"Bye, bye 3D": Der Nintendo New 2DS ist die definitive Version von Nintendos Kleinstem

Das Preisgefüge in der Nintendo-Familie ergibt wieder Sinn.

Was wurde der 2DS doch belächelt, als er vor vier Jahren erschien. Wie ein Eingeständnis, mit 3D einen Irrweg gegangen zu sein, wirkte er für viele, vor allem für jene, die das Feature ohnehin immer abschalteten. Dann wiederum: Gerade jüngeren Spielern und verunsicherten Eltern eine günstigere und garantiert das Augenlicht der Kleinen nicht weiter störende Alternative zur Hauptplattform anzubieten, das war an sich keine schlechte Idee. Der Look, der vom Gerät mit der "3" im Namen einen Schritt zurück macht, war dennoch nicht zwangsläufig der beste.

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Besonders der verschwindend schmale Rahmen um das Display herum frischt das Gerät optisch auf.

Auch das Design zog ein bisschen Häme auf sich. Als "Fisher-Price"-Konsole wurde der 2DS bisweilen verunglimpft, vorwiegend von Leuten, die von der zerstörerischen Kraft kleiner Kinder nicht die leiseste Ahnung haben. Tatsächlich war der 2DS genauso klobig und robust, wie er sein musste, um Eltern zu signalisieren, diese etwas über 100 Euro gehen nicht direkt in den Elektroschrott, wenn der kleine Prinz/die kleine Prinzessin mal wieder ihren Aegon-Targaryen-/Cersei-Lannister-Moment hat. Nun gut, Nintendo kennt diese Art von Kritik und weiß mittlerweile, selbst über den Namen Wii machte sich irgendwann keiner mehr lustig. Mittlerweile ist der 2DS angekommen und wirkt wie die logische Ergänzung der Produktreihe am unteren Ende der Preisskala. Gut vier Jahre nach der Markteinführung war die Zeit für ein Update des Formfaktors langsam reif.

Aber machen wir uns nichts vor: Es ist vor allem die Ankunft der Switch, die ein Gerät wie den New 2DS XL irgendwie nötig macht. Das 3DS-Flaggschiff, der New 3DSXL, ist mit nur etwa über 120 Euro Preisvorteil gegenüber der Switch so ungünstig positioniert, dass sich viele fragen, wie ernst Nintendo es meinen kann, wenn sie sagen, die altgediente Plattform werde friedlich mit der Switch koexistieren. Er wirkt einfach wie ein schlechter Deal. Der New 2DS XL mag nun zwar fast um die Hälfte teurer sein als das Ursprungsmodell, rangiert aber im Segment noch unterhalb der Hälfte einer Switch. Und plötzlich ergeben Preisgefüge und Leistungsumfang wieder Sinn.

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Der Direktvergleich mit dem preislich zwischen 2DS und Switch neuerdings etwas verloren wirkenden New 3DS XL. Sieht nicht nach viel aus, fühlt sich in der Praxis aber spürbar besser an.

Nicht erwartet hätte ich, dass der 2DS vom Design und Funktionsumfang nun doch näher am 3DS XL ist. Bedeutet: Weg vom Etch-A-Sketch-Aussehen des Vorläufers, hin zum attraktiven und Bildschirme schonenden Klappdesign. Die Verarbeitungsqualität macht vom ersten Anfassen an bereits den typisch ausgereiften Nintendo-Eindruck, ist aber, wie von dieser Reihe gewohnt, deutlich näher am Spielzeug als die Switch, die sich eher an Edel-Hardware orientiert. Die Bildschirmgröße ist identisch zum 3DS XL, nur eben nicht in 3D, der C-Stick für den rechten Daumen ist ebenso mit dabei wie die ZL- und ZR-Taster, der New-3DS-XL-Prozessor sowie -Speicher. Auch der NFC-Chip für Amiibo-Support ist nun fest integriert. Die Lautsprecher sind indes an der Unterkante verbaut, anstatt in der oberen Bildschirmklappe.

Trotz des "XL" ist das Handheld zudem deutlich kleiner als der alte 2DS und einen Zentimeter weniger tief als der 3DS XL. Ansonsten sind die Abmessungen des New 2DS XL sehr nah an seinem 3D-Gegenstück, Breite und Höhe nur im niedrigen Millimeterbereich geringer. Mit 254 Gramm wiegt er nur drei Viertel von dem, was ein New 3DS XL auf die Waage bringt. Der Zentimeter in der Tiefe und die nicht ganz 80 Gramm weniger machen allerdings einen ordentlichen Unterschied in der Handhabung. Der New 2DS liegt natürlicher in meinen Händen und leichter auf den kleinen Fingern auf - besonders wenn ich das Steuerkreuz nutzen will, ist das ein besseres, weil krampfloseres Handgefühl.

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Zugeklappt kann man einen Blick auf die geriffelte Oberfläche des neueren Geräts werfen.

Nun zu den netten Details: Der Oberflächenkunststoff des New 2DS ist mattiert, was sich deutlich handschmeichelnder anfühlt als der glatte New 3DS, der mir immer irgendwann glitschig wurde. Ebenfalls gefiel mir, dass Nintendo den Modulschacht und den Slot für die SD-Karte (eine 4GB-Variante wird ebenso wie ein Netzteil mitgeliefert) hinter einer Blende versteckt. Einerseits liegt das Handheld auf der linken Seite so nicht mehr mit dem Modul auf dem kleinen Finger, andererseits muss man die Rückseite nicht mehr abschrauben, um an die SD-Karte zu kommen.

Je nachdem, wie ihr den New 2DS haltet, ist es wegen der Lautsprecheranordnung durchaus möglich, dass ihr sie mit Teilen eurer Hand verdeckt, allerdings kam das in meinem Fall nicht vor. Sie liegen deutlich günstiger als bei der PS Vita und in meinem speziellen Fall wird der Sound in meinen zu Muscheln - wenn das Sinn ergibt - geformten Handflächen noch ein wenig in meine Richtung umgeleitet. Aber ich kann mir Szenarien vorstellen, bei denen das deutlich ungünstiger verläuft. Ich für meinen Teil finde ohnehin, dass Kopfhörer an den Handheld gehören.

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Buttons und Steuerkreuz geben weiter das leise und unnachahmlich befriedigende Klicken von sich. Schön, dass sich Nintendo die Mikroschalter nicht sparte.

Auf zum Display und hier gibt es Licht und Schatten. Im 2D-Modus sind es laut Digital Foundry die üblichen 400 mal 240 Pixel auf dem oberen Screen und 320 mal 200 unten. Visuell unterscheidet die Darstellung auf dem New 2DS nichts vom 3DS XL im 2D-Modus. Vollkommen zweckmäßig und ohne Grund zur Beanstandung. Allerdings ist der 3DS nie so leuchtstark gewesen, dass man ihn im Sommer problemlos draußen nutzen könnte. Auch der Direktvergleich mit der Switch fällt erwartungsgemäß ein bisschen gruselig für das günstigere Gerät aus. Da es sich hier aber immer noch um die Budget-Variante der 3DS-Linie handelt, war ebenso wenig eine Steigerung zum nächstteuren Handheld zu erwarten wie bei der Batterielaufzeit, die sich ebenfalls in der Regel um vier Stunden herum bewegt. Visuell müsst ihr entweder mit Weiß-Orange oder Schwarz-Türkis vorliebnehmen, denn das Konzept der tauschbaren Faceplates hat es von der letzten 2DS-Iteration nicht mit auf den Nachfolger geschafft.

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Und wenn der New 2DS XL am Ende doch einem Geständnis gleichkommt, dass 3D endgültig auf dem Weg nach draußen ist? Was würde das schon ausmachen? Manche Features haben ihre Zeit, und wenn die vorbei ist, nehmen sie ihren Hut. So oder so: Der 2DS versammelt die größten Bildschirme dieser Produktfamilie auf kleinstem Raum, ist leicht genug, um im Handgepäck unterwegs keinerlei Unterschied zu machen, und gewohnt gut verarbeitet. In Sachen Formfaktor ist mit dieser Plattform nicht viel mehr drin. Abgesehen von der Qualität des New 2DS ist aber wohl am wichtigsten, dass dieses formal auf den Stand der Zeit gebrachte Gerät preislich genau an der richtigen Stelle sitzt, um neben Nintendos beneidenswert erfolgreicher und bedauerlich rarer Switch nicht wie ein überaltertes Rudiment zu wirken. Und wenn die Plattform dann doch irgendwann in dieser Schale in den Sonnenuntergang schippert, dürfte das ein Abgang sein, dem der eine oder andere doch einen wehmütigen Blick hinterherwirft.

Preis: 149,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: weiß-orange

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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