Der März 2018 könnte für PlayStation-Plus-Abonnenten einer der stärksten Monate überhaupt werden, oder zumindest schwer zu toppen, denn zwei großartige Titel stehen an, dazu eine belanglose Kickstarter-Kontroverse, die man jetzt mal ausprobieren darf, und... ein paar Spiele, von denen man nie viel hört, aber das macht nichts, dafür hat man ja ein Plus-Abo. Gucken kostet nichts extra. Die zwei Highlights allein sind schon von einer Größenordnung, die selbst ein Knack aus diesem Monat vergessen macht.

Alle Spiele hier sind ab dem 6. März für PlayStation Plus Abonnenten ohne zusätzliche Kosten verfügbar.

Bloodborne (PS4)

F...ing Bloodborne, man! Yippiekayyeah! Angesichts solcher Titel kann man sich leicht zu einem "Mit From Software kann man nie falsch liegen" hinreißen lassen, und wenn ich die vergangenen 25 Jahre so zurückdenke... Nein, sie haben selbst zu ihren schlechtesten Chromehounds-Tagen - kennt das noch irgendwer? - immer zumindest solides Mittelmaß oder mehr abgeliefert. Ich liebte Ninja Blade - kennt das noch einer? - und mochte sogar Enchanted Arms - das kennt ja wirklich keiner mehr - und die Souls-Games sind ohnehin der Stoff, aus dem Legenden sind.

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In diese Kategorie gehört auch das 2015 veröffentlichte Bloodborne, das viele Elemente der Souls-Spiele aufgreift, aber einen deutlicher erkennbaren Lovecraft-Horroreinschlag mitbringt. Der mag nicht sofort deutlich sein, aber keine Sorge, die Umwelt um euch herum wird nicht netter oder beruhigender, von den Gegnerhorden mal abgesehen. Diese sind ein recht eigenes Element, denn während euch ein Souls-Spiel eher selten in Gruppenkämpfe verwickelt, passiert dies hier deutlich schneller. Die gute Nachricht ist, dass ihr auch flinker unterwegs seid. Bloodborne basiert darauf, dass ihr in Bewegung bleibt, kontert und nach vorn geht und nicht hinter einem riesigen Schild kauert, bis mal kurz Luft ist. Es ist ein ganz eigener Rhythmus, der Bloodborne klar definiert.

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Dann wäre da noch die Legende, dass das Spiel schwer sei und man schnell stirbt, was nicht ganz falsch ist und für viele "Kostet nichts, ich guck mal kurz rein"-Spieler das Ende dieser Begegnung sein wird. Aber: Lasst euch nicht erschüttern. Rennt nicht wild in ein Gebiet, schaut euch an, wo Gegner sind, merkt es euch, probiert die Waffen aus, guckt, was euch liegt, und habt Geduld mit dem Spiel. Es schenkt euch nichts, aber was es hat, das ist viel wert. Eine außergewöhnliche, bleibende Spielerfahrung, die nicht bis Ostern ein ferner Erinnerungsschatten und bis Weihnachten vergessen ist, sondern bei euch bleibt.

Zum Test von Bloodborne

Ratchet and Clank (PS4)

Wenn ihr doch zu frustriert seid, spielt zwischendurch Ratchet and Clank. Dieses gelungene Reboot der PS2- und PS3-Maskottchentage ist ein Augenschmaus mit einem fast perfekten Comicstil. Farbenfroh, hinreißend animiert und immer wieder wirklich lustig. Jeder, der Mr. Zurkon nicht lustig findet, hat keinen Humor, das ist wissenschaftlich bewiesen. Mehr oder weniger jedenfalls, anekdotische Evidenz ist wissenschaftlich fundiert, oder? Egal, es steckt nämlich auch ein richtig nettes Spiel hinter all dem.

Sicher, viel Neues hat die Kreuzung aus 3D-Plattformer und Shooter der Welt nicht zu bieten, jedenfalls nichts, was die Vorgänger nicht schon zeigten. Die Level könnten ein wenig mehr Luft zum Erkunden jenseits des definierten Weges bieten, aber das vor allem, weil es so viel Spaß macht zu erkunden. Die Steuerung ist tadellos, die Waffen sind durchweg spaßig - allen voran Mr. Zurkon natürlich - und auch sonst gibt es hier nichts zu bekritteln, außer dass es eben für alte Kerle wie mich nicht viel Neues erfindet. Aber darüber sollte sich großzügig hinwegsehen lassen.

Zum Test von Ratchet and Clank

Mighty No. 9 (PS4 / PS3)

Was ist Mighty No. 9? In erster Linie eine Studie, wie man einen Kickstarter nicht macht. Wie man seine Fanbasis vergrault und/oder gegen sich aufbringt. Wie man am Ende des Dramas nicht mal ein Spiel abliefert, das den ganzen Terz wert war. Mighty No. 9 ist eine Art spiritueller Nachfolger von Mega Man, ein nicht allzu einfacher 2,5D-Hüpfer mit einem Helden, der seinem Vorbild mehr als nur ein wenig ähnelt, einem sonst praktisch nicht vorhandenen Art-Design, dröger Musik, die nichts von den legendären Qualitäten des Originals mitbringt, und immer wieder ein paar echten Problemen im Balancing. Es ist... okay. Gerade so. Ladet es herunter, guckt mal rein, dann gönnt euch bei Gelegenheit eine der Mega-Man-Anthologien. Oder wartet, bis sie im PS-Plus-Abo auftauchen.

Zum Test von Mighty No. 9

Angucken: Der Trailer gilt als Lehrstück, wie man es NICHT macht.

Claire: Extended Cut (PS4 / PS Vita)

Claire ist erstaunlich düster. Ich klickte - damals auf dem PC, ein Zufallskauf seinerzeit - zunächst ein wenig lustlos herum, aber nach und nach packte mich die in großen Pixeln erzählte Geschichte. Die Wahnvorstellungen einer Frau, entsprungen aus Depression und Verlust, können ganz schön spannend sein, wenn man sie richtig inszeniert. Es erinnert vieles an die guten Silent-Hill-Tage, die dauernde innere Unruhe wächst beim Spielen, es hat einen unguten, aber guten Grusel-Vibe mit etwas mehr Hintergrund und etwas intelligenter, als es sonst oft genug der Fall ist. Gut so, denn als Spiel ist es nicht so der Kracher. Für meinen Geschmack gibt es zu wenige Elemente, abgesehen vom langsamen Schleichen durch etwas zu viel Dunkelheit, wodurch das Spiel etwas zu unübersichtlich gerät. Wenn meine Erinnerung nicht täuscht - es ist ein wenig her -, empfand ich das Spielen selbst als anstrengender, als es sein müsste, um immer noch die gewünschte Wirkung zu erzielen. Trotzdem, wenn es schon mal da ist, nehmt es mit, guckt rein und wenn es euch abholt, umso besser.

Bombing Busters (PS4 / PS Vita)

Bombing Busters ist sonst nicht viel, aber richtig dreist auf jeden Fall. Wobei es schon ein wenig erstaunt, dass jemandem ein Bomberman-Klon gelingt, ohne so gut wie die alten Bombermans zu sein - das zu einem Punkt in der grauen Vorzeit übrigens mal "Eric and the Floaters" hieß, weil Bomberman in England zu sehr an die damals sehr aktiven IRA-Bomber erinnerte. Das war jetzt auch schon interessanter als Bombing Busters, denn noch mal in aller Deutlichkeit: Dass hier 2015 keiner verklagt wurde, lag nur daran, dass sich damals niemand für Bomberman interessierte, geschweige denn für eine mittelmäßige Kopie. Egal, spielt es mit einem Freund auf der Couch und sogar das hier ist solider Spaß für ein paar Bierchen, ganz als wäre es 1994. Nun, fast. Bomberman '94 ist das weit bessere Spiel.

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Legend of Kay Anniversary (PS3)

Ich kann leider nicht so viel zu dem Spiel sagen, außer dass das, was ich beim kurzen Anspielen bisher sah, ganz nett war, aber eigentlich wenig, was eine "Anniversary Edition" zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte der Spielwelt gerechtfertigt hätte. Egal, wenn die Entwickler zehn Jahre nach dem Launch noch mal nachbessern wollten, sind sie sicher nicht alleine in der Entwicklerwelt und es gibt Schlimmeres, als ein ganz solides Action-Adventure um eine Kung-Fu-Katze - sorry, Kater - noch mal auszugraben. Rumlaufen, Ratten und Gorillas mit Kung-Fu umhauen, zahllose Specials lernen und schön bunt ist es auch noch. Ich würde ja sagen, so machen sie sie heute nicht mehr, aber darüber belehrt uns Ratchet and Clank als deutlich überlegenes Beispiel eines Besseren. Trotzdem, laden und action-adventuren, als wäre es 2005, das tut hier niemandem weh. Auch wenn die Kamera gelegentlich eher an die PS-One-Tage erinnern möchte. Nicht, dass ihr vergesst, wie schlimm das mal war, wenn ihr euch vielleicht ein einziges Mal bei Ratchet and Clank über einen Kameraausrutscher ärgert.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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