Star Wars: Die Letzten Jedi - Filmkritik

Der undankbare Mittelteil der Trilogie?

Buch und Regie: Rian Johnson
Darsteller: Daisey Ridley, Adam Driver, John Boyega, Carrie Fisher, Mark Hamill
Länge: 152 Minuten

Länger als ein Supersternenzerstörer

Vorweg: Disney nahm uns das Versprechen ab, auf Spoiler zu verzichten. Dem kommen wir gerne nach.

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Im Großen und Ganzen ist Episode VII Disney gut gelungen. Über die allgemeine Richtung - insbesondere über den tiefen Orbit, in dem sie um A New Hope gefangen schien - und einzelne kreative Entscheidungen J.J. Abrams' ließ und lässt sich jedoch trefflich streiten.

Ich mochte den Film, aber ich habe dem Regisseur und/oder den Autoren bis heute nicht verziehen, dass sie Chewie am Schluss einfach so an Leia vorbeistapfen und Neuling Rey die tröstende Umarmung spenden ließen. Ein kleines Detail, sicher, aber wichtig. Wie so viele kleine Details, die einen in diesem Film gedanklich ein bisschen räuspern ließen. Dennoch besteht wohl kein Zweifel daran, wie punktgenau der Humor saß und dass der Streifen trotz seiner Länge ein gutes Tempo ging.

Die Letzten Jedi leistet sich weniger Schnitzer im Detail, macht auf dem Papier so vieles richtig und sieht prächtig aus - und trotzdem verlor er mich mit jeder seiner ausufernden 152 Minuten ein bisschen mehr, bis der emotionale Höhepunkt für mich fast unbemerkt ein bisschen verpuffte. Was war da schiefgelaufen? Nun, schicken wir eine Einschränkung vorweg: Insgesamt schien der Film dem Publikum gut gefallen zu haben. Sogar zu vereinzeltem Szeneapplaus ließen sich die anwesenden Pressevertreter und "Influencer" hinreißen. Episode VIII ist - abzüglich ein bis zwei kurzer Shia-LeBouf-an-Lianen-Momente, also übertriebener Effektszenen zum Selbstzweck - vollkommen passables Popcorn-Kino. Aber ich hatte von Rian Johnson an dieser Stelle der neuen Trilogie vermutlich mehr erwartet.

Was genau, das weiß ich selbst nicht. Tatsächlich blitzt seine Indie-Credibility in den stärksten Momenten des Films gut durch. Die Charaktermomente, wann immer Rey und Kylo als die beiden Seiten derselben Medaille miteinander interagieren oder wenn selbst Nebencharaktere (die tolle Laura Dern als Vizeadmiral Holdo zum Beispiel) in kurzen Auftritten viel Charakter versprühen. Aber man merkt auch, dass er nicht weiß, wie man einen Spektakelfilm mit Muppetshow-Charakter sinnig auf beinahe drei Stunden streckt. Jede einzelne Einstellung hier sieht toll aus, aber im Verlauf betäubt es irgendwann.

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Der Cast beweist einmal mehr, dass er Scherzen bezüglich vermeintlich übertriebener Diversity in erster Linie überzeugende, charmante Leistungen entgegenzusetzen gedenkt.

Die Figuren müssen auf ihrer atemlosen Jagd auf parallelen Erzählebenen mit stark schwankendem Spannungsgrad gefühlt ein halbes Dutzend Mal gegen die unbarmherzig tickende Uhr Gegenstand X besorgen, Person Y finden oder Apparat Z lahmlegen - natürlich nur, damit am Ende doch wieder alles für die Katz war und man zum nächsten Teil der Quest übergehen kann. Es ist, als hätte Johnson in der Mitte einfach zwei Standard-Actionfilme aneinander getackert. Zwei schöne, oft nostalgisch stimmende und mit manchmal fast traumhaft guten Momenten punktierte Standard-Actionfilme, die am Ende einfach trotzdem nicht mehr sind als das.

Mit Blick auf den alles andere als inspirierten, aber frisch und energiegeladenen wirkenden direkten Vorgänger fühlt sich Die Letzten Jedi fast doppelt so lang an. Charakterbögen, über die man lange rätselte, werden einfach beendet, ohne dass man mehr erführe. Konflikte, die Figuren interessanter machten, werden beigelegt oder durch weniger Interessantes ersetzt und natürlich entsteht eine gewisse dramatische Situation nur, weil zwei Figuren nicht den einen, alles entschärfenden Satz miteinander wechselten. Ein besonders befremdlich eingeworfener Nebenplot, eine Hyperraumreise an einen anderen Schauplatz, während es für die Rebellen um Stunden geht, nicht Tage oder Wochen, wirkt komplett deplatziert, aus der Luft gegriffen und entgleisend. Und wie der Film bemüht versucht, nach dem brillanten BB8 neue Stofftiere zu erfinden, geht mittlerweile ein bisschen auf den Kranz.

So viel Gutes hier auch drin steckt und so unterhalten ich 75 Prozent der Zeit doch war, weil ich glaubte, der Knall, der sich in den besten Augenblicken von The Force Awakens andeutete, käme schon noch, so enttäuscht bin ich für den Moment doch von Die Letzten Jedi. Man traut ihm zu jeder Sekunde alles zu, nur um am Schluss zu merken, dass dieses Potenzial nie in Gänze abgerufen wird. Am Ende bleibt er deshalb wohl in jedem Fall sehenswert.

Wie das so ist, mit Trilogien: mit einer optimal strukturierten und gut in den achten einhakenden Episode IX, kann man diesen Film noch ein Stück weiter auf die Gute Seite der Macht hieven. Aber im Hier und Jetzt ermüdete doch ein wenig, wie der Plot aufgezogen ist, und wie sehr sich alles zu stark auf bekannte Tricks und diese ewigen Zufälle stützt, die das Universum schon immer verdammt klein erscheinen ließen.

Diese Ecke des Weltraums muss doch mehr bieten als Standard-Videospielplot um Standard-Videospielplot, endlose David-gegen-Goliath-Motive und heldenhafte Opfer, von denen man in dem Moment nicht einmal merkte, dass sie eines waren. Und dann das gebetsmühlenartige Beharren auf der Hoffnung, die bald wieder aufkeimen möge. Denn um was, wenn nicht das, ging es in der ersten Trilogie; im ersten Film? War all das für die Katz? Eine Frage, die Episode IX beantworten müssen wird. Mein Gefühl ist aktuell, so frisch nach dem Film nur, so langsam könnten wir an diesem hoffnungsvollen Ort endlich mal ankommen. Gerne auch, ohne ein Riesenraumschiff mit ein bisschen zu schwach bewachtem strukturellen Makel, das uns im Nacken sitzt.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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