Super Mario Odyssey - Ein Nintendo-Meilenstein.

Noch keine Switch? Jetzt wird es aber langsam Zeit.  

Gut zwei Stunden habe ich bei einem aktuellen Anspieltermin mit Super Mario Odyssey verbracht, bin im Schlemmerland auf wackeligen Plattformen über einen brodelnden Zuckersee geturnt, habe einen riesigen Oktopus im Küstenland herausgefordert und endlich auch erfahren, wer denn der hilfreiche Geist ist, der aus Marios ikonische Mütze eine echte Wunderwaffe gemacht hat. Die Geschichte beginnt als Dauerkidnapper Bowser Prinzessin Peach entführt - natürlich - und mit einem Luft-Piratenschiff entschwebt, um die Holde diesmal gleich zu ehelichen.

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Wenn ihr euch in einen Frosch verwandelt, kommt ihr ganz leicht da hoch.

Allerdings hat es der Fiesling übertrieben und auch noch die Angebetete eines Zylindergeistes mit eingepackt. Dieser bittet Mario um Hilfe und beseelt als Unterstützung dessen Mütze, die damit zum echten Multitalent wird. Mit Wirbelattacken werden Gegner umgenietet, ein gezielter Wurf lässt das Kleidungsstück als Trittbrett zur Überwindung von Abgründen kurzzeitig in der Luft schweben und die meisten Monster lassen sich durch einen Kappenwurf "capern". Das bedeutet, Mario nimmt nach einem Mützentreffer Besitz von einem Goomba, Frosch, T-Rex, Tintenfisch und was sich sonst noch so an Kreaturen in der offenen Welt tummelt und kann alle Fähigkeiten und Fortbewegungsmöglichkeiten des Übernommenen nutzen.

Mein erster Stopp führt mich in das Küstenland, in dem die Einwohner einen mächtigen Oktopus loswerden wollen, der ihnen das kostbare Edelwasser wegtrinkt. Die Hauptmission ist es, den Unhold zum Zweikampf aus seinem Unterschlupf mitten auf dem Meer zu locken und dann zu besiegen. Das lässt sich auch recht einfach bewerkstelligen, denn die Standorte von Katapulten, mit denen ich eine Art überdimensionalen Korken auf das Ungetüm abschießen soll, sind auf der neuen Übersichtkarte markiert. Nur, wie ich denn dahin komme, auf die einsame Insel mitten im Wasser oder auf den hohen Berg, das muss ich dann schon alleine herausfinden.

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Mit der Hasenbande der Broodals bekommt ihr es als Levelbosse zu tun. Die Hochzeitsplaner von Bowser haben was dagegen, dass ihr die Trauung stören wollt.

Und genau da spielt Super Mario Odyssey seinen ganzen Reiz aus: Es gibt schlichtweg unglaublich viel zu entdecken und an jeder Ecke wartet ein neues Rätsel auf mich. Da ist es fast schon ein Sakrileg, einfach nur den direkten Weg zu suchen, um die Hauptaufgabe zu erledigen. Ich tauche in Röhren ab, um mich in einem klassischen Super Mario Bros. 2D-Level wiederzufinden oder ich lande in einem Raum, in dem ich per Vibration der Joy-Cons einen Schatz finden soll. Habe ich auch, aber erst hat mich das Spiel schon drangekriegt als ich beim ersten Ausschlag statt Münzen eine Horde Goombas ausgegraben habe. Ich spiele auch mal eine Runde Super Mario Sunshine, in dem ich mit einem gecaperten Tintenfisch einen Felsen mit Wasserspucken von Lava befreie, damit ich danach gemütlich zum Ziel spazieren kann. Die Rätseldichte ist enorm.

Und dazu kommen dann noch die zahllosen Nebentätigkeiten, mit denen ich mir die Zeit vertreiben kann. Da schwimmt eine putzige Variante von Nessie, dem Ungeheuer von Loch Ness, im Meer. Schwinge ich mich auf seinen Rücken, kann ich beim örtlichen Ladenbesitzer, der - warum auch immer - gerade hier sein Geschäft hat, einkaufen. Ich kann mich mit ortsüblicher Kleidung, zum Beispiel einem grässlich bunten Hawaiihemd ausstatten oder mir normale oder extragroße Power-Herzen kaufen. Die XXL-Variante erhöht dabei mein Maximalleben auf sechs Herzen, anstatt drei. Die doppelte Dosis wird allerdings nach einem Verlust nicht mehr automatisch aufgefrischt. Gezahlt wird nicht mit Standard-Goldmünzen, sondern einer örtlichen Währung, im Fall des Küstenlandes sind es Muscheln, die auch nur in dem Level Gültigkeit haben. Komplettisten, die einfach alle möglichen Accessoires haben wollen und Mario mit Tropenhelm oder anderen Kleidungsstücken ausstatten wollen, können später immer wieder an die Orte zurückkehren und dann noch die letzte Ecke erkunden.

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Mitten im Meer thront der Boss vom Küstenland und trink den armen Schnecken einfach das Edelwasser weg.

Oder man geht daran alle versteckten Halbmonde zu finden. Eine bestimmte Anzahl benötige ich, um mit meinem Luftschiff in ein weiteres Land aufbrechen zu können. Zu finden sind aber, so sagte mir ein Mitarbeiter vor Ort, Dutzende in jedem Level. Das Äquivalent zu den Super Mario 64-Sternen ist oft richtig gut versteckt oder wird erst nach dem Erfüllen einer Aufgabe verliehen. Ich habe in der kurzen Zeit gut 15 Halbmonde eingesammelt und das sollte nicht mal ein Drittel der möglichen Funde sein. Na dann, ich wollte mir eh mal Ende Oktober Urlaub nehmen. Ähnlich umfangreich ging es auch bei meinem zweiten Ausflug zu. In dem bonbonbunten Schlemmerland soll ich es mit einem der Broodals aufnehmen. Dabei handelt es sich um eine Hasen-Viererbande, die als Hochzeitsplaner eingesetzt sind und alles daransetzen, dass ich die Vermählung bloß nicht störe. Ein reines "Hüpf ordentlich oder fall in die Lava-Level", mit reichlich Schikanen wie plötzlich wegklappenden Plattformen oder Rollen, die durch Laufen in Bewegung gesetzt werden. Was habe ich geflucht, wenn ich wieder mal runtergefallen bin.

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Wenn ihr im Küstenland einen Tintenfisch capert, könnt ihr hoch in die Luft springen und einen mächtigen Wasserangriff ausführen.

Es braucht so seine Eingewöhnungszeit, aber dann lässt sich Super Mario Odyssey ganz intuitiv und effektiv mit den beiden Joy-Con Controllern spielen. Ich habe meine Allzweckmütze schon nach ein paar Minuten nicht mehr mit der X- oder Y-Taste abgefeuert, sondern nur noch mit einem eleganten Handgelenkschüttler meine Würfe ausgeführt. Die Bewegungssteuerung fühlt sich einfach richtig an und funktioniert einwandfrei. Was ich auch erfahren habe: die kommende Mario-Odyssee ist kein Kinderspiel. Ganz im Gegenteil, die Hüpfeinlagen im angespielten Schlemmerland, bei dem die geringste Fehleinschätzung den sicheren Tod bedeutet, kann schon mal die persönliche Frusttoleranzschwelle testen. Was ein Glück, dass ich die Schlaufen der Joy-Cons vorschriftsmäßig um meine Handgelenke gelegt habe. Wäre schon Schade um den schnieken, wenn auch sicher nicht an seine Grenzen getriebenen 4K-TV im Anspielraum gewesen.

Aber auch an notorische Grobmotoriker hat Nintendo gedacht und allzu knifflige Passagen entschärft, in dem es meist eine zweite Option zur Überwindung von Hindernissen gibt. Schaffe ich es partout nicht über versinkende, drehende oder stachelige Plattformen meinen Weg zum nächsten Ziel zu finden, schaue ich mir die Monster in der Nähe an. Und siehe da, mit einem hitzebeständigen Ungeheuerchen geht es doch ganz locker über die glühend heißen Wege zum nächsten Abschnitt. Also wird fleißig gecapert und das Hüpfproblem umgangen.

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Ein bisschen Nostalgie: Immer wieder findet ihr klassische 2D-Level, wenn ihr in eine Röhre steigt.

Überhaupt ist das Capern keineswegs nur ein witziges Gimmick, in dem ich eben einfach mal in die Haut eines Goomba oder Kugelwilli schlüpfen darf, sondern unverzichtbar für den Erfolg. Ein Beispiel: Der Endgegner von Küstenland ist besagter haushoher Oktopus, der mir mit Wasserangriffen ein Leben nach dem anderen raubt. Die Schwachstelle befindet sich auf dem Kopf, an den ich aber als Mario nicht rankomme. Also capere ich einen der kleineren Kraken, der sich hoch in die Luft katapultieren und mit Wasserfontänen um sich ballern kann. Wenn wir schon dabei sind, noch ein Beispiel: Um einen Zielpunkt zu erreichen, soll ich eine lange Strecke unter Wasser tauchen, ohne die Möglichkeit an der Oberfläche Luft tanken zu können. Netterweise sagt mir das ein Bildschirmtext auch, bevor ich mich ins Nass stürze. Jetzt kann ich entweder versuchen hektisch die große Entfernung hinter mich zu bringen und dabei immer panisch nach Luftblasen in der Gegend schauen, die einen Teil meines Sauerstoffvorrats auffüllen oder ich überlege einen Augenblick und nehme den bequemen Weg: Ich capere einfach einen Fisch und schwimme unbehelligt ans Ziel. Geht doch.

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Ist das nicht ein treuer Begleiter aus Nintendogs? Auch nach stundenlangem Absuchen der Welten, finden sich immer wieder Überraschungen.

Wie ich bereits in meiner ersten Vorschau geschrieben habe, bin ich von der Ideenfülle und Spielbarkeit begeistert und sehe, nach mittlerweile vier grundverschiedenen Welten, in Super Mario Odyssey einen echten Nintendo-Meilenstein für die Switch. Ein Spiel, dass ich mit der gleichen Freude spielen werde, wie seinerzeit Super Mario 64, von dem SMO nicht nur die Perspektive übernommen hat, sondern auch die schiere Freude am Detail und den Einfallsreichtum. Es gibt in Super Mario Odyssey sogar Gemälde zu finden, in die ich mich begeben kann, um eine neue Herausforderung zu meistern und noch schnell einen Miniboss zu erlegen. Allerdings habe ich bislang noch nicht den angekündigten Koop-Modus spielen können, bei dem Mario und Mütze separat gesteuert werden. Da bin ich dann noch gespannt, wie sich die Arbeitsteilung spielerisch gestaltet.

Entwickler/Publisher: Nintendo - Erscheint für: Nintendo Switch - Geplante Veröffentlichung: 27. Oktober 2017 - Angespielt auf Plattform: Nintendo Switch

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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