Die kompetetiven, taktisch geprägten Panzerschlachten in World of Tanks, bei denen sich zwei Teams zu je 15 Stahlross-Kommandanten gegenseitig beharken, verzeichnet auch nach gut acht Jahren auf dem Markt noch immer einen Zuwachs der Spielerzahlen. Damit das Geschäft auch in Zukunft weiterhin so einträglich bleibt, haben sich die weißrussischen Macher entschieden, das Free2Play-Spiel mit einer neuen Grafik-Engine auf Hochglanz zu polieren und mit einem frischen Soundtrack auszustatten. Seit über drei Jahren arbeitete Andrei Biletsky, Creative Director von World of Tanks bei Wargaming Minsk, mit seinem Team an dem Relaunch und präsentierte bei einem Event in Prag der Presse stolz die Neuerungen.

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Zum Grafik-Relaunch wurden alle bisherigen Schauplätze überarbeitet und mit der Schweden-Karte Gletscher, gibt es auch einen neuen Austragungsort für die Panzerschlachten dazu.

"Unsere bislang verwendete Bigworld-Engine war einfach ausgereizt.", erklärt Biletsky im Gespräch. "Also haben wir uns dazu entschieden, mit der enCore-Engine eine von Grund auf neue Plattform zu entwickeln, welche die Grafik erheblich verbessert und es erlaubt eine Fülle an Details und Effekten einzubringen, die wir vorher einfach nicht bieten konnten." Und tatsächlich erstrahlt das Stahlgewitter bei meinem Probespiel in einem ganz neuen Licht. Zugegeben, ich bin jetzt nicht der Hardcore-Panzerfahrer mit einer fünf- oder gar sechsstelligen Anzahl an geschlagenen Schlachten auf dem Zähler. Aber ich habe durchaus meinen Spaß an dem strategischen Schlagabtausch, besonders wenn ich mit ein paar Kumpels zusammen taktieren kann und nicht als Einzelkämpfer mit meinem Tier 6-Panzer in einer Schlacht mit weit überlegenen Tier 9 oder Tier 10-Profis lande, die meine Fahrzeuge Ruckzuck in Altmetall verwandeln. Dieses Schicksal blieb mir zum Glück aber erspart und ich konnte aber mit ein paar Kollegen ganz in Ruhe die optischen Finessen der enCore-Engine in Augenschein nehmen. Und mir hat wirklich Gefallen, was ich gesehen habe.

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Andrei Biletsky, Creative Director von World of Tanks bei Wargaming Minsk, hat mit seinem Team die letzten drei Jahre an der Runderneuerung gearbeitet.

Meine ersten Runden habe ich auf der Karte Erlenburg gedreht. Die schneebedeckte Landschaft mit der malerischen Ortschaft, dem namensgebenden Schloss und einem Fluss, der die Karte durchzieht, ist wirklich eindrucksvoll in Szene gesetzt. Kleinste Details an den Häusern sind gut zu erkennen, Sonnenlicht wird vom Schnee reflektiert, Wolken ziehen über den Himmel und die Darstellung des Wassers wirkt authentisch. Keine Spur mehr von dem braun-grünem Texturmatsch, der die Landschaft in den Minimaleinstellungen der alten Version noch unansehnlich gemacht hat. Jeder Baum und jeder Strauch ist jetzt auch aus nächster Nähe noch hübsch anzusehen. Auch die Panzermodelle sind deutlich detaillierter dargestellt, hinterlassen auf dem Untergrund nicht nur beim Geradeausfahren Kettenspuren und werden im Verlauf der Schlacht immer mehr von Schnee bedeckt oder zeigen Nässespuren, wenn ich durch Wasser fahre.

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Im direkten Vergleich der alten Bigworld- und neuen enCore-Grafikengine, sind die Unterschiede deutlich: Mit einem schwachen Rechner gab es bislang richtig hässlichen Texturmatsch zu sehen.

Explosionen und Umgebungszerstörungen kommen dabei dank integrierter Havok Destruction-Technik noch mal eine ganze Ecke wuchtiger rüber und ich kann mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen, wenn ich mit meinem Tiger-Panzer einen Gegner aus nächster Nähe spektakulär in seine Einzelteile zerlege oder Gebäude und Baumgruppen mit meinem Stahlungetüm plätte.

Neben der starken optischen Aufwertung kann auch die komplett überarbeitete musikalische Untermalung gefallen. Wargamings Haus- und Hofkomponist Aleksey Tomanov hat für jede der insgesamt 30 Karten einen eigenen Soundtrack kreiert und mit Symphonie-Orchestern eingespielt. Jeder Schauplatz hat dabei sein eigenes, regional gefärbtes Thema, in dem beispielsweise schottische Dudelsäcke oder griechische Sirtaki-Klänge dominieren. Während des Kampfgetümmels ändert sich die Lautstärke und das Tempo der Stücke, je nach dem ob der Sieg in greifbarer Nähe ist oder eine Niederlage droht. Das sorgt, zusammen mit dem Rattern der Ketten und dem dumpfen Knall der Abschüsse, für ein passendes Kriegs-Ambiente.

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Das sieht nach dem Grafik-Update doch schon erheblich besser aus. Und das nur bei Minimaleinstellungen für Office-PCs. Könnt ihr die Ultra-Einstellungen nutzen, wird es richtig schick.

Eine der größten Herausforderungen war es, die schöne neue Panzerwelt auch auf Durchschnittsrechnern zu realisieren. "World of Tanks-Spieler kaufen sich nicht jedes Jahr eine neue Grafikkarte und rüsten ihre Rechner regelmäßig auf.", erklärt Biletsky. "Wir hatten das Ziel, die neue Optik auch mit sehr geringen Systemanforderungen zu ermöglichen und ein Team abgestellt, welches die enCore-Engine auf so vielen Konfigurationen wie möglich austesten sollte." Das Ergebnis der Optimierungen kann sich sehen lassen, denn selbst auf einem Office-Rechner mit mittelmäßigem On-Board-Grafikchip sieht die Grafik um Welten besser aus, als bei den gleichen Einstellungen der alten Engine. Aber erst wenn eine aktuelle GeForce oder vergleichbare, hochwertige Grafik-Hardware vorhanden ist, wird es so richtig schick und auf der Ultra-Einstellung gibt es dann die volle Grafik-Pracht, ohne dass lästige Einbrüche der Framerate den Sieg gefährden.

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Einige Karten, wie beispielsweise Erlenburg, wurden nicht nur aufgehübscht, sondern zusätzlich auch im Layout verändert.

Die Entwickler haben alle bislang vorhandenen Karten von World of Tanks akribisch überarbeitet und mit dem Schweden-Schauplatz Gletscher gleich noch eine frische Gegend hinzugefügt. Das Layout ist dabei aber unverändert geblieben, lediglich bei den Karten Erlenburg, Fjords und Tundra wurden Objekte versetzt, hinzugefügt oder weggenommen und der Spawn-Punkt verändert, da diese Karten mittlerweile als zu statisch empfunden wurden. "Wir haben ansonsten nichts angerührt und die Schauplätze sind bei den meisten Karten exakt gleich. Jeder Strauch und jeder Stein ist noch genau da, wo er auch vorher war. Aber trotzdem ist die neue Optik für erfahrene Spieler eine echte Herausforderung."

Gerade begeisterte Langzeit-Zocker, die eine Karte schon mehrere tausend Mal bespielt haben und jeden Winkel kennen, waren wohl zuerst sichtlich irritiert, weil durch die Ausleuchtung ein Hügel jetzt weiter entfernt wirkt oder ein zusätzlicher Schattenwurf eine neue Deckungsmöglichkeit eröffnet, wo sonst ein freies Schussfeld war. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und der echte Panzer-Profi schaut eben gar nicht mehr richtig hin, sondern lässt es im Blindflug krachen.

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Ein schickes Detail: Während des Gefechts werden die Panzer immer mehr von Schnee und Schlamm bedeckt.

Für die umfangreiche E-Sport-Fangemeinde heißt es jetzt: umgewöhnen und die Karten neu auswendig lernen. Dazu haben die Mannschaften auch ausreichend Zeit, denn Wargaming hat bereits im Dezember letzten Jahres ihren offiziellen E-Sport-Aktivitäten eine Ruhepause von noch unbestimmter Dauer verordnet. Zum einen, damit sich die Sportler an die neue Optik gewöhnen können und zum anderem, um sich vom bisherigen 7 gegen 7-System zu verabschieden. Es soll bei einem Neustart in die Richtung der in World of Tanks vorherrschenden Massenschachten von 15 gegen 15-Spielern gehen, damit sich die Zuschauer mehr von der Taktik der Profis für das eigene Spiel abschauen können. Nähere Details sind allerdings noch nicht bekannt.

Entwickler/Publisher: Wargaming Minsk / WargamingErscheint für: PC- Geplante Veröffentlichung: 21. März 2018 - Angespielt auf Plattform: PC Switch

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Redakteur

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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