Habt ihr immer davon geträumt, die Menschheit auszulöschen? Dieses Vorhaben lässt sich seit einigen Jahren virtuell mit Plague Inc und Plague Inc: Evolved auf PC, Konsolen und Mobilgeräten in die Tat umsetzen. Wer nicht ständig am Bildschirm hängen möchte, hat seit dem vergangenen Jahr zusätzlich die Möglichkeit, dank des offiziellen Brettspiels die Erdbevölkerung mit einem Bakterium oder Virus dahinzuraffen.

Nicht dass ihr hier einen Experimentierkasten bekommt und selber Krankheiten zusammenmixt, so weit sind wir noch nicht. Ihr habt eine Weltkarte mit verschiedenen Kontinenten und insgesamt 49 Länderkarten. Hinzu kommen Eigenschaftskarten, um eure Krankheit weiterzuentwickeln, Ereigniskarten und ein Todeswürfel - ja, der heißt so. Das Spielmaterial hat eine gute Qualität, fühlt sich wertig an.

Euer Ziel ist simpel: Sammelt so viele DNA-Punkte wie möglich. Wir ihr das erreicht? Übernehmt die Kontrolle über ein Land, indem ihr die meisten "Plague Tokens" darauf platziert habt. Versucht ein Land auszulöschen, nachdem es vollständig infiziert ist. Oder sichert euch zum Spielende die meisten Bonuspunkte für Extraziele.

Der Spielablauf teilt sich in verschiedene Phasen auf, in denen ihr DNA-Punkte sammelt, neue Länderkarten aufdeckt, euren Virus - falls möglich oder falls ihr möchtet - weiterentwickelt und zu guter Letzt Städte beziehungsweise Länder infiziert. Dabei gibt es verschiedene Voraussetzungen zu berücksichtigen. Damit eure Krankheit andere Kontinente erreicht, ist zum Beispiel eine Direktverbindung per Flughafen oder Schiff nötig - und euer Virus muss über die entsprechende Fähigkeit verfügen.

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Weitere Einschränkungen ergeben sich durch verschiedene Klimazonen. In Deutschland herrscht zum Beispiel ein neutrales Klima, in Kanada ist es kalt und in Nigeria warm. Um sich hier ausbreiten zu können, ist es nötig, dass euer Virus dagegen resistent ist. Das erzielt ihr durch die Eigenschaftskarten, von denen sich nur wenige gleichzeitig auf eure Krankheit anwenden lassen. Ihr wägt hier ab, was euch wichtiger ist. Ob ihr lieber möglichst viele Länder infiziert oder zum Beispiel tödlicher seid, wodurch beim Würfeln für das Ausrotten von Ländern eine geringere Augenzahl erforderlich ist.

Diese Eigenschaften auf eure Krankheit anzuwenden kostet euch DNA-Punkte. Aktiviert eine Karte und eure Figur rückt um die jeweilige Menge an Punkten auf der DNA-Spur zurück. Es gibt günstige und teure Karten, die umso effektiver sind. Eine Psychose kostet zwei Punkte und erhöht die Letalität des Virus um eine Stufe. Beim Koma sind es 13 Punkte für zwei Stufen und beim "totalen Organversagen" 21 Punkte für drei Stufen. Wie gesagt hängt es davon ab, was euch vorschwebt und wie ihr meint, dass es euch am besten weiterhilft. Taktik und Strategie sind ebenso gefragt wie Glück beim Würfeln oder Ziehen von Karten.

Ereigniskarten sammeln die Spieler, indem sie ein Plague Token in einem Land haben, das der Seuche zum Opfer fällt. Maximal drei Stück befinden sich in den Händen der Spieler und pro Runde lassen sich beliebig viele einsetzen. Die Ereigniskarten bieten zusätzliche taktische Möglichkeiten abseits der sonstigen Regeln, zum Beispiel befällt euer Virus neue Länder, ohne dass die klimatischen Einschränkungen eine Rolle spielen.

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Die Endphase des Spiels beginnt, wenn keine Länderkarten mehr auf dem Stapel sind. Dann setzt der Sudden-Death-Modus ein und das Spiel läuft noch weiter, bis ein Spieler keine Tokens mehr auf dem Spielfeld hat und seine Runde beendet oder wenn ein Spieler in einer Runde nicht mehr die Möglichkeit hat, Tokens zu platzieren oder den Todeswürfel auszuspielen.

Konzipiert ist das Plague-Inc-Brettspiel für mehrere Spieler. Anhand von Extraregeln ist es aber möglich, dass ihr alleine spielt und gegen den "Plaguebot" antretet. Ihr übernehmt dann als Einzelspieler zusätzlich die jeweiligen Bot-Spielzüge. Und das ist eine echte Herausforderung, denn der Plaguebot macht euch das Leben verdammt schwer. In meiner ersten Partie gegen Plaguebot war ich der Verzweiflung nahe. Schnell sicherte er sich einen gewaltigen Vorsprung, mit dem ich nicht mithalten konnte. Zu dem Zeitpunkt beherrschte ich aber die Regeln noch nicht so gut und brach den Versuch noch vor dem Spielende ab. In der zweiten Runde lief es besser. Eins ist klar: Ihr braucht eine gute Taktik und Glück, um Plaguebot zu bewältigen, er ist euch gegenüber im Vorteil.

  • Alter: 14+
  • Spielerzahl: 1 bis 4
  • Spieldauer: ca. 60 Minuten pro Durchgang
  • Preis: ca. 35 Euro

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Übrigens gibt es eine kostenlose Begleit-App für das Spiel. Dort bekommt ihr weitere Informationen, optionale Regeln und habt die Möglichkeit, euch Videos mit Erklärungen anzuschauen, falls Dinge unklar sind. Eine nette Ergänzung, falls ihr sie braucht. Kleiner Wermutstropfen: Das Spiel gibt es nur auf Englisch. Wahnsinnig kompliziert ist es allerdings nicht und die erklärenden Texte halten sich in Grenzen. Es ist kein Englisch auf Expertenniveau nötig, um Plague Inc zu spielen.

Plague Inc: The Board Game ist ein schönes Spiel, sofern die Thematik diesen Ausdruck zulässt. Es fängt das Thema der Vorlage gut ein und bietet eine ansprechende Umsetzung, in der sich Taktik und Glück die Waage halten. Wie entwickelt ihr euer Virus oder Bakterium weiter, welche Eigenschaften sind euch wichtiger und welche Karten spielt ihr wann aus? Und wer hat mehr Glück beim Ziehen der Karten und beim Würfeln? Das Rennen um die meisten DNA-Punkte ist spannend und wer eine besondere Herausforderung sucht, tritt alleine gegen den Plaguebot an. Kurz: Wer Spaß daran hat, mit seiner eigenen Krankheit die Weltbevölkerung zu dezimieren - ob alleine oder im Wettstreit mit anderen menschlichen Spielern -, findet hier das richtige Spiel dafür.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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