"Call of Duty macht immer nur das gleiche!" Okay, dann machen wir doch mal was anders. Lasst uns den Modus, über den die Nörgler seit Jahren herziehen, einfach mal kicken. Oh, jetzt heult ihr, dass er weg ist? Pech!

So oder ähnlich. Fakt ist nur, dass Call of Duty jetzt "all in" geht. Nun, nicht wirklich. Der Multiplayer war schon immer sehr beliebt, wurde von vielen exklusiv gespielt und von daher wird Black Ops IIII - römische Mathematiker dürfen sich gern im Grabe drehen und Strom erzeugen - sicher kein Flop werden. Zumal Battle Royale in dieser Variante ziemlich cool klingt. Und das, mit dem Namen zusammen, das wird was reißen.

Aber ich als jemand, der die Solo-Modi oft schätzte und manchmal auch liebte - Modern Warfare, Black Ops III, Infinite Warfare -, der muss doch genervt daneben stehen und sich fragen, was das soll. Oder? Nun, ja, aktuell sicher schon. Sicher hätte ich gerne einen noch mehr auf Drogen stehenden Shooter-Alptraum erlebt. Den gibt es jetzt nun mal nicht. Aber ich sehe auch eine Reihe von Szenarien für die Zukunft von Call of Duty und die meisten gefallen mir durchaus.

Das erste Szenario ist das aus meiner Sicht unwahrscheinlichste: Call of Duty wird ein reiner Multiplayer-Titel. Egal ob nun mit oder ohne Battle Royale, mit welchen Modi auch immer. Diese führen ihre Evolution weiter, das aber auf eine weit zartere Weise als den harten jährlichen Bruch. Modi kommen und gehen, Erfolgreiches wird in einer Art "World of Call of Duty" gepflegt, das, was nicht gespielt wird, muss gehen. Alle paar Jahre gibt es einen großen neuen Umbruch auf Disc, der aber nicht alles umkippt. Es wäre ein kontinuierlicher Kriegszustand mit immer neuen Spielvarianten, Ansätzen und Lootboxen, alles unter einem Dach.

Das wäre aus verschiedenen Gründen reizvoll, auch wenn es natürlich dann wirklich der Abschied vom jährlichen Ritus der fünfstündigen Kampagne wäre. Aber es heißt auch, dass sehr viel Entwicklungsgeld, das vorher bei der Kampagne landete, in den Feinschliff des Multiplayers ginge. Call of Dutys Stellung als Platzhirsch ist schon lange unter Beschuss und auf diese Weise könnte man dank Finanz-Power wieder nachlegen, um einen Teil des Publikums PUBGs und Fortnites abzuwerben. Frei nach dem Motto "hier kostet die Entwicklung eines Modus so viel wie dort ein Spiel". Natürlich muss man das dann auch sehen. Die Qualität muss passen, aber wenn die unterschiedlichen Studios sich singulär auf ihre Bereiche konzentrieren können, um das Bestmögliche herauszuholen, kann da Großes passieren.

Ein weiterer Aspekt wäre der E-Sport. Aktuell müssen sich die Teams jedes Jahr auf praktisch ein neues Spiel einstellen. Das ist für alle Seiten nicht ganz einfach, weder für Pros, noch Kommentatoren noch Fans. Eine langsamere Evolution des Titels über Jahre hinweg mit verschiedenen Unterbereichen und Disziplinen würde hier einen konsistenteren Show-Aspekt liefern, in dem Teams sich besser etablieren könnten.

Das, was ich für wahrscheinlichste halte, ist dann das zweite Szenario: Singleplayer-Kampagnen werden, vielleicht sogar episodisch, als DLC gereicht. Dies kann als Standalone passieren, schließlich ist die Engine ja vorhanden, warum also nicht einfach damit jemanden nette Kampagnen entwickeln lassen und diese verkaufen. Oder für die, die Black Ops IIII haben, gratis nachreichen. Oder mit Rabatt. Oder als Teil eines Season Passes. Da gibt es viele Optionen. Dies hätte für die Entwicklung des Multiplayers gewaltige Vorteile. Bisher waren dieser und die Kampagne immer strikt miteinander verbunden, nicht nur im Szenario, sondern vor allem in den Feinheiten der Spielmechaniken. Sci-Fi-Aspekte flossen in der Regel auch in den Multiplayer-Bereich ein, auch wenn die dortige Community das nicht immer begrüßte. Mit den DLCs, Add-ons oder wie auch immer sie dann heißen würden, wäre der Multiplayer weiter frei, so wie auch die Solo-Kampagnen, die halt nur technisch mit der aktuellen Engine leben müssten, diese aber eben auch in einem gewissen Rahmen sich gefügig machen könnten. Noch dazu wäre man in der Taktung freier, das heißt, dass alle zwei Monate eine zweistündige Mission käme, die dann nach einem Jahr als Kampagne abgeschlossen wird. Oder ganz anders, es gäbe dann viele Freiheiten.

Die nächste Möglichkeit ist - glaube ich - meine favorisierte: Alle zwei Jahre gibt es ein neues MP-Call-of-Duty und versetzt alle zwei Jahre ein reines Solo-Game. Das wäre ein wenig das beste beider Welten: Die Kampagne sollte durch das Mehr an Zeit und Ressourcen ausgefeilter und umfangreicher sein. Vieles, was bisher immer nur angedeutet werden konnte, könnte als Gameplay-Elemente ausgearbeitet werden, weil das Studio sich nebenbei nicht noch um den wichtigsten Multiplayer der Welt kümmern muss. Der Multiplayer könnte sein Ding in einem doppelt so langen Zeitfenster machen, ohne dabei viel Rücksicht auf das Kampagnenthema des Jahres nehmen zu müssen. Solo- wie MP-Spieler hätten eine klare Perspektive, wann ihr nächster Titel kommt. Ich sehe hier keine Nachteile.

Und dann ist da natürlich noch die Möglichkeit, dass dieses Jahr die große Ausnahme ist. Ab 2019 ist alles wieder wie gehabt, CoD kommt jedes Jahr als Komplettpaket. Glaube ich nicht. Das machte schon seit Jahren keinen echten Sinn mehr. Drei fast eigenständig standfeste Spielteile - Kampagne, Koop, MP - die als ein monströses Paket für jedermann angeboten werden. Egal ob ich zwei Drittel dieses Pakets gar nicht haben möchte. Das entstand evolutionär und organisch vor vielen Jahren und nahm immer absurdere Züge an. Der Koop alleine ließe sich unter einem anderen Namen problemlos als eigenes Spiel verkaufen, so viel Aufwand wie damit mittlerweile getrieben wird. Das weiterzuführen, macht aus meiner Sicht keinen Sinn mehr. Für niemanden.

Somit halte ich den Schritt, den CoD jetzt geht, für den richtigen. Sicher, ich bin aktuell geknickt und es wäre besser gewesen, zu kommunizieren, wohin Activision mit seinem Zugpferd möchte. Aber vielleicht sind sie eben doch nicht "all in", sondern wollen erst mal gucken, wie das alles so kommt, bevor sie sich für eine Richtung entscheiden. Wie gesagt, insgesamt denke ich, dass der Schritt der Trennung der Modi, der Ausbruch aus dem jährlichen Rhythmus zwangläufig sein musste. Ich denke sogar, dass sie bis zur letzten Sekunde gezögert haben und dass es vielleicht im Angesicht der sehr mächtigen Konkurrenz etwas zu spät sein könnte, wir werden sehen. Man sollte weder das Talent der Studios hinter der Serie noch die Tiefe der Taschen von Activision unterschätzen.

Sei es wie es sei, Call of Duty macht 2018 definitiv mal etwas anders. Nu' freut euch doch mal. Das war es doch, was ihr immer haben wolltet.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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