Kennt ihr das? Ihr denkt nach, grübelt, euer Kopf raucht und ihr kommt einfach nicht auf des Rätsels Lösung, obwohl diese im Prinzip simpel ist. Ihr seht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und nachdem ihr es dann endlich herausgefunden oder im Internet nach der Lösung gesucht habt, schämt ihr euch ein bisschen, weil ihr nicht darauf gekommen seid. So einen Moment hatte ich in Fe. Ich überlegte, probierte und regte mich fast eine halbe Stunde lang auf. Nur um mich dann, nachdem ich auf YouTube ein Video mit dem Abschnitt fand, über mich selbst zu ärgern, weil mir die Lösung nicht einfiel.

Das steht jetzt nicht stellvertretend für Fe in seiner Gesamtheit, denn obwohl das Spiel ohne Worte und fast komplett ohne Erklärungen auskommt, fühlt ihr euch nie verloren oder hilflos. In meinem Fall war das ein Hinweis, den ich hätte sehen können, der mir aber entging. Passiert. Es war die einzige Stelle, an der ich ein Problem hatte. Insgesamt ist Fe so aufgebaut, dass ihr im Normalfall keine großen Schwierigkeiten habt, den nächsten Schritt herauszufinden. Die visuellen Hinweise sind da und eine auf Wunsch abschaltbare Markierung führt euch in Richtung des nächsten Ziels. Stockt ihr, ruft ihr ein Vögelchen herbei, das euch den Weg weist.

In Zeiten, in denen andere Spiele euch mit Tutorials und erklärenden Texteinblendungen erschlagen, ist es eine angenehme Abwechslung, Fe zu erleben. Ihr legt einfach los und stürzt euch in diese wunderschön stilisierte Welt, die den nordischen Wäldern und ihrer Mythologie nachempfunden ist. An dieser Stelle ein kleiner Verweis auf meinen Artikel zu Fe, in dem ihr mehr über die Hintergründe des Spiels erfahrt.

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Auch die Sprache dieser Kreaturen lernt ihr und setzt sie ein, um euch zu helfen. (Fe - Test)

Als Ersatz für die Worte und Erklärungen habt ihr visuelle Hinweise, Rückblenden und vor allem die Musik. Ihr spielt die Fuchs-artige Kreatur Fe, die mithilfe von Songs beziehungsweise Gesang mit ihrer Umgebung kommuniziert, ob mit Tieren oder Pflanzen. Sechs Sprachen gibt es insgesamt, die ihr im Spielverlauf freischaltet und die euch immer neue Wege eröffnen, mit der Welt zu kommunizieren und sie für eure Zwecke einzusetzen. Dazu dient der rechte Trigger. Mit dessen Hilfe findet ihr die richtige Frequenz, damit die Chemie zwischen Fe und einer Pflanze oder einem anderen Tier stimmt.

Das hilft euch in der Story und beim freien Erkunden der Welt. Das tut ihr übrigens auch nach dem Durchspielen, wenn ihr alles Versteckte sammeln und jede Ecke des Waldes erkunden möchtet. Lernt ihr zum Beispiel das Vogelgezwitscher, schaltet ihr damit an bestimmten Stellen nicht nur Eulen als Transportmittel frei. Ihr erhaltet zugleich Zugriff auf explosive Früchte, die euch neue Wege eröffnen. Andernorts reitet ihr auf Tieren, nachdem ihr euch mit ihnen angefreundet habt, oder benutzt Pflanzen als Sprungbretter.

Per Tastendruck und Kreismenü wechselt ihr in Sekundenschnelle zwischen den einzelnen Sprachen hin und her, kombiniert diese für unterschiedliche Rätsel. Zusätzlich sammelt ihr Kristalle, um damit weitere Fähigkeiten freizuschalten. Fe gleitet damit von Bäumen oder läuft schneller. Diese sind weitestgehend optional - das Gleiten ist nützlich und schnell zu erlernen -, schwieriger fällt das Spiel nicht aus, wenn ihr das erst später vervollständigt. Mehr Hintergründe vermitteln euch die Helme der Silent Ones, die ihr findet. Nimmt Fe einen davon aus, seht ihr eine kurze Sequenz aus der Perspektive eines dieser Wesen.

Den Silent Ones solltet ihr nicht zu nahe zu kommen oder euch zumindest nicht dabei entdecken lassen. (Fe - Test)

Alles in allem konzentriert ihr euch weitestgehend auf die Durchquerung der Spielwelt. Fe ist nicht in der Lage zu kämpfen, sondern nutzt seine Umwelt dafür. Manche Kreaturen wie zum Beispiel Bären machen kurzen Prozess mit den Silent Ones. Die im Gegenzug mit euch. Entdecken sie euch und verschwindet ihr nicht schnell aus ihrem Sichtbereich, fangen sie euch und es geht vom letzten Checkpoint aus weiter. Die sind großzügig verteilt, viel Fortschritt verliert ihr nie.

Außerdem hat Entwickler Zoink ein paar Stealth-Elemente eingestreut, die aber nie ausarten. Ihr versteckt euch in schwarzen Büschen, um an den Silent Ones vorbeizukommen oder bestimmte Kreaturen aus ihrer Kontrolle zu befreien. Zum Teil ist ein bisschen Nervenkitzel dabei. Schaut ihr euch gut um, findet ihr den richtigen Lösungsansatz für jede Situation. Kämpfe nehmen in Fe eine untergeordnete Rolle ein. In erster Linie ist das Spiel ein Platformer. Ihr springt, fliegt, hüpft und klettert herum. Das klappt überwiegend gut, doch ihr solltet aufpassen, wenn Fe einen Baum erklimmt. Ihr drückt mehrmals, bis ihr die Spitze erreicht, und dabei passierte es mir öfter, dass ich einmal zu viel die Taste betätigte und wieder vom Baumwipfel herunter sprang. Ist oft nicht dramatisch und insgesamt ist die Steuerung unkompliziert.

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Diese große Kreatur erklimmt ihr später Stück für Stück. (Fe - Test)

Dass die Sprache hier "fehlt", stört zu keinem Zeitpunkt. Und zwar deswegen, weil es Fe gelingt, seine Geschichte ohne Worte zu vermitteln. Die Prämisse ist simpel: Die "Silent Ones" genannten Gegner, mysteriöse, mechanisch anmutende Kreaturen, stören den Frieden im Wald. Sie fangen Tiere, transportieren sie an einen anderen Ort und ihr haltet sie davon ab. Ihr drängt sie zurück und erobert den Wald für seine eigentlichen Bewohner zurück. Wie ihr das alles interpretiert, bleibt am Ende euch überlassen. Verschiedene Themen scheinen dabei hindurch, darunter das Konzept, das alles miteinander verbunden ist, oder die Zerstörung der Wälder zu Zwecken der Wohnraumerschließung.

Ein großes Spiel ist Fe nicht. Mit der Hauptstory verbringt ihr in etwa sieben bis neun Stunden. Anschließend ist es möglich, die restlichen Sammelobjekte zu suchen. Die Welt ist semi-offen, mehre geräumigere Bereiche sind über lineare Pfade miteinander verbunden. Ihr verlauft euch hier garantiert nicht, gleichzeitig findet ihr immer noch Neues. Und das alles sieht obendrein wunderbar aus. Fe ist mit seinem einzigartigen Stil farbenfroh und ein schöner Kontrast zu anderen Titeln mit ihrem erdigeren Farbspektrum. Im Vergleich zeigen sich hier vielleicht weniger Details, doch niemals so wenige, dass es schlecht aussähe. Alles ist stimmig und ihr habt das Gefühl, dass das hier einfach passt.

Am Ende ist Fe kein bahnbrechendes Spiel, dafür aber ein einzigartiger Titel. Der wunderschöne Stil erfreut eure Augen und die Wortlosigkeit ist eine schöne Abwechslung zu anderen Titeln, die euch dauerhaft vollquatschen. Von Beginn an lässt euch Fe ganz ohne Ablenkung in seine stimmungsvolle Welt eintauchen. Schaltet ab, genießt die Klänge des Waldes, die beruhigende Musik und lauscht Fes Gesängen. Steht euch der Sinn nach einem neuen Platformer, der nicht gleich in ein überlanges Spielerlebnis ausartet, ist Fe eine gute Wahl. Und jetzt entschuldigt mich, ich habe noch ein paar Dinge einzusammeln.

Entwickler/Publisher: Zoink / Electronic Arts - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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