Es ist ein wenig her, dass ich Bekanntschaft mit der Razer Blackwidow schloss, vor fast sieben Jahren war das. War die Blackwidow damals als mechanisches Keyboard noch ein wenig so etwas wie ein Exot, ist "mechanisch" heute im Gaming-Bereich fast schon der Standard. Auch der Preis war damals mit 150 Euro für ein sonst nicht gerade Feature-überladenes Keyboard nicht ohne, heute geht es deutlich billiger, deutlich teurer und nach wie vor dazwischen - je nach Switch 160 bis 180 Euro - liegt nun die Razer Blackwidow Chroma V2, die aktuelle Revision der ersten Chroma, die Alex vor etwas über zweieinhalb Jahren sich anguckte.

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Bunt, immer noch recht wuchtig, aber insgesamt vom Design recht konservativ: Razer Blackwidow Chroma V2.

Nun, zunächst einmal ist die Software im Vergleich zu 2011 ein ganz klein wenig anders. Hat sich einiges getan in den paar Jahren. Ihr schließt die Chroma V2 an und sofort öffnet sich ein Installations- und Download-Manager, der euch die aktuelle Version von Razer Synapse, einer umfangreichen Kommando-Zentrale, nicht nur für dieses Keyboard, sondern für alle Razer-Geräte, die ihr sonst noch haben könntet, zieht. Das ist sehr viel netter, als auf der Beta-Version einer Download-Seite im Neuaufbau herumzusurfen und vielleicht oder auch nicht den richtigen Treiber zu erwischen. Weniger nett ist es, dass ohne Registrierung nichts geht. Warum? Ist doch klar, der Hersteller kann es, also macht er es, Razer sind da sicher nicht die einzigen und ganz sicher nicht die Schlimmsten, aber es wäre nett, ein Stück Hardware konfigurieren zu dürfen, ohne sich erst mit Email, Benutzernamen, Datenangaben und Passwörtern herumschlagen zu dürfen. Der Mehrwert, Profile überall zur Verfügung zu haben oder diese in die Cloud zu speichern, ist nett, aber so etwas sollte optional sein. Mein Kaffeekocher lässt sich schließlich auch auf einem grundlegenden Level nutzen, ohne nach Hause telefonieren zu wollen. Noch.

Zur Software und was Razer Synapse euch im Gegenzug für die Registrierung bietet, später mehr, erst mal auf zur Blackwidow selbst. Was hat sich zur ersten Chroma geändert, was bringt ein Neukauf nach zwei oder drei Jahren denn nun? Haltet euch fest: nicht viel. Die Chroma V2 unterscheidet sich in erster Linie durch neue Switches, aus denen ihr bei der Anschaffung auswählen könnt. "Alt" sind die grünen und orangene Switches, die eine Eigenentwicklung von Razer sind, ganz speziell auf Gaming ausgelegt und extrem langlebig. So sagt man zumindest, denn ich habe jetzt nicht bei den 80 Millionen Anschlägen mitgezählt, so wenig wie ich bei den Cherrys ihre mindestens 50 Millionen großartig mitverfolgte.

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Die gelben Switches sind linear, haben einen sehr kurzen Weg und brauchen nur geringen Druck. Sie sind auch leise, aber ganz sicher nicht 'silent'. Vor allem nicht die ungepolsterte Leertaste, die laut und vernehmlich jede Betätigung quittiert.

Im Gegensatz zu den gelben Cherry-Switches, die es nicht gibt - wenn ihr davon lest, dann ist es entweder ein Fake oder der Fake wird als solcher benannt - gibt es die gelben Razer-Switches und im Gegensatz zu den bisherigen taktilen Switches sind sie linear. Das bedeutet, dass ihr nicht den Auslösepunkt zwischendurch spürt, sondern der Weg bis zum Anschlag runter gleichbleibend ist. Der Auslösepunkt ist natürlich auch hier nicht die Bodenplatte - der gesamte Hub beträgt sehr kurze 3,5 mm - sondern bereits nach nur 1,2 mm. Der Rücksetzpunkt ist damit identisch, was heißt, wenn ihr lernt eure Finger nach nur 1,3 mm immer wieder anzuheben, spart ihre bei einer längeren Session durchaus ein paar Meter Hubweg. Es ist auf jeden Fall ein großartiger Switch für gefühlvolle Schnelltipper- und Spieler, noch dazu ist sehr geringe Auslösekraft nötig, nur 45cN. Wem diese Werte bekannt vorkommen, der hat wohl schon mal von den Cherry MX Speed Silver gehört, die mit genau den gleichen Zahlen hausieren gehen. Solltet ihr mich fragen, welcher der beiden Switches - Razer Gelb oder Cherry MX Speed Silber - besser ist: keine Ahnung. Ich habe die Cherrys auf einer Ducky One probiert, ich habe die Razer Gelb vor mir, wenn mir jemand sagt, dass das der gleiche Switch wäre, würde ich ihm glauben. Beide sind ausgezeichnet, beide sind leiser als die meisten anderen mechanischen Switches, aber "silent" sind sie ganz sicher nicht.

Was sich die Blackwidow bewahrt hat, ist ihr stattliche Größe: fast einen halben Meter breit, 17 cm tief und vier in der Höhe - ohne die Füßchen. Das ist schon ein sichtbarer Faktor auf dem Schreibtisch. Mit 1,5 Kilo ist sie zwar nicht so schwer, aber gleichzeitig gibt es keine Anzeichen, dass an Stabilität gespart wurde. Sie liegt in ihrem Hartplastik plan auf und zeigt auch bei Misshandlung keine Anzeichen, aus der Form zu gehen. Die Tasten sitzen fest, wie leider auch das fest verbaute, mehrere Millimeter dicke Textilkabel. Eigentlich sind ja steckbare Kabel en Vogue, da zieht die Chroma V2 noch nicht mit. Das Kabel endet nach 1,5 Metern in einer Peitsche aus zwei USB-Steckern, wobei einer die Tastatur betreibt und das andere den seitlich rechts im Keyboard verbauten USB-Port. Dieser ist leider nach wie vor nur USB 2.0, hier hätte sich eine Revision wirklich ein wenig mehr Mühe geben dürfen, zumal es ja eh nur ein Passthrough ist. Außerdem, eigentlich gehören solche Ports nach hinten, damit sie der oft rechts liegenden Maus nicht in den Weg kommen. Das dritte Kabel ist ein bidirektionales Klinkenkabel, der entsprechende Port am Keyboard sitzt ebenfalls rechts.

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Eigentlich gehören USB-Ports - so willkommen sie auch sind - nach oben, aber dann müsste man natürlich die Figürchen neu sortieren.

Auch die Chroma V2 muss sich an die Naturgesetze des USB halten und so ist macht sie ein 10-Key-Rollover mit Anti-Ghosting mit und das ist okay, den allermeisten dürften zehn Tasten gleichzeitig ohne Fehlauslösungen wohl reichen. Diese Anschläge werden mit 1 GhZ Ultrapolling vollzogen, so etwas wie der aktuelle Standard bei hochwertigen Keyboards, wenn es um die Reaktionsgeschwindigkeit geht. Dieser Wert dürfte bei aktuellen Betriebssystemen eh weitestgehend irrelevant sein, schließlich entsteht der Lag bei der Übersetzung des Tastendrucks und nicht, weil das Keyboard langsam arbeiten würde. Dedizierte Medientasten gibt es nicht, auch wenn die F-Tasten entsprechend beschriftet und über FN zu erreichen sind. Schade, zumindest Start, Stop und die Lautstärke dürfen sich heutzutage schon irgendwo eine Ecke suchen, auch Gamer konsumieren Filme und Musik. Fast schon Tradition sind die etwas abgesetzten fünf Makro-Tasten links, die das Manko der fehlenden Media-Tasten natürlich ein wenig ausgleichen können, wenn ihr sie entsprechend belegt. Oder ihr nutzt sie für alles andere, was ihr so braucht, einschließlich Makros.

Bevor es mit den Makros und der Synapse-Software weitergehen kann, jedoch eine Eigenheit, die mich ein wenig nervt. Okay, mehr als nur ein wenig. So sehr, dass ich ein Stück Filz nahm und es für mich auf so elegant - mehr oder weniger - wie effektive Weise löste. Die Leertaste hat ein komplett anderes Anschlaggeräusch als jede andere Taste auf der Chroma 2. Der Anschlag sonst klingt hell und leise - wenn auch nicht silent, das ist eine schon fast irreführende Bezeichnung -, der auf Space jedoch tiefer und nicht nur endet er mit einem lauten "Plock!"-Geräusch, es hallt sogar ein wenig nach. Das liegt an der Aufhängung, die scheinbar nicht präzise genug ist, um die breite Taste richtig zu fangen und so schlägt sie direkt auf den Boden auf. Plock.

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Die per Magnet gehaltene Auflage gehört zum Bequemsten, was ihr euren Händen antun könnt.

Die Leertaste ist auch die Problemzone der RGB-Ausleuchtung: Während sie im zentralen Feld bis an die Ränder links und rechts gleichmäßig und durchaus intensiv hell strahlen - oder vielmehr strahlen kann, es ist ja alles regelbar -, ist der Spalt unter der unteren Tastenreihe deutlich dunkler. Sicher, stört nicht, macht nichts, tut keinem was. Aber bei einem Keyboard dieser Preisklasse gehört es sich nicht. Vor allem weil die zahlreiche RGB-Konkurrenz damit scheinbar keine Probleme hat. Wirklich gut gearbeitet sind die Tasten selbst, wobei die Abstände zwischen ihnen mehr einer "normalen" Tastatur entsprechen und andere Gaming-Keyboards oft etwas mehr Platz lassen. Ich bevorzuge die Nähe der Tasten zueinander, aber das ist eine Geschmacksfrage, die sich nur durch Ausprobieren klären lässt. Sehr sauber gearbeitet und außerordentlich gut lesbar ist die Beschriftung, auch die Schriftart ist klar, funktional und schnörkellos, wie es sein sollte. Lediglich die Sonderzeichen auf den entsprechenden Tasten hätten ausgeleuchtet sein dürfen, aber das ist auch bei der Konkurrenz nicht so verbreitet, wie es sein sollte.

Die Software selbst ist natürlich eine deutliche Evolution gegenüber dem, was die ursprüngliche Blackwidow zu bieten hat, vor allem, weil sie - wie bei fast allen Herstellern - das gesamte Produktportfolio aus einer Oberfläche heraus managen soll. Das wiederum soll euch natürlich animieren, alles aus einer Hand zu kaufen. Was ich selbst zumindest nicht aus diesem Grund tun würde, aber das bleibt euch überlassen. Ihr habt die einzelnen Geräte und könnt dann zusätzliche Module installieren, in diesem Falle eine erweiterte Steuerung für die Beleuchtung und das Makro-Modul. Ohne diese Module habt ihr aber auch schon die Möglichkeit alle Tasten umzubelegen, wie es euch passt, die Helligkeit zu regulieren und auch, ob es irgendwelche wandernden oder pulsierenden Farbmuster geben soll. Dazu sage ich nur: Jedem seins, wenn es euch glücklich macht, bitteschön, die Möglichkeit gibt es auf jeden Fall.

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Die Anzeigen für den Makro-Aufzeichnungsmodus und den Gaming-Modus. Gaming-Modus heißt, dass die Windows-Taste deaktiviert wird und ihr nicht aus Versehen auf dem Desktop landet.

Sinnvoller ist die Möglichkeit, einzelne Tasten oder Blöcke wie WASD anders farblich leuchten zu lassen, was hier in Sekunden erledigt ist. Auch die Leucht-Koordination zwischen einzelnen Chroma-Geräten von Razer lässt sich hier einstellen, wenn ihr den Schauwert maximieren möchtet. Dafür gibt es dann auch zig Presets für viele populäre Spiele - Overwatch, Diablo, Tomb Raider und etliche mehr -, bei deren Start dann die Chroma V2 und andere Chromas mal mehr, mal weniger passend vor sich hin leuchten. Wenn euch an einem Keyboard die Leuchterei besonders wichtig ist, dann dürft ihr euch hier richtig schön austoben.

Die Makro-Programmierung ist ebenfalls ausgesprochen komfortabel und lässt sich problemlos im Anschluss bearbeiten - inklusive der Einstellung der Verzögerung bis auf die Tausendstel-Sekunde - und auf beliebige Shortcuts legen. Das können die fünf Makro-Tasten sein, aber natürlich auch alles andere, inklusive Maustasten, wenn denn die Maus von Razer kommt. Ihr könnt Makros auch On-The-Fly per Funktionstaste aufzeichnen und später editieren, was auch ohne Probleme klappte. Insgesamt könnte die Software etwas schneller reagieren, denn manchmal dauert es ein oder zwei Sekunden, bevor der Reiter gewechselt wird, aber innerhalb der Module läuft alles tadellos, intuitiv und aufgeräumt. Wäre da nicht die Zwangsregistrierung, gäbe es nur Lob.

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Das letzte Extra ist nicht direkt Teil der Chroma 2, schmiegt sich aber per Magnet sehr elegant an diese an: In der wie immer aufwändigen Packung findet ihr eine sehr schöne und noch viel praktischere Handballenauflage aus gepolstertem Protein-Kunstleder - stinkt nicht, auch bei schwitzigen Händen -, die einfach angelegt wird. Die Höhe ist perfekt, die Weichheit auch und wenn der Kopf schwer wird, kann man auch sanfter auf die Tischplatte aufschlagen. Das kann Leben retten. Ja, richtig gelesen, die Chroma V2 rettet Gamer-Leben in der Tiefe der Nacht. Und ganz ohne Scherz: Das ist eine der besten Handballenauflagen, die mir in den letzten Jahren unterkam. Wenn nicht sogar die beste.

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So spannend die erste Blackwidow ganz am Anfang des Jahrzehnts war, die Welt der Mechanik-Keyboards hat sich weitergedreht und die Razer Blackwidow Chroma V2 ist immer noch ein weitestgehend tolles Keyboard, aber längst nicht mehr der Leuchtturm in einem Meer aus Rubberdomes, wie es 2010 noch der Fall war. Sei es Corsair, ASUS, Ducky oder zig andere Hersteller, alle bieten Switches und Licht in Hülle und Fülle, auch in RGB-Wellen und als lineare Speed-Switches. Was also zeichnet die Chroma V2 aus? Die Verarbeitung? Ist sehr gut, stabil, aber es gibt so Details, wie die schwächelnde Ausleuchtung unten, der immer noch auf 2.0 laufende USB-Port oder der seltsame Klang der Leertaste. Die Software? Ja, ist etwas besser und aufgeräumter als bei manchem Konkurrenten, aber einzigartige Features bietet sie jetzt auch nicht wirklich. Wie gesagt, die gelbe Switch-Eigenkonstruktion von Razer ist hervorragend, aber das sind die von Cherry auch. Wo sind die intelligenten Sondertasten? Das gewisse Etwas? Ich selbst würde sagen, dass die perfekte Handauflagekissen als Feature reicht, aber da bin ich gerade angesichts des Preises wohl eher einsam unterwegs.

Die Razer Blackwidow Chroma V2 ist ein weiterer Kandidat in der 150-Euro-und-mehr-Premium-Preisklasse, den ich euch als insgesamt hochwertiges Tipp-Vergnügen ans Herz legen kann. Aber sie ist eben nur noch einer unter vielen und scheint sich immer mehr mit diesem Platz abzufinden.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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