This is for the players - Erica, Concrete Genie und Blood & Truth

Sonys kommende Indies

Frisches Material zu Spider-Man, God of War, Detroit: Become Human, ein kontrovers aufgenommener neuer Trailer zu The Last of Us Part II und mit Ghost of Tsushima die ersten Szenen von Sucker Punchs kommendem Titel: Sony hat sich auf ihrer Pressekonferenz vor Beginn der Paris Games Week wirklich nicht lumpen lassen und mit 21 Spieleupdates sowie sieben Neuankündigen der versammelten Spielerschaft ordentlich den Mund wässrig gemacht. Im Nachgang konnte ich auf einem Presseevent mit Entwicklern sprechen und teilweise auch etwas mehr an Spielszenen sehen. Nein, Ghost of Tsushima war leider nicht dabei, dafür aber einige spannende Titel aus der zweiten Reihe, die ich Euch gerne vorstellen möchte.

Erica

Da wäre zum Beispiel Erica. Laut Creative Director Jack Attrige vom englischen Entwicklerstudio Flavourworks ein interaktives Live-Action-Drama. Das bedeutet, der Spieler agiert in Echtzeit, erkundet die Umgebung nach Hinweisen und Gegenständen und beeinflusst mit seinen Entscheidungen den weitern Verlauf der Geschichte. Wenn Ihr jetzt direkt an Hidden Agenda oder Until Dawn denkt, liegt Ihr schon mal goldrichtig. Aber worum geht es eigentlich? Erica ist eine, seit einer schrecklichen Begebenheit in ihrer Kindheit, tieftraumatisierte Frau, in deren Erinnerungen sich der Schlüssel zur Identifizierung eines notorischen Serienkillers befindet. So behauptet es zumindest ein Freund von ihr, der sie zu einem Treffen in einem unheimlichen Gebäude auffordert. Dort wartet aber der vermeintliche Killer auf die verwirrte Erica und behauptet, die Gedanken würden sie trügen und eigentlich wäre alles ja ganz anders.

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In dem spielbaren Thriller Erica, ist in den Erinnerungen der traumatisierten Hauptperson die Identität eines Serienkillers vergraben. Die Story entwickelt sich zu einem echten Mindfuck.

Alles schön mysteriös und mit einer guten Portion Mindfuck versehen, geht es dann darum, in den verworrenen Erinnerungen irgendwie die Wahrheit zu finden und die Geschichte an Schlüsselpunkten mit eigenen Entscheidungen voranzutreiben. Das alles in einer herrlichen Düster-Optik, mit den besten Gesichtsanimationen, die ich seit langem in einem Spiel gesehen habe. Keine gruseligen starren Augen oder hölzerne Animationen, Erica und anderen handelnden Personen sind die Emotionen deutlich anzusehen, was dem spielbaren Thriller eine wirklich fantastische Realitätsnähe beschert.

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An Schlüsselstellen sollt Ihr Entscheidungen treffen, die den Verlauf der Geschichte maßgeblich beeinflussen. Erica ist als Teil der PlayLink-Reihe auch mit Smartphone oder Tablet spielbar.

Ein Durchlauf soll zwischen 90 Minuten und zwei Stunden dauern, je nachdem für welche Dialogoptionen oder Aktionen Ihr euch entscheidet, was so ungefähr der Laufzeit eines Kinofilms entspricht. Damit auch Wenigzocker, die mit den Möglichkeiten eines Dualshock nicht vertraut sind, problemlos in die Welt von Erica einsteigen können, ist das Spiel PlayLink-kompatibel konzipiert. Das heißt, es ist auf eine Steuerung mit Smartphone oder Tablet ausgelegt, wie beispielsweise die Partyspiele Wissen ist Macht, That's You! oder das Do-it-yourself-Abenteuer Hidden Agenda von Supermassive Games. Schön: Die Bewegungen auf dem Touchscreen des Handys werden sehr genau um- und die Steuerungsmöglichkeiten clever eingesetzt. So könnt Ihr zu Beginn des Spiels einen beschlagenen Spiegel mittels Wischbewegungen säubern oder eine Tür ganz behutsam öffnen, anstatt diese einfach aufzustoßen. Erica ist übrigens zwar ein reines Singleplayer-Spiel, aber ich bin mir sicher, dass sich, wie seinerzeit bei Until Dawn, schnell der Partner oder ein Familienmitglied dazugesellt und bei den Entscheidungen ein Mitspracherecht einfordert.

Concrete Genie

Concrete Genie vom Sony-eigenen Studio PixelOpus, den Machern von Entwined, gehört für mich ebenfalls zu den angenehmen Überraschungen der Präsentation. Ein Action-Adventure mit Puzzle-Elementen, bei dem Kreativität und Fantasiereichtum im Vordergrund steht und in einer richtig traumhaften Optik daherkommt. Der gequälte Held heißt Ash, ein Junge der in einer trostlosen Umgebung aus grauen Häuserschluchten Freude daran findet, farbenfrohe Kreaturen in sein Heft zu malen und von einer besseren Zukunft zu träumen. Zumindest so lange, bis ein Trupp Jugendlicher anfängt Ash zu mobben, sein Kunstheft zerreißen und die Seiten in alle Winde verstreuen. Damit ist die grundlegende Aufgabe im Spiel schon mal klar: alle Seiten wieder einsammeln, während die fiesen Schläger andauernd hinter einem her sind. Nur gut das Ash einen magischen Pinsel und Töpfe mit ebenso magischen Farben in der Umgebung findet, mit denen er Landschaften und Kreaturen an die Hauswände malen und zum Leben erwecken kann.

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In Concrete Genie malt Ihr farbenfrohe Landschaften und freundliche Monster an die grauen Häuserwände, um die Welt lebenswerter zu machen.

Die Monsterchen helfen Ash den nächsten Abschnitt in der Stadt zu erreichen, in dem beispielsweise eine gelbe Kreatur per Blitz einen Motor zum Laufen bringt, der wiederum ein Tor öffnet oder eine rote Kreation mit Flammen eine Holztür verbrennt, die einen Weg versperrt. Zusätzlich lassen sich auch noch traumhafte Landschaften graffitieren, die den Smog aus der Stadt neutralisieren, die Welt einfach wieder ein Stück sauberer machen und dabei Ash als Lohn der Mühe wichtige Gegenstände beschert. Leider gab es nicht allzu viele Spielszenen zu bewundern, befindet sich Concrete Genie doch noch in einem recht frühen Stadium. Aber die einzigartige Optik aus den neonfarbenen Kunstwerken, die sich einfach per Controllerbewegung erzeugen lassen und dem düsteren "London um 1890"-Look der Stadt, hat mich direkt in seinen Bann gezogen.

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Schon irgendwie traurig: Die gemalten Monster sind die einzigen Freunde in der trostlosen Welt von Held Ash.

Blood & Truth

Außerdem wusste ich eigentlich schon immer, dass in mir ein waschechter Actionheld steckt. Eine Ein-Mann-Armee, die die bösen Buben im Dutzend umnietet und von dem sich sogar John Wick noch eine Scheibe abschneiden kann. Aber ich bin halt zu faul und spiele lieber Videospiele als mich tatsächlich in Gefahr zu begeben. Da kam mir doch Blood & Truth genau recht. Für das Ballerepos, inspiriert von der Action-Choreographie eines John Woo und britischen Gangsterstories a la Guy Ritchie, werde ich garantiert meine PS VR-Brille entstauben und so richtig schön unter den Bösewichten aufräumen. Die Entwickler London Studios, die bereits mit London Heist für ordentlich virtuelles Geballere gesorgt haben, schicken diesmal den ehemaligen Special Forces-Soldaten Ryan Marks ins Rennen. Der soll in der nicht sonderlich originellen Geschichte seine Familie vor einem ganz besonders üblen Gangsterboss schützen und das geht nur, wenn er alles tötet, was sich ihm in den Weg stellt.

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Blood & Truth ist eine echte VR-Schießbude, in der Ihr als Ex-Elitesoldat Ryan Marks die Londoner Unterwelt dezimiert.

Und es stellt sich einiges in den Weg. In der gut zehnminütigen Demo dringe ich in ein Casino ein, verschaffe mir mit den Kameras der Überwachungsanlage einen Überblick über die Standorte der bösen Buben, schalte den Alarm aus, platziere Bomben und niete gefühlt hunderte von Kanonenfutter-Schergen um. Klingt nach Schießbude, ist es auch. Aber eine verdammt gut gemachte, die mich tatsächlich mitfiebern lässt, wenn ich mich von Deckung zu Deckung bewege und reihenweise Kopfschüsse verteile. Mich hektisch umschaue, ob noch ein paar Gegner hinter mir lauern oder ich beherzt durch ein Fenster springe, wobei in Zeitlupe die Scherben um mich herumfliegen und der Blick nach unten ein flaues Gefühl im Magen hervorruft.

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Wie bei dem Vorgänger London Heist, könnt ihr Euch mit einer ganzen Reihe an unterschiedlichen Schusswaffen ausrüsten. Die Inszenierung der Over-the-Top-Action ist auf jeden Fall großartig.

Das wirkt alles so realistisch, wie ein Over-the-Top-Actionfilm im Kopf nur sein kann und ist für mich mit das beste VR-Erlebnis seit Resident Evil 7. In den recht kurzen Action-Pausen kann ich Zwischenbosse verhören, um mich weiter zum Overlord vorzuarbeiten. Und dabei entscheiden, ob ich den Fiesling mit einem Schuss ins Bein gefügig machen will oder es mit Worten versuche und ob ich ihn gnädigerweise am Leben lasse, nachdem er gesungen hat. Ob die Entscheidungen da groß was an der Story ändern? Wer weiß, ist aber eigentlich auch egal.

Entwickler/Publisher: London Studios / SonyErscheint für: PSVR - Geplante Veröffentlichung: 2018 - Angespielt auf Plattform: PS4

Entwickler/Publisher: Flavourworks / SonyErscheint für: PS4 - Geplante Veröffentlichung: 2018 - Angespielt auf Plattform: PS4

Entwickler/Publisher: Pixelopus / SonyErscheint für: PS4 - Geplante Veröffentlichung: 2018 - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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