Ni No Kuni 2: Eine Prise Suikoden gefällig?

Der Zauber ist immer noch da!

Na gut, Ni No Kuni 2 mag im Gegensatz zum ersten Teil keine offizielle Studio-Ghibli-Koproduktion mehr sein, mit Yoshiyuki Momose als Charakterdesigner und Joe Hisaishi als Komponisten sind aber mehrfach preisgekrönte Studio-Ghibli-Mitarbeiter maßgeblich am Projekt beteiligt. Das sah und hörte man auf der Messe auch, wenngleich der Zeichentrick-Vibe wegen feinerer Charakter-Outlines nicht mehr ganz so stark durchschlägt wie noch zuvor: Das hier sieht einfach umwerfend fantasievoll aus.

Eben so, als hätten sich einige der besten Weltenbildner überhaupt lange Gedanken darüber gemacht, was es in der Welt von Ni No Kuni so zu sehen gibt. Wie man hier fast zufällig die Kamera dreht und im Minutentakt, einfach nur bei der Reise von A nach B, desktophintergrund-würdige Panoramen einfängt... das bremst fast den Spielfortschritt, so gerne bleibt man regelmäßig stehen, um noch ein bisschen zu staunen. Möglich, dass Bandai Namco einfach nur den perfekten Demo-Abschnitt wählte, um das Art-Design ins beste Licht zu rücken. In meiner Erinnerung sah der erste Teil aber genauso oft zum Weinen schön aus, dass ich fast sicher bin, dass es auch hier so gut wie durchgängig so sein wird.

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Pure Freude.

Dennoch ist hier einiges anders als noch im Seriendebüt. Vor allem strukturell hat sich viel getan. Immerhin geht es hier nicht mehr um einen kleinen Jungen, der in einer Parallelwelt nach einer Möglichkeit sucht, seine verstorbene Mutter wiederzubeleben. Tatsächlich steuert ihr Evan, den katzenohrigen tatsächlichen Thronfolger des Königreichs, das gerade von den Mausmenschen übernommen wurde. Und so zieht er aus, um seinen rechtmäßigen Platz als Blaublut zurückzuerlangen. Neben dem üblichen Wechsel aus partybasierter Oberwelterkundung und Dungeon-Expeditionen baut man im neuen Kingdom Mode sein eigenes kleines Königreich auf, das sich ausgehend vom Schloss erweitert und stetig verändert, je nachdem, welche Quests man absolviert, und welche Charaktere man davon überzeugt, dass Evan gut für Land und Leute ist.

Dazu gehört natürlich auch, nach und nach ein Militär zu errichten, das euch gegen eure Feinde schützt. Die Truppen dienen allerdings nicht bloß dazu, um in Menüs Angreifer und Verteidiger-Zahlen gegeneinander aufzurechnen, Ni No Kuni 2 bietet mit dem Skirmish-Modus auch Massenschlachten. In Echtzeit lasst ihr dabei bis zu vier Truppenverbände um eine Chibi-Version eures Möchtegern-Königs kreisen, indem ihr die linke beziehungsweise rechte Schultertaste haltet. Das dient vor allem taktischen Überlegungen, denn Schwerter schlagen Hämmer, Hämmer schlagen Speere und Speere schlagen wiederum Schwerter, während man Bogenschützen tunlichst aus Nahkämpfen fernhalten sollte. Des Weiteren bringen die jeweiligen Anführer dieser Einheiten noch je ein Spezialmanöver mit, etwa einen Luftschlag oder Truppenheilung.

Eine Übung im Lesen der gegnerischen Verbände, zuzüglich etwas Taktik und Geschicklichkeit, während ihr nicht nur Feinde, sondern auch Mauern und Verteidigungsanlagen einreißt, bis ihr den gegnerischen Anführer besiegt oder in die Flucht schlagt. Eine nette Abwechslung vom üblichen Dungeon Crawl, auch wenn Bandai Namco betont, dass im Verlauf der Story deutlich mehr Skirmish-Schlachten angeboten werden, als man notgedrungen absolvieren müsste. Bedeutet: Wer abseits der handlungsrelevanten Schlachten nicht genug von ihnen bekommen kann, erhält reichlich Gelegenheit, sich hier zu beweisen.

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Wenn's so richtig in die Vollen geht, ist auf dem Screen ganz schön was los. Das hier ist im Grunde noch harmlos.

Auch die eigentlichen Kämpfe zeigen sich runderneuert und wirken auf den ersten Blick deutlich involvierender. Nun kämpft ihr mit euren Mitstreitern in Echtzeit gegen die fantasievollen Monster, bei denen man ab und an nicht weiß, ob man sie nun schlagen oder knuddeln soll. Schläge kommen so schnell, wie Evan mit seinen Animationen hinterherkommt, während Spezialmanöver Cooldowns unterliegen. Das fühlte sich überraschend griffig an und euer Trupp entfesselt ein ganz schönes Effektgewitter, bei dem man dank Feindesaufschaltung doch den Überblick behält. Ein bisschen geht Ni No Kuni 2 also mehr in Richtung Xenoblade.

Zusammen mit dem Basenbau im Kingdom-Modus und den Massenschlachten der Skirmishes fühlte ich mich wohlig an den Konami-Klassiker Suikoden erinnert, der eine vergleichbare Dreifaltigkeit an den Tag legte, während die fantasievolle Weltengestaltung und die schwungvoll-heroische Musik schon Abenteuer-Flair von beachtlicher Leichtigkeit versprühten. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue!

Entwickler/Publisher: Level 5 / Bandai Namco - Erscheint für: PS4, PC - Geplante Veröffentlichung: 19. Januar - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel. test

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