Sehr gut verarbeiteter und klanglich generell überzeugender geschlossener Hörer mit überraschend viel Räumlichkeit.

Neben dem sehr feinen Ultrasone Naos-DAC (Test hier) liegt nun noch ein zweites Paket aus dem schönen Bayern hier im Arm-aber-sexy-Berlin und es ist der Nachfolger einer kleinen Legende. Vielleicht ist das etwas zu viel gesagt, aber der Ultrasone HFI 780 hat sich schon einen guten Namen über die Jahre gemacht. Als einer der hochwertigen geschlossenen Standard-Kopfhörer im umkämpften Bereich zwischen 150 und 200 Euro hat er sich auf vielen Köpfen bei allen Musiklagen wacker geschlagen, gilt als recht neutraler Hörer - was er auch ist - aber mittlerweile hat er ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Zeit also für ein Update, den Ultrasone Pro 780i, Kostenpunkt ebenfalls etwa 150 Euro.

Ihr bekommt in einer stabilen Box ein solides Set an Zubehör gleich mitgeliefert: Leider kein Ersatzkabel, aber dazu später mehr, ein vergoldeter 6,3mm Adapterstecker, ein Set alternative Velours-Polster und eine softe und stabile Reisetasche aus Kunstleder. Alles also erst mal, was man so braucht. Kommen wir gleich zu dem Kabel. Dieses ist fest am 780i angebracht. Soweit, so nicht ungewöhnlich, aber die Länge von 2,5 Meter ist etwas seltsam. Das ist eine klare Hi-Fi/Studio/DJ-Länge, wobei sonst auch eher drei Meter üblich und manchmal auch etwas wenig sind. 2,5 Meter fest jedoch disqualifizieren den 780i jedoch schon fast als mobiler Hörer, schließlich will man ja nicht eine Rolle Kabel in der Jackentasche rumschleppen oder sich die Strippe um den Bauch wickeln. Schade, denn sonst spricht überhaupt nichts gegen den 780i als zumindest optionaler Reisebegleiter. Ein kürzeres Kabel und vielleicht eine beigelegte Verlängerung wären hier wohl sinnvoller gewesen.

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Im rechten Licht sehr schick, in der Realität wirken das silberne Plastik und vor allem der durchsichtige Gummiaufsatz mit der Schrift darunter schlicht etwas billig. Wohlgemerkt: rein optisch, auf die Verarbeitung lasse ich nichts kommen. (Ultrasone PRO 780i - Test)

Das Äußere des 780i gibt sich sehr unprätentiös, der Look eines No-nonsense-Arbeitstieres, das kam, um den Job zu erledigen und nicht, um in der U-Bahn Hipster-Blicke anzulocken (ehrlich gesagt, ich persönlich finde ihn hässlich, aber Schönheit liegt im Auge des Betrachters, also guckt euch die Bilder an.) Gleichzeitig habt ihr als nicht zu sehende Werte ein geringes Gewicht - knapp unter 300 Gramm ohne Kabel - und eine offenbar hohe Haltbarkeit. Jedenfalls macht keines der Elemente den Eindruck, schnell aufgeben zu wollen. Die Muscheln sind aus schlichtem, silbernen Plastik, leicht aufgeraut und das aufgeklebte Zierelement mit der Beschriftung an den Seiten ist ein dick gummierter, klar durchsichtiger Kunststoffaufsatz. Die Aufhängung knirscht zwar etwas in ihrem Gelenk, das es erlaubt, die Muscheln um 90 Grad nach vorn zu drehen und auch nach innen wegzuklappen, scheint aber den Widrigkeiten auch ruppigerer Nutzung gut gewachsen. Innen unter dem optisch etwas wuchtigen Plastik steckt ein praktisch unverwüstlicher Federstahl-Bogen der alles mitmacht und auch für den für einen Geschlossenen typisch strammen Andruck verantwortlich ist. Sollte euch dieser zu fest sein, könnt ihr den Bügel vorsichtig biegen, ohne dass gleich was abfällt und so dezent bis deutlich Druck rausnehmen. Mit seinen Gelenken bekommt ihr den 780i schön klein gefaltet, was natürlich immer ein Bonus auf Reisen ist - ganz im Gegensatz zum dafür zu langen Kabel.

Die Polster für die Muscheln sitzen fest, aber für einen geschlossenen Hörer nicht übertrieben fest an. Eher im Gegenteil, andere Geschlossene greifen da deutlich mehr zu und der Sitz ist sowohl bei der Protein-Kunstleder-Version - Protein sorgt für etwas mehr Atmungsaktivität - als auch bei den von mir bevorzugten Velours-Polstern ausgesprochen angenehm. Selbst nach Stunden fallen einem nicht die Ohren ab, auch wenn es natürlich aufgrund der Bauweise mit der Zeit schon etwas wärmer wird. Trotzdem, was geschlossene Hörer angeht, zählen die 780i auf jeden Fall zu den bequemsten.

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Ein großer Vorteil: Für den Preis ist das Paket mit Extra-Verlängerung, Adapter und brauchbarer Tasche großzügig. Ein großer Nachteil: Auch wenn es sich hier gut versteckt, das feste 2,5-Meter-Kabel ist für den mobilen Einsatz zu lang, für den stationären manchmal dann wieder etwas zu kurz. (Ultrasone PRO 780i - Test)

Der Kenner mag jetzt fragen, was denn nun der Unterschied zum HFI 780 ist, denn rein äußerlich, vom neuen Logo an der Seite, mal abgesehen, scheint es da wenig zu geben, was die beiden trennt. Ehrlich gesagt: Äußerlich und in der Ergonomie herzlich wenig. Der 780i ist in diesen Punkten ganz klar keine Neuentwicklung, sondern ein Produkt-Update, Zeit also, zu gucken, ob innen etwas mehr passiert ist.

Nicht neu - weil ebenfalls schon im HFI vorhanden - aber eine patentierte Ultrasone-Eigenentwicklung ist S-Logic Plus. S-Logic ist eine Technik, bei der die Schallwandler nicht zentral sitzen, sondern so arrangiert sind, dass dem Ohr eine Räumlichkeit "vorgegaukelt" wird, die gerade in einem geschlossenen Set technisch in der winzigen, abgeschlossenen Kammer gar nicht entstehen kann. Es ist aber kein Chip-Taschenspielertrick, sondern eine völlig valide Technik, die auf die Ortungseigenschaften der Hörmuschel abzielt und damit nicht den Klang selbst künstlich für einen Effekt abändert, sondern beeinflusst, wie ihr ihn wirklich hört. Das Plus steht für eine technische Verfeinerung dessen, mittels einer speziellen Klangkapseltechnologie, speziell bedämpfter Schallwandler und Bufferboards - Trennwand zwischen Treiber und Ohr - und soll weniger eine Verstärkung als ein Feintuning des Effekts sein.

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Unter der Haube: Eine dünne Metallplatte schirmt den Treiber ein wenig ab und lenkt die Schallwellen gezielt in die Öffnungen um. Dadurch entsteht viel mehr Räumlichkeit im Klang als es bei einem üblichen geschlossenen System möglich ist. (Ultrasone PRO 780i - Test)

Schaut ihr ins Innere der 780i - welches verdächtig dem des HFI 780 ähnelt - dann seht ihr die ungewöhnliche Anordnung des Treibers - 40mm Mylar - und wie immer ist die Nennung der Treibergröße der Auftakt für ein paar Werte: Die Impedanz von 35 Ohm ist recht niedrig, also auch für mobile Player geeignet, der Kennschalldruck mit 96 dB eher niedrig im Vergleich, aber S-Logic soll ein wenig was drauflegen, ohne dass es euer Gehör zusätzlich belasten würde. Insgesamt fand ich die 780i deutlich leiser und ohne einen Verstärker an mobilen Quellen wie Handys ein wenig schwächlich, wenn auch immer noch laut genug, um euch langfristig das Gehör zu schädigen. Der Frequenzbereich klingt mit 10 Hz bis 26 kHz im Vergleich zu manchem Konkurrenten kleiner, aber ehrlicher und der Preisklasse absolut angemessen.

Eine weitere Eigenheit von Ultrasone nennt sich ULE und steht für "Ultra Low Emission". Ein niederfrequentes magnetisches Feld, wie es für die Generierung von Klang in Kopfhörern - und auch Boxen - nun mal nötig ist, erzeugt eine magnetische Abstrahlung. Es gibt für diese Felder keine Grenzwerte, was schädlich ist und es ist nicht mal definitiv geklärt, ob sie überhaupt schädlich sind, aber weniger Abstrahlung ist nie verkehrt, also nehmt die MU-Metall-Abschirmung durch das entsprechend entwickelte Bufferboard als Bonus und sagt euch, dass ihr mit einem Ultrasone gesünder lebt. Vielleicht.

Bleiben wir lieber beim Klang, dem S-Logic Plus und damit kurz dem Setup. Eigentlich scheint sich der 780i mit seinem langen Kabel mobil nicht wohlzufühlen, aber mit 32 Ohm ist er nun mal Handy-tauglich und so darf das Sony Xperia ZX Premium ran, dass sich ja auch als HiRes-Walkman versteht. Als Kopfhörerverstärker dient ein Beyerdynamik A20 an der Anlage - siehe mehr dazu in der Vinyl-Ecke - und am PC ein ASUS Essence One.

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Auf der anderen Seite: Hier seht ihr den Treiber auf der Rückseite und wie die Membran von beiden Seiten wirklich nur an diesen 'Löchern' den Schall durchlassen kann. (Ultrasone PRO 780i - Test)

Ob das mit der Strahlungsreduktion klanglich was tut oder euren Kopf länger in Form hält, kann ich nicht sagen, aber was sehr deutlich einen Effekt hat, ist wieder S-Logic Plus. Die 780i sind ein geschlossener Kopfhörer, aber bei einer Blindverkostung würde man da erst mal nicht unbedingt darauf kommen. "Normale" Geschlossene haben naturgemäß sehr kurze, direkte Wege ins Ohr, der Klang sitzt direkt auf und dementsprechend bleibt die Bühne normalerweise sehr klein. Das kann gefallen, muss aber nicht und ist sicher auch nicht für jede Art von Musik ideal, um eine akustisch natürliche Wiedergabe zu bewerkstelligen. Hier kommt jetzt S-Logic ins Spiel und "öffnet" den geschlossenen Raum akustisch ein ganzes Stück. Das funktioniert auf jeden Fall, aber bei jedem Genre wieder ein wenig anders. Ihr habt definitiv mehr Tiefe für eine Staffelung der Instrumente und auch eine bessere Ortbarkeit, als wenn jeder Ton direkt gesetzt werden würde. Das kann auch Nachteile haben, aber zunächst einmal das allgemeine Verhalten des 780i.

Das generelle Klangverhalten ist erstaunlich neutral, so wie es auch schon beim HFI 780 der Fall war. Ein solider Bassdruck, aber keine Überbetonung. Eine weitestgehend sauber verlaufende Kurve bis in die Höhen. Die Dynamik der Tiefen könnte besser sein, gerade schnelle Tieftreffer reagieren etwas zögerlicher als es ganz ideal wäre. Ihr habt im unteren Mittenbereich nach wie vor ein paar Schwächen in der Auflösung, aber die sind weitestgehend zu vernachlässigen, vor allem, weil der Mittenbereich sonst zupacken kann und sehr lebendige Stimmen zaubert. Die Schärfe der Höhen beim HFI wurde scheinbar ein wenig abgefeilt, aber bei bestimmten Genres und Sounds bleibt trotzdem der Eindruck, dass die etwas gedrückt wirkende Klinge manchmal etwas zu sehr schneiden kann, gerade in ausdauernder Wiederholung. Das als Feinkritik, das übergreifende Urteil ist aber, dass der gute Ruf HFI 780 nicht von ungefähr kam und der 780i da wohl anschließen kann. Aber wo ist er am besten aufgehoben?

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Die Kunstlederpolster lassen sich leicht gegen Velours austauschen. Bequem sind beide, welche euch mehr liegen, müsst ihr ausprobieren. (Ultrasone PRO 780i - Test)

Fangen wir mal mit Filmen an, denn das gute Mittenverhalten in Verbindung mit S-Logic-Räumlichkeit plus der Rest sollte den 780i eigentlich zu einem fast schon prädestinierten Kino-Freund machen. Dazu kommt, dass sich im Praxistest zeigt, dass die Isolierung sehr anständig ist: Es kommt zwar schon ein klein wenig was nach draußen, aber dann müsst ihr schon ordentlich aufdrehen. Durchaus tauglich also, um den Familienfrieden zu wahren und trotzdem im besten Weihnachtsfilm aller Zeiten das Dach des Nakatomi Plaza lautstark explodieren zu hören. Bei leiseren Passagen merkt ihr vielleicht, dass ein wenig Sound nach innen drückt, aber dieser muss ebenfalls schon laut sein, um zu irritieren. Es sind was das angeht durch und durch Geschlossene, das heißt, dass euch irgendwann warm um die Ohren wird - zum Glück noch nicht innerhalb der Laufzeit eines Films - und sie sind auch keine Noise Cancelling, die ich flugzeugtauglich nennen würde, aber die Geräusche einer halbwegs friedlichen Bahnfahrt halten sie von euch fern.

Zurück auf die Leinwand und für den Start mit dem inhaltlich überraschend schwachen - selbst für die Erwartungen, die man an Luxus-Trash hat -, aber zumindest vom Lärmfaktor sehr ordentlichen Kong: Skull Island. Hier zeigt sich die klar die Stärke des S-Logic-Systems: Ihr habt jetzt kein Surround und manch offener Hörer wird euch noch mehr Stage bieten, aber für einen Geschlossenen ist das fantastisch. Hubschrauber kreisen und explodieren klar genug definiert, Monster kämpfen zu druckvollen Bässen, die belanglosen Dialoge sind klar verständlich, auch in Szenen, wenn es donnert. Ein guter, klar definierter Action-Hörer. Wird es etwas ruhiger, zum Beispiel in einer der berühmtesten Szenen des Science-Fiction, hört ihr den Regen gut räumlich um euch herum fallen, während Rutger Hauers Stimme deutlich zentral sitzt und die Szene so an akustischem Umfang gewinnt. Hier zeigt sich aber auch im direkten Vergleich mit Sean Youngs höherer Stimme in zum Beispiel der Eulen-Szene, dass es diese leichte Schwäche im Bereich der unteren Mitten gibt. Während ihre Stimme im aktuellen Remaster des Films gestochen präzise und klar ist, wirkt der Nexus 6 ein klein wenig gedämpfter als er sein sollte. Vergleiche mit anderen Hörern zeigen, dass das nicht unbedingt sein muss. Aber ganz ehrlich, ein Drama ist das wirklich nicht, sicher keines, das euch von so dramatischen Szenen in irgendeiner Weise ablenken würde.

Filmen ist der 780i also mehr als gewachsen, da müsste S-Logic doch auch bei Spielen alles reißen können, was Geschlossene sonst vernachlässigen. Und ja, wenn es um räumliche Ortbarkeit innerhalb eines transparent aufbauten Klangraumes geht, der eigentlich technisch nicht da sein sollte, ist das wiederum erstaunlich und um so vieles besser als so manche Pseudo-7.1-Software-Lösung von Gaming-Headsets aus dem gleichen Preisbereich. In Witcher 3 seht ihr nicht nur die Weite der Landschaft, ihr habt auch einen akustisch zumindest etwas in den Raum greifenden Eindruck davon. Auch Schlachten im geräuschlosen Raum - von wegen - in Call of Duty: Infinite Warfare zeigen, dass der Weltraum eine Bühne sein kann, die die 780i gekonnt um euch herum aufbauen. Die Ortbarkeit von Schüssen und Gegnern ist beachtlich, effektlastige Sequenzen zaubern ihre Kunst und es macht einfach akustischen Spaß.

Die Bässe könnten manchmal etwas mehr krachen, aber dafür zeigt der Bass erstaunliche Reaktionsfreude in Präzision, ein Tausch, den ich nur zu gern in Kauf nehme. Wie es mit 2D steht, das direkter auf die Ohren gehen sollte, zeigt Castlevania: Symphony of the Night und auch hier fühlen sie die 780i ausgesprochen wohl. Vor allem bei den synth-orchestralen Stücken habt ihr einen fantastischen Sound über das Spektrum hinweg, der die manchmal Kathedralen-artige Musik dank jetzt schon oft genannter Räumlichkeit aufleben lässt. Diese kann manchen Dingen aber auch im Weg stehen und das sind klassische 2D-Aspekte wie Sound-FX, aber auch rockige Tracks. Es gibt wenig an der guten Auflösung auszusetzen, aber alles wirkt etwas zu abgesetzt, als würde jemand den Hörer ständig ein paar Millimeter vom Kopf weghalten. Kein echtes Problem, aber eines, das die 780i auch in ihre Stammdomäne, die Musik, mitnehmen.

Schön zeigt sich das bei der größten und besten Band, die jemals existierte, Queen, und ihrem ausgezeichneten 2011er Remaster des Miracle-Albums. "I Want It All" mag ziemlich totgedudelt und ein paar Mal zu oft auf Manager-Seminaren misshandelt worden sein. Das ändert aber wenig daran, dass dies eine wahnsinnige Stadion-Hymne mit einigen irren Gitarreneinlagen ist. S-Logic wirkt sich auf das Ganze folgendermaßen aus: Ihr habt die Drums im Hintergrund, wo sie ein klein wenig zu zurückhaltend sind. Mays Gitarre kommt dann in den Vordergrund, wenn sie soll, der stark ausgesteuerte Stereoeffekt im Solo übertreibt es aber nun ein wenig und lässt sie zu hoch fliegen, während die Stimme dagegen glasklar und brillant in die Mitte zementiert ist. Nehmt dagegen das direkt anschließende "Invisible Man", das nach dem klassischen Rock-Track mehr wie ein Synth-Pop-Stück wirkt. Hier kommt der Sound viel stabiler und die Bässe der Drums sind direkt, das Gitarren-Solo mit chirurgischer Präzision und die Mercurys Stimme könnte nicht eleganter eingefügt sein. Geht ein Album zurück, dort habt ihr die fast schon metallige Hymne "Hammer to Fall" und das sehr viel poppigere "Radio Ga Ga". Genau das Gleiche, beim Rock verstecken sich die Drums im Hintergrund, Effekte werden übertrieben, es wird schlicht zu viel Stage aufgebaut, die gar nicht nötig ist.

Das sei gesagt und nun kommt das ganz große Aber!!1: Das ist eine übersteuerte Detailkritik, die ehrlich gesagt auch nur für das Rock-Genre gilt. Und selbst dieses klingt immer noch ausgezeichnet. Es hängt ein wenig von den Vergleichsmöglichkeiten ab, wie sehr oder ob es überhaupt auffällt und diese vier Tracks geben auch schon einen guten Eindruck, wie stark die 780i generell performen. Sie sind erst einmal sehr gut aufgelöst und geben auch kleine Details lebensfreudig, manchmal fast schon etwas zu aufgeregt wieder, was man schön bei dem überbordenden Mittelteil von "Was It All Worth It" hören kann. Mitten werden ausgezeichnet dargestellt, Höhen kommen mit klarer Brillanz auch gegen das volle Spektrum dieses Soundorgasmus an und die Bässe zeigen mit dem Drum-Donner in den letzten Sekunden, dass sie schnell und präzise zuschlagen können, auch, wenn die am Ende gern noch ein ganz klein wenig wuchtiger kommen könnten. Aber insgesamt? Sehr beeindruckend.

Um mir nicht anhören zu müssen, dass ich die Kopfhörer nur mit Queen getestet hätte - was kein Problem wäre, weil was mehr als Queen braucht man wirklich? - schauen wir doch mal, was sie aus wenig optimalen Material herausholen können. Air Pavillions "Danger on the Street" ist ein Verbrechen, was die Aufnahme angeht - so schade bei dem Album -, aber der 780i wendet sich nicht ab. Hier zeigt sich, dass er dank seinem Auflösungsvermögen und der S-Logic-Stage sehr gnädig sein kann. Die dumpfen 128er-MP3-Files eines eh schon alles andere als genial gemasterten Albums klingen hier fast besser als auf den offenen und dezent teureren Beyerdynamic Amiron, die hier weniger Verständnis zeigen. Wow, wenn ihr eine Menge undankbarer Alben oder Files habt, dann ist der 780i geradezu perfekt dafür. Das Gegenprogramm ist Diana Kralls "Live in Paris", die als eine Art Referenzvinyl gilt und klanglich aberwitzig gemastert wurde. Und um das zu wertschätzen muss man nicht mal ein Fan der Musik sein, auch auf den 780i. Jedes Instrument und natürlich allem voran die ausdrucksstarke Stimme werden bei jedem der Tracks gefeiert. Vom Piano über den manchmal hyperaktiven Bass bis zur sparsam eingesetzten Gitarrenarbeit kommt alles mit absoluter Präzision, wobei sich kaum eine Vorliebe für einen Frequenzbereich erkennen lässt. Ein paar etwas zu scharfe Höhen hier und da, aber das ist zu vernachlässigen. Vor allem beeindruckt die Lebendigkeit der Mitten für einen Kopfhörer in diesem Preisbereich. Klasse, ohne Frage.

Ein kleines Genre-Schleudertrauma noch zum Schluss. Zuerst muss Waveshapers "66 MHz" zeigen, was bei Retro-Sounds kommt. Und das ist erstaunlich. Elektro scheint den 780i zu liegen und zwar richtig. Die Melodie in den Mitten zeigt sich sehr klar ohne zurückstehen zu müssen, die Höhen haben mitunter wieder ihre gewisse Schärfe, und die kann beim lauten Hören schon mal schneiden, aber die Bässe, die bei Rock so mal hüh und mal hott daherkommen, sind bei elektronischen Beats fast schon Präzisionswaffen. Das zeigt auch DREDDDs "Night of the Hunter", wo jeder Einschlag der Beats ein Statement für die Reaktionsfreude der tiefen Frequenzen ist. Es geht noch tiefer und raumfüllender, aber das wird dann auch teurer. So ist das schon beeindruckend. Dass diese Bässe mitunter ein wenig der Gnade der S-Logic-Wege ausgesetzt sind, zeigt "San Diego" von The Eternal Afflict. Während Nicht-S-Logics es hier nicht viel schlechter krachen lassen als bei den anderen beiden eben genannten Tracks, verschwinden die Drum-Einschläge hier fast vollständig hinter den Stimmen der Mitte und lassen den Track etwas nackt dastehen. Und ausklingen lassen wir es, wie es begann, mit Queen und ihrem - meiner eigenen, völlig bedeutenden und entscheidenden - Meinung nach besten Song: Innuendo. Eine akustische Tour de Force durch die Stile und insgesamt schlägt sich der 780i auch hier nicht nur wacker. Er glänzt.

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Beyerdynamic DT 770: Klassischer Konkurrent.

Was es noch gibt: Im Bereich der Geschlossenen gibt es vor allem einen großen Konkurrenten und das ist der Beyerdynamik DT 770, der um die 150 Euro liegt. Was er nicht bieten kann, ist die Räumlichkeit des Ultrasone 780i, aber bei manchen Genres kommt ihm seine Direktheit entgegen. Außerdem sieht er rein subjektiv besser aus.

Audio Technica hat mit dem ATH-PRO700 MK2 einen mit 180 Euro etwas teureren Konkurrenten im Rennen, der vor allem mit präzisen Donnerbass glänzt und sich auch sonst nicht viele Blößen gibt. Aber auch hier, Räumlichkeit ist noch weniger vorhanden als sonst schon bei Geschlossenen. Guter Hörer, wenn man direkt was auf die Ohren haben möchte. Pioneers HRM-7 dagegen, auch um die 180 Euro, fand ich zwar sehr schick, sehr leicht und bequem, aber trotz einer in den Werten unglaublichen Frequenzbandbreite, beim Hören etwas lustlos. Macht seine Arbeit, aber Dynamik und Klangfreude lassen zu wünschen übrig.

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Ultrasone PRO 780i

Am Ende ist immer wichtig, wie sie klingen. Das sage ich mir immer, wenn ich die Ultrasone Pro 780i aufsetze, denn vom rückständigen Design bis zu dem mal zu kurzen und meist zu langen festen Kabel ist das kein Stück Technik, das ich von seinen Äußerlichkeiten her liebhaben kann. Sicher, die Verarbeitung ist tadellos, der Sitz ist bequem genug für einen Geschlossenen und sogar der Lieferumfang versucht, mich mit Hingabe und viel Material vergessen zu lassen, dass äußerliche Schönheit nicht alles ist. Dann habe ich ihn auf und (fast) alles ist in bester Ordnung. Von der Präzision des Frequenzspektrums durch alle seine Bereiche über die Reaktionsfreude der Bässe bis hin zu der dank S-Logic stattlichen Bühne, die für einen Geschlossenen absolut brillant daherkommt, vor allem in diesem Preisbereich.

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Das ist auch ein wenig der Punkt beim 780i. Besser geht immer, aber dann wird es in diesem Falle deutlich teurer und wer die Vorteile eines geschlossenen Hörers möchte oder braucht, der kann mit dem 780i den Nachteilen zumindest bis zu einem gewissen Grad aus dem Weg gehen und das für relativ kleines Geld. Sicher, das macht den Ultrasone 780i nicht schöner und bei manchen Genres kann er zickig sein, aber hey, irgendwas ist immer und hier ist das denkbar wenig. Als Geschlossener unter 200 oder sogar etwas mehr Euro? Der 780i ist mein neuer Liebling.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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