Aven Colony - SimCity wandert aus

Im Weltall hört dich niemand … aufbauen.  

Ich vermisse aus irgendeinem Grund das klassische SimCity. Aufbaustrategie bevor sie kompliziert wurde. Einfach mal hier und da ein paar Gebäude hinsetzen, blockweise Gegenden festlegen und hoffen das jemand einzieht. Ausgerechnet ein Science-Fiction-Spiel hat mir jetzt zumindest zu Beginn dieses Gefühl wiedergegeben. Aven Colony erscheint erst gegen Ende Juli, auf die Beta durfte ich aber schon jetzt einen Blick werfen. Ihr versucht, eine Kolonie auf einem Alien-Planeten aufzubauen und dabei nach Möglichkeit nicht auszusterben. Das ist aber gar nicht so einfach, denn dieser Planet hat so ein paar Eigenarten. So durchläuft er beispielsweise jeden Tag alle vier Jahreszeiten. Das ist eine der Mechaniken, die Aven Colony herausfordernd macht - so könnt ihr beispielsweise im Sommer recht gut euren Strom über Solaranlagen beziehen. Sobald aber der Winter kommt, braucht ihr andere Stromquellen. Eure ganze Kolonie geht dann in eine Art Winterschlaf, weil ihr möglicherweise bestimmte Funktionen abstellen müsst, um andere, lebenswichtige Funktionen am Laufen zu halten.

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Euer Prachtstück - eure Kolonie.

Nach ein bisschen Spielzeit in der Beta musste ich doch feststellen, dass mich der eingangs erwähnte Bezug auf das erste SimCity ein bisschen getäuscht hatte. Tatsächlich ist Aven Colony nämlich relativ komplex. Ihr müsst beispielsweise auch für ausreichend Nahrung für eure Kolonisten sorgen und die gibt es nur in bestimmten Gebieten. Wollt ihr da hin, müsst ihr zunächst unterirdische Tunnel bauen, die wiederum jede Menge Ressourcen kosten, hauptsächlich sogenannte Nanites. Das sind Mikropartikel, die von kleinen, schwebenden Robotern verbraucht werden um Gebäude zu errichten. Diese Roboter fungieren gewissermaßen als fliegende 3D-Drucker, die so gut wie alles überall entstehen lassen können - für einen gewissen Preis aber eben. Habt ihr diesen Preis gerade nicht zur Verfügung, müsst ihr eben eure Wirtschaft umkrempeln. Nanites brauchen Bodenschätze, um überhaupt hergestellt werden zu können also braucht ihr Minen und die wiederum können ebenfalls nur an bestimmten Stellen gebaut werden.

So präsentiert sich Aven Colony nach ein paar Stunden Spielzeit vor allem als ein recht komplexes Zusammenspiel aus verschiedenen Abhängigkeitsketten. Sobald ich irgendwo etwas gebaut hatte um einen Mangel auszugleichen, ist an anderer Stelle ein neuer entstanden und jeder davon kam mir herausfordernder vor als der zuvor. Ihr könnt eine Kampagne spielen, die euch regelmäßig neue Herausforderungen vorlegt, aber ehrlich gesagt ist auch der Endlos-Modus recht anspruchsvoll - weil ihr euch da die Probleme eben permanent selbst schafft, ob ihr es nun wollt oder nicht.

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Wir sehen hier einen einzelnen Kolonisten - möglicherweise gerade auf dem Weg zur Arbeit.

Hinzu kommt das Management der Bevölkerung. Per Tastendruck könnt ihr auf die reich verteilten Überwachungskameras eurer Kolonie zugreifen und so sehen, was jeder eurer Kolonisten gerade so macht. Und natürlich welche Bedürfnisse er gerade so hat. Während der eine gerade relativ zufrieden in seine Kupfermine läuft, könnte der andere mit seiner Arbeit im Windkraftwerk relativ unzufrieden sein. Letzteres könnte aber eben eigentlich auch daran liegen, dass er seine Lieblingsspeise nicht bekommt, weil ihr die Grundzutaten dafür gerade eben nicht anbaut. Gerade wenn der Winter im Anmarsch war, war es dennoch nie mein Ziel, sie besonders zufrieden zu stellen - es ging eher darum, sie über die Runden zu bringen. Denn so eine Alien-Farm produziert im Weltraum-Winter nichts mehr, da braucht es schon Gewächshäuser und in ebensolchen wächst eben nicht alles.

Aber ehrlich gesagt: Weltraum-Siedler sind Pioniere, sie müssen schon den entsprechenden Geist mitbringen, um sich irgendwo anzusiedeln, wo man nur sicher ist, wenn man unter einer riesigen Glaskuppel lebt. Deswegen ist es diesen Kolonisten auch zuzumuten, wenn sie mal eine Zeit lang nur von vorgefertigten Rationen leben. Kennt ihr die Typen, die auf YouTube Armee-Rationen essen und darüber reden, wie toll die schmecken? Diesen Geist braucht es in Aven Colony, denn so ein Winter ist lang und hart, zumal auch die Fauna hier und da nicht mit sich spaßen lässt. Damit will ich sagen, dass ihr gern mal auch von irgendwelchen Viechern angegriffen werdet, von deren Existenz ihr gar nichts wusstet. Der voraussehende Spieler investiert daher auch ein paar Nanites in Selbstschussanlagen.

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Kolonisten brauchen Essen - daher müsst ihr auch Felder anlegen.

Und so wächst eure Kolonie und wächst und wächst. Ebendas zu sehen, macht dann wieder genau so viel Spaß wie bei der erblühenden Stadt in SimCity. Ihr erlebt, wie sich eure Arbeit lohnt, wie alles immer größer wird. In der Kampagne arbeitet ihr darüber hinaus auf bestimmte Ziele hin. So müsst ihr etwa schon in der ersten Mission ein sogenanntes Earth History Center bauen, ein Museum, das die Geschichte der Erde thematisiert. Das ist besonders teuer und braucht außerdem sehr lang, um gebaut zu werden - betrachtet das als das Äquivalent zu den Wundern aus Civilization.

Aven Colony ist eines dieser klassischen Aufbaustrategiespiele, das ich mir seit der Always-On-Neuauflage von SimCity wieder gewünscht habe. Lokal, mit jeder Menge Zeit zu überlegen. Ihr könnt selbige nämlich immer anhalten, nachdenken, was ihr als nächstes bauen wollt, es platzieren und dann zusehen, wie eure fliegenden Roboter es schlussendlich basteln. Es gibt viele Gebäude, die mir regelrecht die Augen geöffnet haben. Beispiel: Geothermiekraftwerk - habt ihr einmal eine entsprechende Quelle gefunden, könnt ihr das riesige Ding platzieren und erhaltet damit einen massiven Energie-Bonus. Unschätzbar wertvoll ist sowas.

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Winter is coming.

Am Ende seid ihr aber Bürgermeister. Ihr kümmert euch um die Belange eurer Bevölkerung, erklärt ihnen teilweise, wie sie zu leben haben, was sie zu essen haben und sorgt dafür, dass das vorhanden ist, was ihr für sie erdacht habt. Das ist nicht immer menschlich. Und so ist Aven Colony nicht nur ein Aufbaustrategiespiel, sondern in gewisser Weise auch eine Politiksimulation, obwohl es keine Wahlen und keine Parteien gibt. Ihr müsst euren Untertanen aber gefallen und das, obwohl ihr sie rund um die Uhr überwacht - ihr seid nämlich der einzige Weltraum-Boss, den sie haben.

Entwickler/Publisher: Mothership Entertainment/Team 17 - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 29,99 Euro - Erscheint am: 25. Juli 2017 - Angespielt auf: PC (Beta)

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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