Sparc - Test

Lasst mal 'n paar Bälle werfen, Sportsfreunde!  

Ei, was macht das Spaß. Gerade habe ich meinem Gegner einen glühenden Ball mitten ins Gesicht geworfen, nur damit der dann im Anschluss voller Wut einen von den Wänden unkontrollierbar abprallenden Wurf in meinen Bauch landete. Im Anschluss haben wir uns gegenseitig dazu gratuliert - dann in Sparc sind wir alle faire Sportsleute. Ich glaube wirklich, ich habe noch nie einen derart disziplinierten Voice Chat in einem Spiel erlebt. „Good one", „Nice", „Ouuhh" sowie vielleicht ab und an mal ein dezentes „Fuck" oder „Shit", das sich dann aber nur auf das eigene Versagen bezieht, waren fast die einzigen Worte, die ich im Online-Multiplayer gehört habe. Kein einziges Mal hat jemand meine Mutter beleidigt oder mir schreiend einen blutigen Foltertod gewünscht. Das ist wirklich sehr erholsam.

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Ob dieser Ball wohl sein Ziel treffen wird?

Aber der Reihe nach: Sparc ist ein PlayStation-VR-exklusiver Titel, den seine Entwickler in das mir bislang unbekannte Genre des vSport einordnen. Ich verstehe ein bisschen warum, denn bei Sparc handelt es sich in der Tat um ein Sportspiel - allerdings weder um eines, bei dem ihr via Controller Fußballspieler übers Feld treibt und auch nicht um eines, bei dem ihr auf einem Plastikbrett lustige Yoga-Übungen vor dem Fernseher macht - nein, ihr seid tatsächlich die Figur im Spiel und ihr macht, was sie macht. Möglich wird das durch die Move-Controller. Die sind bei diesem Spiel zwingend notwendig, denn Sparc ist eine ziemlich kreative Mischung aus Squash und Völkerball. Ihr steht jeweils genau einem Gegner gegenüber und versucht, diesen mit eurem Ball zu treffen. Gelingt euch das, bekommt ihr einen Punkt, wer nach drei Minuten die meisten Punkte hat gewinnt.

Weil das allein ein wenig arg simpel wäre, haben sich die Entwickler weitere Regeln ausgedacht. Euren Ball könnt ihr nämlich auch als Schild nutzen und zwar genau einmal, solange ihr innerhalb eurer recht knapp bemessenen Zone steht. Mit diesem Schild könnt ihr wiederum den gegnerischen Ball reflektieren - spätestens, wenn das passiert ist, müsst ihr euren Ball aber selbst werfen, um ihn erneut als Schild nutzen zu können. Die Frage, wer zuerst wirft, fühlt sich vor allem in Online-Matches daher recht oft an wie ein Duell im Wilden Westen. Da steht man sich also gegenüber, bewegt das Schild auf und ab - und wenn es die Grafik hergeben würde, würden beide Kontrahenten vermutlich auch noch ihre Augen zusammenkneifen und der Schweiß würde von ihren virtuellen Nasen heruntertropfen. Wenn es jedoch mal losgeht, entwickelt sich sehr, sehr schnell eine eigene Dynamik. Wer kann, wirft den Ball immer dann, wenn der Gegner gerade damit beschäftigt ist, seinen eigenen wieder zu fangen, denn dann ist die Chance, dass er gerade abgelenkt ist, am höchsten.

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So sieht ein Spiel etwa aus, wenn ihr es beobachtet - wartend auf euren eigenen Einsatz.

Wie viele Sportarten in der Realität, ist auch Sparc in der virtuellen Realität nicht ganz einfach zu lernen. Die Entwickler haben daher mehrere Schwierigkeitsmodi eingebaut. Auf dem leichtesten habt ihr an euren Händen kleine Schilde, die es euch erlauben, Bälle auch ohne den Ball-Schild abzuwehren - das erlaubt vor allem in den ersten Matches eine etwas offensivere Taktik. Im normalen Modus fällt eben dieses Schild weg und im schwierigsten Modus wird das ganze Spielfeld um 45 Grad gedreht - das macht es letzten Endes vor allem schwieriger, den Abprallwinkel des Balles von den Wänden einzuschätzen, was wohl daran liegt, dass wir uns als Menschen recht selten innerhalb dreidimensionaler Rauten bewegen.

Wer das Spiel lernen will, ohne unzählige Male gegen menschliche Spieler zu scheitern, kann das übrigens ganz gut, denn es gibt viele verschiedene Einzelspieler-Herausforderungen. Dort könnt ihr beispielsweise üben, wie ihr einen Ball am besten abprallen lasst um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das komplette Spielgeschehen haben die Entwickler mit einem zwar sterilen, aber doch sehr ansehnlichen Tron-Look überzogen, der dem Spiel sehr gut zu Gesicht steht. Alles leuchtet irgendwie, ist durchsichtig oder am Ende doch nur ein Hologramm. Da muss man vielleicht drauf stehen - aber zumindest ich empfand diese Optik als sehr zum Spiel passend.

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Euer Schild kann dem Gegner richtig Ärger machen ...

Nun ist Sparc vor allem ein Online-Spiel und gerade da hapert es leider so ein bisschen - vor allem für alle, die einfach mal ein paar schnelle Bälle werfen wollen. Denn wenn ihr in den Online-Modus wechselt, werdet ihr immer zunächst einem bereits laufenden Spiel zugeteilt. Ihr müsst diesem dann zusehen und könnt erst nach dessen Ende selbst spielen. Zwar ist es zu Beginn recht amüsant, den anderen Spielern zuzukucken und das Match dauert meist auch nicht länger als drei Minuten - es sei denn, es geht in die Verlängerung. Aber warum lässt sich das nicht zumindest optional abschalten? Mir ist schon klar, dass die Entwickler hier in VR das Warten am Rande eines Tennisplatzes simulieren wollten, aber wirklich: Keine Tätigkeit hätte ich mir so wenig als VR-Simulation gewünscht wie "Warten". Natürlich bekräftigen die Macher hier aber ihren Anspruch: Das hier ist ein vSport und beim Sport wartest du bis der Platz frei wird - egal, ob das bei unendlich vielen denkbaren Plätzen im virtuellen Raum nun nötig ist oder nicht. Immerhin könnt ihr während der Wartezeit dem laufenden Spiel aus einer ganz angenehmen Seitenansicht zusehen. Doof nur: Manchmal gibt es einfach keine Matches. Ob das technische Ursachen hat oder ob es online tatsächlich einfach nur sehr wenige Sparc-Spieler gibt, ließ sich leider nicht abschließend klären. Allerdings hat sich spätestens nach zwei bis drei Versuchen eigentlich immer auch ein Kontrahent gefunden.

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... unterschätzt es daher nicht.

Letzten Endes macht Sparc einfach absolut hervorragend, was es machen will. Es ist ein Sportspiel mit einem zentralen Spielmodus und ein paar Singleplayer-Dreingaben. Es erklärt euch, was es ist, aber dann will es, dass ihr online mit anderen spielt und eure Spielweise perfektioniert. Nicht, indem ihr irgendwelche Skillpunkte verteilt, sondern indem ihr einfach besser werdet. Taktisch - indem ihr lernt, wann es sich lohnt, den Ball zu werfen und wann ihr besser das Schild verwenden solltet. Aber auch körperlich - indem ihr instinktiv schneller ausweicht als euer Gegner und die Bälle präziser über das Spielfeld pfeffert. Lasst ihr auch auf diese Erfahrung ein, ist Sparc ein Sport für euch. Sorry: ein vSport.

[Empfehlung]

Entwickler/Publisher: CCP Games/CCP Games - Erscheint für: PS4 - Preis: 29,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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