausgesetzt sah. Drei Jahre später ist das Ding unter dem Titel Hunt: Showdown wieder da und versteht sich als Online-Shooter mit PvP- und PvE-Elementen.

Fünf Teams von je zwei Spielern starten mitten im ländlichen Nirgendwo mit dem Ziel, ein besonders mächtiges Monster zur Strecke zu bringen. Die Sumpfumgebung im vorgespielten E3-Abschnitt ist so dunkel, dass es wie eine gute Idee erscheint, eine Leuchtfackel ins Gebüsch zu werfen. Bis man plötzlich ein Dutzend Zombies alarmiert, die darin lauerten, und im schlimmsten Fall auch die Gegenspieler. Das Prinzip ist klar: Wer über reine Team-Absprache hinaus Hilfsmittel benutzt, macht auf sich aufmerksam. Und wer auf sich aufmerksam macht, ist ein leichtes Ziel.

Mithilfe dreier Höllenportale lassen sich Hinweise auf den Aufenthaltsort des Bossmonsters finden - ihr seht aus dessen Augen eine kurze Sequenz zum Eingrenzen des Ortes. Nach dem Auffinden aller Portale wird das Biest mit einer Kartenmarkierung versehen. Und selbst dann lohnt sich das Abwarten. Vielleicht eilt eine andere Gruppe gerade kopflos dorthin und ihr könnt im richtigen Augenblick nicht nur die beiden Jäger, sondern auch den Boss ausknipsen. Vielleicht zerpflücken euch die Monster auf dem Weg zur Scheune, in der die Riesenspinne an den Wänden krabbelt. Oder vielleicht treffen mehrere Gruppen aufeinander und Gewinner ist, wer den Überblick und die Oberhand behält. Dass Crytek selbst zum Gewinner wird mit diesem Konzept, das kann man dem angeschlagenen Unternehmen nur wünschen. Wenn Hunt: Showdown dann irgendwann erscheint.

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei. Nervt seine Kollegen mit Satzzeichen und solchen Dingen. Kümmert sich um das wundervolle Rock, Paper, Shotgun, und das solltet ihr ebenfalls.

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