Deadbeat Heroes - Test

Schlägerei! Mit Superhelden!

Superhelden-Brawler mit solider Prügelmechanik, jedoch ohne spielerischen Tiefgang. Schneller Schlägerspaß für zwischendurch.

Handwerker, die ihr plärrendes Radio auf meinem Fensterbrett abstellen, pöbelnde Proleten in der ersten Reihe im Kino, Leute, die sich auf der Rolltreppe nicht bewegen und so dafür sorgen, dass ich die U-Bahn verpasse - in den letzten paar Tagen meines Lebens sind so einige Dinge geschehen, die meine Wut ein Ventil suchen lassen. Ein gutes Ventil verlangt nicht allzu viel von mir, es lässt mich stattdessen einfach auch mal zuschlagen. Also habe ich Deadbeat Heroes ausprobiert, ein kleines Indie-Prügelspiel, das mit Rückendeckung von Square Enix entstand, die es nun veröffentlichen. Und was soll ich sagen? Es hat nicht allzu viel Tiefgang, die Cel-Shading-Grafik dient wohl eher dazu, die ohnehin etwas rudimentäre bis minimalistische Optik zu kaschieren und eine tiefgehende Geschichte gibt es auch nicht. Aber: Es hat mir trotzdem Spaß gemacht, mal wieder nach Herzenslust die Buttons meines Xbox-One-Controllers zu malträtieren, als gäbe es kein Morgen.

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Hier rammt ihr euch selbst gerade in den Bauch eines Gegners.

Deadbeat Heroes ist ein typischer Brawler. Ihr steuert eure Figur aus der Vogelperspektive durch verhältnismäßig kleine Maps und verprügelt dort allerhand böse Typen. Das Szenario ist das London der 70er Jahre, wobei man davon im Spiel nur am Rande wirklich Notiz nimmt. Ihr selbst verkörpert zunächst gar keinen echten Superhelden, stattdessen steckt ihr in der Haut eines Schlipsträgers mit Aktenkoffer, der sich aus eher unklaren Gründen in einer Situation wiederfindet, in der ein gewisser Captain Justice von ihm verlangt, irgendwelche Gangster auszuschalten. Das Spiel nimmt sich selbst nicht besonders ernst und schenkt euch daher eine Art Zauberhandschuh, mit dem ihr euch die Fähigkeiten eurer Gegner aneignen könnt - vorausgesetzt ihr habt eine eurer Spezialattacken parat.

Der Kampf läuft weitgehend in gewohnten Bahnen ab. Trefft ihr einen Gegner mit einem Schlag, lässt dieser eine Art Orb fallen, sammelt ihr diese Orbs, lädt sich euer Balken auf, mit dem ihr Spezialfähigkeiten ausführen könnt. Tritt ein Superheld auf das Schlachtfeld, könnt ihr selbigem mit eben dieser Attacke seine Fähigkeit abnehmen. Da gibt es etwa solche Helden, die auf Knopfdruck Explosionen auf dem Schlachtfeld auslösen können und andere, die sich unsichtbar machen. Im eigentlichen Kampf benötigt ihr hier und da unterschiedliche Taktiken gegen eure Gegner - jene mit Baseball-Schläger in der Hand solltet ihr nach Möglichkeit nicht von vorn angreifen. Hier genügt es aber, wenn ihr euch per schnellem Dash über sie hinwegbewegt und sie dann von hinten attackiert. Gegner, die gerade ahnungslos sind, wo ihr euch aufhaltet, zeigen dies durch ein Fragezeichen über dem Kopf. Nach jeder erfolgreichen Mission erhaltet ihr eine Wertung, die euch zeigt, wie gut ihr eure Fähigkeiten und Kombos eingesetzt habt - wart ihr nicht gut genug, müsst ihr den Level wiederholen, bis ihr die Zielwertung erreicht und die nächste Mission freigeschaltet wird. Gewissermaßen werdet ihr also gezwungen, besser zu werden.

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Gut getroffene Spezialattacken oder die jeweils letzten Treffer in einem Level werden mit solchen Comic-Szenen belohnt.

Das liest sich jetzt sicher alles ein bisschen monoton - und das ist es auch. Deadbeat Heroes ist kein Spiel, das ihr anschaltet und dann überrascht seid, wenn ihr nachts um vier den Abspann seht. Es lässt sich dafür aber recht gut in kleinen Happen konsumieren. Schnell die Xbox (oder den PC) anschalten, das Spiel starten und durch zwei Missionen holzen - das hat für mich super funktioniert, zumal die Steuerung so einfach gehalten ist, dass ihr sie nicht allzu schnell verlernt. Die Stages dauern jeweils nur wenige Minuten, weshalb das Spiel im Grunde sogar für mobile Geräte toll wäre, ich blicke da erwartungsvoll in Richtung meiner Switch - dafür ist Deadbeat Heroes aber leider aktuell nicht verfügbar.

Passend dazu haben die Entwickler auch die Soundkulisse gewählt. Es handelt sich weitestgehend um sehr schmissigen Funk. In den Comic-Szenen bekommt ihr darüber hinaus Effekte zu hören, die an die gute alte Batman-Serie aus den 60er Jahren erinnern. Poliert ihr irgendeinem Gangster besonders überzeugend das Gesicht, gibt's zudem Publikumsapplaus, fast schon, als würdet ihr hier eine Sitcom spielen. Doof dagegen: Immer dann, wenn ihr einen Level mal nicht schafft oder gegen einen der Bosse versagt, werdet ihr einen Level zurückgesetzt - ihr müsst also das vorangegangene Mission nochmal spielen. Mir hat sich ehrlich gesagt nicht erschlossen, was die Entwickler damit bezwecken wollten. Ich empfand es nur als nervtötend, auch weil ihr in diesen wiederholten Abschnitten erneut mit bereits bekannten Tutorial-Einblendungen belästigt werdet. Es ist, als hättet ihr diesen Abschnitt nie geschafft. Immerhin kommen aber im Verlauf des Spiels neue Teammitglieder hinzu, die ihr automatisch übernehmt, wenn eure Figur das Zeitliche segnet. So habt ihr am Ende vier Leben, bevor euch das Spiel zurücksetzt.

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Werdet ihr schwer getroffen, wird das Bild kurz schwarz-weiß.

Und auch wenn die Level kurz sind, kommt ihr beim Spielen relativ schnell in einen gewissen Flow. Selbst Anfänger reihen mühelos Kombos aneinander und fliegen über den Bildschirm, ohne allzu schwer getroffen zu werden. In Szenen, an denen viele Feinde beteiligt sind, wird's schon mal etwas unübersichtlich, was auch daran liegt, dass ihr neben Gegnern problemlos auch Autos, Bänke und anderen Kram von der Straße durch die Gegend prügeln könnt. Zu größter Stärke findet Deadbeat Heroes indes im Koop-Modus. Gemeinsam mit einem anderen Spieler könnt ihr von der Couch aus bequem Gegner vermöbeln, Autos auf sie werfen, Superfähigkeiten ausprobieren und Endbosse besiegen. Das Spiel fällt so nicht nur bedeutend leichter, es macht irgendwie auch mehr Spaß - es ist die Art von Spiel, zu der man gut mit Freunden was trinken und sich unterhalten kann, ohne dadurch im Spiel Schaden zu nehmen. Man muss sich eben nicht allzu sehr konzentrieren.

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Neue Gegner werden mit solchen netten Tafeln eingeführt.

Ich würde Deadbeat Heroes unterm Strich niemandem pauschal empfehlen, kann das Spiel aber sehr wohl jenen ans Herz legen, die sich seit langem mal wieder nach einem unkomplizierten Multiplayer-Brawler sehnen, für den man keine komplizierten Special-Moves lernen und in den man sich nicht über Gebühr hineinsteigern muss, um ihn einfach mal zwischendurch eine halbe Stunde zu spielen. Deadbeat Heroes ist das Casual Game unter den Prüglern. Die simple Grafik stört nicht weiter, der 70er-Sound umschmeichelt eure Ohren, während ihr euch einzig und allein darauf konzentrieren könnt, Knöpfe zu hämmern. Wer das ab und zu mal mag, darf zugreifen.

Entwickler/Publisher: Deadbeat Productions/Square Enix - Erscheint für: PC, Xbox One - Preis: 14,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: englisch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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