Auf den ersten und zweiten Blick bieten die Pokémon-Spiele nur vergleichsweise wenig Tiefgang. Unter der knuddeligen Oberfläche stecken jedoch einige komplexe Systeme, die gerade im kompetetiven Spiel das entscheidende Zünglein an der Wage ausmachen können. Das wohl prominenteste Beispiel für solch eine Mechanik ist das sogenannte EV-Training.

Ihr könnt dieses System problemlos ignorieren und würdet es vermutlich nicht einmal bemerken. Seid ihr aber bereit, einiges an Zeit in einen durchdachten Trainingsplan zu investieren, könnt ihr auf diese Weise Pokémon heranzüchten, deren Statuswerte deutlich höher als die normaler Artgenossen sind.

Die Abkürzung EV steht für den Englischen Begriff "Effort Values", weshalb EV-Punkte im deutschsprachigen Raum auch häufig als Fleißpunkte bezeichnet werden. Es handelt sich demnach also um bestimmte Werte, die jedes Pokémon besitzt. Diese sind den sechs grundlegenden Statuswerten zugehörig, werden jedoch anders als diese nicht angezeigt. Vielmehr handelt es sich um versteckte Werte, die zwar vom Spiel gezählt, aber nicht ausgegeben werden.

Fleißpunkte erhaltet ihr automatisch durch jedes besiegte Pokémon. Je nach besiegtem Pokémon unterscheidet sich jedoch der Statuswert, auf den der EV-Punkt angerechnet wird. Insgesamt könnt ihr EVs in den folgenden Kategorien sammeln:

  • Angriff
  • Verteidigung
  • Initiative
  • Spezial-Angriff
  • Spezial-Verteidigung
  • Kraftpunkte

Sammelt ihr vier EVs in einer Kategorie, erhöht sich der entsprechende Status um genau einen Punkt (das volle Potential wird aber erst freigesetzt, wenn das trainierte Pokémon das Maximallevel 100 erreicht). Das Problem: Ihr könnt maximal 510 EV pro Pokémon sammeln und nicht mehr als 252 auf einen Wert verteilen. Die meisten Trainer entscheiden sich daher (aus gutem Grund) für den 252-252-6-Verteilungsschlüssel, bei dem zwei Statuswerte maximal trainiert werden und die Handvoll verbleibender Punkte in einen dritten Wert wandert.

Noch vor wenigen Editionen gestaltete sich ein entsprechendes EV-Training als entsprechend aufwendig. Hattet ihr herausgefunden, welche Pokémon die benötigten EVs abgeben, musstet ihr insgesamt 252 von ihnen besiegen, ehe ihr den Prozess mit einem anderen Wert wiederholen konntet. Müßig zu sagen, dass das wahrlich kein Zuckerschlecken war.

Inzwischen haben aber glücklicherweise verschiedene Methoden ihren Weg ins Spiel gefunden, mit denen ihr diesen Prozess ganz gehörig beschleunigen kennt.

Macht-Items für EV-Training in Pokémon Ultrasonne und Ultramond

Die erste Möglichkeit, den EV-Output deutlich zu erhöhen, sind Machtitems. Diese Gegenstände könnt ihr im Battle Dome für jeweils 16 GP kaufen, was durchaus ein sportlicher Preis ist. Trotzdem handelt es sich im Grunde um ein Angebot, das ihr nicht ablehnen könnt, da Macht-Items die verteilten EV pro besiegtem Pokémon um ganze acht Zähler erhöhen! Habt ihr vorher beispielsweise einen Initiative-EV von Zubat bekommen, sind es mit angelegtem Gegenstand ganze neun Punkte.

Folgende Objekte könnt ihr kaufen:

  • Machtreif
    Erhöht die erhaltenen Angriff-EV um 8.
  • Machtgurt
    Erhöht die erhaltenen Verteidigung-EV um 8.
  • Machtlinse
    Erhöht die erhaltenen Spezial-Angriff-EV um 8.
  • Machtband
    Erhöht die erhaltenen Spezial-Verteidigung-EV um 8.
  • Machtkette
    Erhöht die erhaltenen Initiative-EV um 8.
  • Machtgewicht
    Erhöht die erhaltenen KP-EV um 8.
Pokemon_Ultrasonne_Macht_Items

Pokérus: Doppelte EV bekommen

Eine kaum minder nützliche, aber deutlich schwerer einzusetzende Variante stellt der Pokérus dar. Dabei handelt es sich um einen Virus, der ausnahmsweise aber einen guten Effekt verbreitet. Ist ein Taschenmonster nämlich infiziert, verdoppelt sich die Anzahl der durch jeden Kampf erhaltenen EV-Punkte. Das Problem: Die Chance, einen erkrankten Pokémon zu begegnen, liegt bei lächerlichen 1:21.845. Das ist selbst um ein Vielfaches geringer als die ohnehin nicht gerade rosige Aussicht, ein begehrtes Shiny-Pokémon zu fangen.

Am schnellsten gelangt ihr deshalb über freundliche Mitspieler an ein vom Pokérus betroffenes Monster. Erkundigt euch in Foren, auf Youtube oder anderen Seiten - oft sind hilfsbereite Kollegen nur wenige Klicks entfernt. Zumal ihr eure eigenen Begleiter problemlos infizieren könnt, sobald ihr erst mal ein krankes Monster in euren Reihen habt. Nehmt es dafür einfach in eure Party auf, besiegt ein paar wilde Pokémon oder andere Trainer (muss nicht mit dem erkrankten Pokémon passieren) - und wenige Minuten später ist bereits euer ganzes Team vom gutmütigen Virus betroffen.

Ein letztes "Aber": Der Pokérus heilt nach wenigen Tagen automatisch, was umso ärgerlicher ist, da betroffene Pokémon eine Immunität entwickeln, ergo nicht erneut erkranken können. Parkt deshalb am besten stets mindestens ein infiziertes Taschenmonster in eurer Box - dort können sie sich nämlich nicht regenerieren.

Pokémon Ultramond / Ultrasonne: EV-Training mittels SOS-Chaining

Pokemon_Ultrasonne_Lunala
Selbst die stärksten Pokémon können sich mit dem richtigen EV-Training nochmals ordentlich steigern.

Das SOS-Chaining komplettiert das Triumvirat der großen EV-Trainingsmethoden und entspricht in weiten Teilen dem SOS-Hunting, das beim Fangen von Shiny-Pokémon zum Einsatz kommt und im entsprechenden Artikel auch noch einmal genauer beleuchtet wird. Im Kern geht es darum, das gewünschte Pokémon dazu zu animieren, konstant nach Verstärkung zu rufen, sodass ihr mehrere identische Monster auf einmal erlegen könnt.

Auf diese Weise erspart ihr euch nicht nur die erneute Suche nach dem jeweiligen Monster. Ihr erhaltet zudem ab dem Zeitpunkt, an dem die erste Verstärkung eingetroffen ist, doppelte EV für alle besiegten Pokémon (inklusive der, die sich währenddessen bereits auf dem Feld befinden).

Um diese Methode gezielt einzusetzen, benötigt ihr zuerst einmal mindestens einen Zitterorb. Dieser Gegenstand bringt wilde Kreaturen dazu, um Hilfe zu rufen, und kann nach Abschluss der fünften Prüfung in nahezu jedem Pokémon-Markt gekauft werden. Weiterhin solltet ihr ein hochgeleveltes Pokémon mit der Attacke Trugschlag im Team haben. Ist dieser Angriff erfolgreich, bleibt dem Gegner nur noch ein einziger Kraftpunkt übrig, was außerordentlich praktisch ist, da die Wahrscheinlichkeit auf Verstärkung umso höher ist, je geschwächter das ursprüngliche Pokémon ist.

Solltet ihr Runden verbrennen wollen (etwa, weil nur noch ein Monster auf dem Feld ist, dessen K.O. das Ende der Kette zufolge hätte), könnt ihr beispielsweise ein Gegengift auf ein nicht vergiftetes Pokémon anwenden. Der Versuch kostet euch eine Runde und da das Heilmittel nicht angewendet werden kann, wandert es nach dem erfolglosen Versuch zurück in euer Inventar, sodass ihr es nicht einmal verbraucht.

Die beste EV-Trainingsmethode

Das effektivste EV-Training erhaltet ihr durch die Kombination der obigen Methoden. Daraus ergibt sich folgende Formel:

(Standard-EV-Ausschüttung + Macht-Item-Bonus) x (Pokérum-Multiplikator) x (SOS-Ketten-Multiplikator) = erhaltene EV

In unserem Beispiel wollen wir Simsalas Geschwindigkeit-EV auf den Maximalwert von 252 bringen. Ist es vom Pokérus infiziert, trägt die Machtkette und kettet Zubats aneinander, sieht das Ergebnis pro besiegtem Zubat wie folgt aus:

(1 + 8) x 2 x 2 = 36 erhaltene EV (pro besiegtem Zubat)

Nach Adam Riese müsst ihr auf diese Weise lediglich sieben Ketten-Zubats wegholzen, schon habt ihr die 252-Initiative-EVs gesammelt - schneller geht's nun wirklich nicht mehr. Beachtet jedoch, dass euch einige Pokémon standardmäßig mit mehr als einem EV-Punkt oder gar Punkten in verschiedenen Wertekategorien belohnen, was unsere Rechnung freilich über den Haufen wirft. Informiert euch daher vorher, welche Pokémon welche EV ausschütten - und wie viele davon.

Beeren nutzen, um EV-Punkte zu senken und zurückzusetzen

Soviel zur wunderbar nachvollziehbaren Theorie. In der Praxis können euch jedoch die verschiedendsten Dinge einen Strich durch die Rechnung machen. Daher drängt sich die Frage auf: Was tun, wenn ihr euch "verskillt" habt? Gibt es eine Möglichkeit, gesammelte EV wieder zurückzusetzen?

Glücklicherweise erlauben einige Beeren das Herabsenken von EV-Zahlen, sodass ihr Fehler auch im Nachhinein noch bedingt korrigieren könnt. Nachfolgend alle Beeren und die Werte, die sie nach dem Futtern senken:

  • Setangbeere: Senkt den Angriff
  • Qualotbeere: Senkt die Verteidigung
  • Honmelbeere: Senkt den Spezial-Angriff
  • Labrusbeere: Senkt die Spezial-Verteidigung
  • Tamotbeere: Senkt die Initiative
  • Granabeere: Senkt die KP

Pro gespachtelter Beere sinkt der jeweilige EV-Wert um zehn.

Wo wir gerade bei seltenen Pokémon sind: Auf dieser Seite lest ihr, wo ihr Evoli finden und wie ihr alle Entwicklungen bekommen könnt. Außerdem haben wir für euch alle QR-Codes in Pokémon Ultrasonne / Ultramond zusammengestellt. Seid ihr zudem auf der Suche nach den neuen Aufklebern, solltet ihr einen Blick in unseren Guide über Herrscher-Sticker und ihre Fundorte werfen.

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