Horizon: Zero Dawn - Soundtrack auf Vinyl - Review

Komponist: Joris DeMan und andere

Label: Sony Interactive Entertainment Europe

Stil: Hollywood, oft Howard, ca. 1994 bis 2008

Erhältlich über: Label, Discogs

Das Spiel: Schönheit in offener Welt, aber mit erzählerischem Tiefgang.

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Editionen: Es gibt genau eine Vinyl-Fassung und diese ist auch ziemlich final, was den Umfang angeht. Nicht weniger als vier Scheiben liegen in einer schicken, sehr dezent gestalteten Box, aber hier ein Hinweis an die Designer: Es gibt nichts daran auszusetzen, den Titel auf die Seite zu drucken macht sich im Regal übersichtlicher, wenn man ein paar Boxen dort stehen hat. Sonst aber nett, Aloys Schatten, der mit dem Futuredesign einmal um die Box herumgeht, ist fast schon ein Understatement. Innen habt ihr wie gesagt vier Scheiben, alle im eigenen Sleeve, jeder übernimmt das Coverdesign in Variation und eigener Farbe, die Pappe könnte hier aber ruhig etwas wertiger sein als sie ist. Ein bisschen billig. Bei den Vinyls selbst widerstand man der Versuchung bunter Vielfalt und so sind alle Scheiben schneeweiß und eindeutig beschriftet. Die 140g-Scheiben laufen als 33er und sind alle mit über 20 Minuten, teilweise mehr, gut gefüllt. Die Klangqualität ist dabei wirklich beachtlich, trotz der Laufzeit gibt es nie den Eindruck, dass da jetzt was leiden musste, Klangfülle und Bass sind tadellos. Auch gibt es kaum einen Hinweis auf Surface Noise, eine durchaus gewissenhaft produzierte Angelegenheit also.

Angehört:

Acht Seiten sind eine unglaubliche Menge an Material, fast vier Stunden Laufzeit stecken in dieser Pappbox. Da kann schon mal schnell der Hörer etwas überfordert sein, wo man anfangen, weitermachen und irgendwann aufhören soll und was bitte alles dazwischen passierte, wenn man mal ein paar Wochen oder Monate nicht reinhörte. Das ist bei Spielen nicht anders, hier ist die Lösung eine thematische Sortierung. Jede Seite läuft unter einem Motto, was auch den Stimmungen entgegenkommt. Ihr seid nicht ständigem Schleudertraumata ausgesetzt, wenn der Score von ruhiger Stadt zu dramatischer Szene, zum Kampf und zurück wechselt.

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Die ersten beiden Seiten, "Outcast" und "Seeker" betitelt, folgen in erster Linie Aloys Geschichte durch die Kapitel des Spiels, sind also oft die Untermalung von Schlüsselszenen. Julie Elven als Vokalise teilt sich hier oft die Hauptrolle mit der ersten Geige und es fällt auf, dass es kaum einen Track auf diese Scheibe gibt, bei dem man nicht den Eindruck hat, ihn schon mal gehört zu haben. Einiges erinnert an James Newton Howards ruhige Passagen in Waterworld, dann scheint sich The Village - ebenfalls Howard, De Man scheint Fan zu sein - dazuzugesellen, vieles hier und da und über allem einsam und selbst bei inhaltlich positiven Tracks irgendwie schwermütig Elvens sanfte Stimm-Töne. Es ist die vielleicht langweiligste Seite, hört man sie für sich, aber auch eine, die eben besonders viel Rücksicht auf Inszenierung und Dramaturgie der Szene nehmen muss und dort funktionierte jeder der Tracks dann sehr anständig.

Die dritte Seite, "Civilized", führt euch durch die Städte. Diese Tracks sind sehr eigenständig, schließlich ist es ja ihre Aufgabe, den Orten akustische Charaktereigenschaften zu geben und das klappt auch sofort, wenn ihr die Augen schließt. Ihr habt keine Probleme, euch in das eher rückständige Bergdorf zu versetzen - sehr schöne Kitsch-Fantasy-Klänge - , in das blühende Meridian auf dem Weg zu klassischer, aber doch fremdartiger Komposition, oder die Stadt der Fanatiker, in der ihr eine Art gregorianische Apokalypse hört, aber ganz sanft und friedlich, schließlich ist das Ende doch etwas, auf das man sich freuen sollte.

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Seite vier, "Moments", ist genau das. Einzelne Momente, kleine Storyeinsprengsel, kürzere Episoden aus der Haupthandlung, hier und da alles ein wenig eingesammelt, in den Scrabble-Beutel geworfen, geschüttelt und über diese Seite in Form von nicht weniger als 26 Tracks verstreut. Jeder kaum mehr als eine Minute. Alle Elemente aller Seiten scheinen hier ein wenig durch, vor allem aber ist es eine Art Reprise zu den ersten beiden Kapiteln. Es scheinen gelegentlich die elektronischen Elemente durch, die De Mans bisher beste Arbeit, Velocity 2X, auszeichneten, aber nur sehr zart. Ruhe mit einer tiefen Geige, die wiederum ein wenig von Joshua Bells Arbeit aus Angels and Demons gelernt zu haben scheint, hier und da sphärische, langgezogene Klänge zu einem zarten Teppich, nur selten spielt etwas Dramatik auf und wenn, dann nie länger als die eine Minute, die den Tracks vergönnt ist. Trotz der Zahl an Tracks eine sehr harmonische Erfahrung, diese "Moments"-Seite.

"Roaming" und "Explorer" sind die beiden Themen der dritten Platte und wenn man sich nicht in den Kopf gesetzt hätte, jeder Seite einen Titel zu geben, wäre einer der beiden für beide Seiten passend. Es sind die Tracks, die euch auf den langen Wegen durch die Welt begleiten. Praktisch alle Stücke beider Seiten strahlen Ruhe aus, haben sanfte Midtempo-Beats und hier und da immer wieder kurze Themen und Melodien mit einem recht hohen Wiedererkennungswert. Es ist exakt das, was man für solche Spielpassagen braucht, der Score liefert hier geradezu meisterlich und dass diese Scheibe weitestgehend friedlich im Hintergrund spielt und wunderbar "nebenbei" laufen kann, ist absolut gewollt. Fast schon ein klassisches Konzeptalbum und weniger eines, auf dem ihr die großen Hits sucht, die für sich stehen. Setzt dies aber bloß nicht mit Langeweile gleich, denn schließlich ist die Welt von Horizon abwechslungsreich genug und von friedlichen Tälern über dunkle Wälder zu wilden, weiten Prärien hat hier jede Landschaft eine eigene Stimme. Manchmal auch die von James Newton Howard, aber das weniger als zum Start der Reise durch diesen Soundtrack.

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Auf der letzten Platte lauert schließlich die Action. "Conflicts" deutet es zart im Titel an. Nach den ersten ruhigen Sekunden setzen die Trommeln schnell ein, aber es bleibt erstaunlich differenziert. Leisere Themen-Versatzstücke schweben im Hintergrund, ruhige Passagen bauen Spannung auf und sogar die Violine kehrt in dramatischen Momenten mit viel Macht zurück, begleitet erneut von Elvens Stimme. De Man findet hier und da zurück zu seinen elektronischen Einlagen, mischt sie unter und fügt sie so elegant in das Flair ein, das dieses Szenario zusammenhält. Völlig zurecht heißt dieses Kapitel Konflikte, was mehr ist als nur offener Kampf und so könnt ihr diese Scheibe als die Action-Nummer der Box dann einlegen, wenn ihr dramatischen, aber nicht simplen Drive haben möchtet.

"Secrets" schließt auf der achten Seite den Zyklus. Ihr habt eine Reihe von Schlüsselszenen, die euch die Geheimnisse der Welt zeigen und so ist der Name der Welt wohl passend gewählt. Es ist den ersten beiden Kapiteln nicht unähnlich, die erste Hälfte wird auch wieder von Vokalistin Elven unterstützt, aber es ist doch mehr Themen-getriebener. Ihr findet, wenn ihr so wollt, hier die Hauptthemen des Spiels als eine Art zufällige Suite und hier liegt auch das "Hitpotential" des Score. "Hologramm Myth" wäre jedenfalls meine erste Single-Auskopplung. Eine ausgezeichnete Auswahl, die einen sehr hochwertigen Score angemessen schließt. Wow. Vier Stunden sind rum. Es ist draußen dunkel geworden. Irgendwie fühle ich mich… Ich weiß nicht. Wie nach Horizon selbst ein wenig. Als sollte man die letzte Runde besser bald bestellen.

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Gehört und genossen auf...

Dies ist die "Eurogamer-Referenz-Anlage": Plattenspieler - Thorens TD 203 (Test); Phono-Verstärker - Pro-Ject Phono Box DS2 USB; Stereo-Verstärker - Teufel Kombo 62 CD-Receiver; Boxen - Nubert nu Vero 30 (Test); Kopfhörer: Beyerdynamic Amiron (Test) + A20 (Test)

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Das wäre noch zu sagen...

Eine Platte wie: Das Epos, von dem es erzählt.

Eine Art Fazit: Eine hochwertige Box, ein fairer Preis und eine wohlstrukturierte Reise durch die abwechslungsreichen Klänge eines der faszinierendsten Spiele der letzten Zeit. Nicht alles ist Gold, manches mehr Atmosphäre, aber eine solche echte Anthology ist nun mal keine "Best of" und große Momente gibt es immer noch mehr als genug.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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