Nicht jedes Problem, das gewaltsam gelöst werden kann, sollte auch gewaltsam gelöst werden. Nicht jeder Konflikt verlangt gleich eine Auseinandersetzung mit Fäusten - außer in der Welt von Dragon Ball. Dort prügeln Son-Goku und Kollegen schon seit Jahren aufeinander ein und welches Videospiel-Genre könnte dazu besser passen als ein ... richtig, Kart Racer! Nein, natürlich handelt es sich bei Dragon Ball FighterZ um ein reinrassiges Prügelspiel mit allem was dazugehört: Einer breiten Palette an Angriffs- und Verteidigungs-Moves, die wunderbar aufeinander abgestimmt sind, dazu jede Menge Spezialfähigkeiten und dazugehörige Spezialeffekte. Und ob man nun das Dragon-Ball-Franchise mag oder nicht: Dragon Ball FighterZ hat all das und sieht noch dazu unverschämt gut aus.

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Hier zieht Son-Goku seinem Klon mächtig eins über.

In der Regel finden Kämpfe bei Dragon Ball ja im offenen, weiten Raum statt, Gegner werden gegen Felsen in weiter Ferne geschleudert, die Figuren bewegen sich nach vorne und nach hinten, nach oben und unten, der gesamte Raum wird genutzt. Umso komischer wirkt es da zunächst, dass Dragon Ball FighterZ ein reinrassiges 2D-Prügelspiel ist. Das liegt unter anderem an Entwickler Arc System Works, der zuvor für die zwar gelobten, aber für Nicht-Genre-Veteranen etwas unzugänglichen Spielereihen Guilty Gear und BlazBlue verantwortlich zeichnete. Und obwohl das für Dragon-Ball-Freunde zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen mag: es tut dem Spiel wirklich gut. Zwar haben die Entwickler auf das aus Dragon Ball bekannte Fliegen weitgehend verzichtet, dafür aber in Sachen Kombos so aufgerüstet, dass am Ende äußerst schnelles und flüssiges Gameplay entsteht.

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Die Lobby dient dazu, die verschiedenen Spielmodi auszuwählen.

Wenn ihr das Spiel zum ersten Mal startet, findet ihr euch zunächst in einer frei begehbaren Lobby wieder, in der ihr eine Dragon-Ball-Figur im Kopffüßlermodus steuert. Ihr kennt diese kleinen Plastikfiguren mit übergroßem Schädel, die es in jedem Comic-Laden zu kaufen gibt und die in ihrer übermäßig niedlichen Art sofort Zahnschmerzen auslösen? Genau so. Im Grunde ist diese Lobby nicht viel mehr als der Ersatz für ein Menü. Von dort aus wählt ihr alle Spielmodi an, also etwa das Tutorial, den Story-Modus, den Multiplayer-Modus sowie die Arcade-Variante, in der ihr in klassischer Prügelspiel-Manier eine Gegnergruppe nach der anderen wegsemmelt. Und ja, ihr sucht euch nicht nur eine Spielfigur, sondern jeweils drei aus. Auf Knopfdruck könnt ihr im laufenden Match einen eurer Kollegen ins Spiel holen, der dann einen kurzen Angriff ablässt bevor er wieder verschwindet. Oder ihr wechselt eure aktuelle Figur ganz gegen eine andere aus, dann kann sich der Kollege auf der Reservebank von seinen Verletzungen erholen, wenn auch langsam. Das sorgt gerade gegen Ende längerer Auseinandersetzungen für Spannung. Wenn ihr nämlich wisst, dass ihr zwar noch eine Figur in der Hinterhand habt, die aber schon ganz schön angeschlagen ist und dann versucht ihr noch ein paar Sekunden mehr herauszuholen, um sie fit genug zu bekommen, wird es mitunter dramatisch.

Aber zurück zur Lobby, denn in ihr gibt es auch das, was mir derzeit in so gut wie jedem neuen Spiel erst mal den kalten Schweiß aus den Poren treibt, aus Angst, es könnte das ganze Spiel verderben: den In-Game-Shop. Dort könnt ihr sogenannte Zeni gegen, ja, Loot-Boxen eintauschen, wobei es sich allerdings um reinen Schmuck handelt, also etwa neue Lobby-Avatare oder Charakterfarben. Die Online-Funktion stand zum Testzeitpunkt noch nicht zur Verfügung, laut Entwickler soll es aber auch künftig nicht möglich sein, Loot-Boxen gegen Echtgeld zu kaufen. Ich möchte ihnen sehr gerne glauben, kann aber natürlich nicht mit Bestimmtheit ausschließen, dass sich Publisher Bandai Namco künftig doch noch für Echtgeldkaufmöglichkeiten entscheiden könnte. Aber selbst wenn, solange es kosmetisch bleibt, geht die Welt hier nicht unter.

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Innerhalb der Kampagne wird die Geschichte in tollen Anime-Sequenzen wie dieser hier erzählt.

Was so ein Prügelspiel letzten Endes ausmacht, sind aber natürlich nicht komische Lobby-Avatare mit Riesenköpfen, es ist das Kampfsystem selbst. Und da schießen die Entwickler wirklich aus allen Rohren. Die Steuerung ist leicht zu lernen, ihr kombiniert im Wesentlichen leichte, mittlere und schwere Attacken. Und das wirkt schon zu Beginn recht befriedigend, denn es braucht nicht besonders viel, um riesige Explosionen über den Bildschirm zu jagen. Die Figuren reagieren prompt und die Tatsache, dass in ihren Bewegungsphasen ein paar Frames fehlen können, wirkt nicht etwa abgehackt, sondern sorgt im Gegenteil stets dafür, dass ihr euch immer fühlt, als hättet ihr die volle Kontrolle über eure Figur. Nur so kann sichergestellt werden, dass ihr nicht in zu langen Animationen, die sich leicht ausbeuten lassen, festhängt. Mit jeder Attacke sammelt ihr darüber hinaus Ki-Energie, die ihr dann wiederum nützen könnt, um besonders haarsträubend-epische Attacken auf euren Feind niederregnen zu lassen. Zusätzlich gibt's für jede Figur eine Menge unterschiedlicher Kombos. Und natürlich verzichtet auch Dragon Ball FighterZ nicht gänzlich auf Luftkampfszenen. Die richtigen Attacken vorausgesetzt, bleibt ihr schon mal eine halbe Minute über dem Boden hängen und prügelt die Anime-Fetzen aus den knallbunten Kostümen.

So spektakulär die Attacken sein mögen, so gut funktioniert das Spiel auch, wenn ihr euch gerade in der Defensive befindet. Einsteiger mögen aus anderen Spielen das Gefühl kennen, sich überhaupt nicht mehr wehren zu können und einer endlosen Kombo des Gegners schutzlos ausgeliefert zu sein. Nun - das ist hier nicht so. Die Kämpfer sind so schnell und beweglich, dass ihr in den meisten Situationen feindlichen Attacken gut ausweichen oder sie sogar kontern könnt. Selbst Spezialfähigkeiten lassen sich oft - oder zumindest mit dem richtigen Timing - unterbrechen. Lohnen kann es sich auch, mit der Zusammenstellung der Dreierteams herumzuexperimentieren. Die Figuren spielen sich teilweise doch sehr unterschiedlich und es ist hilfreich, für jede denkbare Feindtaktik den richtigen Counterpart dabeizuhaben. Das ultimative Team dürfte es dabei nicht geben, aber sich heranzutasten, ist Teil des Spaßes.

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Auch ohne große Prügelspiel-Erfahrung sind solche Effekte auf dem Bildschirm keine Seltenheit.

Dragon-Ball-Fans werden eh ihren Spaß an den verschiedenen Figuren haben. Ich habe mir sagen lassen, dass das Spiel neben einem eigens geschaffenen Bösewicht Charaktere aus Dragon Ball Super, Dragon Ball Z und Dragon Ball GT enthält. Noch dazu treten die in einer eigens für das Spiel geschaffenen Kampagne gegeneinander an. Diese wiederum ist ganz im Gegensatz zum oben genannten Arcade-Modus eben nicht einfach eine Reihe aufeinanderfolgender Kämpfe. Stattdessen bewegt ihr euch zwischendurch mit einem Icon über eine Karte, auf der ihr andere Figuren aus den Dragon-Ball-Universen befreien und euch den klügsten Weg zum jeweiligen Boss aussuchen könnt. Auch das macht Laune und fügt sich gut in das Spiel ein.

Die Anime-Sequenzen zwischen den einzelnen Kapiteln sehen zwar hübsch aus, sind inhaltlich aber eher Füllwerk. Die Geschichte selbst macht dabei zumindest für mich als Nicht-so-sehr-DBZ-Eingeweihten nicht viel her, sie versucht eher notdürftig zu erklären, warum nun kämpft, wer gerade kämpft. Fans werden da aber immer noch genug Spaß an den Sequenzen ihrer Helden haben. Apropos Anime: Nicht nur die Zwischensequenzen sehen so aus, das ganze Spiel wirkt durchgehen wie J-Animation. Die Grafik empfand ich als eines der Highlights des Spiels. Es ist, als würdet ihr wirklich eine Kampfszene in einem japanischen Zeichentrickfilm spielen, absolut bombastisch. Dem entgegen steht die Musik, die wohl am ehesten Geschmackssache ist: Wüstes Gitarrengequietsche, Ausrufe auf Japanisch und Sound-Effekte die wirklich nur im Dragon-Ball-Universum klingen wie ein Schlag. Fans werden das mögen, womit man auch das als perfekt getroffen im Sinne der Vorlage abhaken kann, alle anderen drehen die Lautstärke gern ein bisschen runter.

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Ein Prügelspiel als spielbarer Anime ...

Insgesamt empfinde ich es regelrecht als schade, dass das Dragon-Ball-Franchise womöglich einige Spieler davon abhalten könnte, Dragon Ball FighterZ eine Chance zu geben. Denn hinter der Lizenz verbirgt sich ein astreines und toll balanciertes 2D-Prügelspiel, das auch Einsteigern eine Chance gibt, sich über den Kampagnen-Modus langsam den vielen verschiedenen Techniken und Taktiken anzunähern. Und selbst wenn es ab und zu doch mal ein bisschen frustrierend werden sollte, hält die Grafik einfach bei der Stange - Dragon Ball FighterZ sieht eben wirklich aus wie ein spielbarer Anime, wie ein guter obendrein. Für Dragon-Ball-Fans ist dieses Spiel ein Pflichtkauf, aber auch wer dem Franchise nicht viel abgewinnen kann, wird an der puren Prügelspielmechanik sicher seine helle Freude haben.

(Anmerkung des sonst eher Dragon-Ball-Z-abgeneigten Chefredakteurs: Markus hat recht. Ich bin kein Fan dieses Universums, selbst wenn ich einige der Spiele dann doch mochte, aber das hier ist ein richtig guter Turnier-Fighter und für mich mehr das neue Arc-System-Spiel als was mit DBZ. Man könnte natürlich sagen, dass sie einfach BlazBlue auf die neue Vorlage getrimmt haben, was in Teilen auch so ist, aber ich wüsste nicht, was daran schlecht sein sollte. Das einzige, was hier wirklich fehlt, ist ein echter Guilty-Gear-Soundtrack, sonst ist FighterZ top, egal ob ihr Dragon Ball mögt oder nicht. Hauptsache ihr wollt einen richtig guten Fighter haben. (Martin Woger)

Entwickler/Publisher: Arc System Works/Bandai Namco Entertainment - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: PC: etwa 60 Euro, PS4 und Xbox One: etwa 70 Euro - Erscheint am: 26. Januar 2018 - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsche Bildschirmtexte, japanische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

Dragon Ball Fighters Markus Grundmann Effektgeladenes 2D-Prügelspiel mit schnellem Gameplay, toller Anime-Grafik und fein balancierten Mechaniken. Story eher zweitrangig. 2018-01-24T09:22:00+01:00 4 5

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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