Endlich wieder ein geschichtliches Szenario für Total-War-Fans. Nach den hervorragenden, aber eben nicht historischen Warhammer-Teilen präsentiert uns Entwickler Creative Assembly jetzt den ersten Titel seiner Spin-off-Reihe mit dem Wörtchen "Saga" im Titel. Diese Spiele sollen sich grundsätzlich nicht allzu sehr von der Hauptreihe unterscheiden, sich aber auf einen kleineren, ausgewählten Teil der Geschichte konzentrieren.

Total War Saga: Thrones of Britannia spielt kurz nach der Wikingerinvasion Großbritanniens. Alfred der Große hat gerade über die Nordmänner gesiegt - aber dennoch ist die Zeit nicht gerade ruhig, denn jetzt kämpfen englische, walisische und gälische Königreiche um die Vorherrschaft auf den Inseln und sind auch mit den Überbleibseln der großen Wikingerarmee sowie den Seeköniginnen der Wikinger konfrontiert. Jedes dieser Königreiche teilt sich noch einmal in zwei Fraktionen auf, sodass ihr insgesamt zehn spielbare Kampagnen bekommt. Neue Inhalte satt also für Total-War-Fans.

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Solche Massenschlachten lassen Total-War-Fans das Herz höher schlagen. (Total War Saga: Thrones of Britannia - Test)

Obwohl Thrones of Britannia von einem kleineren Entwickler-Team geschaffen wurde, hat man sich durchaus Raum für Innovationen genommen. Das Rekrutierungsmanagement unterscheidet sich von den Vorgängern schon allein dadurch, dass ihr keine Kasernen mehr bauen müsst, sondern Einheiten in Siedlungen immer dann einberufen könnt, wenn ihr das nötige menschliche Frischfleisch zur Verfügung habt. Das bedeutet auch, dass der Pool an Einheiten, aus dem ihr schöpfen könnt, deutlich begrenzter ist. Ihr müsst also langfristiger planen als in den Vorgängern und werdet von bestimmten Ereignissen in der Kampagne umso stärker überrascht. Das hängt auch damit zusammen, dass eure Einheiten nicht mit voller Stärke in das Spiel starten. Stattdessen brauchen sie ein paar Runden, um auf dem Schlachtfeld warm zu werden. Ihr könnt nicht einfach so von einer Runde zur anderen eine schlagkräftige Armee rekrutieren.

Das ist spannend, auch wenn sich gerade im Gegensatz zu den Warhammer-Teilen, die historischen Armeen der Angelsachsen und Wikinger doch sehr ähneln. Das wiederum entspricht aber schlichtweg der historischen Realität. Und so hat jede Partei ihre Schwertkämpfer, Kavallerie sowie Bogenschützen. Das Spiel gleicht das aus, indem sich die Kampagnen spürbar unterscheiden.

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Insgesamt wählt ihr zwischen zehn verschiedenen Fraktionen. (Total War Saga: Thrones of Britannia - Test)

Nach wie vor müsst ihr eure Armeen rundenbasiert über die ziemlich gigantische Übersichtskarte bewegen und eure Städte nach und nach ausbauen. Dabei bekommt ihr es mit Nahrungsmittelknappheiten zu tun. Denn ein Nahrungslimit bestimmt, wie viele Einheiten ihr überhaupt gleichzeitig unterhalten könnt. Rekrutiert ihr mehr Einheiten als ihr versorgen könnt, füllen sich geschwächte Trupps nur langsam wieder auf. Viel spannender als dieses simple Nahrungslimit sind aber natürlich die Konflikte mit euren Nachbarn. In solchen Fällen punktet das Spiel mit seiner Optionenvielfalt. Ihr könnt eure Gegner beispielsweise einfach über den Haufen rennen, aber ihr könnt sie auch bestechen. Gleichzeitig müsst ihr immer auf die Zufriedenheit der Bevölkerung achten. Gerade wenn ihr die englischen Königreiche spielt, kann es sogar sein, dass innerhalb eurer Bevölkerung ein Bürgerkrieg ausbricht, einfach weil die Kriegsmüdigkeit überhandnimmt.

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Das Plündern von Handelsrouten ist immer eine valide Option - leider auch für den Computergegner. (Total War Saga: Thrones of Britannia - Test)

Neu ist, dass ihr in kleinen Städten jetzt nicht mehr so frei bauen könnt wie in den Vorgängerteilen. Euch stehen dort nur noch einer oder zwei Bauplätze zur Verfügung, die anderen Gebäude sind vorgegeben. In den Hauptstädten könnt ihr noch freier bauen, auch hier läuft es aber darauf hinaus, dass ihr Nahrung heranschafft, um eure Truppen zu versorgen und eben seht, dass ihr nebenbei noch genügend Gold erwirtschaftet, um eure Siedlungen weiter auszubauen. Total War Saga: Thrones of Britannia fühlt sich immer noch an wie ein komplexer Total-War-Teil. Und er richtet sich immer noch an Kenner der Reihe - Einsteiger dürften es schwer haben, den Regelwust zu durchblicken.

Im Vergleich zu beispielsweise Warhammer 2 ist das Spiel dennoch deutlich weniger komplex. So sind beispielsweise auch die Agenten weggefallen. Auch das hat Thrones of Britannia aber eher gutgetan, denn es legt den Fokus viel stärker auf die Entscheidungen, die ihr im Verlauf einer Kampagne treffen müsst. Das fällt besonders bei den Wikinger-Armeen auf, bei denen ihr immer die Waage halten müsst zwischen der Zufriedenstellung euer doch recht blutrünstigen Mannen auf der einen und der Engländer auf der anderen Seite. Andere Fraktionen, wie die Waliser, spielen sich da nicht ganz so spannend: Das Spiel wird hier hauptsächlich durch Zufallsereignisse vorangetrieben. Nimm Siedlung A ein, überrenne Siedlung B. Hier wäre weniger unter Umständen mehr gewesen - auch wenn die schiere Menge durchaus dafür sorgt,.dass ihr dennoch genug Gutes zum Spielen habt, um den Preis von knapp 40 Euro zu rechtfertigen.

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Kleinere Siedlungen könnt ihr nun nicht mehr so stark ausbauen wie in früheren Total-War-Spielen. (Total War Saga: Thrones of Britannia - Test)

Eines der Markenzeichen der Total-War-Reihe waren immer die Schlachten, die im Gegensatz zum Geschehen auf der Weltkarte eben nicht rundenbasiert, sondern in Echtzeit ablaufen. Thrones of Britannia orientiert sich in dieser Hinsicht stark an Attila, was natürlich nicht zuletzt am historischen Szenario liegt. Keine Drachen und Magie also, auf dem Schlachtfeld entscheiden verschiedene Formationen über Sieg und Niederlage. Aber wie das zu dieser Zeit eben so üblich war - allzu großen Variantenreichtum dürft ihr bei den Einheiten nicht erwarten. Im Wesentlichen spielt ihr die meiste Zeit mit einem Kern von Eliteeinheiten und einem Haufen zusammengewürfelter Bauern - frisch vom Feld gewissermaßen. Die Schlachten laufen daher teilweise recht ähnlich ab. Die Verteidiger verschanzen sich hinter ihrem Schildwall und die Angreifer beharken sie mit Pfeilen oder Wurfspeeren. Manchmal fühlt sich das ein bisschen an wie ein Western-Duell, denn erst wenn eine der Parteien versucht, aus dieser Stellungskriegsmisere auszubrechen (also sozusagen den Griff zum Revolver wagt) kommt es zu einer Entscheidungsschlacht.

Meckern kann ich über diese Form des Kampfes trotzdem nicht, auch wenn sich nach einigen auf diese Art geführten Kämpfen gewisse Ermüdungserscheinungen einstellen. Im Gegenteil erfrischt es doch, dass Total War sich hier wieder der Simulation mittelalterlicher Schlachten widmet. Die Gefechte sind vor allem zu Beginn des Spiels auch sehr spannend, weil ihr von einer sehr schwachen Ausgangsposition aus startet und nur mit einer oder zwei Armeen durch die Lande zieht. Jede Niederlage kann gravierende Auswirkungen haben. Die Tatsache, dass die Nebensiedlungen nicht mehr befestigt sind, führt dazu, dass ihr auch mit kleineren Armeen die bescheideneren Siedlungen des Feindes leichter angreifen könnt. Und tatsächlich sind riesige, langatmige Belagerungsschlachten ja auch nicht jedermanns Sache.

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Diplomatieoptionen halten sich bei Total War Saga: Thrones of Britannia im Rahmen. (Total War Saga: Thrones of Britannia - Test)

Bei den Siegbedingungen habt ihr die Wahl. Offensichtlich könnt ihr gewinnen, indem ihr einfach möglichst viele feindliche Provinzen an euch reißt und so die Herrschaft auch dem Schlachtfeld habt. Alternativ könnt ihr aber durch neue Technologien aus dem Forschungsbaum und besondere Gebäude auch Prestigepunkte sammeln, die ebenfalls zum Sieg führen. Als dritte Möglichkeit bleibt der Königreichsieg, der für jedes Volk gesondert definiert ist. Die Waliser müssen ihre Provinzen vereinen, die Wikinger bestimmte Feindfraktionen besiegen. Der ultimative Sieg winkt, wenn ihr euch am Ende gegen eine Invasion der Normannen behaupten könnt. Das bietet jede Menge Abwechslung und es macht Spaß, verschiedene Wege auszuprobieren.

Kritisieren will ich am Ende dann aber die KI des Spiels, wenn es um die Diplomatie geht. Gerade das Szenario von Thrones of Britannia hätte es möglich gemacht, komplexere Bündnisstrukturen sinnvoll in das Geschehen zu integrieren. Genau das klappt aber leider überhaupt nicht. Verbündet ihr euch als kleines Königreich mit einem ebenso kleinen Partner wird dieser praktisch niemals darauf setzen, die Armeen gegen einen gemeinsamen Feind in Stellung zu bringen. Er wird selbst gegen den Gegner anrennen, dann in den meisten Fällen aufgerieben werden und so letzten Endes ziemlich nutzlos gewesen sein. Gut gemeinte Diplomatie lohnt sich in Total War Saga: Thrones of Britannia leider nicht.

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So abgespeckt Total War Saga: Thrones of Britannia auf alte Fans der Reihe wirken mag: Neulinge dürfte die Komplexität des Spiels teils immer noch erschlagen. (Total War Saga: Thrones of Britannia - Test)

Dennoch: Total War Saga: Thrones of Britannia ist ein tolles Spiel. Der Total-War-Mix aus Runden- und Echtzeitstrategie funktioniert gut, die Regelneuerungen verschlanken das Spiel an vielen richtigen Stellen. Mit zehn verschiedenen Fraktionen bietet das Spiel genug Spielzeit für unzählige Abende. Und gerade das detailgetreue Nachspielen historischer Ereignisse ist faszinierend, umso mehr, weil die verschiedenen Fraktionen zwar ähnliche Einheiten haben, sich durch unterschiedliche Spielziele aber doch anders spielen. Für 40 Euro gibt es hier einen vollwertigen Total-War-Titel. Und ja - die KI könnte vor allem in Sachen Diplomatie und in der Zusammenarbeit mit ihren Bündnispartnern intelligenter agieren. Aber hey, letzten Endes heißt diese Spielreihe eben immer noch Total War.

Entwickler/Publisher: Creative Assembly/SEGA - Erscheint für:PC - Preis: 39,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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