Ähm... ist das wirklich schon fünf Jahre her, dass ich Scribblenauts Unlimited testete? Nettes Spiel, danach verschwand die wahnsinnig sympathische Reihe ein bisschen in der Bedeutungslosigkeit, mit einem DC-Comics Spin-off und einem lange entwickelten, 2016 aber schließlich eingestellten Mobile-Ableger. Entwickler 5th Cell hat das gar nicht gut vertragen und operiert mittlerweile nur noch als Rumpfcrew, weshalb es nun die Finnen von Shiver Games für Warner richten sollen.

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Wer spielt denn freiwillig gegen die CPU? Ist auch nur solo möglich. Gemischte Mensch/KI-Konstellationen sind nicht vorgesehen.

Weil sich die Formel mit Unlimited schon ein bisschen abgenutzt hatte, mag sich Scribblenauts Showdown nicht mehr so ganz auf sein mächtiges, aber mit kurzer Halbwertszeit gestraftes Gimmick verlassen, Worte in animierte Figuren und Gegenstände zu verwandeln. Das chaotisch-gute Videospielanimations-Scrabble kommt diesmal in erster Linie als wettbewerbsfreudige Mario-Party-Variante daher, die mit der Macht der Worte um ein paar gelungene Slapstick-Einlagen reicher sein soll. Bis hierhin scheinen die Macher auf Kurs zu sein, die Reihe gelungen fortzusetzen, wie ich mich auf einem Anspieltermin in Hamburg überzeugen konnte.

Ganz die hohe Spielkultur ist es dabei natürlich nicht, immerhin sollen hier alle Altersklassen albernen und ein bisschen lehrreichen Spaß erleben können. Dazu sind in der titelspendenden Showdown-Spielvariante 25 Mini-Games für bis zu vier Teilnehmer dabei. Es gewinnt derjenige, der über die verschiedenen Felder des Spielbretts am schnellsten bis zum Ziel vorgedrungen ist. Anstatt zu würfeln zieht jeder Spieler eine Handvoll Karten, von denen er pro Runde eine ausspielt. Die bestimmt dann die auszutragende Disziplin und um wie viele Felder der Sieger vorrücken darf. Das klingt simpel genug. Allerdings kommt euch in den meisten Spielen natürlich ein umfangreicher Wortschatz zu Gute.

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Bei einigen Spielen kommen die Bewegungskontrollen zum Einsatz.

So sollt ihr zum Beispiel vor Beginn eines Wettangelns eingeben, was euer Köder sein soll, interessant wird es dadurch, dass Showdown schon mal den Anfangsbuchstaben vorgibt und so fast zum Rätsel gerät. Das Mini-Game selbst gerät einfacher, wenn sich das eingegebene ... Ding besonders für den vorgesehenen Zweck eignet. Das ist meistens gut umgesetzt und nachvollziehbar, etwa wenn ich beim Hürden-Wettreiten meinen (auf Wunsch auch selbst erstellten) Scribblenauten mit traurigem Ergebnis auf einer Hummel sitzen lasse, während mein Kontrahent im Helikopter voranfliegt. Warum sein Komodowaran aber ein besserer Angelöder gewesen sein soll als meine Kaulquappe erschloss sich mir nicht.

Ansonsten sind die Mini-Games eigentlich ganz nett, wenn auch unterschiedlich gut steuerbar. Das Angeln ist im Grunde Ridiculous Fishing, die Schwierigkeit besteht darin, die Beute vom Grund des Meeres im Frogger-Verfahren durch den regen Meeresverkehr bis zur Oberfläche einzuholen. Das hätte sich intuitiver und etwas weniger gewichtslos anfühlen können, war aber gegeneinander trotzdem ganz süß. Sehr gut gefallen hat mir das Spiel, in dem man mit einem Space-Shuttle selbst spezifizierten Weltraumschrott aufsammelt und ihn in einem Schwarzen Loch in der Mitte der Karte verklappt. Je schwerer die Gegenstände, desto früher erreicht man sein Soll - und wenn man auf dem Weg dorthin noch den Schrottschwanz des Mitspielers so touchiert, dass der noch mal von vorne anfangen darf, kommt große Schadenfreude auf.

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Mit der Zeit schaltet man immer umfangreicherer Gestaltungsmöglichkeiten für die Scribblenauten frei.

Zu den anderen Varianten, die ich sah - und nicht allesamt meine Kenntnisse deutscher Vokabeln abfragten -, gehörten eine überraschend spaßige Windjammers-Hommage und ein Wettessen. Die Frage, mit der das hier steht und fällt: wie macht sich das zu viert (ich konnte es nur zu zweit probieren) und wie oft macht das Spaß? Nach nur einem kurzen Durchlauf, habe ich darauf noch keine Antwort und selbstverständlich macht bei dieser Sorte Titel die Gesellschaft zu einem großen Teil das Spiel aus. Aber die Idee und die Inszenierung des zentralen neuen Spielmodus haben Potenzial. Wir werden sehen, ob es in der Praxis eingelöst wird.

Das Interface hat mir übrigens sehr gut gefallen: Die Auswahlscheibe für Buchstaben gleicht einem Blumenblatt, auf dem man zunächst eine Vierergruppe Buchstaben wählt, in der jeder einzelne durch einen anderen Button repräsentiert wird. Logisch, schnell und eingängig, Fehler unterliefen mir eigentlich nie.

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Der Verzicht auf eine PC-Version - und folglich auf Steam Workshop-Support - ist bedauerlich.

Natürlich ist auch wieder der Sandbox-Modus mit von der Partie, in dem man sich austoben und seinen Wortschatz so richtig von der Leine lassen darf. So zumindest der Gedanke. Natürlich löst ihr mit der richtigen Vokabel am rechten Fleck auch wieder die Problemchen der Bewohner, aber im Grunde ist es in Scribblenauts schon immer interessanter gewesen, die unzähligen überraschenden Reaktionen auf eigentlich nur wild in den virtuellen Raum geworfene Begriffe zu sehen. Hier muss sich Entwickler Shiver erst noch beweisen, dass mit genau so viel Liebe zum Detail animiert wurde.

Am Ende ist Shiver eben die große Unbekannte in dieser Gleichung, nachdem Serienerfinder 5th Cell bei Scribblenauts keine Rolle mehr spielt. Sind sie mit dem gleichen augenzwinkernden Pepp bei der Sache wie die Truppe um Jeremiah Slaczka, kann eigentlich auch abseits der sicher nicht ewig unterhaltsamen Party-Sessions nichts schiefgehen. Ich drücke die Daumen, dass das der Fall ist, denn ein Spiel, so unschuldig, kindlich und herzerwärmend verspielt wie ein Scribblenauts... nun ja, selbst mit einer magischen Tastatur und der richtigen Kombination aus Nomen und Adjektiv bekommt man das nicht mal eben auf die Reihe.

Entwickler/Publisher: Shiver Games/Warner Bros. - Erscheint für: Switch, PS4, Xbox One - Geplante Veröffentlichung: 6. März - Angespielt auf Plattform: Switch

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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