Call of Duty WW II - State of the Game

Was kam, was ging und warum Events wichtiger sind als DLCs

Seit Call of Duty WW II Anfang November herauskam, hat sich in dem Shooter einiges getan. Updates und DLCs brachten in erster Linie neue Inhalte und Änderungen für den Multiplayermodus (inkl. „Zombies"). Ein näherer Blick zeigt, dass spezielle Community-Events noch mehr Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Kurz vor der Veröffentlichung des zweiten DLC „The War Machine" im April ist jetzt ein ganz guter Zeitpunkt zu schauen, wie sich das Spiel subjektiv bis dato entwickelt hat.

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'Shipment' ist zurück - nicht jeder ist glücklich darüber.

Seit wenigen Tagen ist für alle Plattformen das erste DLC-Pack „The Resistance" erhältlich, das frischen Karten-Nachschub und ein neues Zombie-Kapitel im Gepäck hat. Das Problem dieser Kauf-Inhalte: Sie spalten die Community, weil nur zahlungswillige Gamer die Maps in der Kartenrotation angeboten bekommen. So gut die Inhalte auch sein mögen - alle CoD-Spieler werden damit nicht erreicht. Schon allein deshalb haben meiner Meinung nach Community-Events wie die aktuell laufende Operation: Kleeblatt & platt bislang größeren Einfluss auf das Spiel. Die Aktion, die an die Feierlichkeiten zum St. Patricks-Day angelehnt ist und eimerweise grüne Farbe ins Spiel bringt, ist für alle Spieler erhältlich. Kostenlos. Doch das ist nicht der wichtigste Grund, weshalb ich dieses (und frühere) Event für bedeutender halte als den Widerstands-DLC.

Events sind wichtiger für CoD als DLCs

Welches Gewicht Events dieser Art auf die Matches in CoD haben, ohne dass Entwickler Sledgehammer grundlegende spielerische Änderungen einführt, zeigt folgendes Beispiel. Zu „Kleeblatt & platt" gehört eine spezifische Kartenliste, deren Bestandteil ein spezielles Element ist: ein grüner, hässlicher Zombiekobold. Der kleine umherrennende Wicht füllt für denjenigen Spieler, der ihn abschießt, alle aktiven Punkteserien auf einmal auf - ein sehr wichtiges und Spiel-veränderndes Instrument, denn die Killstreaks ermöglichen teils extrem mächtige Angriffe wie Flächen-Bombardements, denen man auf vielen Maps kaum entgehen kann.

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Die Koboldjagd beeinflusst den Spielablauf stärker, als alle DLC-Inhalte zusammen.

Etliche Spieler jagen deshalb nur diesem winzigen, bizarr lachenden Zwerg hinterher, um im Akkord Tod vom Himmel regnen zu lassen. Der Haken: Der Kobold erscheint nicht nur einmal innerhalb einer Runde, bis er abgeschossen wurde, sondern praktisch im Minutentakt. Das resultiert in entsprechendem Dauerbombardement vom Himmel, der wegen Überbelegung häufig geschlossen ist. Das ist jetzt kein effektheischender Spruch, denn Luftangriffe oder Versorgungsanforderungen werden wegen Schließung des Luftraums tatsächlich zeitweise nicht ausgeführt, weil zu viele aktive Punkteserien laufen - verrückter Scheiß! So spaßig das für diejenigen sein mag, die ihre Punkteserien-Attacken sogar mehrfach abfeuern können: das eher schlecht als recht funktionierende Teamplay in CoD wird mit dieser Spielmechanik noch stärker torpediert: Da ein Punkteserienangriff in aller Regel multiple Abschüsse verspricht, werden die eigentlichen Spiel-Ziele von Vielen ignoriert, um hier zu vermeintlich leichten Punkten zu gelangen.

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Das Hauptquartier als sozialer Hub hat ein Stück weit ausgedient.

Auch die neue/alte Map „Shipment 1944" (ein Remake der klassischen Modern-Warfare-Karte) entzweit die Community. Bei der Neuauflage handelt sich es sich um eine extrem kleine Karte, in der man im Schnitt oft 40 oder mehr Abschüsse und Tode verbucht - manche Spieler erreichen weit über 100 Kills. Die Partien auf der Map sind verdammt flott, ja geradezu wahnwitzig schnell. Findige Spieler haben natürlich bald Wege gefunden, diesen Umstand für sich auszunutzen. Sie postieren LMGs in den Ecken der Map, sodass anstürmende Gegner massenweise im derben Kugelhagel draufgehen. Zusätzlicher Sterbe-Frust kommt auf, weil aufgrund der geringen Map-Größe die Spawnpunkte innerhalb der Hotzone liegen und sich teils sogar im Kreuzfeuer der LMGs befinden. Dadurch lande ich schon beim Wiedereintritt mitten im Tohuwabohu mit wenig Chancen, überhaupt selbst einen Schuss loszuwerden. Ein Spawncamp- und Grief-Fest der feinsten Art! Kritisiert wird von mir und vielen Spielern, dass man durch solide Objekte hindurchballern kann, was die Lage noch prekärer macht. Von solchen „Features" abgesehen finde ich die Map großartig - ein unglaublicher Spaß, bei dem man sich halt nur nicht davon frustrieren lassen darf, alle zehn Sekunden zu respawnen!

Und was tut sich sonst so?

Die generelle Rezeption des Mehrspielermodus ist aus meiner Sicht derzeit positiv. Viele Spieler kritisieren in erster Linie die Maps, die ihnen zu klein und eng sind. Eine Kritik, die ich persönlich nicht teile - selbst auf übersichtlicheren Karten wie „USS Texas" kommen geschickte Scharfschützen auf ihre Kosten. Und das, nachdem Sledgehammer Quickscoping angeblich generft hat. Einen durchschlagenden Einfluss dieser Änderung konnte ich aber nicht ausmachen, gefühlt ist meine Killcam noch genauso oft mit Quickscope-Abschüssen belegt wie vorher.

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Wer Verträge annimmt, kann sich zusätzliche Belohnungen erspielen - das aber oft auf Kosten des Teamplays.

Was die Spielerfahrung in Cod WW II dagegen maßgeblich beeinflusst, sind die Verträge und Herausforderungen, die man sich beim Quartiermeister bzw. Einsatzoffizier abholt. Das sind quasi Aufträge der Marke: „30 Kills im TDM an einem Tag", „Hol dir 20 Dogtags in Kill Confirmed", „Erreiche 30 Punkteserien innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit" oder „Schließe 35 Mehrspieler-Matches" ab. Zum einen arten die Missionen auf individueller Basis natürlich schnell in Grinding aus, aber sie tangieren auch den allgemeinen Ablauf: Sie sorgen nämlich dafür, dass Spieler nur persönliche Aufträge verfolgen und sich nicht um die erklärten Spielziele kümmern. Einen gewissen Grad an ... nennen wir es Individualismus ... gab und gibt es bei Online-Games immer. Hier wird er jedoch oft auf die Spitze getrieben.

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Eine weitere Mode, die von den Verträgen befeuert wird, sind die AFK-ler, die ihre Keyboards und Controller vielleicht nur angucken, aber nicht benutzen. Sie ruinieren insbesondere im Kriegsmodus zu oft die die Matches durch absolute Passivität. Gerade wenn es dort mehr Punkte zu ergattern gibt, wollen einige Subjekte auf möglichst einfache Weise ihre Aufträge erfüllen. Und das geht zulasten aller anderen Spieler. Threads in Reddit wie „Step up your AFK detection in War, SHG" sprechen da eine deutliche Sprache. Da muss schnell ein geeignetes Mittel gefunden und ein Riegel vor-geschoben werden, damit dieser Trend nicht in eine Landplage ausartet.

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Wer in 'Shipment 1944' länger als 10 Sekunden überlebt, muss ein Glückspilz sein.

Doch, es ist nicht alles umstritten oder gar schlecht, was mit den Updates ins Spiel gebracht wurde. Eine weitere wichtige und sinnvolle Neuerung: Seit dem neuesten Patch können Spieler das Hauptquartier umgehen und sich somit nervige Ladezeit ersparen, da sämtliche dort enthaltenen Features wie Einsatzoffizier oder Quartiermeister als Menüpunkte in das allgemeine User-Interface integriert wurden. Wer dennoch soziale Erfahrungspunkte ergattern will, geht trotzdem hin.

Ein Wort noch zu den Lootboxen (Vorratslieferungen)! Auch sie werden aktuell von der Community heiß diskutiert. Der Grund: Zwar haben die Inhalte meiner Meinung nach keinen Einfluss auf das Spielgeschehen, denn sie bestehen nur aus kosmetischem Klimbim. Viele Waffennarren sehen das total anders, denn neben schnödem Sammelkram befinden sich verschiedene Varianten von beliebten Waffen wie dem Bren LMG und insbesondere dem P-08 in den Zufalls-Kisten. Offenbar fehlen plötzlich eine ganze Reihe der seltenen Waffen-Varianten derzeit im Verlosungspool, was für helle Aufregung in den Foren sorgt. Während das Otto-Normal-Gamer, der keinen Extra-Cent für solche virtuellen Güter auf den Tisch blättert, vollkommen egal sein dürfte, bringt es all diejenigen auf die Palme, die Geld mit der Aussicht bezahlen, diese Waffen-Varianten freischalten zu können.

Und was kommt noch?

Der kommende DLC „The War Machine" steht bereits in den Startlöchern: Ab dem 10. April zocken zunächst PS4-Gamer die neuen Inhalte. Drei Maps versetzen die CoD-ler nach Dünkirchen, Ägypten und eine V2-Raketeneinrichtung. Soweit, so Standard. Was mich jedoch besonders interessiert, ist die Kriegs-Karte „Husky". Inhaltlich dreht sich alles um die Invasion der Alliierten in Sizilien. Aber spannend ist dabei insbesondere die spielerische Komponente, denn die am Boden gesammelten Geheimdaten müssen in Luftkämpfen verteidigt werden. PvP-Dogfights? Bin dabei! Es wäre also endlich mal ein DLC, der tatsächlich spielerische Abwechslung ins Geschehen bringt. Und dafür bin ich auch bereit, Geld auszugeben.

Mehr zu Call of Duty WW2:

Call of Duty WW2 im Test.

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Nedzad Hurabasic

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