Interviews bei Gaming-Events sind so eine Sache - oft werden sie den Journalisten als Standardbeilage zum Menü angeboten: Hauptgang Präsentation und Spielsitzung, das Interview gibt es als nebenher dazu. Mitunter sind sie etwas schwierig. So manches Entwicklergespräch eines Redakteurs wird notgedrungen VOR der Playsession eingetaktet, schließlich wollen oftmals ungezählte Interviews an ein und demselben Termin durchgezogen werden.

Ihr werdet jetzt lachen oder die Stirn runzeln, passiert aber ziemlich oft. Der wichtigere Punkt allerdings: Man bekommt oft keine richtigen Antworten, sondern mehr oder weniger auswendig gelernte PR-Statements, aus denen sich nicht viel heraushören lässt. Ihr kennt das mitunter von gut geschulten Fußballern: Die Frage ist relativ irrelevant, der gelernte Text wird abgerufen und aufgesagt, ob er jetzt passt oder nicht.

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Senior Producer Andreas Morell

Deshalb versucht man als Journalist mit kleinen Tricks, den Producern, Entwicklern oder Marketing-Mitarbeitern doch die eine oder andere emotionale Regung oder eine richtige Information zu entlocken. Zum Auftakt meines Interviews mit Andreas Morell (Senior Producer bei DICE), das diesmal dann doch nach der Präsentation stattfindet, ziehe ich deshalb drei bedruckte DIN-A-4-Seiten aus meiner Tasche. Auf dem ersten Bild abgebildet ist "Blackout", der kommende Battle-Royale-Modus von Black Ops 4. Offensichtlich hat er das nicht erwartet und braucht einige Sekunden, um darauf zu reagieren. Es sei immer großartig, Massen an guten Spielen zur Auswahl zu haben und es werde ein tolles Jahr für Spieler werden, flüchtet er sich in unverfängliche Generalaussagen und bekommt die Kurve zu Battlefield 5, "mit unserer Interpretation des Zweiten Weltkriegs wollen wir Leuten die Möglichkeit geben, etwas zu erleben, das es vorher noch nicht zu sehen gab."

Als Nächstes halte ich ihm "PUBG" und "Fortnite" unter die Nase und er lacht: "Ich denke, ich weiß, worauf du abzielst", sagt er. Natürlich kenne Dice diese Spiele und liebe sie. Auch Battlefield habe eine große Map, dazu Land-, Wasser- und Luft- [Gefechte] - das würde schon gut passen. "Wir haben in diesem Bereich derzeit aber nichts anzukündigen", erklärt er hinsichtlich eines Battle-Royale-Modus in Battlefield. Aber noch lasse ich mich nicht abschütteln, denn meiner Meinung nach ähneln die neuen Grand Operations vor allem hinsichtlich des Spieleinstiegs und dem Ende - mit dem Last Man Standing - schon ein wenig dem Battle-Royale-Spielprinzip, werfe ich ein. "Das ist deine Interpretation", will er sich nicht aus der Reserve locken lassen, für DICE gehe es vor allem darum, Geschichten aus der Zeit des wohl gewaltigsten Konflikts in der Menschheitsgeschichte zu erzählen. Dann geht es mit der Funktionsweise der Grand Operations weiter, ohne dass ich danach gefragt hätte oder neue Details zu hören gewesen wären.

Battlefield V - Trailer

Na gut, versuchen wir es anders - als ich in Vorbereitung des Interviews über die Features des Spiels nachdachte, war mir klar, dass der Fokus auf Squads und Teamplay cool sein könnte, Einzelspieler davon aber abgeschreckt werden könnten. Von meinem Gesprächspartner will ich wissen, was er von dieser Sichtweise hält. "Das denke ich nicht", sagt er und fährt fort, "wir bauen nämlich auf den spielerischen Grundprinzipien auf, die die Battlefield-Fans wirklich lieben. Wir verfeinern diese Rezeptur und verbessern sie", sagt er und verweist dabei darauf, dass DICE in Battlefield 1 einen Weg gefunden habe menschliche, emotionale Geschichten zu erzählen und dies werde jetzt ausgebaut.

Einzelspieler-Fans würden nicht nur verbesserte Kriegsgeschichten erhalten, sondern darüber hinaus auch den kooperativen Modus "Combined Arms" und die Mehrspielerelemente nutzen können. Für Singleplayer werde das ein natürlicher Übergang von einem Spielmodus zum anderen sein, der schließlich in den Grand Operations münden werde. Eine hehre Vorstellung, die ich nicht so überzeugend finde, aber das wird dann das Spiel zeigen und vielleicht ist es dann genau so.

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Deshalb will ich noch wissen, warum DICE nach 16 Jahren erstmals wieder zum Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt ist - immerhin gibt es ja mit Call of Duty: WWII mindestens einen großen Shooter auf dem Markt, der dieses Feld aktuell bereits beackert. Die lapidare Antwort, es sei eine große Ehre dorthin zurückkehren zu können, wo für DICE alles begann, zu den Wurzeln, und jetzt die Power der Frostbite-Engine nutzen zu können, klingt nicht gerade nach großer Entwickler-Inspiration, sondern nach Marketing-Sprech.

Auf meinen Einwand hin, dass es bereits beim Teaser-Trailer am Vortag viele negative Kommentare hinsichtlich des Settings gegeben habe entgegnet Andreas, dass die Leute bis dahin ja eigentlich kaum etwas gesehen hatten und DICE die Spieler herausfordern wolle. "Man stürmt also nicht wieder Omaha Beach hinauf, wir wollen den Zweiten Weltkrieg stattdessen so zeigen, wie man ihn bislang noch nicht erlebt hat."

Ob dieses Detail wirklich zu jedem durchdringt, der sich irgendwie für Battlefield 5 interessiert, wage ich bei Durchsicht der ersten Reaktionen nach dem offiziellen Reveal-Event zu bezweifeln, wo sich viele lieber über Gender-Themen verbal die Köpfe einschlagen, als sich inhaltlich mit den Spielmechaniken auseinanderzusetzen. Das bringt mich zum letzten Thema, dem "Live Service" namens "Tides of War", deren Funktionsweise ich (und einige Kollegen) nicht so richtig verstanden haben - ich bitte meinen Interviewpartner daher, den Modus nochmals zu erklären. "Es endet für uns nicht damit, das Spiel auszuliefern - da beginnt es eigentlich erst".

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Spieler erschaffen laut Morell ihre eigene Soldatenkompanie, personalisieren ihre Figuren und diese begleiten sie durch das gesamte Erlebnis. Die erste Welle sei dabei "Fall of Europe", in der man Geschichten aus der frühen Phase des Krieges erzählen wolle - Geschichten, die bislang so noch nicht erzählt worden seien. Leider ist ihm auch auf Nachfrage keine Antwort zu entlocken, wie genau und welche Modi in den "Tides of War" gezockt werden können. Immerhin kann es für all jene Entwarnung geben, die befürchten, der Live Service und das Ende des Premium-Passes würde automatisch Lootboxen wie in Battlefront 2 mit sich bringen. Dazu gibt es im Interview ein klares "Nein, es wird keine Pay-to-Win-Lootboxen geben!", allerdings werde es die Möglichkeit geben, kosmetische Spielinhalte zu kaufen.

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