Update (07.02.2018): Quantic Dream hat ein weiteres Statement zu den Vorwürfen gegen das Studio veröffentlicht (via Resetera und Eurogamer).

Darin behauptet das Unternehmen, Ziel einer "Verleumdungskampagne von einigen Nachrichtenmedien zu sein, basierend auf verleumderischen Ausführungen, deren Glaubwürdigkeit und Ursprung Fragen aufwerfen".

Erneut bestreitet Quantic Dream alle Vorwürfe und hofft, dass diese "fehlerhaften Informationen" nicht weiterverbreitet werden, um die Mitarbeiter zu schützen.

Weiterhin gibt das Studio an, dass die Vorwürfe zweier Mitarbeiter am 19. Januar vom französischen Handelsgericht abgewiesen wurden. Derzeit warte man noch ein drittes Urteil ab.

Um "den Ruf des Studios zu verteidigen und Arbeitsplätze zu schützen", werde man rechtliche Schritte nutzen.

Originalmeldung (15.01.2018): Die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima bei Quantic Dream (Heavy Rain, Beyond, Detroit) sind angeblich alles andere als rosig.

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Drei unabhängige Berichte dazu tauchten in den letzten Tagen in Frankreich auf, genauer gesagt bei Le Monde, Canard PC und Mediapart.

Den Studioleitern David Cage und Guillaume de Fondaumière wird unangemessenes Verhalten, eine Überstrapazierung der Mitarbeiter und das Zulassen eines vergifteten Arbeitsklimas mit sexistischen und rassistischen Witzen vorgeworfen.

Erwähnt werden zum Beispiel knapp 600 mit Photoshop manipulierte Bilder, die bis 2013 zurückreichen: "Die schockierendsten [Bilder] zeigen freie Mitarbeiter von Quantic Dream in Sexstellungen, zusammen mit homophoben oder sexistischen Beleidigungen oder sogar als Nazis", heißt es im Bericht von Le Monde (übersetzt von unseren englischen Eurogamer-Kollegen).

Die Bilder wurden anscheinend in Gruppenmails durch das Studio geschickt, zu den Empfängern zählten demnach auch Cage und de Fondaumière. Doch erst als der IT-Chef von Quantic Dream Anfang 2017 in einem solchen Bild auftauchte, fand man das komplette Archiv und Beschwerden wurden eingereicht. Cage und de Fondaumière geben an, die schlimmsten Bilder davor nicht gesehen zu haben, nur die "lustigen und mehr oder weniger amüsanten".

Cage wird als Person beschrieben, mit der schwierig zu arbeiten sei. Als Spitznamen für ihn seien "Papa", "God" oder "Sun King" im Umlauf. Die Gründe dafür seien sein autokratischer Arbeitsansatz, Überstunden und dass er anderen nicht zuhöre.

"David Cage hat eine ganz spezielle Sichtweise, was die Führung seines Studios betrifft. Seinen eigenen Worten nach betrachtet er es als privaten oder zumindest teilweise privaten Bereich. Er glaubt, dass er dort das Recht hat, zu sagen was auch immer er möchte, da es ihm gehört", wird ein früherer Mitarbeiter zitiert.

Einen aus Tunesien stammenden Angestellten soll er, nachdem ein Diebstahl auf einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde, gefragt haben: "Ist das ein Cousin von dir?"

Die Vorwürfe weist Cage als "lächerlich, absurd und grotesk" zurück: "Ihr wollt über Homophobie reden? Ich arbeite mit Ellen Page, die für LGBT-Rechte kämpft. Ihr wollt über Rassismus reden? Ich arbeite mit Jesse Williams, die für Bürgerrechte in den USA kämpft... Beurteilt mich anhand meiner Arbeit", sagt er.

Alles in allem seien Cage und de Fondaumière von den Anschuldigungen - oder dem "Geschimpfe" früherer Mitarbeiter, wie man es bezeichnet - "sehr überrascht" und "schockiert", berichtet Le Monde.

Quantic Dream hat dazu auch ein offizielles Statement veröffentlicht: "Heute veröffentlichte Artikel enthalten verschiedene Vorwürfe gegen Quantic Dream, das Management und die Angestellten. Wir weisen all diese Anschuldigungen kategorisch zurück. Quantic Dream hat vor Monaten eine Beschwerde eingereicht und weitere werden folgen", heißt es darin.

"Wir laden interessierte Parteien dazu ein, sich die Reaktionen unserer Mitarbeitervertreter und des 'Health & Security Committee' auf Fragen von Journalisten anzuschauen, bevor sie darüber berichten. Für unangemessenes Verhalten und Praktiken ist kein Platz bei Quantic Dream. Wir haben und werden solche Beschwerden immer sehr ernst nehmen. Wir schätzen jede einzelne Person, die bei Quantic Dream arbeitet. Für uns ist es absolut wichtig, eine sichere Umgebung zu gewährleisten, damit wir uns ganz auf unsere Leidenschaft zur Entwicklung von Videospielen konzentrieren können."

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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