Mit Super Mario Odyssey feiert Nintendos Nummer-1-Maskottchen sein Debut auf der Switch - und das in einem für Mario-Verhältnisse relativ ungewöhnlichen Spiel. Es ist nämlich ein böses, vor allem aber unwahres Gerücht, dass Mario-Plattformer immer gleich sind. Im 3D-Bereich lassen sich da zwei verschiedene Schulen feststellen - die relativ linearen Spiele, in die beispielsweise die beiden Teile von Super Mario Galaxy fallen und die etwas offeneren Welten, zu denen Mario 64 und Super Mario Sunshine gehören. In letztgenannte Kategorie fällt auch Super Mario Odyssey.

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New Donk City: Irgendwie wirkt es schon seltsam, wenn Mario mit Menschen in Kontakt gerät, die tatsächlich aussehen wie Menschen.

Nur dass Nintendo jetzt sogar noch einen Schritt weiter geht als bislang. Auf der Gamescom konnte ich einen von zwei Abschnitten spielen, einer davon war die Stadt New Donk City, relativ eindeutig inspiriert von New York. Erstaunlich dabei: Hier gab es zumindest in der spielbaren Version keinen einzigen Gegner. Stattdessen ging es darum, bestimmte Ziele zu erfüllen, etwa die Bürgermeisterin zu finden oder genug Musiker für eine Band zusammenzustellen. Spaß machte das erstaunlicherweise trotzdem, was auch mit der Art zu tun hat, wie sich Mario durch die Welt bewegen kann. So fungiert beispielsweise jedes einzelne Autodach als Trampolin, das Mario in schwindelerregende Höhen katapultieren kann.

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Diese Wüste ist alles andere als leer - sie wirkt eher wie ein mexikanischer Vergnügungspark.

Die wichtigste Neuerung aber bleibt Marios Mütze, die ihr verwenden könnt, um euch in jede beliebige Figur in der Spielwelt hineinzuversetzen. In der ebenfalls spielbaren Wüstenwelt konnte ich sie darüber hinaus aber auch verwenden, um Goombas aus der Spielwelt zu blasen, an anderen Stellen wirft sie Mario sich selbst vor die Füße und verwendet sie als Sand-Surfrett. Kurzum: Die Mütze ist das neue Multifunktionswerkzeug von Super Mario Odyssey. Ein bisschen erinnert sie in dieser Hinsicht an das Cape aus Mario World, mit dem ihr nicht nur Gegner erledigen, sondern auch fliegen und euren Fall abbremsen konntet. Nur: Die Möglichkeiten gehen jetzt noch viel weiter. Verwandelt ihr euch in einen Bullett Bill, könnt ihr Bereiche freilegen, die für Mario sonst unzugänglich wären, in der Stadt wiederum könnt ihr in die Haut der menschlichen Einwohner schlüpfen und deren Alltagstätigkeiten nachspielen, beispielsweise mit einem ferngesteuerten Auto durch die Gegend fahren. Wie kaum ein anderes Mario-Spiel lädt Super Mario Odyssey so zur Erkundung ein.

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Warme Gefühle für Fans des NES: Via Röhre wird 3D-Mario zu 2D-Mario.

Spontan verliebt habe ich mich außerdem in die Retro-Momente, die das Spiel bot. Schlüpft ihr in eine Pixelröhre, die in der Wand endet, werdet ihr als 2D-Figur direkt in der Wand abgebildet, vergleichbar vielleicht mit Link im 3DS-Zelda A Link Between Worlds. In dieser Wand haltet ihr euch dann genau so lange auf, bis ihr von dort aus wieder eine Röhre in die dreidimensionale Welt betretet. Inwieweit es bei Super Mario Odyssey auch wieder eine Oberwelt geben wird und welche Bedeutung die haben könnte, lässt Nintendo aktuell relativ wortlos offen - jetzt schon zeigt sich aber, dass Super Mario Odyssey nichts anderes ist, als der bislang sehr vielversprechende Versuch, den Plattformer als Semi-Open-World-Spiel zu etablieren. Auf Nachfrage ließ Nintendo verlauten, dass Super Mario Sunshine im Vergleich zu Odyssey sogar noch in relativ engen Grenzen ablief. Neue Kostüme gibt's natürlich außerdem, Prinzessin Peach wurde auch wieder entführt und Bowser ist freilich ebenfalls mit von der Partie. Odyssey steckt gewohntes Material in ein ganz neues Mario-Outfit und will so für eines der abwechslungsreichsten Mario-Spiele bisher sorgen.

Soll heißen: Wenn ihr Super Mario Odyssey spielt, gleicht nach mehrfachem Durchgang immer noch kein Moment dem letzten, ihr entdeckt immer wieder Neues und kleine Details. Schon in den zwei auf der Gamescom spielbaren Leveln wirkte die Spielwelt Nintendo-typisch liebevoll bis in jeden Winkel ausgestaltet. Ich glaube deshalb: Mit Super Mario Odyssey erwartet uns der nächste wirklich große Switch-Hit nach Breath of the Wild. Wer sich darauf nicht freut, hat einfach kein Herz.

Entwickler/Publisher: Nintendo/Nintendo - Erscheint für: Switch - Erscheint: 27. Oktober 2017 -

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.