Es gibt da etwas, das hat mir an Minecraft immer gefehlt: Spielerführung. Klar, als Student hätte ich es wahrscheinlich genossen, mich viele Stunden in ein komplexes Aufbauspiel hineinzuvertiefen und so schnell kein anderes mehr zu brauchen, aber diese Zeiten sind vorbei. Ich mag nicht mehr lange herumprobieren um zu wissen, was ein Spiel von mir verlangt, ich will nicht, dass es Geheimnisse vor mir hat. Es soll einfach sagen, was es von mir will und dann gelingt mir das eben oder ich scheitere an der Aufgabe. Dragon Quest Builders kommt für mich da wie gerufen. Es ist wie Minecraft, es lässt mich eine Klötzchenwelt nach Belieben auf- und ausbauen. Es ist aber auch ein Action-Rollenspiel, das sich in verschiedene Quests gliedert und das mich sehr klar wissen lässt, was ich machen muss, um Erfolg zu haben. Diese Mischung funktioniert vor allem deshalb hervorragend, weil ihr in den meisten Situationen selbst entscheiden dürft, was ihr gerne lieber machen würdet: Rollenspielen oder Aufbauen. Das Spiel ist schon im Jahr 2016 erschienen, wurde jetzt aber auch für die Switch portiert - und macht sich auf Nintendos Hybridkonsole ganz wunderbar.

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Wirklich, eine Premiere. Bisher musste ich das Zimmer nie selbst bauen.

Dragon Quest Builders spielt in Alefgard, der Welt, die auch der Schauplatz des ersten Teils der Dragon-Quest-Reihe war. Was ihr vorfindet ist aber eine Welt in Ruinen, denn der bösartige Drachenfürst hat es geschafft, nicht nur alles zu zerstören, sondern gleichzeitig jedem Bewohner seinen kreativen Geist zu nehmen. Kurzum: Die Leute haben verlernt, wie man aus etwas dann etwas anderes herstellt, sie wurden degradiert zu sprechenden Säugetieren, die verlernt haben, wie man opponierende Daumen sinnvoll nutzt. Gut, dass jetzt euer Alter Ego als eine Art Erbauer in die Welt tritt, der als erster seit langem wieder weiß, wie man aus einem Haufen Erde einen Ziegelstein macht. Ihr seid somit der perfekte Schlüssel dazu, Alefgard wieder erblühen zu lassen und legt natürlich sofort los.

Die Entwickler versuchen gar nicht erst, zu verleugnen, dass ihre größte Inspiration Minecraft war. Zumindest die Spielwelt sieht exakt so aus. Im Gegensatz zu Minecraft schafft sie es aber deutlich besser, mich zum Bauen zu motivieren. Das Spiel erschlägt mich nicht mit unzähligen Möglichkeiten, es vermittelt mir stattdessen erst mal nach und nach, was ich brauche, um die Welt wiederaufzubauen. So baue ich nach und nach eine Mauer, dann einen Schlafplatz, ich erreichte ein Lagerfeuer und konstruiere Türen. Zwischendurch darf ich immer wieder die Gegend erforschen um mich auf die Suche nach bestimmten Rohstoffen zu machen, manchmal muss ich dafür auch ein paar Monster umlegen.

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Mit Mühe wird aus eurer Siedlung ein hübsches kleines Städtchen wie dieses.

Sobald ihr die Grundlagen beherrscht, nutzt ihr eure Konstruktionsfähigkeiten auch, um euren Charakter zu verbessern, baut ihm also beispielsweise eine neue Waffe oder Rüstung. Nicht zu vergessen - auch einen gewissen Vorrat an Nahrungsmitteln solltet ihr immer vorrätig haben, denn sonst sinken eure maximalen Lebenspunkte. Dragon Quest Builders ist bewusst einfach gehalten, auch das Kampfsystem ist simpel. Ihr prügelt schlichtweg auf den Gegner ein, bis der keine Lebenspunkte mehr hat und fertig. Das mögen Freunde komplexer Kampfsysteme kritisieren, ich für meinen Teil habe es sehr genossen, dass mich kein Bestandteil von Dragon Quest Builders länger aufgehalten hat. Es gab nie einen Moment, in dem ich nicht verstanden habe, wie eine Mechanik funktioniert. Dragon Quest Builders lässt euch einfach spielen wie ein Kind das im Sandkasten tut.

Wie Minecraft hat auch Dragon Quest Builders einen Tag-und-Nacht-Rhythmus, wobei ihr des Nachts besser in die schützenden Wände eurer Siedlung zurücklauft. Dann nämlich werden die Monster deutlich aggressiver, auch gänzlich neue Viecher tauchen auf, die ihr tagsüber gar nicht seht. Das ist aber auch schon der einzige Zeitdruck, den ihr verspürt. Zwar müsst ihr manchmal auch eure Siedlung gegen größere Monsterhorden verteidigen - bevor ihr das macht, werdet ihr aber gefragt, ob ihr bereit dafür seid. Wenn ihr also einfach nur ein bisschen herumlaufen, erforschen oder bauen wollt, könnt ihr das jederzeit machen. Etwas altertümlich wirkt das Inventarsystem. Ihr selbst könnt nicht besonders viel mit euch herumtragen - als Ausgleich dafür baut ihr Truhen in eurer Siedlung. Auch deren Kapazität ist aber begrenzt, weshalb ihr neue Truhen braucht, soll heißen: Ihr seid darauf angewiesen, euren Kram selbst zu sortieren, das Spiel erledigt das nicht für euch. Ich bin relativ gut damit gefahren, alles was mit Nahrung zu tun hat in der Nähe der Kochstelle zu lagern und alles, was beispielsweise dem Kampf dient, in anderen Häusern. Wer einfach Truhe neben Truhe baut, wird schnell den Überblick verlieren, es sei denn, er hat eine Art zwanghaften Ordnungswahn.

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Die Übersichtskarte sorgt dafür, dass ihr nie vergesst wo ihr seid - und wo ihr hin müsst.

Insgesamt unterteilt sich Dragon Quest Builders in vier verschiedene Kapitel, die euch jeweils eine eigene Siedlung bieten, die ihr wiederaufbauen dürft, außerdem gibt es jeweils eine eigene kleine Geschichte und verschiedene Charaktere. Denn eure Siedlung wächst von Zeit zu Zeit, je mehr Leute feststellen, dass es in der Gegend wieder jemanden gibt, der weiß, wie man Stein auf Stein legt. Die NPCs haben immer wieder auch Nebenquests für euch, wollen beispielsweise spezielle Zimmer oder in ihrem Haus bestimmte Einrichtungsgegenstände und belohnen euch dafür natürlich mal mehr, mal weniger reichhaltig. Ihr könnt von Anfang an nicht alles konstruieren, stattdessen baut ihr eure Crafting-Optionen immer weiter aus. Jedes Kapitel endet mit einem eher zähen Bosskampf - viel mehr als draufhauen könnt ihr nicht, schwierig ist es teilweise trotzdem, weil diese Gegner relativ viel aushalten. Zudem drohen sie, eure Siedlung wieder in Schutt und Asche zu legen. Dieses Element hätten die Entwickler ohne größere Probleme auch einfach weglassen können.

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Legt ihr euch in der Wüste mit zu vielen Monstern gleichzeitig an, wird es schon mal anstrengend.

Dramatisch sind diese Bosse unterm Strich aber nicht, denn Dragon Quest Builders fasziniert aus anderen Gründen. Es lässt euch jederzeit die Freiheit, ob ihr gerade lieber den Rollenspielteil verfolgen wollt oder einfach ein bisschen bauen - und das funktioniert vor allem auf der Switch hervorragend. Während ich im TV-Modus gerne Gegner umhaue und Quests erledige, macht es mir im Handheld-Modus eher Spaß, noch ein bisschen an meiner Siedlung zu basteln, am Abend im Bett beispielsweise oder nebenbei, während grad irgendein Blödsinn im Fernseher läuft, der ohnehin nicht allzu viel Aufmerksamkeit erforderte. Zwingt mich der Hunger nach neuen Ressourcen dann doch mal aus der Siedlung, macht es auch nichts, nebenbei noch ein paar kleine Abenteuer zu erleben, einer Figur am Wegesrand zu helfen oder ein paar bislang unbekannte Rohstoffe zu entdecken. Dragon Quest Builders passt sich euren Bedürfnissen eben an, es lässt euch als neurotischer Perfektionist eine symmetrische Traumstadt aus dem Boden stampfen, ihr könnt aber genauso gut als Freigeist über die Erdoberfläche wandern und euch an allem freuen, was ihr auf eurem Weg findet.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Switch-Version der PS4-Fassung technisch nicht ganz das Wasser reichen kann. Die Switch kann sowohl angedockt als auch im Handheld-Modus nur 720p, die Sony-Konsole schafft es auf 1080p. Inhaltlich gibt es ein paar kleinere Unterschiede, so hält die Switch-Fassung ein exklusives Reittier bereit. Die Unterschiede sind marginal und auch grafisch ist es bei einer so simplen Lego-Grafik relativ egal, ob ihr nun mit 720p oder 1080p spielt. Entscheidend ist viel mehr, dass sich Dragon Quest Builders wirklich hervorragend für den Handheld-Modus eignet - insofern würde ich die Switch-Fassung aktuell jeder anderen Version vorziehen.

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Das Kampfsystem ist etwas trivial - aber es funktioniert.

Dragon Quest Builders ist auch über zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung noch ein großer Spaß - umso mehr auf der Switch. Der fliegende Wechsel zwischen Aufbauspaß und Action-Rollenspiel verliert einfach nicht an Reiz, es fühlt sich fast an, als würdet ihr von einem Spiel zum anderen wechseln. Klar, die Boss-Kämpfe sind nicht besser geworden und das Kampfsystem könnte primitiver kaum sein. Trotzdem ist die Abwechslung groß genug, dass Dragon Quest Builders langfristig Spaß macht - vor dem Fernseher, im Bett und in der U-Bahn. Wer Minecraft oder Rollenspiele mag, eine Switch hat und bisher keine andere Version von Dragon Quest Builders gespielt hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Entwickler/Publisher: Square Enix/Nintendo, Square Enix - Erscheint für: PS4, PS3, Vita, Switch - Preis: etwa 40 Euro (Switch) - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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