State of Decay 2 - Einmal tot, immer tot

Unterhaltsames Zombie-Survival-Spiel mit komplexem Community Management, Perma-Death und Koop-Modus. 

Ich kann mich noch genau daran erinnern, zu welchem Zeitpunkt ich vor gut fünf Jahren den Spaß an dem XBLA-Spiel State of Decay verlor. Es war gar nicht mal die hässliche Optik auf der Xbox 360 oder die kruden Animationen, mein persönliches Hauptärgernis galt der Echtzeit-Spielmechanik, bei der das Leben in der Enklave weiterging, auch wenn ich mich ausgeloggt hatte. Klar, das sollte den "Realismus" unterstützen. Immerhin handelte es sich nicht um eine simple Zombie-Schnetzlerei, sondern eine Mischung aus Survival, Erkundung und dem recht komplexen Management einer kleinen Kolonie von Überlebenden der Apokalypse.

Trotzdem hielt sich meine Begeisterung arg in Grenzen, wenn ich ein, zwei Tage später mal wieder loslegen wollte, meine in Bestzustand zurückgelassenen, mühsam aufgepäppelten Bewohner zu einem Haufen apathischer Angsthasen mutiert waren und von dem üppigen Vorrat an Lebensmitteln und Munition kaum noch was übrig war. Mir die Spielstände zu kopieren und mich so durchzuwieseln, hatte ich keine Lust und das war es dann auch schon mit meiner Karriere als Überlebensspezialist.

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Nie alleine auf Tour gehen: Die apathisch herumschleichenden Walker sind eigentlich kein Problem, aber wenn sich ein paar agile Varianten dazu gesellen, wird es schnell ungemütlich. Weglaufen ist dann kaum mehr möglich und ohne Rückendeckung werdet ihr zum Zombie-Futter.

Anscheinend ging es vielen Spielern ähnlich, denn genau dieses Echtzeit-Feature ist als erstes aus dem Nachfolger State of Decay 2 gestrichen worden, wie mir die Entwickler der Undead Labs jüngst beim Probespiel erklärten. Ansonsten setzen die Amerikaner aber weiter auf die bewährten Spielmechaniken des ersten Teils und versetzen euch in die Rolle eines Überlebenden der urplötzlich eingetretenen Zombie-Apokalypse. Eure Aufgabe beschränkt sich aber bei weitem nicht auf das blutig inszenierte Abschlachten von Untoten, sondern verlangt zusätzlich reichlich Management-Geschick, um eine halbwegs sichere Siedlung zu etablieren.

Dazu sucht ihr erst einmal nach weiteren Überlebenden, die sich eurer Sache anschließen, sammelt Ressourcen wie Lebensmittel, Munition, Waffen oder Baumaterialien und verschanzt euch in einem Hauptquartier. Schön: Es gibt keine identischen Charaktere, die Spielfiguren werden prozedural generiert und unterscheiden sich äußerlich und in der Kombination der individuellen Stärken und Schwächen bei jedem Spiel.

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Glücklicherweise trefft ihr nicht allzu oft auf Juggernauts, die mit einer stattlichen Körperfülle und übermenschlichen Kräften eine echte Gefahr darstellen.

Auf die Fähigkeiten eurer kleinen Truppe gilt es besonders zu achten. So lassen sich bestimmte Räume nur einrichten, wenn eine der Spielfiguren auch das notwendige Know-How mitbringt. Beispielsweise macht es euch das Leben enorm leichter, wenn ihr das Hauptquartier nicht nur mit ein paar Schlafräumen und einer Krankenstation ausstattet, sondern auch noch eine Reparaturwerkstatt gegen den Verschleiß eurer Ausrüstung errichtet - oder einen Garten, der euch mit Lebensmitteln versorgt. Wer eine Spielkonsole zur Verfügung stellt, trägt unterdessen zur Entspannung der Bewohner bei.

Und wenn ihr jetzt denkt, dann suche ich mir eben eine ganze Armee an Helfern mit den benötigten Skills zusammen, bekommt ihr schnell ein Management-Problem. Theoretisch ist die Anzahl der Überlebenden in der Community nicht begrenzt, praktisch ist es aber kaum zu machen, mehr als ein halbes Dutzend gleichzeitig zufrieden zu stellen. Dann fehlt es schnell an Schlafplätzen sowie der Grundversorgung mit Waffen und Nahrung und die Moral geht in den Keller, was eure Truppe zu leichten Opfern für die streunenden Horden an wandelnden Toten macht.

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Neu ist der Vier-Spieler-Koop, bei dem ihr Unterstützung von bis zu drei Online-Mitspielern anfordern könnt, die in eurem Spiel zeitweise bei der Zombie-Hatz aushelfen.

Die schiere Menge an Details, mit denen ihr euch auseinandersetzen müsst, um eure Kolonie am Leben zu erhalten, geschweige denn erblühen zu lassen, ist schier überwältigend. Das reicht von der akribischen Aufwertung einzelner Figuren von einem Bürger zu einem Helden und schließlich zu einem Anführer, der der Gruppe spezielle Boni spendiert über moralisch schwer zu verdauende Entscheidungen, wenn wertvolle Mitglieder der Gesellschaft nach einer Zombiebegegnung mit der Blutseuche infiziert wurden. Diese verwandelt Menschen schleichend in Zombies und wenn ihr nicht schleunigst ein Mittel dagegen findet, indem ihr von Seuchenzombies, erkennbar an ekligen roten Geschwüren am Körper, Proben nehmt, dann habt ihr nur zwei Optionen: Entweder ihr erschießt eurer Mitmenschen kurzerhand und sucht euch Ersatz oder lebt in der ständigen Gefahr, dass der Infizierte sich verwandelt und dann ordentlich Schaden anrichtet.

Neben der geradezu ausufernden Organisation kommt aber auch die Action nicht zu kurz. Bei meinen Ausflügen in der offenen Welt bin ich auf ein halbes Dutzend Gegnerarten gestoßen, die über unterschiedliche Angriffsarten verfügen. Neben den schlurfenden Walkern, die sich mit Pistole, Machete oder Schraubendreher noch leicht in den endgültigen Exitus befördern lassen, sind es die Ferals, die richtig Stress machen. Blitzschnell tauchen aus irgendeiner Ecke agile Beißer auf, die auch noch einiges einstecken können oder ich bekomme es mit einem Screamer zu tun, der aus sicherer Entfernung Verstärkung anlockt. Und dann wären da noch die Juggernauts, wahre Fleischberge, die alleine kaum zu bewältigen sind. Jeder Schritt will wohlüberlegt sein und die Möglichkeit, einen KI-gesteuerten Kollegen mit auf Erkundungstour zu nehmen, kann man nur wärmstens empfehlen. Denn es gibt wohl nichts Ärgerlicheres, als einen mühsam aufgepäppelten Zombie-Schlachter in einem Augenblick der Unaufmerksamkeit dank Perma-Death endgültig zu verlieren.

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State of Decay 2 bietet drei dem ersten Eindruck nach landschaftlich leider nicht sonderlich abwechslungsreiche Gebiete, in denen ihr euer Können als Überlebender unter Beweis stellen sollt. Beim Probespiel gab es außer Feldern, ein paar Farmhäusern und einer Kleinstadt nichts zu sehen.

Habt ihr State of Decay gespielt und mochtet ihr die Mischung aus blutigem Überlebenskampf und komplexem Community-Management, werdet ihr euch sofort zu Hause fühlen. Die Optik ist durch den Wechsel auf die Unreal-Engine-4 etwas schicker geworden, es gibt jetzt drei umfangreiche Gegenden, die sich allerdings landschaftlich stark ähneln und einen deutlich komplexeren Simulationsanteil.

Ein wirklich neues Feature bringt aber nur der frische Multiplayer-Modus, in dem ihr bis zu drei Online-Mitspieler zum kooperativen Zombie-Schnetzeln einladen könnt. Willige Helfer betreten das Spiel des Einladenden, fungieren dabei aber nur als Unterstützung. Wichtige Story-Ziele kann nur der Host erreichen. Den Mitspielern bleiben für die Mühe nur ein paar gesammelte Ressourcen, Erfahrung und zum Abschluss ein paar Bonusgegenstände. Und das mit dem Risiko, den mitgebrachten Charakter dauerhaft in einem fremden Spiel zu verlieren.

Trotz der drohenden Perma-Death-Gefahr und der vergleichsweise mageren Beute hat mir der Vierer-Koop richtig Spaß gemacht. Besonders in den Momenten, wenn die gesamte Truppe sich in ein Auto gesetzt und während der vollen Fahrt durch das Aufreißen der Türen ganze Zombieherden in ihre Einzelteile zerlegt hat. Das konnte man zwar schon im ersten Teil, macht aber zu Viert noch mal so viel Laune.

Entwickler/Publisher: Undead Labs / Microsoft StudiosErscheint für: Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 22. Mai 2018 - Angespielt auf Plattform: Xbox One

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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