Redout PS4 (Pro) und Xbox One - Test

60 sind das Ziel.  

Was passiert, wenn man in einem Flugzeug während eines Steigflugs ganz schnell den Steuerknüppel nach vorn drückt? Einiges. Das Flugzeug senkt die Nase gen Erdboden, das - je nach Flugzeug - in der engen Kurve eines Parabelflugs. Passiert das schnell und heftig genug, kann der Pilot das Gefühl der Schwerelosigkeit für eine Sekunde aber nicht so richtig würdigen, da das Blut diese Sekunde braucht, um mit der neuen Richtung mitzuziehen. Es wird im Körper durch die negativen G-Kräfte nach oben gedrückt, auch in die Blutbahnen der Sehnerven und diese sehen dann nur noch rot, solange bis sich der Kreislauf wieder ausgleicht. Die Blickröte, so der deutsche Begriff, ist damit das Gegenteil des Blackouts, bei dem die positiven G-Kräfte das Blut aus dem Kopf "herausziehen".

Was hat das mit irgendwas zu tun? Nun, wenn man schon einen ziemlich identischen WipeOut-Klon bastelt, dann muss man sich ja wenigstens ein wenig irgendwo unterscheiden und so baute 34BigThings diese beiden Dinge in Redout ein, vor allem der namensgebende Redout ist in Spielen eher selten repräsentiert. Nicht in diesem. Wenn euer futuristischer Racer über einen Hügel schießt und mit knapp Mach 1 die Nase senkt, um in das Tal zu flitzen, färbt sich der Screen rötlich. Ihr könnt gegensteuern - oder bremsen, aber wer will das schon - und verhängnisvoll ist es nie, die Strecke macht jetzt eher selten einen 90-Grad-Knicks, der einen dann überraschen würde. Es ist ein visuelles Gimmick und ehrlich gesagt auch das, was ich an Redout am wenigsten schätze.

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Bei so einem Tempo muss es halt flüssig sein.

Was den Rest angeht - und wie Alex schon im Rahmen der PC-Version vor ziemlich genau einem Jahr feststellte - ist Redout eigentlich ein Wipeout. Ihr habt die Hightech-Zukunft, die schnellen Strecken durch futuristische Welten, die Gleiter-"Autos", den Technosoundtrack. Sogar die Steuerung mit ihren beiden "Strafing"-Tasten erinnert mehr als nur ein wenig an Sonys Reihe von Future-Renn-Legenden. All das ist für mich ein großes Plus. Ich liebe Wipeout und es kann (fast) nie genug Wipeout geben, wenn es denn gut gemacht ist. Genau das ist Redout und nun auch auf PS4 und Xbox One. Zumindest auf der Gameplay-Seite, wo sich jetzt nicht viel geändert hat.

Ihr habt eine solide Auswahl an Strecken, einen soliden Karrieremodus und all diese guten Dinge des Lebens in einer Zukunft voller Highspeed-Racing. Dies ist auf dieser Seite eine absolut valide Alternative zu Wipout, auch wenn die Musik einfach nicht so gut sein kann, wenn man einen generischen Techno-Soundtrack nimmt, statt sich aus dem Repertoire eines der größten Musik-Labels frei bedienen zu dürfen. Kann gar nicht verstehen, warum 34BigThings das nicht gemacht hat, die paar Millionen hätten doch wohl mal drin sein müssen. Aber ernsthaft, auch wenn ich den generellen, detaillierteren Look von WipeOut bevorzuge, Redout ist ein echter Konkurrent mit allem, was es braucht um auf Augenhöhe zu stehen. Zumindest war das bis jetzt auf einem PC so, der schnell genug war, um die 60+ Frames zu erreichen. Die kritische Frage ist also, schaffen es die Konsolen, dahin zu kommen. Denn Mach-1-Future-Racing ist wie Turnier-Fighting ein Genre, dass diese 60 Frames einfach haben MUSS. Zumindest für den maximalen Spielspaß.

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Der Look ist etwas minimalistischer als der eines WipeOut, aber in keiner Weise schlechter.

Was uns zu den zwei, eigentlich drei Versionen bringt. Nein, nicht Switch, die kommt erst später dieses Jahr, aber PS4 und PS4 Pro kann man hier fast als zwei Versionen zählen. Die PS4 Pro schneidet wenig überraschend am besten ab. Ihr Schachbrett-4K mit fast felsenfesten 60 Frames und einem Look, der der PC-Version mit allen Details weitestgehend entspricht. Zumindest nah genug dran, dass es beim Spielen keinen Unterschied macht. Außer natürlich, dass PS-VR nicht unterstützt wird. Warum? Schwer zu sagen. Vielleicht ist dem Entwickler die Verbreitung nicht hoch genug, dass sie den Aufwand für sich selbst rechtfertigen konnten, aber vielleicht auch, dass sie es auf einer normalen PS4 nicht schnell genug in VR zum Laufen bekamen. Die normale PS4 ist nämlich, wiederum wenig überraschend, nicht ganz so hoch aufgelöst - 1080p -, nicht ganz so detailliert - auch wenn die Unterschiede wirklich irrelevant sind - und vor allem läuft sie nicht mit 60 Frames. Die Standard-PS4 kommt bei Redout auf mal 40, mal 55 und mal 38 Frames. Trotz dieser Schwankungen ist es immer noch ein sehr solides Spielgefühl und ich konnte mich dran gewöhnen, bis es mir gar nicht weiter auffiel. Aber trotzdem, nur die drittbeste Möglichkeit, dieses schöne Spiel zu genießen.

Das Schlusslicht ist leider die Xbox One in diesem Falle. So schön es sich auch mit dem überragenden Elite-Controller lenken lässt, das bringt einem nicht so viel, wenn das Ganze mit mehr oder weniger festen 30 Frames läuft - einzelne Aussetzer in Richtung 28 inklusive -, noch dazu mit weniger Details, gerade bei entfernten Objekten und etwas niedrigerer Auflösung - 920p. Dazu kommen auch noch Frame-Time-Aussetzer, die dann sogar den eigentlich in der Theorie gleichmäßigen Fluss einer festen Framerate schlecht dastehen lassen. Es ist immer noch absolut spielbar, es macht immer noch eine Menge Spaß, es ist deswegen nicht ein schlechtes und nicht mal so viel schlechter spielbares Game. Aber in diesem Genre ist die hohe Framerate in Verbindung mit den in irrem Tempo vorbeirauschenden Objekten und der exakten Steuerung, die 60 Frames eben auch bedeuten, ein wichtiger Aspekt. Also, so schade das auch ist, weil die Auswahl an Konkurrenten hier eher klein ist - PS4ler können schließlich zu WipeOut Omega greifen - und Redout ein so gutes Spiel: Die Xbox ist aktuell die ungeeignetste Platform dafür, Was sich mit der One X natürlich dann bald ändern kann, wenn es denn einen schicken Patch für Redout gibt. Da die Entwickler ihr Spiel aber bisher brav weiter gepflegt haben, gehe ich fest davon aus.

Digital Foundry analysiert alle Versionen im Detail.

Ironie des Lebens, ausgerechnet auf der Konsolen-Plattform mit dem stärksten Konkurrenzprodukt läuft Redout am besten. Und auch wenn ich WipeOut Omega am Ende immer noch ein klein wenig mehr mag, Redout ist eine völlig valide, qualitativ hochwertige Alternative. Welches der beiden ihr zuerst spielt ist eigentlich egal, es ist so oder so gut zu wissen, dass wenn ihr auf der PS4 Pro mit einem fertig seid, das andere auf euch wartet. Auf der normalen PS4 beginnt es sich leicht zu verschieben, denn hier hat Redout deutliche Probleme auch nur in die Nähe der 60 Frames eines WipeOut zu kommen, aber es ist immer noch ein empfehlenswertes Spiel, um auf das silberne Logo oben dezent anzuspielen.

Wo es dann mit der Empfehlung endet, zumindest bis vielleicht eine One-X-Version dies ändern kann, ist die aktuelle Xbox One. 30 nicht perfekte Frames sind bei einem dermaßen auf das schnelle Visuelle setzenden Spiel ein echtes Problem und auch wenn es immer noch und ohne Frage Spaß macht, es ist die schwächste Version von Redout, bei der ihr euch auch die silberne Empfehlung wegdenken müsst. Ich gebe eine kleine mündliche, allein schon, weil es auf der Xbox nicht so viel WipeOut gibt, aber mehr auch nicht.

Also, idealerweise PC oder PS4 Pro, dann PS4, dann Xbox. Mal gucken, wo sich die Switch da im Winter einsortiert.

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Über den Autor:

Martin Woger

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