Star Wars Battlefront 2 - endlich eine Kampagne

Als imperiale Elitekriegerin Rebellen jagen? Gefällt mir!

Wie haben sich wohl die Soldaten des Imperiums gefühlt, als in der Schlacht um Endor der zweite Todesstern vernichtet wurde? Bei meinem Anspieltermin eines Teils der Kampagne von Star Wars Battlefront 2 konnte ich die Emotionen an dem Gesicht meiner Protagonisten Iden Versio sehr genau ablesen: Als sie in den Himmel blickt, während der Stolz des Imperiums explodiert, ist erst ein ungläubiges Staunen zu erkennen, dann eine unbändige Wut und regelrechter Hass auf die schrecklichen Rebellen, die eben nicht nur tausende Kameraden, sondern auch noch den geliebten Imperator Palpatine getötet haben.

Chefautor Walt Williams, der unter anderem auch an Spec Ops: The Line gearbeitet hat, hatte die Idee, für die Story der Kampagne keinen Rebellen-Underdog oder bekannten Helden in den Fokus zu stellen, sondern mit Iden Versio eine stramm regimetreue Kämpferin des Imperiums. Eine Elitesoldatin und Anführerin des Inferno Squad, welche sich auf verdeckte Operationen spezialisiert hat. Den Blickwinkel mal nicht auf die Freiheitskämpfer zu richten und die Sturmtruppen nicht einfach eindimensional böse zu zeichnen, das empfinde ich als einen spannenden Ansatz. Zumal Iden eine schlüssige familiäre Hintergrundgeschichte als Tochter eines Admirals und einer Zeichnerin für Propagandaplakate verpasst bekommt und nicht einfach nur als dumpfe Kampfmaschine dargestellt wird.

Die Einzelspielerkampagne beginnt mit der Mission "The Cleaner" an Bord eines Rebellenschiffs. Iden Versio hat sich gefangen nehmen lassen, um geheime Informationen zu beschaffen und sitzt nun scheinbar hilflos in einer Verhörzelle. Um Iden zu befreien, übernehmt ihr die Steuerung ihres flugfähigen ID10 Droiden, mit dem ihr möglichst unbemerkt bis zu einer Energiestation für die Verriegelung gelangen sollt. Eine typische Stealth-Mission, bei dem ihr den Rebellen ausweichen sollt und nur in allerhöchster Not mit einem Stromstoß mal einen Widersacher betäubt. Werdet ihr entdeckt, ist die Mission gescheitert. Das klingt jetzt für den Anfang unnötig frustrierend, ist aber eher als Fingerübung und Tutorial gedacht und entsprechend häufig finden sich Lüftungsschächte und Verstecke, um der Aufmerksamkeit zu entgehen.

Damit euer Blechkamerad nicht als Altmetall endet, habt ihr einen Scanner, der euch die Position der zahlreichen Wachen auch durch Wände hindurch anzeigt. Kaum ist Iden befreit und hat den ersten Blaster in der Hand, darf nach Herzenslust auf Rebellen geballert werden. Wahlweise aus der Ego- oder der Third-Person-Perspektive. Knopfdruck genügt. Die Schusswechsel gestalten sich dabei wenig innovativ: es gibt die unvermeidlichen explodierenden Kanister, dank Scannerfunktion bleiben euch unangenehme Überraschungen erspart und ansonsten erlegt ihr auf dem meist linearen Weg zum nächsten Zielpunkt eben alles, was irgendwie nach Freiheitskämpfer aussieht. Ein wenig taktischen Spielraum bekommt ihr, wenn ihr die Umgebung ausnutzt und beispielsweise auf Türschlösser schießt und so Gegner einsperrt, alternative Wege sucht oder an größeren Ansammlungen von Rebellen einfach vorbeischleicht. Am Ende der Mission entflieht Iden zum Rendezvous mit ihren Kameraden und ich dachte mir: nett!

Aus dem halbherzigen "Nett" wurde dann in der zweiten Mission recht schnell ein "Stark", als es mitten in die Schlacht um Endor geht. Iden und die Infernos - kein schlechter Band-Name eigentlich - finden sich im Dschungel wieder und haben den Auftrag die anrückenden Rebellen aufzuhalten und den Schutzschirmgenerator des Todessterns zu sichern. Hier zeigt sich, dass das EA Motive Studio von Jade Raymond es versteht, ein beeindruckendes Schlachtenspektakel zu inszenieren. Überall brennende Trümmer, abgestürzte Tie Fighter und X-Wings liegen in der Umgebung verstreut und die Rebellen haben auch noch einen AT-ST gekapert, der den Trupp unter Beschuss nimmt. Mit dem Standardblaster ist da nicht viel auszurichten, aber zum Glück finden sich immer wieder Nachschubbehälter, an denen Waffen gewechselt und Fähigkeiten aktiviert werden können. Je nach dem wie gut ihr euch geschlagen habt, gibt es die aus dem ersten Teil bekannten Boost-Cards und ihr könnt Iden zum Beispiel mit einem Bodyguard-Boost ausstatten, der den Schaden durch Explosionen reduziert, oder dem Survivalist-Boost, mit dem sich die Lebensenergie schneller regeneriert.

Die Auswahl ist üppig und die Entscheidung ob man lieber mit Brawler den Nahkampfschaden erhöht oder einen Cooldown-Bonus für Granaten oder Schutzschild aktiviert, ist nicht so einfach. Da sich aber jede einmal bestandene Mission immer wieder mit einem anderen Loadout spielen lässt, könnt ihr einfach mal ausprobieren, welche Kombination am besten zu eurem bevorzugten Spielstil passt. Ich persönlich könnte nicht auf den Scanner verzichten, der mir die Standorte der Gegner in den verwinkelten Arealen genau anzeigt, denn die sind in der Umgebung recht schwer auszumachen. Nach der Markierung könnt ihr dann in Seelenruhe mit dem Scharfschützengewehr an der Ausdünnung der Angriffswellen arbeiten und am besten die Offiziere zuerst beseitigen, das senkt die Rebellenmoral rapide. Wenn ihr übrigens ab und an mal nach oben schaut, könnt ihr auch die flauschigen Ewoks in den Baumwipfeln sehen. Töten geht aber nicht, das habe ich ausprobiert.

Mitten in der Schlacht werdet ihr dann Zeuge, wie der Todesstern in Fetzen fliegt und euer Trupp wird der sofortige Abzug befohlen. Also auf zur nächsten Tie-Fighter-Landeplattform und nach einem weiteren Feuergefecht geht es nahtlos über in den Weltraum. In den Trümmern des Todessterns liefert ihr euch Dogfights mit X-Wings und Y-Wings, um den Sternenzerstörer von Idens Vater zu erreichen. Die Raumschlachten wurden von den Burnout-Machern von Criterion Games realisiert und sind ohne Übertreibung schlichtweg klasse. Untermalt von dem originalgetreuen Heulen der Tie Fighter und den Blaster-Geräuschen kommt bei mir als Star-Wars-Fan Gänsehaut auf, als ich mich mit einem irren Tempo hinter einen X-Wing klemme, Dauerfeuer gebe und mit einem Geschwindigkeitsboost über das explodierende Opfer hinwegrase. Nur um dann an einem herumfliegenden Trümmerteil zu zerschellen. Selbst auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe sind die Weltraumschlachten kein lahmes Tontaubenschiessen und es benötigt schon Konzentration und Fingerspitzengefühl, will man heil aus dem Chaos herauszukommen. Gut so.

Ebenso angenehm abwechslungsreich zeigte sich die dritte Mission, die ich anspielen konnte. Iden ist mittlerweile auf Fondor angekommen, dem Standort der größten Werft für Sternenzerstörer. Dort erfährt sie in einer längeren Zwischensequenz vom letzten Willen des verstorbenen Imperators, der den Beginn der Operation Cinder befohlen hat. Details will man ihr nicht verraten, der gestrenge Vater erwartet, dass seine Tochter sich um die Bergung von einigen Satelliten kümmert und keine dummen Fragen stellt.

Soweit kommt es aber nicht, denn eine ganze Rebellenarmada taucht aus dem Hyperraum auf und greift den Stützpunkt an. Also rein in den Tie Fighter und ab ins All. Staffelweise X-Wings abknallen, Kreuzer abfangen, bevor die ihre Bomben ins Ziel bringen können und dabei immer mittendrin im Kreuzfeuer. Zur Auflockerung bekommt ihr noch den Auftrag, ein Kampfschiff der Rebellen zu entern, das sich besonders gefährlich zeigt. Und wieder geht es nahtlos vom Weltraum in die Bodenkämpfe, wenn ihr erst einen Hangar mit den Bordwaffen eures Ties in Einzelteile zerlegt und euch dann zu Fuß durch die verwinkelten Korridore des Schiffs bis zur Kommandozentrale durchballert.

Für die ersten drei Missionen habe ich etwa drei Stunden benötigt, habe mir aber auch immer die Zeit genommen, die in der Frostbite-Engine beeindruckend gestaltete Star Wars-Welt, in Ruhe zu betrachten. Insgesamt wird es wohl ein rundes Dutzend umfangreiche Missionen geben, bei denen sich Bodenkämpfe und Weltraumschlachten abwechseln. Ob ich jetzt als weiblicher Imperiums-Rambo agiere oder mich mehr als Nahkämpferin und Schleichspezialistin betätigen werde, mache ich von meiner Laune abhängig, wenn das Spiel am 17. November erscheint. Ich freue mich auf jeden Fall auf eine Einzelspielerkampagne, die mit dem Perspektivwechsel auf das ins Straucheln geratene Imperium frischen Wind in die klassische Heldensaga bringt.

Entwickler/Publisher: EA DICE / Electronic ArtsErscheint für: PC, PS4, Xbox One - Geplante Veröffentlichung: 17. November 2017 - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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