Ein unverwüstliches Design in Stil und Gameplay und tadellose Spielbarkeit machen Owlboy auch auf Konsole zu einem Kleinod unserer Zeit.

Owlboy ist einfach der perfekte Mix aus alt und neu. Die Grafik ist nostalgisch genug gehalten, um diese wohlige 16/32-Bit-Nestwäreme zu erzeugen, aber nicht zu pixelig oder minimalistisch, um zu verschrecken. Es ist farbenfroh, hat aber einen ganz eigenen, erkennbaren Stil. Die Spielelemente sind zu einem guten Teil seit grauer Vorzeit bekannt, haben aber einige eigene Kniffe mit in den Mix geworfen. Diese fügen sich nahtlos in die tadellose Spielbarkeit ein und schon nach wenigen Minuten mit der Steuerung fühlt sie sich an, als gäbe es gar keinen anderen oder besseren Weg, dies umzusetzen. Ob das der Fall ist oder nicht, spielt dann nur noch ein sehr sekundäre Rolle, denn ihr spielt Owlboy und seid glücklich.

Von all den zig Metroidvanias der letzten Jahre trifft Owlboy in praktisch jeder Disziplin exakt diesen berühmten Sweetspot, den idealen Punkt, an dem alles passt. Das dürfte kein Zufall sein, sondern das Ergebnis einer inzwischen mehr als zehnjährigen Entwicklungszeit, in der das Spiel mehr als nur ein wenig poliert wurde, bevor es vor anderthalb Jahren das erste Mal auf dem PC von der Leine gelassen wurde. Von der ersten Sekunde bis zum letzten Flügelschlag fühlt sich hier kein Pixel fehl am Platz an, alles ist genau da, wo seine sehr übersichtliche Zahl an Entwicklern sie sehen wollten. Man kann über ein paar der späteren Gegnerplatzierungen streiten, aber hey, das wäre schon ein ziemlich hoher Grad an Detailkritik.

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Es wird nie alt aussehen, weil es nie neu war. Logisch durchdacht ist es nicht der sinnvollste Satz, aber für dieses Spiel wirkt er angemessen.

Ihr spielt in dieser Kreuzung aus Mario 3 - vor allem seinem Waschbäranzug -, Zeldas Dungeons und Metroids Ansicht und grobem Ablauf einen stummen Jungen, der einen Eulenmantel trägt. Der gibt ihm die Fertigkeit, beliebig lange zu fliegen und so verbringt ihr den Großteil des Spiels auch in der Luft, sofern euch das eine oder andere Hindernis nicht zu kurzen, traditionelleren Hüpfpassagen zwingt. Eulen sind in dieser Welt gleichzeitig die dominierende Spezies und die ausgestorbene Zivilisation aus der Vorzeit. Warum die ursprüngliche Eulenwelt nun nicht mehr ist und was es mit den mechanischen Piraten und alten Artefakten auf sich hat, ist in eine solide und in unaufdringlichem Tempo erzählte, kleine Geschichte, bei der vor allem die Nebenakteure glänzen. Die Figuren wurden mit Charme und Persönlichkeit gestaltet und da ihre Auftritte auch meist so kurz wie prägnant sind, kommen sie gut zu Geltung.

Die Mechaniken wurden dort auf das Nötigste reduziert, wo sie für den Fertigkeits-basierten Ablauf ansonsten unnötig in den Weg gekommen wären: Ihr habt keine Erfahrungspunkte, Münzen werden nur gesammelt, um Lebensenergie und ein paar kleine Upgrades freizuschalten, aber nicht um Heiltränke oder ähnliches zu horten, und es gibt keinen Grind. Owlboy hat einen einfachen Spin-Angriff, wichtiger ist aber eure Fertigkeit, nach Belieben drei seiner Freunde herbei zu teleportieren. Diese tragt ihr dann - ohne Beeinflussung eurer Flugeigenschaften oder Hitbox - herum und sie ballern dahin, wohin auch immer der rechte Stick zeigt. Ein klein wenig Twin-Stick-Shooter steckt also auch noch in dem Mix.

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Genug Abwechslung, genug Spielelemente, nichts zu viel und nichts zu wenig.

So erkundet ihr die sehr vertikal aufgebaute 2D-Welt, schaltet mit neuen Freunden und ihren neuen Fertigkeiten immer ein paar Wege mehr frei, kümmert euch um nicht zu schwere und etwas zu durchsichtige Bosse und nach einem Dutzend Stunden ist der Spaß leider auch schon fast vorbei. Nicht, dass das zu wenig Spielzeit wäre, nicht, dass es für den moderaten Preis nicht mehr ist, als manch teureres Spiel an Laufzeit mitbringt. Es ist nur so, dass Owlboy eine dieser Sachen ist, die einfach ruhig noch etwas länger hätten sein dürfen. Weil die Zeit bis dahin einfach so gut war.

Die Konsolenumsetzungen bieten jetzt nichts, was ihr auf Steam oder GOG.com nicht auch bekommt. Es gibt kein 4K, kein HDR, keine DLCs - bisher wenigstens -, es ist einfach die Umsetzung des Spiels, das es Ende 2016 war. Am schicksten wird natürlich die Switch- oder PS4-Version in der Box - erscheint Ende Mai laut Amazon -, aber davon abgesehen ist es völlig egal, wo ihr Owlboy spielt, es ist überall das gleiche Spiel. Was jetzt sicher keine schlechte Sache ist.

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Wenn man nörgeln muss: Die Bosskämpfe sind spaßig, aber zu leicht. Aber besser so als anders herum.

Wird sie mal ein gesuchtes Sammelstück? Wer weiß. Aktuell jedenfalls ist es kein Problem, Owlboy boxed für die Switch vorzubestellen. (Amazon.de)

Dementsprechend habe ich dem ursprünglichen Test von Owlboy nicht viel hinzuzufügen. Owlboy wird nicht alt, weil es nie wirklich neu war. Es wird nie schlecht sein, weil alle seine Elemente unverwüstlich sind. Es ist schön, wenn ihr denkt, dass es schön ist, und dafür reicht ein einziger Blick auf ein einziges Bild. Wäre es damals für eines der 32-Bit-Systeme erschienen, es wäre Pflicht für jede Sammlung. Jetzt zeigt es, welchen Charme eine Inspiration aus dieser und sogar noch älteren Zeiten haben kann und was sich mit Talent und Geduld daraus schaffen lässt. Owlboy ist eine so eigenwillige wie stabile Brücke zwischen den Spieldesign-Generationen mit Gespür für das, was ein Spiel zeitlos macht. Wie viel mehr könnt ihr für 20 Euro verlangen?

Entwickler/Publisher: D-Pad Studio - Erscheint für:PC, Switch, PS4, Xbox One - Preis: ca. 20 Euro (30 Euro boxed)- Erscheint am: erhältlich (Switch und PS4 Boxed-Version Ende Mai, als Download bereits erhältlich) - Getestete Version: Xbox One - Sprache: deutsch, englisch und andere - Mikrotransaktionen: 'türlich nich

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chief Editor - Eurogamer.de

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