Fable Fortune - Fable ist zurück!

Als Early-Access-Sammelkartenspiel!

Ich mag Sammelkartenspiele in virtueller Form ehrlich gesagt sogar noch mehr als auf Papier und in Tütchen aus Nerd-Läden. Weil: Ich muss mich dafür nicht aus dem Haus bewegen und abgesehen davon komm ich mir zumindest ein kleines bisschen weniger abgezogen vor, wenn ich die neuen Karten via Spielwährung kaufen kann. Das ist bei Fable Fortune der Fall. Habt ihr hundert Silbermünzen erspielt, dürft ihr euch ein kleines Päckchen Karten aus dem Shop holen. Ob da was Gutes drin ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ein paar unnütze Karten sind aber auch nicht so schlimm, denn erstens sind die paar Silbermünzen relativ schnell erspielt und zweitens könnt ihr selbst mit dem, was euch zu Spielbeginn zur Verfügung steht schon angenehme Multiplayer-Matches spielen. Fable Fortune ist aktuell in einer Early-Access-Version auf Steam verfügbar und spielt sich schon jetzt trotz geringem Funktionsumfang relativ rund.

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So sieht es aus, wenn auf dem Spielbrett richtig viel los ist.

Wer andere Sammelkartenspiele kennt, wird sich auch bei Fable Fortune relativ schnell heimisch fühlen. Jede Karte hat einen Angriffs- und einen Verteidigungswert, zudem verkörpert jeder Spieler einen Helden, den es zu schützen gilt. Der hat 30 Lebenspunkte und wenn ihr nicht eine eurer Karten in den Guard-Modus versetzt, kann euer Gegenspieler euch auch mit eigenen Angriffskarten direkt treffen. Mit eurem Angriffswert zieht ihr gegnerischen Karten was von seinem Verteidigungswert ab und umgekehrt - so weit, so normal. Nun will Fable Fortune aber auch innovativ sein. Entwickler Mediatonic hat daher versucht einige der aus den ursprünglichen Fable-Spielen bekannten Mechaniken auch ins Kartenspiel zu integrieren.

Das funktioniert beispielsweise über Quests: Bei Spielstart könnt ihr aus einer von drei Quests wählen, wobei ihr für jede die gleiche Belohnung erhaltet - ihr müsst eben sehen, welche Aufgabe zu eurem Deck am besten passt. Ihr müsst nur wählen, ob diese Belohnung dann gut oder böse ausfallen soll. Ich habe beispielsweise den Ritter gespielt. Als solcher habe ich die Fähigkeit, für zwei Goldstücke pro Runde einen einfachen Kämpfer zu rekrutieren, ganz egal, welche Karten ich auf der Hand habe. Vier Mal so einen zu rekrutieren gilt als Erfüllung einer Quest. Gelingt mir das, habe ich die Wahl zwischen einer guten und einer bösen Belohnung. Die Gute: Euer Untertan gibt zwei zufällig ausgewählten freundlichen Einheiten jeweils einen Health-Punkt dazu, wenn er stirbt. Die Böse: Er teilt an eine beliebige feindliche Einheit zwei Schaden aus, wenn er abtritt.

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Habt ihr eine Quest gelöst, dürft ihr euch für eine gute oder eine böse Belohnung entscheiden.

Solche Fähigkeiten fügen sich in das übliche Sammelkartenprozedere erstaunlich gut ein. Ich habe beispielsweise lange Zeit mit einem Ritter gespielt, der sich auf die bösartige Art der Kriegsführung spezialisiert hatte. In vielen Partien brauchte ich gar nicht so viele der tatsächlich mächtigen Karten, weil ich meinen Teil des Schlachtfelds bis auf wenige Ausnahmen mit Untertanen gefüllt hatte, die bei ihrem Ableben Schaden verursachen, die zusätzlich aber mittelmäßige Angreifer waren, weil ich sie mittels anderer Karten ein wenig gepusht hatte. Meinem Gegner blieb so bisweilen nicht viel übrig als sich ins eigene Fleisch zu schneiden - und das war ein ziemlich befriedigendes Gefühl, wenn auch ein recht sadistisches. Das Böse bahnt sich also gewissermaßen den Weg aus dem Spiel in meinen Kopf.

Generell habt ihr zum Spielen übrigens sechs verschiedene Figuren zur Verfügung, neben dem Ritter gibt es in der aktuellen Early-Access-Fassung beispielsweise die Formwandlerin, die Alchemistin oder den Propheten. Für jeden dieser Helden gibt es einzigartige Karten, die große Menge ist aber universell einsetzbar. Wenn ihr ein Kartenpäckchen aufmacht, wisst ihr nie, was euch dahinter erwartet. Es könnte also sein, dass ihr euch wie ich auf den Ritter spezialisiert habt und dann hauptsächlich neue Karten für die Alchemistin bekommt. Das ist doof. Meinen Spaß habe ich mit Fable Fortune aber trotzdem - ja, gerade wird dieser Artikel sogar ein wenig später fertig als ursprünglich geplant, einfach weil ich mich noch eineinhalb Stunden im Spiel verloren habe. Dabei sind es nicht nur die Partien alleine, die Spaß machen.

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Sechs vorgefertigte Decks stehen euch aktuell zur Verfügung. Beliebig viele weitere dürft ihr euch selbst bauen.

Ein großer Anreiz, das Spiel zu starten, ist auch der Deckbau. 30 Karten gehören standardmäßig in so ein Deck, nicht mehr, nicht weniger. In Trainingsmatches gegen den Computer könnt ihr aktuell in zwei Schwierigkeitsgraden neue Taktiken ausprobieren und euer Deck dann weiter optimieren. Währenddessen bekommt ihr neue Kartenpäckchen, die ihr dann wieder in euer Deck einbauen könnt - so entsteht ein ständiger Wechsel aus Deckbau, Probespiel, Päckchen aufmachen ... und dann von vorn. Wer möchte, kann natürlich auch echtes Geld in neue Karten investieren. Sieben Päckchen gibt es derzeit für 8,99 Euro, gleich 60 Stück für 62,99 Euro. Wer so viel ausgeben mag, darf das tun, alle anderen können aber das gleiche erspielen, was es auch für Echtgeld gibt. Eindeutige spielerische Vorteile haben zahlungswillige Leute also bislang nicht.

Ich habe die ersten drei Fable-Spiele gespielt, die nachfolgenden Ableger dann nicht mehr. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass mir davon nicht allzu viel im Gedächtnis geblieben ist und so hält sich der Wiedererkennungswert für mich einigermaßen in Grenzen. Ja, es gibt diese Gut-Böse-Mechanik und natürlich hat man auch im Rollenspiel Fable irgendwelche Aufgaben erfüllt. Trotzdem fühlt sich dieses Kartenspiel nicht wirklich an wie ein Fable. Das macht aber nichts, weil seine Mechaniken relativ gut funktionieren.

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Jede Figur hat eine Spezialfähigkeit. Hier: das Heilen einer Figur auf dem Spielfeld.

Wie schon erwähnt, enthält das Spiel sowohl einen Trainingsmodus gegen den Computer als auch einen Multiplayer-Modus - letzteren in zwei Varianten. Entweder ihr tretet in Ligen gegen andere menschliche Spieler an. Dabei verdient ihr dann Medaillen und werdet somit mit zunehmender Erfahrung auch mit stärkeren Spielern konfrontiert. Oder das kooperative Spiel. Hier tretet ihr gemeinsam mit einem anderen menschlichen Spieler gegen den Computer an, wobei ihr in jeder Runde sowohl auf seine als auch auf eure Karten zugreifen könnt. Das gestaltet sich im Moment vor allem deshalb recht unterhaltsam, weil ihr keine Möglichkeit habt, mit eurem Mitspieler zu kommunizieren. Was er von euch will, müsst ihr also erraten.

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Deckbau = Spaß!

Und nicht zuletzt deshalb macht mir Fable Fortune gerade recht viel Spaß. Es sind im Moment nur diese drei Modi, die ihr spielen könnt, aber schon jetzt kann mich allein das Grundprinzip viele Stunden am Stück beschäftigen. Die grafische Darbietung ist im Moment nicht gerade brillant, zu abgedroschen comichaft wirken dafür die Figuren, zu grob wirken die Effekte und Animationen, wenn eure Karten über den Tisch fliegen. Und auch die Soundkulisse ist da nicht besser. Gestört hat mich beides aber ehrlich gesagt nicht sonderlich, denn Fable Fortune lebt aktuell allein von seiner Mechanik. Sollten es die Entwickler schaffen, bis zum Release noch ein bisschen Abwechslung in Form von neuen Modi hinzuzufügen, könnte einem größeren Erfolg eigentlich nur noch die inzwischen etwas verbrauchte Fable-Marke im Wege stehen.

Entwickler/Publisher: Mediatonic, Flaming Fowl Studios/Mediatonic - Erscheint für: PC, Xbox One - Preis: Free-to-Play - Erscheint am: Early-Access-Version erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: englisch - Mikrotransaktionen: Ja

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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