Kein Colossus, dieses Update, aber das Spiel ist eines der besten überhaupt. Jetzt mit stabiler Framerate und etwas Politur.

Sieben Jahre spiele ich das jetzt schon. Immer wieder, mal mit einem Jahr Pause, aber es hat nichts an Reiz verloren. Das musste ich merken, als ich gestern zu mir dachte, dass ich es kurz einwerfe, ein, zwei Stunden gucke, wie die Technik so kommt und dann diesen Test schreibe. Seitdem stehen 16 Stunden auf der Uhr, ich bin halb durch den ersten Durchgang und kann das erste New Game Plus kaum erwarten. Kurz angespielt, nur um die Technik zu sehen eben. Wie man das halt so macht.

Fangen wir mit der Technik an, denn dieses Remaster bietet jenseits dessen nichts viel Neues. Ihr bekommt Dark Souls mit Anhang, was so ziemlich der Prepare to Die Edition entspricht. Und was das Remaster angeht... Das ist weniger Queens Day at the Races und mehr Queenryches Operation Mindcrime. Das erste ist praktisch eine akustisch neue Platte, ein frisches Vergnügen, ein wenig, als würde man es zum ersten Mal erleben. Letztere ist ein brillantes Album, aber mit damals unterirdischer Klangqualität und nun etwas aber nicht viel weniger von besagter unterirdischer Qualität. Der Spielevergleich ist dank Sonys Hingabe zu einem ihrer Meisterwerke sehr einfach: Darks Souls Remaster ist kein Shadow of the Colossus PS4.

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Schandstadt, jetzt auch in flüssig.

Das wichtigste und mit Abstand beste Feature ist eines, das es auf dem PC, ursprünglich dank Fan-Patch, schon lange gibt: Eine stabile, hohe Framerate, die auch in der berühmt-berüchtigten Schandstadt zu keinem Augenblick einknickt. So wie es sein sollte. Der Rest... Ein paar manchmal unpassend wirkende, manchmal sehr hübsche Lichteffekte, ein paar zwar nicht wirklich überarbeitete, aber sauber gezogene Texturen hier und da... Lest auf Digital Foundry, was Sache ist. Für mich ist das Ganze wie der Wechsel von DVD zu Blu-Ray bei einem Film, den man wirklich mag. Die ersten zehn Minuten achtet man noch auf die neue Technik, danach ist man eh in der Materie drin, ganz als wäre nie was passiert. Obwohl, um bei dem Vergleich zu bleiben: Es gibt auch in Dark Souls Remaster diese Momente, die ich in Army of Darkness hatte, als ich dort von SD auf HD wechselte. Diese Momente, in denen man denkt, dass man manche Sachen gar nicht so genau sehen wollte.

Keine Sorge, das Remaster ist derzeit die definitive Version, die etwas brachialen Texturen des Capra-Dämons aus der Nähe zu sehen, hart im Kampf zwischen Mangel an technischem Talent und einer Meisterschaft in Sachen Artdesign, ruiniert die Spielerfahrung in keiner Weise. Und bei anderen Dingen ist es nett, genauer betrachten zu können, welche verschrobenen Eigenheiten man sich denn da so im Design überlegte, um die in einer preiswerten Textur anzudeuten.

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Alt und neu, so nah beieinander: Der helle Lichtschein ist neu, das lustige Ragdoll ist alt. Das da rechts ist keine Dungeon-Zierde, sondern eine frisch getötete Ratte, die jetzt in der Wand steckt.

An dieser Stelle verweise ich für einen eher traditionellen Test zu meinem mittlerweile sieben Jahre gealterten ersten Versuch, die Brillanz dieses Spiels in Worte zu fassen. Dem habe ich nicht viel hinzuzufügen, außer, dass das Artorias-Add-on sich wunderbar einfügt und einem fantastischen, eh schon gewaltigen Spiel noch mehr Fülle gibt. Oder, ihr lest einen der besten Texte, der zu Dark Souls geschrieben wurde und erfahrt mehr über die Faszination, dieses Werk zu erleben. Und wer es mit der Technik des Remaster genau wissen will, hier noch mal der Link zu Digital Foundry. Damit solltet ihr gut versorgt sein. Auf dem Weg, um dieses Spiel zu kaufen. Weil es das beste Spiel ist. Überhaupt. Hey, wenn sie es schon auf das Cover drucken, kann ich es ja ruhig noch mal extra sagen. Ich meine, es ja schließlich auch so. Obwohl, an manchen Tagen, doch vielleicht lieber Bloodborne... Oder doch Demon's Souls?... Nein! Dark Souls.

Was wäre noch zu sagen? Vielleicht das: Wenn man eine alte Version von Dark Souls hat, mit dieser komplett zufrieden ist und das Geld nicht ganz so locker sitzt, dass man das Remaster nicht unbedingt braucht. Sicher, für mich als Dark-Souls-Junkie ist es eine tolle Ausrede, mal wieder neu anzufangen, das wäre mir 40 Euro wer. Aber sonst ist das einfach nur der Wechsel auf eine neue Generation, mit ein wenig frischer Farbe. Was den PC angeht: Meine Prepare to Die Edition sitzt brav in der Sammlung, lässt sich installieren und mit Fan-Patches bestücken. Die Remastered wird mir für den halben Preis angeboten und ob sich das lohnt, seht ihr in dem Video unten. Meine Meinung dazu lautet ungefähr so: Es ist nicht essenziell, einige der Dinge hätten längst so gepatched werden sollen und das, was als Mehrwert angeboten wird, da muss man schon Dark-Souls-Fanatiker sein, um die 20 Euro mit sich selbst zu vereinbaren, wenn man das Spiel eigentlich schon hat. Da ich Fanatiker bin, okay, nehmt meine 20 Euro, aber ihr erwartet bitte keine Wunder.

Da es sonst als Remaster ebenso gelungen wie unspektakulär daherkommt, lasst mich ein wenig über Dark Souls schwadronieren, ein Punkt zum Beispiel, den ich häufiger, auch hier gelegentlich, höre: Dark Souls hat keine Story. Nun, streng genommen ist das wirklich falsch, aber ich verstehe, woher der Gedanke kommt. Haltet ihr ein inhaltlich linear ablaufendes Spiel wie God of War zum Beispiel daneben oder auch ein lose episodisch aufgebautes wie Far Cry, dann kann das schon den Anschein haben. Die NPCs erzählen wenig und dann meist auf den ersten Blick wirres Zeug. Es gibt kaum Zwischensequenzen, die NPCs rühren sich nur, wenn man auf sie einschlägt oder ein mystischer Trigger ihr Verschwinden auslöste und sie an andere Stelle teleportiert. Diesen zwei Dutzend kryptischen Mini-Geschichten entzieht man unmöglich das, was man gemeinhin "Story" nennt, wenn man Darks Souls wie ein narrativ normales Spiel behandelt. Dann bleibt da wirklich nur der Typ, der im Kerker aufwacht und sich durch eine seltsame Welt von Händler zu Händler hangelt, ohne zu verstehen, was das alles soll.

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Welten erzählen auch Geschichten.

Das kann Spaß machen, nicht weniger als wenn man sich auf die Welt einlässt. Ich vergleiche Dark Souls gerne mit Shoot'em ups der 90er. Das passt auch in diesen Fall, denn ich habe nie eine einzige "Shmup"-Handlung gelesen oder wäre ihr gefolgt und habe diese Spiele geliebt. Die Level haben mir genug erzählt und hier ist das nicht unähnlich, nur auf einem viel komplexeren Level. Die Orte laden gerade dazu ein, die Fantasie streifen zu lassen, was das für ein Ort gewesen sein mag, bevor er sich in eine bedrohliche Ruinenlandschaft verwandelte, bevor Lava einen unterirdischen Tempel flutete, wer es war, der die Schandstadt gebaut hat. Wenn ihr einfach nur davon ausgeht und diesen Fluss der eigenen Fantasie nicht bremst, dann werdet ihr anfangen, genauer auf die NPCs zu hören und die Versatzstücke zu interpretieren. Ihr schmökert irgendwann durch die Beschreibungen der Waffen und Rüstungen. Die ihr bisher nur achtlos eingesackt und genutzt habt und für euch entsteht ein inneres Bild der Vergangenheit eines der mystischsten Orte der Videospielgeschichte. Dieses sieht bei jedem Spieler ein klein wenig anders aus und auch das ist Teil der einzigartigen Magie dieser Reihe. Es ist vielleicht richtig, dass Dark Souls keine Geschichte erzählt. Aber alles in Dark Souls erzählt eine Geschichte und all diese Geschichten zusammen ergeben Geschichte, Historie, Legenden.

Eine andere Sache, der angeblich so legendäre Schwierigkeitsgrad von Dark Souls, bringt mich ebenfalls zum Vergleich mit neunzigerjahre Shoot 'em ups zurück: Jedes dieser Spiele war höllisch schwer, wenn es euer erstes war und ihr keine Erfahrungen in dem Genre hattet. Und selbst dann waren die wenigsten einfach, denn praktisch alle basierten auf einem einfachen Rezept, wie ihr sie spielen solltet. Dieses heißt Methode und Lernen. Reflexe können nicht schaden, sind aber oft genug fast tödlich und zu wissen, was kommt und wo seine Schwachstellen zu finden sind, wird immer über Reflexe triumphieren. Dark Souls ist nicht schwer, es funktioniert halt nur nicht wie andere Spiele aus dem Mainstreambereich, die euch auf "Normal" nicht sterben lassen. Hier reichen ein paar Reflexe und ein solider Umgang mit dem Controller aus und das macht auch Spaß, wenn es gut umgesetzt ist. Das ist aber nicht die Art wie man in Dark Souls lebt, nur wie man gefrustet die Disc an die Wand wirft.

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Kommt schon mal vor.

Lasst es ruhig angehen. Geht langsam weiter und rechnet immer damit, dass irgendwas euch gleich plätten wird. Das passiert dann auch früher oder später und ihr merkt euch die Feinde bis dahin und überlegt, was der Schwachpunkt sein könnte, den ihr noch finden müsst. Denkt daran, dass jeder Schlag Energie kostet und damit auch jeder Schlag sitzen muss. Wenn man das im Hinterkopf hat und jeden Tastendruck bewusst und überlegt ausführt, dann ist hier nichts Hexenwerk. Manchmal hilft auch ein wenig Grinding und manchmal seid ihr schlicht in einem Bereich gelandet, der noch nicht für euren Level gedacht war und dann guckt man halt, wo es noch weitergehen kann. Entwickelt eine Methode, die sich für euch richtig anfühlt und lernt das Spiel und seine Gegner zu respektieren, ihre Macken und Schwächen auszunutzen. In meinem ersten Durchgang mit Dark Souls brauchte ich fast vier oder fünfmal so lange, wofür mir heute anderthalb Tage reichen. Andere sind noch viel, viel schneller als ich und die wenigsten davon sind Pad-Götter. Sie haben nur gelernt und eine Methode. Dark Souls ist nicht übertrieben schwer. Es erwartet von euch nur, dass ihr euch bewusst damit beschäftigt. Eigentlich sollten das mehr Spiele verlangen, vor allem im Triple-A-Bereich.

Was bleibt noch? Schon Dark Souls gespielt? Dann spielt es doch noch mal. Egal ob jetzt als solides Remaster oder in einer früheren Fassung. Noch nicht gespielt? Dann:

Spielt Dark Souls.
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Und spielt es dann später auf der Switch. (Amiibo nur für glückliche und auserwählte Vorbestellter, die die Sonne preisen dürfen.)

Entwickler/Publisher: From Software / Namco Bandai - Erscheint für:PS4, Xbox One, PC, Switch (Switch erst Sommer 2018) - Preis: etwa 40 Euro - Erscheint am: 25. Mai 2018 - Getestete Version:Xbox One X - Sprache: deutsch, englisch und andere - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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