Gran Turismo hat sich über die Jahre hinweg zurecht einen Ruf dafür erarbeitet, die Konsolen-Technik an ihre Grenzen zu bringen. Nach einigen nicht überzeugenden frühen Betas scheint es, als würde GT Sport erneut eine phänomenale technische Meisterleistung abliefern. Anfang der letzten Woche veröffentlichte Sony eine umfangreiche Demo-Version, mit der Spieler eine Vielzahl an Events und Features ausprobieren konnten. Und es ist eine Gelegenheit, einen Blick auf den fast fertigen Spielcode zu werfen, was besonders für Nutzer mit High-Dynamic-Range-Displays beeindruckend ist. Viele Spiele profitieren von HDR, aber bei GT Sport ist das Upgrade so ausgeprägt und wundervoll, dass man ohne nicht das vollständige Erlebnis hat.

Überwiegend haben wir auf der PlayStation 4 Pro im hochauflösenden Modus gespielt, der eine Checkerboard-1080p-Präsentation mit nativer 4K-Benutzeroberfläche bietet. Die Resultate sind nicht so scharf wie in anderen PS4-Pro-Spielen oder wie bei Forza Motorsport 7 auf der Xbox One X, aber das Spiel sieht in Bewegung immer noch wunderbar aus und die Pro zeigt GT Sport und HDR in ihrer besten Form.

GT Sport bietet ein beeindruckendes Maß an Details in jeder Facette der Präsentation. Der Wechsel zur PlayStation 4 bedeutet, dass Materialien, Texturen und Beleuchtung all das übertreffen, was bislang möglich war. Durch den Sprung zum Physik-basierten Rendering überzeugt das Spiel mit realistischeren Oberflächen und Objekten, die sich durch das gesamte Line-up an Schauplätzen und Fahrzeugen ziehen. Die Texturen sind viel schärfer und realistischer, selbst bei näherer Betrachtung. Zugleich behält auch GT Sport sein Gefühl für Größe, was kein anderer Sim-Racer derart rüberbringt - die Art und Weise, wie sich die Umgebungen in die Ferne erstrecken, erschafft die Illusion einer großen Welt.

Aber mehr als alles andere hat uns der Support von High Dynamic Range beeindruckt. Einige Spiele setzen HDR gut ein, aber nicht überall ist die Implementierung gleich, wodurch das Resultat hier und da nicht so gut zur Geltung kommt. Gran Turismo war schon immer eine Serie, die dazu erschaffen wurde, die Technologie an ihre Grenzen zu bringen, daher ist es keine große Überraschung, dass HDR eine gewaltige Rolle bei der Präsentation spielt. In einer Welt, in der so viele HDR-Bildschirme so viele unterschiedliche Resultate liefern, kann man Polyphony Digital für seinen Setup-Prozess nur loben.

Wir haben ein komplettes HDR-Showcase-Video zu unserer Demo-Analyse von Gran Turismo Sport erstellt. Versucht es euch in HDR anzuschauen, wenn ihr könnt, es ist ein fast atemberaubender Anblick.

Was die Kontrolle über das HDR-Erlebnis angeht, bewegt sich GT Sport in einer eigenen Liga. Sobald ihr das Feature aktiviert, passt ihr mithilfe einer Konfigurationsseite den HDR10-Output für beste Bildresultate den Fernseher an. Spielt ihr zum Beispiel an einem LG-Display mit reduzierter Helligkeit im HDR-Spielemodus, wirkt ihr dem mit GT Sport komplett entgegen. Aber am Ende profitiert jeder Bildschirm davon, dass ihr den HDR-Level an euren Geschmack und die Beschaffenheit eures Fernsehers anpasst. Viele Spiele könnten davon lernen, wie es hier implementiert ist.

Diverse Faktoren definieren gemeinsam GT Sports HDR-Präsentation. Das beginnt schon damit, wie der Himmel gerendert wurde. Die breitere Farbpalette und größere Leuchtstärke von HDR lassen das Sonnenlicht und die Wolken in einer Helligkeit erscheinen, die näher an der Realität sind. Dann sind da die Front- und Heckscheinwerfer der Autos. Der Kontrast intensiver Lichtquellen zu den Spielumgebungen wirkt Wunder im Hinblick auf den visuellen Realismus. Insgesamt sieht es einfach strahlend und knackscharf aus. Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die man dem Spiel vorwerfen könnte, wenn man genauer hinschaut. Inklusive einiger "Pappaufsteller"-Bäume und einige Teile des Hintergrundes, die etwas mehr Details vertragen können. Aber bei voller Fahrt ist das hier ein wunderschönes Spiel.

Auch abseits davon gibt es gute Nachrichten, insbesondere eine eindeutig gesteigerte Performance im hochauflösenden Modus verglichen mit den vorangegangenen Betas. Wir erlebten die allgemeine Stabilität des Spiels als überaus beeindruckend, Polyphony liefert annähernd durchgängig 60 FPS pro Sekunde, in einem Umfang, wie es den Entwicklern seit der PS2-Ära nicht mehr gelang. Wir hatten große Probleme, während des Gameplays überhaupt Einbrüche der Bildrate zu entdecken, was bedeutet, dass es, wenn überhaupt, nur äußerst selten vorkommt. Die Rennen laufen allesamt butterweich mit 60 FPS - eine Performance, die die PS3-Spiele der Reihe nur zu oft verfehlten. PS4-Pro-Besitzer dürfen auch die Replays in 1080p60 erleben, während die normale PS4 und der High-res-Modus der Pro diese in 30 FPS abspielen. Das klappt nicht komplett stabil, sieht aber trotzdem noch brillant aus, nachdem man das zehn Jahre nur in der halben Bildrate sah.

Gleichzeitig legt das allerdings auch eine interessante Limitierung des Spiels offen: Ist die PS4 Pro auf 1080p-Output gestellt, kann man wahlweise Performance über Auflösung priorisieren, was toll ist, weil es im Grunde Super-Sampling ermöglicht. Bei 4K-Ausgabe ist es allerdings nicht möglich, die Bildrate zu priorisieren, was bedeutet, dass man an die höhere Auflösung gebunden ist. Wir haben uns ja schon einmal darüber echauffiert, wie die Modi je nach angeschlossenem Display angeboten werden, weil Pro-User an 1080p-Bildschirmen schlecht dabei wegkamen. Es ist schön, zu sehen, dass diese Features hinzugefügt wurden. Weil das Gameplay aber bei ziemlich fixen 60 FPS läuft, wäre es schön, speziell für die Replays ebenfalls de Performance priorisieren zu können: das Spiel in 1800p Checkerboard laufen zu lassen, während die Replays auf 1080p und 60 FPS limitiert sind.

Doch insgesamt übertrifft Gran Turismo Sport unsere Erwartungen. Die früheren Auftritte des Spiels waren noch nicht ganz da, wo sie hinwollten, aber Polyphony hat sich diesmal wahnsinnig reingehangen. Viele der Probleme nicht nur der Beta, sondern auch von GT-Spielen früherer PlayStations wurden behoben. Natürlich ist die Grafik viel besser, aber es ist das Erlebnis an sich, das uns am meisten beeindruckt. Die stilvollen Menüs, das nahtlose Online-System und die cleveren Design-Entscheidungen laden dazu ein, sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Wenn ihr früher mal Fan der Reihe wart oder jetzt erst bei den Rennspielen einsteigt, könnte das hier ein guter Einstiegspunkt sein.

Und dann ist da noch die HDR-Implementierung. Wir haben schon vorher ein paar starke Resultate von Entwicklern gesehen, aber GT Sport ist der erste Titel, der so phänomenal in HDR aussieht, dass er zu einer Reihe von Bildschirmkäufen führen könnte. Denkt nur daran, dass ein Bildschirm mit HDR nicht unbedingt den neuesten Spezifikationen entspricht. Unser Guide mit den besten TVs in 2017 für PS4 Pro (4K Gaming, HDR, HD-TV) sollte euch aber hoffentlich auf die richtige Spur führen. Wenn es sein volles Potential entfalten kann, ist HDR ein echter Game-Changer und GT Sport könnte seine erste Killer-App sein.

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Über den Autor:

John Linneman

John Linneman

Staff Writer, Digital Foundry

An American living in Germany, John has been gaming and collecting games since the late 80s. His keen eye for and obsession with high frame-rates have earned him the nickname "The Human FRAPS" in some circles. He’s also responsible for the creation of DF Retro.

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