Destiny 2 (PC) - Test

Was lange währt, wird endlich richtig gut.

Hier geht es in erster Linie um die Umsetzung von Destiny 2 auf den PC. Wollt ihr eine vollumfängliche Meinung zum allgemeinen Ablauf und eine Beurteilung des Spiels als Sequel zu einem der erfolgreichsten Titel 2014, lege ich euch Martins ursprünglichen Test zu Destiny 2 ans Herz.

Es deutete sich in der Beta ja schon an, aber jetzt, zur endgültigen Veröffentlichung und mit den fertigen Grafikkartentreibern für Destiny 2, ist es amtlich: Bungie hat eine fantastische Version seines neuen Loot-Shooters auf die Heimcomputer gebracht, die nicht nur technisch, sondern auch spielerisch den Gewohnheiten von PC-Usern sehr entgegenkommt. Natürlich ist weiterhin deutlich zu sehen, dass Destiny auf den Konsolen seinen Anfang nahm. Technisch stößt es dem Medium keine neuen Türen auf. Aber es glänzt durch wundervolle Art-Direction, die sich vor allem in schönen Designs bei Waffen, Gegnern und vor allem Umgebungen niederschlägt - und durch angenehm breit gefächerte Grafikoptionen, mit denen man das Spiel ausgezeichnet an seine Vorlieben und die gegebene Hardware anpassen kann.

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In höheren Auflösungen und schnelleren Bildraten kann man die wundervoll gestalteten Umgebungen noch inniger genießen.

Wie ihr vielleicht schon bei Digital Foundry gelesen habt, bekam man bereits zur Beta ohne größere Probleme und mit verschmerzbaren Anpassungen an den Qualitätseinstellungen des Spiels stabile 30 FPS bei echter 4K-Auflösung mit einer schon leicht angestaubten Karte wie der Geforce 970 hin. Ich spielte die fertige PC-Version auf meinem Arbeitsrechner (i7 6700K, Geforce GTX 1080, 16 GB RAM) in knackscharfen 1440p - 78 Prozent mehr Bildpunkte als 1080p - und den höchsten Einstellungen, abzüglich der Schatten, die ich von der höchsten Einstellung eine Stufe auch "hoch" hinunterjustierte, stramm oberhalb der magischen 60 FPS. 1080p-User erzielen auch Bildraten in Richtung von 144 Bilder pro Sekunde, für die sie je nach GPU an ein paar Stellschrauben drehen müssen, oder auch nicht. Das Spiel legt euch jedenfalls keine Steine in den Weg und bringt bei den erwarteten Einstellungen (den Schatten oder Bungies irrsinnig feiner Tiefenschärfe) massive Performance-Gewinne.

Mein Testsystem kam mit einer Mischung aus überwiegend hohen Einstellungen bei bestmöglichen Texturen auch in 4K auf fast immer komplett stabile und mit V-Sync versehene 60 FPS. Nur Schatten, Pflanzenschattendistanz und Light Shafts stellte ich auf Medium und freute mich über eine Performance, die in allen Spielumgebungen auch im dicksten Gefecht nicht spürbar wackelte. Lediglich im Hub-Gebiet, der Farm, spielte sich alles eher um die 50 FPS ab, aber dort kommt es eh nicht auf die Performance an. In 4K glänzt die Arbeit der Künstler noch einmal deutlich mehr, wenngleich Spieler mit höherfrequenten, aber niedriger aufgelösten Displays rein vom Spielgefühl her noch einmal besser bedient werden.

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Wer mit 30 FPS leben kann, erzielt 4K-Auflösung auch mit Mittelklasse-Karten.

Von seiner Konsolenheimat weiß dieses Spiel aber genau, was es tun muss, um sich in 30 Bildern pro Sekunde mit dem Controller gut anzufühlen und falls es das ist, wonach euch der Sinn steht, ist Destiny 2 auch auf nicht mehr topaktuellen Mittelklasse-PCs ein Top-4K-Titel. Zumal ein Slider zur Auflösungsskalierung netterweise noch weitere Performance-Gewinne in Aussicht stellt. Wie eure Vorlieben und eure Ausstattung auch aussehen, Bungie gibt sich hier in höchstem Maße inklusiv. Einziges Manko: An Anti-Aliasing-Lösungen wird nur FXAA und SMAA geboten. Gerade in 1080p flimmert insbesondere Laub daher auffällig. Der Supersampling-Schieberegler hilft da etwas, ist allerdings natürlich auch rechenenintensiv. Wer ohnehin auf höhere native Auflösungen zielt, hat damit aber weniger ein Problem.

Was ebenso wenig selbstverständlich war wie die umfassenden Anpassungsmöglichkeiten: die verlustfreie Übersetzung des beliebten Bungie-Gefühls auf Maus und Tastatur. Immerhin haben wir es zu guten Teilen den Halo-Entwicklern zu verdanken, dass sich Shooter heutzutage auch auf Konsolen-Controllern toll anfühlen. Doch die Magie, die man dort wirken muss, ist schlichtweg eine andere als mit klassischen PC-Eingabemethoden. Trotzdem ist den Entwicklern eine wunderbar flutschende Entsprechung der wuchtigen, aber doch sehr flinken Fortbewegung und des machtvollen Waffenfeedbacks gelungen. Angesichts der Tatsache, dass man je nach Gegner-Level schon mal ordentlich Kugeln in einen Feind hineinpumpen muss, kann das schon auf Konsole kein leichtes Unterfangen gewesen sein, am Computer auch angesichts einer bahnbrechend gut zu steuernden Konkurrenz immer noch so hervorzustechen, ist durchaus eine Leistung.

In Sachen Stabilität unterliefen meiner Version die gesamte Testphase über keine Abstürze. Auch die Server hielten, nach einem überschaubaren Kollaps am Launch-Abend, alles aus, was man auf sie losließ. Aktuell gibt es Berichte, man könnte für das Benutzen von Overlay-Software wie MSI Afterburner gesperrt werden. Bungie verneint dies vehement und betont, dass bisher 400 Spieler von Entwicklerseite und ausschließlich manuell gesperrt worden seien - für das Nutzen von Drittsoftware, "die eine Gefahr für das Ökosystem des Spiels darstellt". Seid ihr euch bei einigen eurer Applikationen nicht sicher, solltet ihr Vorsicht walten lassen, bis sich die Situation geklärt hat.

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Da Bungie großzügig Feinde nachschiebt, ist es unfassbar schwierig, sich von Destiny 2 loszueisen.

Zum Spiel selbst: Für einen Loot-Shooter verkauft Destiny 2 die seine Welt untermauernde Fiktion deutlich besser als der erste Teil. Schießt man sich alleine durch die Story-Missionen, könnte man fast vergessen, dass man hier ein getarntes MMO vor sich hat und sich ein Stück weit in diesen wundervoll gestalteten Umgebungen verlieren, an deren Horizonte Sci-Fi-Filmposter und Space-Rock-Plattencover der 70er Jahre zum Verweilen und Staunen einladen. Hier steckt - für mich zumindest - deutlich mehr Zug drin, als meine Gier nach Loot und Waffen für sich genommen aufbrächte. Trotzdem freue ich mich, dass auch der rollenspielige Teil Bungie gut gelungen ist und das Herumspielen mit meinen Loadouts mir eine Menge Freude bereitet und frisch hinzugewonnene Skills mich jedes Mal aufs Neue meine Spielweise ein wenig anpassen lassen.

Das hier ist ein deutlich stabileres, einladenderes Fundament als das, auf dem Bungie und Activision vor drei Jahren den Games-as-a-Service-Kosmos Destinys etablierten. Jetzt eben auch am PC in einer Version mit größtmöglicher Breitenwirkung für ein Spiel dieser Art. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Entwickler/Publisher: Bungie/Activision - Erscheint für: PC. PS4, Xbox One - Preis: 60 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch, Englisch - Mikrotransaktionen: Ja - Getestete Version: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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