Crossout - Car Wars ist in der Zukunft angekommen.

Kennt noch einer Car Wars...? Auto Duel...? Irgendwer?

Manchmal ist Free-to-play ja auch eine weise Entscheidung. Wenn man nach wie vor für dieses Spiel einen Startpreis zahlen müsste und es wäre reguläres Early Access mit Eintrittspreisen, dann hätte ich mich wohl nicht weiter damit beschäftigt. So aber wurde es nach dem Kostet-ja-nichts-Motto geladen und... Nun, die Prämisse ist Gold wert. Es gab da mal ein kleines Spiel namens Car Wars, das unter anderem von dem nicht ganz unbekannten Spiele-Designer Steve Jackson entworfen wurde. Die Prämisse war denkbar einfach: Bau' dir ein Auto und töte mit dem Auto alle anderen Spieler in der Arena. Last Man Driving. Oder auch "Standing", wenn ihr ja nach Hausregeln beschlossen habt, dass ein Fahrer auch ohne ein Auto gewinnen kann. Das Problem war damals natürlich, dass es ein sehr abstrahiertes, komplexes und abendfressendes Brettspiel war. Okay, weniger ein Problem, das waren die meisten Spiele damals, die sich lohnten zu spielen, aber genau das mal eines Tages in einem richtig gutaussehenden Computerspiel zu tun, darauf haben wir gehofft und nicht geglaubt es in unserer Lebenszeit zu sehen. Auto Duel, ein Origin-Frühwerk war nicht schlecht, aber fast genauso abstrakt wie ein Brettspiel.

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Aber zurück zu Crossout. Dies ist genau das. Baut sehr detailliert ein waffenstarrendes, postapokalyptisches Todesauto und ballert alles in der Arena weg, was nicht zum eigenen Team gehört. Die beste Kreation und die höchste Fahrkunst holen die Trophäe. Oder für ein Weilchen derjenige, der die Brieftasche öffnet und sich den Grind spart. Das muss ich gleich vorwegschicken: Das Grundkonzept mag viele Ähnlichkeiten zu einem World of Tanks bieten, das Matchmaking ist aber leider nicht immer fair und oft steht ihr jemandem gegenüber, der das Spiel entweder schon deutlich länger spielt oder als kleiner Wal unterwegs sein muss, um euch mit einer Art Railgun dermaßen effektiv unter Feuer zu nehmen.

Oder er ist ein sehr gewiefter Händler. Die Wirtschaft von basiert zu einem guten Teil auf dem, was die Spieler basteln und dann für die In-Game-Währung an den Mann bringen wollen. Da lässt sich auch billig basteln, sammeln und dann etwas teurer verkaufen. Die Gewinnmargen auf diesem Endzeitbasar sind schmal und manche Spieler scheinen auch sehr eigene Vorstellungen davon zu haben, was sie für manches nehmen können. Es braucht ein wenig, um dafür ein gutes Gespür zu entwickeln und ich bin an dem Punkt auch noch nicht ganz angekommen, aber es ist eine valide Option, um dem Grind etwas den Biss zu nehmen und schneller selbst zu halbwegs ordentlicher Panzerung und ein paar brauchbaren Geschützen zu kommen.

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Hier kommen wir jetzt zu dem Punkt, warum ich versucht bin, mir den Loop aus endlosen Grinding-Gefechten anzutun: Das Bausystem für die Autos. Es erinnert dabei ein paar Leute - so viele dürften das nicht sein... - an Banjo & Kazooie: Nuts'n'Bolts. Ihr habt grundlegende Blaupausen für Standard-Konstruktionen oder ihr entwerft euren nicht mal zwangsläufig fahrbaren Untersatz von Grund auf. Das System aus Karosserie-Bausteinen, Motor, Rad-Sätzen, Auf- und Anbauten und natürlich Waffen ist dabei denkbar einfach zu handhaben. Alles basiert dabei auf Energie: Energie-Bausteine wie der Motor geben euch Energie, Antrieb und Waffen verbrauchen sie. Habt ihr mehr Verbraucher als ihr Energie habt, rührt sich euer Vehikel nicht. Der maximale Energiewert ist auch der Faktor, über den das Matchmaking theoretisch funktioniert.

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Es gibt endlose Massen an Teilen und man könnte hier stundenlang bauen, wenn man denn nur schon mehr Teile freigeschaltet hätte... Aber wie gesagt, das dauert und davor steht auch noch der Grind der ersten zehn Level. Diese hätten ruhig etwas kürzer ausfallen dürfen, denn erst ab diesem Punkt könnt ihr euch einer der drei Fraktionen anschließen und fangt an, bessere Belohnungen und mehr Richtung bei euren Bausteinen zu bekommen. Eine der drei baut lieber leicht und schnell, die andere schwer gepanzert und langsam und die dritte liegt in der Mitte. Entsprechend dieser Philosophien sehen dann auch ihre fraktionsspezifischen Teile aus. Sehen wird es mal so: Habt ihr endlich Level zehn erreicht, wisst ihr zumindest langsam, welchen Spielstil ihr bevorzugt und könnt eine sinnvolle Entscheidung bei den Fraktionen treffen.

Auch habt ihr bis dahin eine Menge Missionen gefahren, die kaum mehr sind als Variationen davon, bestimmte Punkte auf der Karte zu kontrollieren und zu halten oder eben zu erobern. Die späteren Fraktionen haben dann auch noch einige Quests, die etwas netter sind, aber am Ende ist es immer ein Zehn-gegen-zehn und das ist gut so. Ihr habt selbstgekaufte Superkarren mit jeder Menge Waffen, alles was vom Ballern ablenkt, wäre nur unnötig. Das Ballern selbst ist natürlich neben dem Bauen der zweite große Aspekt und Gott sei Dank schwächelt hier Crossout nicht so sehr, wie die Grafik es manchmal vermuten lassen könnte. Das Fahrgefühl ist sehr solide umgesetzt, das Waffenfeedback ordentlich und vor allem gibt es ein relativ komplexes Schadenssystem. Verliert ihr ein Rad, könnt ihr euch immer noch durchschlingern. Verliert ihr noch eins, habt ihr hoffentlich ein Vehikel mit vier oder mehr Rädern konstruiert. Habt ihr eine Art Walker, kann der auch Beine einbüßen und noch weiterrobben. Waffen und Motoren können leiden, Energiebalancen aus dem Gleichgewicht kommen, aber auch mit einem noch halbwegs funktionieren MG lässt sich ein Siegtreffer landen. Nicht oft, wenn das alles ist, was ihr habt, aber hey, manchmal stellt sich der Feind dusselig genug an. Mit anderen Worten: Die Mühe des Bastelns hat sich gelohnt, Crossout lässt euch auch mit diesen Schöpfungen viel Spaß haben.

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Wenn ich mir Crossout so angucke, komme ich nicht umhin, mir zu wünschen, dass dies ein Spiel für 60 Euro wäre, keine Mikrozahlungen braucht und einfach das Car Wars wäre, das ich immer haben wollte und das es auch sein könnte. So ist es das, aber eben zum Preis eines harten Grinds oder dem Gefühl, für besagte 60 Euro eben nicht alles zu haben, was man später brauchen könnte. Sicher, es ist ein Multiplayer-Spiel, Server müssen laufen und vielleicht ist einfach ein Teil des Problems, dass alte Wünsche auf moderne Bezahlmodelle treffen. Trotzdem, für erst mal nichts bin ich froh, es ausprobiert zu haben. Es ist eben Basteln und Ballern in einer Form, die sich damals bei Car Wars höchstens vor unserem inneren Auge abspielte. Die Zukunft hat halt schon immer ihren Preis gehabt und mit Crossout ist ein Teil der Kindheit in genau dieser Zukunft angekommen.

Entwickler/Publisher: Targem / Gaijin - Erscheint für: PS4, Xbox One, PC (Steam) - Preis: Free-2-Play - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Englisch - Mikrotransaktionen: Ja - Getestete Version: Xbox One

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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