Call of Duty: WW2 - Test

Mit bekannter Formel zurück zu den Wurzeln.

Sehr zu meiner Freude ist Call of Duty mit seinem diesjährigen Ableger zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Zum Zweiten Weltkrieg als Schauplatz. Das hat bereits in einer guten, kurzweiligen Kampagne resultiert, wie ihr unserem Artikel dazu entnehmen könnt. Aber was Call of Duty ja größtenteils ausmacht, ist die Multiplayer-Komponente, mit der wir uns hier im abschließenden Test befassen.

Alles in allem hat Sledgehammer Games ein abwechslungsreiches Portfolio an Maps und Modi erschaffen, die sich an verschiedene Spielstile und Präferenzen richten. Es gibt offene und verwinkelte Schlachtfelder, auf den unterschiedlichen Karten sind verschiedene Waffen eher zu bevorzugen als woanders. Hinzu kommen klassische Modi wie etwa Team Deathmatch, während ihr in anderen Spielvarianten zum Beispiel Kontrollpunkte erobert oder ihr spielt eine Variante von Capture the Flag, in der ihr einen Ball im gegnerischen Tor unterbringen müsst.

Komplett neu ist der Kriegsmodus, den man alternativ auch als Scharfschützenfest bezeichnen könnte. Wobei das jedoch schon ein bisschen ungerecht wäre, denn es hängt von der jeweiligen Stelle der Map ab. Jedenfalls ist er vergleichbar mit dem Rush-Modus aus Battlefield. Ihr habt ein Team, das angreift, und eines, das verteidigt. Die Angreifer müssen verschiedene Ziele erfüllen, in der Normandie etwa erst die Wälle am Strand durchbrechen, dann Bunker erobern, Geschütze zerstören und so weiter. Für jedes Einsatzziel bleiben ein paar Minuten Zeit, ansonsten gehen die Verteidiger siegreich aus der Schlacht hervor.

Und je nach Abschnitt der Maps könnt ihr froh sein, wenn ihr nicht unmittelbar, nachdem ihr euch auf offener Fläche befindet, via Quickscoping von einem Scharfschützen abgeknallt werdet. Es sind zugegebenermaßen nur einzelne Teile der drei verfügbaren Operationen mit diesen offeneren Arealen, aber die können für eine Seite schon mal frustrierend enden. Einmal müsst ihr beispielsweise eine Brücke bauen, habt aber praktisch kaum Deckung zu eurer Verfügung, rechts und links vor euch zudem noch Ruinen, in denen Sniper in erhöhter Position lauern können. Wenn das angreifende Team hier nicht funktioniert und die Brückenbauer mit Deckungsfeuer oder Rauchgranaten unterstützt und ihnen die Gegner vom Leib hält, könnt ihr das gleich vergessen. Abgesehen von solchen Augenblicken macht der Modus aber definitiv Laune und sorgt für spannende Momente. Zuweilen mit sehr viel Nervenkitzel, wenn ihr etwa innerlich eigentlich schon so gut wie aufgegeben habt, im letzten Moment aber noch eine kleine Verlängerung der Zeit möglich ist, weil ihr euch in der Nähe eures Ziels befindet, und es schlussendlich doch noch erfüllt wird.

Im Hintergrund werkeln die neuen Divisionen als Klassensystem. Ihr entscheidet euch für eine von fünf Divisionen, die als Grundlage eures Charakters dient - weitere Slots für andere Charaktere sind verfügbar, ihr könnt also alles mal ausprobieren. Die Spielstile unterscheiden sich hier ein bisschen und ihr bekommt unterschiedliche Vorteile, wozu etwa Brandmunition für Schrotflinten zählt, die Mitglieder der Expeditionsstreitkräfte erhalten. Die Infanterie kann unterdessen eine Bazooka als alternative Waffe mit sich herumschleppen. Durch Rangaufstiege und die Nutzung der Waffen schaltet ihr wiederum neue Schießeisen und Aufsätze für diese frei, mit denen ihr andere Visiere verwenden, mehr Schaden anrichten oder den Rückstoß reduzieren könnt.

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Der Social-Hub ist nett, wirklich gebraucht hätte es ihn aber nicht.

Alles in allem liegt der Fokus hier auf schneller Action. Soll heißen: Die einzelnen Waffen verhalten sich schon unterschiedlich genug und erfüllem ihre ganz eigenen Rollen, aber im Endeffekt geht man gewisse Kompromisse ein, zum Beispiel beim Rückstoß, um nicht allzu sehr in den Realismus zu verfallen, wie es die eher Hardcore-orientierten WW2-Shooter auf dem Markt tun. Ob das einem nun gefällt oder nicht, entscheidet die persönliche Präferenz, mich selbst zieht es eher zu dem System, das CoD nutzt.

Ohne Mikrotransaktionen kommt auch Call of Duty: WW2 unterdessen nicht aus. Ihr könnt (zwar noch nicht jetzt, aber bald) mit Echtgeld Lootboxen kaufen, die euch zusätzliche kosmetische Items bescheren, etwa für euren Charakter oder für Waffen. Und bei kosmetischen Gegenständen soll es bleiben, versichert Sledgehammer Games. Wenn dem so ist, könnt ihr das Ganze wie ich getrost ignorieren und müsst euch keine Sorgen um Pay-to-win-Szenarien machen, bei denen Spieler, die Geld investiert haben, spielerische Vorteile bekommen. Und genau so sollte es sein.

Die Art und Weise, wie man diese Lootboxen ausliefert, kann man anhand dessen, dass man sich ansonsten bemüht hat, für eine stimmige Umsetzung zu sorgen, bestenfalls als "interessant" bezeichnen. Kurz zur Erklärung: Als Grundlage dient im Multiplayer-Modus euer Hauptquartier, ein sozialer Hub, den man am besten mit dem Turm aus Destiny vergleichen könnte. In dieser kleinen Spielwelt nehmt ihr bei NPCs neue Aufträge an, absolviert ein paar kleine Minispiele, schaut euch Matches an, während ihr in der Warteschlange auf euren Einsatz wartet oder kauft besagte Lootboxen. Die werden dann von einem Flugzeug abgeworfen, landen vor euren Füßen und euch springen drei große Karten ins virtuelle Gesicht, die eure Beute zeigen - so, wie das halt damals im Zweiten Weltkrieg war, als Opa seine Waffe neu lackieren wollte. Zumal auch andere Spieler das sehen können und es sogar eine eigene Aufgabe dafür gibt, einen Spieler dabei zu beobachten. Das ruiniert irgendwo ein bisschen die ansonsten gelungene Umsetzung dieses Hubs.

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Auf den Maps wird unter anderem auch in London gekämpft.

Bleibt noch der Zombie-Modus, der mittlerweile aus Call of Duty nicht mehr wegzudenken ist und diesmal auf den Namen "The Final Reich" hört. Ihr nehmt es darin mit zahlreichen Wellen untoter Widersacher in einem bayerischen Dorf auf. Was gibt es schöneres als das? Rein spielerisch ändert sich nicht viel: Ihr müsst weiterhin eure Aufgaben erfüllen, Hebel umlegen, Geheimnisse aufspüren und euch dabei die durch die Gegend schlurfenden Zombies vom Leib halten. Sorgt für jede Menge Spaß, wenn man mit dem richtigen Team unterwegs ist, und ist wie immer eine gute Ergänzung.

Und damit ihr das Ganze immer und immer wieder spielt, belohnt man euch Stück für Stück mit Upgrades für eure Ausrüstung, ebenso mit passiven Buffs oder weiteren Slots für Loadouts. Damit könnt ihr euch auf verschiedene Spielstile vorbereiten und euch beispielsweise eher ums Niedermähen der Zombies kümmern. Oder aber ihr sorgt für Unterstützung und Heilung, ganz wie ihr wollt. Lootboxen gibt es selbst hier, allerdings nicht nur in kosmetischer Form, was bei einem kooperativen Ablauf aber eben nicht unbedingt das Spielerlebnis ruiniert. Ihr könnt Extras wie mehr Wiederbelebungen oder eine Panzerschreck bekommen, die mit den Untoten kurzen Prozess macht. Das sind übrigens Verbrauchsgegenstände, daher solltet ihr sie wohlüberlegt einsetzen.

Am Ende hat auch Call of Duty: WW2 wieder einiges zu bieten, wenn euch alle Bestandteile des Gesamtpakets interessieren. Ob ihr aber 60 bis 70 Euro nur für eine knapp acht Stunden lange Kampagne ausgeben wollt, ist etwas, was ihr ein weiteres Mal mit euch selbst ausmachen müsst. Hier bleibt nur zu sagen, dass die Story gut und mit viel Action umgesetzt wurde, eben so, wie man es von einem Call of Duty erwartet. Das bedeutet aber zugleich, dass es erzählerisch hinter dem zurückbleibt, was möglich gewesen wäre und zumindest in kleinen Ansätzen vorhanden ist. Im unterhaltsamen Multiplayer-Part geht es ebenfalls schnell zur Sache. Ist nicht für jedermann, aber ich habe meinen Spaß damit und mag es gar nicht, wenn es in puncto Handling zu realistisch ist. Dafür gibt es wie gesagt die Hardcore-Shooter. Aber das möchte CoD auch gar nicht sein.

Ansonsten: Der Social Hub ist nett, zwingend gebraucht hätte ich ihn jetzt aber nicht, die Lootboxen stören soweit dank kosmetischer Inhalte den kompetitiven Teil nicht und der Zombie-Modus macht wie immer Laune. Wenn ihr also in diesen Tagen mal wieder einen Shooter im Zweiten Weltkrieg spielen wollt, habt ihr derzeit mit Wolfenstein 2 und Call of Duty: WW2 die Qual der Wahl. Ersteres setzt auf ein fiktives Szenario und ist mutiger, Letzteres basiert auf realen Schlachten und bietet obendrein noch Multiplayer, orientiert sich insgesamt aber mehr an Schema F. Spaß macht schlussendlich jedoch beides. Ich persönlich hoffe jedenfalls, dass bis zum nächsten Ableger der CoD-Reihe in diesem Szenario nicht erneut so viel Zeit verstreicht. Und dann darf man gerne etwas mehr erzählerischen Mut beweisen.

Entwickler/Publisher: Sledgehammer Games/Activision - Erscheint für: Xbox One, PS4, PC - Preis: ca. 60 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Im Multiplayer

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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