Rogue Trooper Redux - Test

Weltraumschlümpfe mit Sturmgewehren

Remake eines in die Tage gekommenen Shooters mit gewöhnungsbedürftigen blauen Figuren. Wirkt trotz Neuerungen noch veraltet.

Ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber der Vergleich drängt sich einfach zu sehr auf: Ihr schlüpft in Rogue Trooper Redux in die Haut von Schlümpfen. Muskulösen Schlümpfen mit riesigen Gewehren, die auf fremden Planeten gegen seelenlose Soldaten kämpfen, um irgendwas zu erreichen, das zumindest zu Beginn des Spiels überhaupt nicht klar ist. Ihr wisst nur: Diese blauen Muskelpakete sind Supersoldaten und sie werden auf einem Planeten abgeworfen, der sich Nu-Earth nennt. Die Muskelschlümpfe, die sich selbst gegenseitig nur als GIs bezeichnen, kämpfen gegen die sogenannten Norther. Im Spiel schwingt dabei stets der Geist eines allzu günstig produzierten Kriegsfilms mit, der zwar pathosbeladen, aber gerade noch erträglich wäre, wären die Sympathieträger nicht... blau.

1
Das Spiel signalisiert euch hier durch ein rotes Fadenkreuz, dass ihr den Gegner trefft - das passiert aber leider nicht wirklich.

Rogue Trooper Redux ist das Remake eines im Jahr 2006 erschienenen PS2- und Xbox-Spiels, das seinerseits auf einem Comic basiert, der in der 2000-AD-Reihe erschien, hauptsächlich bekannt für die Judge Dredd. Seinerzeit hat das Spiel gar nicht mal schlechte Wertungen erhalten, weshalb sich Publisher Rebellion jetzt wohl für diese Neuauflage entschied. Gleich vorweg: Es handelt sich dabei nicht um einen Reboot, das Spiel wurde lediglich mechanisch und grafisch leicht verbessert. Natürlich hat die Grafik jetzt HD-Qualität, die Landschaften sehen ein wenig detaillierter aus - insgesamt aber haben es die Entwickler lediglich geschafft, eine Generation nach vorne zu springen, nicht unbedingt zwei. Rogue Trooper Redux sähe als PS3- oder Xbox-360-Titel noch okay aus, wirkt aber grafisch auf der aktuellen Konsolengeneration hoffnungslos veraltet. Sterbende Figuren bleiben schon mal in den Umgebungstexturen hängen, Animationen wirken hölzern. So war das damals eben, so sollte es heute aber nicht mehr sein.

In Sachen Gameplay ist bei Rogue Trooper alles beim Alten geblieben: Nach wie vor steuert ihr euren blauhäutigen Elite-Soldaten aus der Third-Person-Perspektive, versucht, euch mit dem mehr oder weniger gut funktionierenden Deckungssystem in sichere Stellungen zu begeben und feuert von dort auf eure Gegner. Das Problem: Nicht aus jeder Deckung könnt ihr auch wirklich schießen, nicht alles, was zunächst wie eine Deckung aussieht, ist auch eine und manchmal könnt ihr zwar auf eure Feinde anlegen, eure Figur trifft aber stets nur die Deckung. Rogue Trooper hatte damals aber auch ein Alleinstellungsmerkmal, das es auch in der Redux-Fassung noch gibt: Wenn eure Kameraden sterben, sind sie nicht wirklich tot. Stattdessen kann euer Soldat einen Chip aus ihnen herausschneiden, den er dann in seine Ausrüstung einsetzen kann. Von dort aus sprechen die toten Veteranen dann nicht nur im Verlauf des Spiels immer wieder mit euch, sie übernehmen auch bestimmte Funktionen. So sind sie etwa für das Crafting neuer Ausrüstungsgegenstände zuständig oder fungieren als automatisches Geschütz. Eine andere Figur kann als Chip Hologramme von euch erzeugen und Gegner so ablenken oder Türen knacken.

2
Kameradschaft unter Schlumpf-Soldaten.

Wirkliche taktische Entscheidungen gibt es in diesem Zusammenhang aber nur selten, da wäre deutlich mehr drin gewesen. Das liegt vor allem daran, dass ihr im Grunde immer genug Rohstoffe zur Verfügung habt, um daraus die Gegenstände herzustellen, die ihr gerade braucht. Die kniffligste Entscheidung ist in seltenen Momenten höchstens, ob ihr euch lieber mehr Munition oder einen Erste-Hilfe-Kasten bastelt - und selbst das liegt meistens daran, dass ihr zuvor zu offensiv vorgegangen seid und die Spielwelt nicht genau genug abgesucht habt. Denn Rohstoffe liegen nicht nur hinter jeden zweiten Ecke, sie werden auch von jedem toten Feindsoldaten hinterlassen. Dennoch muss man dem Spiel wohl zu Gute halten, dass es für damalige Verhältnisse erstaunlich variabel spielbar war und auch heute noch ist. An vielen Stellen könnt ihr euch entscheiden, ob ihr euch lieber an Gegner heranschleichen oder mit gezogenem Gewehr auf sie zu rennen wollt. Ihr könnt euch verschanzen, sie mit dem Scharfschützengewehr unter Beschuss nehmen oder mit der Schrotflinte in den Nahkampf gehen, ganz wie ihr möchtet.

Einige eigentlich interessante Spielmechaniken scheitern aber schlichtweg an einer unzugänglichen Steuerung. So könnt ihr beispielsweise Granaten zwar in einem bestimmten Bogen werfen, aber nicht aus der Deckung heraus und auch nur in einem gewissen Rahmen. Laufen könnt ihr in diesem Zielmodus auch nicht. Wollt ihr einen anderen Wurfwinkel ausprobieren, müsst ihr euch also erst aus der Deckung bewegen und an anderer Position erneut ausprobieren, ob die Granate vielleicht jetzt treffen könnte. Bis dahin habt ihr aber meist schon selbst einige Kugeln im muskulösen Bauch und dürft vom letzten Checkpunkt aus neu anfangen. Das ist vor allem deshalb schade, weil es bestimmte Granaten gibt, die technische Geräte ausschalten und die ihr so zumindest theoretisch gegen Geschütze einsetzen könntet. Ich zumindest habe aufgrund der hakeligen Steuerung dann doch lieber auf rohe Gewalt gesetzt.

3
Trefft ihr diesen Gegner am Rucksack, explodiert er und reißt dabei eventuell einige seiner Kameraden mit ins Verderben.

Auch die künstliche Intelligenz der Gegner scheint sich im Vergleich zur ursprünglichen Version nicht wirklich verbessert zu haben. Da gibt es etwa gigantische Mechs, die im Nahkampf absolut tödlich sind, wenn ihr nicht gerade eine Bazooka zur Hand habt. Allerdings: Findet ihr eine schöne Fernkampfposition, könnt ihr sie bequem mit dem Scharfschützengewehr ausschalten, während sie wahlweise gar nichts machen oder mit ihren mächtigen Superwaffen gegen die nächstgelegene Wand schießen. Einfache Soldaten rennen mitten in euer Schussfeld, sodass ihr euch auch bei drei bis vier Gegnern gern mal benehmen könnt wie Rambo, ohne allzu viel Schaden fürchten zu müssen.

Das alles soll nicht heißen, dass mir Rogue Trooper Redux überhaupt keinen Spaß gemacht hat. Ein paar Missionen lang hatte ich wirklich Freude daran, diese dumpfen Zombie-Gegner wie die Fliegen abzuknallen - irgendwie gibt einem sowas ja auch das Gefühl, wirklich ein Supersoldat zu sein. Die kitschigen Pathos-Szenen in denen ein Muskelschlumpf den anderen festhält, während der seine letzten Worte haucht, waren immerhin noch witzig und gerade für ein Spiel aus dem Jahr 2006 sind die Level zumindest einigermaßen abwechslungsreich, neue Missionsziele gibt es in relativ kurzen Abständen. Allein: Das Spiel ist einfach aus der Zeit gefallen. Es mag irgendwann mal ein Geheimtipp gewesen sein, heute spielt es sich aber wie ein beliebiger Shooter mit vernachlässigbaren Figuren und veralteter Technik.

4
Schleicht ihr euch an Gegner heran, erledigt ihr sie lautlos.

Letzten Endes ist Rogue Trooper Redux daher nur jenen Spielern zu empfehlen, die warme Erinnerungen an das Original haben und es gerne mal wieder mit moderner Technik erleben würden. Die Stärken des Spiels sind noch vorhanden, sie sind heute nur nichts Besonderes mehr. Die Präsentation passt eher zur letzten Konsolengeneration, die Geschichte ist beliebig bis nicht vorhanden, die Figuren wirken lächerlich - ich hoffe, die Fans des Comics verzeihen mir diese Einschätzung. Ja, das Spiel hat mich für kurze Zeit amüsiert - aber das gleiche passiert mir ehrlich gesagt auch, wenn ich nach vier Bier Lieder von DJ Bobo höre.

Entwickler/Publisher: TickTock Games/Rebellion - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 24,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

Unsere Wertungsphilosophie

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (7)

Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (7)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading