Call of Duty WW2: Zurück zu den Wurzeln fühlt sich gut an

Eindrücke aus der Private Beta.

Im Februar dieses Jahres versprach Activion für Call of Duty eine Rückkehr zu den Wurzeln. Damals gab es durchaus mehrere Möglichkeiten, das zu interpretieren, aber nach der Ankündigung von Call of Duty: WW2 war dann klar, dass man damit tatsächlich das Szenario meint. Da wären wir nun also, Call of Duty kehrt zu seinem Ursprung zurück: dem Zweiten Weltkrieg, mit dem 2003 die Reihe begann und sie bis heute zu einer der erfolgreichsten Spieleserien gemacht hat.

Es ist eine mit Spannung erwartete Rückkehr, denn bereits Battlefield 1 konnte mit seiner Rückbesinnung auf die Vergangenheit - selbst wenn es "nur" der Erste Weltkrieg ist - große Erfolge feiern. Vor allem nach den gemischten Reaktionen auf das letztjährige Infinite Warfare, das eigentlich gar nicht mal schlecht war, dürften die Entwickler von Sledgehammer Games sicherlich ein bisschen mehr Druck verspüren.

Nachdem in den letzten Jahren vermehrt die moderne und futuristische Kriegsführung im Vordergrund stand, müsst ihr diesmal also wieder auf all die technischen Spielereien, Gadgets, Exoskelette, Raumschiffe und anderes High-Tech-Zeug verzichten. Ein willkommener Schritt, wie ich finde, denn weniger ist eben manchmal doch mehr. Was aber nicht heißen soll, dass Call of Duty mit dem neuesten WW2-Ableger viel von seiner Geschwindigkeit verliert, was die jüngst durchgeführte Private Beta beweist.

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Von hinten an den Gegner anschleichen? So viel Glück habt ihr garantiert nicht immer.

Nun, ganz so rasant und mitunter unübersichtlich wie in den jüngsten Vorgängern ist es dann nicht, denn im Zweiten Weltkrieg gab es keine Exoskelette, keine Jetpacks, Soldaten liefen nicht an Wänden entlang und alles war einfach etwas mehr geerdet. Zu unvorsichtig solltet ihr dennoch nicht agieren, denn lauft ihr einem Scharfschützen oder jemandem an einem Maschinengewehr vors Fadenkreuz, liegt ihr blitzschnell sterbend am Boden. Eure Reaktionen müssen schnell sein, wenn auch nicht ganz so geschwind wie in Infinite Warfare und Co., bei denen Einsteiger oftmals keine Chance mehr hatten. Anders gesagt: WW2 ist ein wenig langsamer als die CODs der letzten Jahre, aber noch deutlich schneller als zum Beispiel Battlefield 1.

Der Wegfall des ganzen technischen Schnickschnacks bedeutet gleichermaßen, dass die Action auf dem Schlachtfeld gleichmäßiger ist, sich weitestgehend auf eine Ebene beschränkt und dadurch traditionellere Vibes versprüht. Niemand kommt von oben angesprungen oder beschießt euch aus der Luft, die Vertikalität der Level ist hier kein großer Faktor. Das höchste der Gefühle war während der Beta, dass euch jemand von einem Panzer oder aus dem zweiten Stock eines Gebäudes beschießt. Für manche mag das weniger aufregend sein, für mich macht es das nur interessanter, weil es dann wirklich von Angesicht zu Angesicht zur Sache geht.

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In den engen Gräben eignen sich Schrotflinten ganz vorzüglich zum Durchlöchern der Gegner.

Was die Spielmodi betrifft, sind bekannte Varianten wie Team Deathmatch mit dabei, ebenso erobert ihr Stellungen oder sammelt Punkte, um den Sieg zu erringen. Neu ist der dynamische Krieg-Modus, der an die Operationen in Battlefield 1 erinnert. Der größte Unterschied zwischen beiden ist, dass ihr für Krieg deutlich weniger Zeit benötigt. Die Matches gehen schnell vorüber und währenddessen müsst ihr Ziele erfüllen oder eure Gegner davon abhalten. Ihr baut zum Beispiel Brücken, erobert Hauptquartiere, sprengt Munitionsvorräte oder Flakstellungen in die Luft. Sind die Angreifer erfolgreich, verlagert sich die Frontlinie nach hinten und das nächste Ziel rückt in Sichtweite. Ein spannender, kurzweiliger Modus.

Dabei schafft es das Spiel weiterhin, für ein wunderbares Waffengefühl zu sorgen. Alles flutscht reibungslos über den Bildschirm, die Waffen wirken greifbar und das Trefferfeedback kommt gut rüber. An Ausrüstung ist alles mit dabei, was ihr euch so vorstellen könnt, von Pistolen über Schrotflinten und Gewehre bis hin zu Scharfschützengewehren, Flammenwerfern und Panzerfäusten. Davon gibt es wiederum diverse verschiedene Varianten, die euch aber nicht alle von Anfang an zur Verfügung stehen.

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Im Krieg-Modus müsst ihr als Angreifer Ziele erfüllen und so die Frontlinie nach hinten verschieben.

Zu Beginn müsst ihr euch für eine Division entscheiden, was im Grunde ein Klassensystem darstellt. Die Unterschiede sind im Endeffekt allerdings nicht riesig. Abwechslung wird vornehmlich durch unterschiedliche Skills geboten, auf die die einzelnen Divisionen zurückgreifen können. Und das hilft dann wiederum bei verschiedenen Spielstilen weiter, denn die Mountaineers haben etwa die Möglichkeit, beim Zielen mit dem Scharfschützengewehr die Luft anzuhalten, als Mitglied der Airborne-Division dürft ihr einen Schalldämpfer benutzen, durch den ihr nicht auf dem gegnerischen Radar auftaucht. Besonders effektiv im Nahkampf sind die Expeditionaries mit ihren schweren Schrotflinten und einer begrenzten Zahl an Brandmunition. Denen lauft ihr besser nicht direkt vor die Flinte, sonst wird es zu heiß.

Jedenfalls sammelt ihr durch Abschüsse, erfolgreiche Matches, Killstreaks und dergleichen während der Partien Punkte, durch die ihr schlussendlich nach und nach im Rang aufsteigt. Und dadurch eröffnen sich euch wiederum weitere Möglichkeiten bei der Ausstattung eures Soldaten. Bestimmte Waffen und andere Dinge lassen sich erst mit bestimmten Rängen freischalten, aber das kennt ihr ja schon aus anderen Shootern. Vieles davon war in der Beta allerdings noch nicht verfügbar, seien es nun Waffen, Perks, Upgrades oder Killstreak-Boni. Auf jeden Fall will euch Sledgehammer einiges bieten, um euch bei der Stange zu halten, dahingehend war die Beta nur ein kleiner Vorgeschmack.

Technisch gesehen gibt es in der Beta wenig zu meckern. Das Spiel lief auf der PlayStation 4 flüssig über die Bildschirme, der Sound dröhnt ordentlich und wuchtig aus den Boxen und die gezeigten Maps boten ausreichend visuelle und spielerische Abwechslung. Gekämpft wurde rund um vom Krieg gezeichnete Bunker und Schützengräben, in den verschneiten Ardennen und im eher sonnigen Gibraltar, wo aber keine Zeit bleibt, die Aussicht zu genießen. Alles in allem erwarten euch keine riesigen Schlachtfelder à la Battlefield, Call of Duty bleibt selbst hier seinen Wurzeln treu und setzt auf kompaktere Level mit wenig Leerlauf. Ein wenig Feinschliff benötigen vielleicht noch manche Spawnpunkte in bestimmten Modi, bei denen ich für meinen Geschmack etwas zu nah am Feind wiederauftauchte. Aber hey, es ist ja eine Beta und am Balancing dürfte sich bis zum Release sicherlich noch einiges ändern.

Auf die Singleplayer-Kampagne lässt die Beta unterdessen keinerlei Rückschlüsse zu. Die Hoffnung, dass wir von allzu sehr Pathos verschont werden, stirbt zwar zuletzt, aber warten wir einfach mal ab, was Sledgehammer diesbezüglich aus dem Hut zaubert. Bis dahin macht Call of Duty: WW2 in der Private Beta bereits einen sehr guten Eindruck und wirkt durch den Szenariowechsel ein wenig entschleunigt, ist aber nach wie vor ein schneller Shooter, da solltet ihr euch nichts vormachen. Bis auf Weiteres würde ich sagen, dass sich die Rückkehr zu den Wurzeln nach einer guten Entscheidung anfühlt. Nicht, dass ich Infinite Warfare schlecht fand - ganz im Gegenteil -, aber ich habe mal wieder Lust auf einen guten WW2-Shooter. Und hier könnte Call of Duty definitiv liefern.

Entwickler/Publisher: Sledgehammer Games / Activision - Erscheint für: Xbox One, PS4, PC - Geplante Veröffentlichung: 3. November - Angespielt auf Plattform: PlayStation 4

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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