Pokémon Tekken DX - Test

Vermöbel' sie alle!

Prügelspiele müssen nicht hart, muskulös und maskulin daherkommen - sie können auch knallbunt und ziemlich niedlich sein, was zuletzt Bandai Namco mit Pokémon Tekken auf der Wii U bewies. Das Spiel vereinte relativ erfolgreich die beiden Marken zu einem niedlichen Pikachu-Prügler. Als Pokémon Tekken DX wurde das Spiel nun erweitert und auch für die Switch umgesetzt. Und auch hier weiß das Spiel zu überzeugen - durch den innovativen Wechsel zwischen 2D- und 3D-Kampfphasen einerseits, aber auch durch einen motivierenden Liga-Modus, schön inszenierte Spezial-Attacken und einen riesigen Haufen freischaltbarer Kleidungsstücke für euren Avatar.

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Mein Glurak gibt dem Gegner Saures.

Wer das Wii-U-Original nicht kennt, mag vielleicht denken, dass es sich bei Pokémon Tekken DX - oder Pokkén Tournament DX, wie das Spiel in Japan heißt - um eine abgespeckte Version von Tekken mit Pokémon-Skin handelt. Aber weit gefehlt: Das Spiel hat seine ganz eigene Daseinsberechtigung, versprüht seinen eigenen Charme und spielt sich auch deutlich anders als jedes Tekken. Das klappt beispielsweise aufgrund der verschiedenen Kampfphasen: Das Spiel findet sowohl im dreidimensionalen als auch im zweidimensionalen Raum statt.

Jedes Match startet erst mal in 3D - verwendet ihr aber einen speziellen Phasen-Angriff, wechselt das Geschehen in die 2D-Seitenansicht. Hier spielt sich das Spiel deutlich anders und noch am ehesten wie klassisches Tekken. In diesem Modus macht ihr außerdem mehr Schaden, weshalb ihr Pokkén am liebsten stets nur in dieser Variante spielen wollt. Ist allerdings genug Schaden verursacht, wechselt das Spiel automatisch wieder zurück in die 3D-Ansicht. Das klingt nun alles zunächst ein bisschen arg umständlich und technisch, spielt sich in der Praxis aber ganz wunderbar - denn der Wechsel zwischen 2D- und 3D-Modus geht flüssig von der Hand, das Spiel wird dabei nicht unterbrochen.

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Darf in keinem Pokémon-Spiel fehlen: Pikachu!

Zur Verfügung stehen euch im Grunde drei Basis-Angriffe - ein schwacher, ein starker und eine spezielle Pokémon-Attacke, die sich von Monster zu Monster unterscheidet. Je nach Kombination könnt ihr dabei natürlich Spezialattacken und Kombos auslösen. Spielt ihr mit Joy-Cons, könnt ihr über eine etwas ungelenk auszuführende seitliche Neigung des Controllers blocken, bei der Verwendung des Pro-Controllers oder wenn ihr beide Joy-Cons verwendet, wird das aber glücklicherweise von der R-Taste übernommen. Das Kampfsystem funktioniert dabei im Grundsatz nach einem simplen Schere-Stein-Papier-Prinzip: Standardangriffe wirken am besten gegen Griffe, Konter gegen Standardangriffe und Griffe gegen Konter. Das macht Pokémon Tekken DX zu einem Prügelspiel, das eines der schönsten Erfolgsrezepte der Videospielentwicklung ganz wunderbar umsetzt: Es ist leicht zu lernen, aber nur schwer zu meistern.

Über 800 verschiedene Pokémon gibt es inzwischen. Davon haben es allerdings leider nur 21 ins Spiel geschafft, die euch dafür aber zumindest von Beginn an zur Verfügung stehen. Zudem sind das immerhin fünf mehr als in der Wii-U-Fassung. Die Taschenmonster kommen aus verschiedenen Generationen - Glurak und Pikachu dürft ihr also genauso steuern wie Silvarro, Impoleon und Glibunkel. Zusätzliche Pokémon sind zwar nicht direkt spielbar, ihr dürft sie aber vor jedem Kampf als Helfer wählen und zwar immer paarweise. Diese Helfer-Pokémon sind in regelmäßigen zeitlichen Abständen einsetzbar, ihre Fähigkeiten unterscheiden sich jeweils: Sie können eure Gegner entweder direkt angreifen, ihnen Fallen stellen oder euch heilen. Die DX-Version führt im Multiplayer-Modus zudem Team-Matches ein, bei denen sowohl ihr als auch euer Gegner je drei Pokémon auswählt und sie nacheinander ausschalten müsst.

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Vor jeder Kampfrunde wählt ihr zwei Helfer-Pokémon.

Wo wir schon beim Multiplayer-Modus sind: Der ist mit Abstand das Beste an Pokkén, perfekt für jede Party und unglaublich unterhaltsam. Der Online-Modus funktioniert reibungslos und lässt euch prinzipiell ohne große Wartezeiten einen Kampf nach dem anderen absolvieren, natürlich könnt ihr das Spiel aber auch zu zweit auf der Couch genießen - wahlweise im Split-Screen-Modus oder auf einem großen Bildschirm. Obwohl das Spiel gemeinsam mit anderen immer mehr Spaß gemacht hat als allein: Auch der Singleplayer-Modus ist an sich nicht schlecht. In unzähligen Kämpfen arbeitet ihr euch in verschiedenen Ligen nach oben, wobei euer Pokémon dabei hochlevelt. Bei jedem Stufenaufstieg dürft ihr Fähigkeitspunkte verteilen, um so am Ende das Glurak oder Pikachu eurer Wahl zur Verfügung zu haben. Ganz nebenbei schaltet ihr für euren Pokémon-Trainer dabei neue Klamotten oder Accessoires frei.

Nur an der Präsentation hat sich im Vergleich zur Wii-U-Version leider nicht viel geändert. Das Spiel kommt zwar mit tollen Effekten daher, insbesondere wenn ihr eine Spezial-Attacke auslöst, die Texturen wirken aber doch recht matschig und insgesamt hätten sowohl die Arenen als auch die Pokémon deutlich mehr Details vertragen können. Angenehmer Nebeneffekt dessen ist aber, dass sich Pokémon Tekken DX auch im Handheld-Modus der Switch ganz wunderbar spielt. Ich habe es sogar ganz gern gespielt, während auf dem Fernseher nebenbei irgendwas anderes lief, einfach so als nette Abschalthilfe fürs Gehirn. Allerdings klingen auch die Sound-Effekte wie aus der Retorte - hier hätte dem Spiel ein bisschen mehr Inbrunst gut zu Gesicht gestanden, insbesondere was das Trefferfeedback angeht. Ein synthetisches Klatsch-Geräusch fühlt sich eben irgendwie nicht wirklich so an, als hätte ich gerade einen Haufen Schaden verursacht.

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Pokkén funktioniert auch im Split-Screen- Modus wunderbar.

Und eine Story? Naja, die gibt es auch - sie greift das typische Pokémon-Thema auf. Ihr seid ein junger Trainer und versucht, euch ganz nach oben zu kämpfen. Zwischendurch taucht jedoch ein bösartiges, schwarzes Mewtu auf und ihr versucht, herauszufinden, was es damit auf sich hat. Kurz gesagt, es ist okay, dass die Story da ist, aber wenn sie nicht dagewesen wäre, hätte ich vermutlich auch nichts vermisst. Sie hilft aber zumindest ein wenig dabei, dem Spiel das typische Pokémon-Gefühl zu geben, das auch die Handheld-Spiele auslösen. "Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir war..."

Alles in Allem hatte ich viel Spaß mit Pokémon Tekken DX. Im Gegensatz zu vielen anderen Prügelspielen habe ich nicht das Gefühl, als völliger Neuling erst mal aufgeschmissen zu sein und mich durch eine mühsame und anstrengende Einsteigerphase quälen zu müssen, bevor ich irgendwas reißen kann. Das Pokémon-Thema macht das Ganze wunderbar Party-tauglich - und obwohl die Grafik heute nicht mehr ganz zeitgemäß ist, hat mich das nach kurzer Zeit eigentlich gar nicht mehr gestört. Das Spiel lebt von seiner Mechanik und die funktioniert reibungslos, sie ist leicht zu verstehen und wird trotzdem auch später nie langweilig. Wer einen launigen Party-Prügler sucht, ein bisschen Sympathie für das Pokémon-Universum aufbringen kann und das Spiel auf der Wii U nicht sein Eigen nannte, darf hier ohne Bedenken zugreifen.

Entwickler/Publisher: Bandai Namco/Nintendo - Erscheint für: Switch - Preis: 58,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: deutsche Bildschirmtexte, englische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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