Kabelloses On-Ear-Headset mit trotzdem überragendem HiFi-Klang, herausragender Verarbeitung und innovativer Soundpersonalisierung.

Bluetooth ist super-praktisch, genauso wie es in HiFi-Kreisen super-verrufen ist. Selbst mit AptX bleibt eine "minderwertige" Übertragung, weshalb auch stationäre Player eher Netzwerkverbindungen bevorzugen, um sich das Material selbst zu holen, statt es über minimale Bandbreite gesendet zu bekommen. AptX erreichte 48/16, was ziemlich genau der Qualität einer CD entspricht. Wäre dem so, dann würde das jedem normalen Menschen reichen, aber leider kommt auch die AptX-Kompression nicht um die geringe Bandbreite von 352 Kbit/s herum und das reicht nicht für volle 48/16 in unkomprimierter Qualität. Damit ist der alte Standard näher an einem 320Kbit MP3. Was okay ist und immer noch den meisten reichen dürfte.

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Für high-endigeres HiFi reicht das aber natürlich nicht und obwohl es ein paar ausgezeichnete HiFi-Bluetooth-Kopfhörer wie die Parrots oder Bowers & Wilkins P5 gibt, die das Beste aus einer schlechten Lage machen, war das nie der Idealzustand. Auftritt AptX HD, das langsam eine gewisse Verbreitung findet. Gestartet Anfang 2016, soll es nach und nach den immerhin über 25 Jahre alten AptX-Standard ablösen und 48kHz/24Bit LPCM bieten, was dann besser als CD wäre, wenn, ja wenn, es denn nicht immer noch komprimiert werden würde. Das Verhältnis der Komprimierung bei einer Bitrate von 576 Kbit/s heißt ungefähr 1:4, was dank der ausgeklügelten Codecs weit einiger dramatisch ist, als es klingt. Qualcomm will mit AptX HD in die Richtung von "besser als CD", aber derzeit dürfte der geneigte Hörer schon mit einem echten "so gut wie CD" zufrieden sein. Oder? Schließlich gibt es diesen Standard nicht gerade in Billiggeräten ...

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Was uns zu beyerdynamics Aventho wireless bringt, einem der Bluetooth-Kopfhörer dieser neuen AptX-Generation mit dem HD-Zusatz. Der stolze Preis für den On-Ear-Kopfhörer liegt bei 450 Euro und ist damit in guter Gesellschaft. NADs HP 70 wird bei um die 500 Euro liegen, Bowers & Wilkins PX kommt auf 400 und bei den Dänen von AIAIAI geht es immerhin schon bei 300 Euro los. Also, noch ist AptX HD kein Schnäppchen und dazu kommt noch, dass ihr ein dafür taugliches Gerät braucht, denn sonst schalten all diese schönen Kopfhörer auf schnödes AptX um. Welche Geräte es so gibt, könnt ihr bei Qualcomm erfahren, die eine recht komplette Liste bieten.

Technische Dinge

Erst aber einmal zum Äußeren des Aventho, der in der beyerdynamic-üblichen Papphülle ganz unscheinbar daherkommt, im Inneren aber alles an Zubehör dabeihat, was man braucht. Ein USB-C-Ladekabel - juhu, es dauert also nicht ewig, bevor der gar nicht mal so kleine 1050 mAh-Akku geladen ist -, ein 3,5mm-Klinkenkabel für den gebundenen Betrieb und eine wirklich richtig nette Stofftasche. Das raue Leinen fühlt sich gut an, es gibt Innenfutter als dezenten Schutz und sogar eine kleine Innentasche für Kabel. Mitgedacht, schick gemacht.

Fast winzig wirkt darin dann der Aventho, der auf den ersten Blick beinahe unscheinbar daherkommt. Die braune Ausgabe ist vielleicht etwas auffälliger, aber die schwarze, die ich hier habe, kann man problemlos auf der Straße tragen, ohne aufzufallen. Womit ich nicht das geringste Problem habe, ganz im Gegenteil. Überhaupt ist das schlanke Design eine erfrischende Abwechslung, wenn man sonst mit Over-Ear-HiFi-Formaten oder Gaming-Headsets zu tun hat. Die beiden kleinen Muscheln sitzen an einem geschweißten Drehgelenk, das auf den ersten Blick wie eine Art billig gestanzte Niete wirkt, aber bei näherer Betrachtung perfekt sitzt und 180-Grad Drehbarkeit ohne den geringsten Widerstand erlaubt. Die Aufhängung selbst, mit dem vertikalen Drehgelenk, ist ebenso tadellos und weit dezenter als zum Beispiel die mitunter unschönen Knubbel-Aufhängungen bei einigen Konkurrenten, die sich gern diese Variante mal angucken dürfen.

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Zeitlos minimalistisch. Was gerade bei modernem Hightech ja kein Nachteil ist. (beyerdynamic Aventho wireless - Test)

Der Bügel ist leichtester Federstahl, mit einem Zentimeter auch erstaunlich schmal, aber dank des Kunstleders mit seiner leichten, aber effektiven Polsterung ist der Sitz tadellos. Verstellen lässt er sich fast stufenlos, da auch kleinste Abstufungen zwischen den Löchern der Aufhängung möglich sind. Der Andruck ist hoch genug und lässt sich mit vorsichtigem Biegen auch ein wenig - oder sogar ganz schön - anpassen. Der Stahl der Aufhängung ist da flexibel genug und die Beweglichkeit der Hörer sorgt dafür, dass sie immer noch sitzen, selbst wenn ihr ganz schön herumbiegt. Der Bezug der Hörer nutzt ebenfalls atmungsaktives Kunstleder mit einer Memoryschaum-Füllung. Die Polster lassen sich leicht abnehmen und austauschen, Ersatz ist in beiden Farben für etwa 30 Euro erhältlich. Nach ein paar Wochen im Dauereinsatz ist allerdings nicht erkennbar, dass das in absehbarer Zukunft nötig sein wird. Wie alles am Aventho macht der Bezug einen tadellos verarbeiteten Eindruck.

Das einzige, mit dem ich nicht zufrieden bin, ist die aufgeraute Plastik-Oberfläche der Seiten, was allerdings keine ästhetischen, sondern haptische Gründe hat. Auf der rechten Seite habt ihr eine Touchsteuerung, wie sie bei den Parrot Zik vor Jahren eingeführt wurde und mittlerweile gelegentlich mal zu sehen ist. Ihr habt Funktionen wie die Rufannahme oder Stummschaltung im Headset-Betrieb, aber auch Vor, Zurück und die Laustärkeregelung. Letztere ist es, die mir ein paar Probleme bereitet. Ich würde sagen, dass ich normal trockene Hände habe und wenn ich mit dem Finger über die Oberfläche streiche, bietet deren raue Struktur genug Widerstand, dass das nicht gleitend möglich ist. So passiert es gern, dass der Finger ein wenig "springt" und die Lautstärke um zwei oder drei Stufen rauf- oder runtergeht, was im ersten Fall durchaus schmerzhaft sein kann. Die sehr feine Kunstleder-Oberfläche des Parrot scheint sich dafür weit besser zu eignen, da auch feinste Abstufungen kein Problem sind. Sollte eine Revision irgendwann kommen, dann hoffe ich hier auf eine andere Materiallösung, denn sonst ist die Touch-Oberfläche natürlich auch beim Aventho sehr funktional und äußerst praktisch. Was fehlt, ist die automatische Pausefunktion, wenn ihr den Hörer absetzt, wie sie die Geräte von Parrot oder Bowers & Wilkins haben. Ist eine tolle und sonst recht verbreitete Funktion, aber leider in zumindest dieser Aventho-Generation nicht zu finden.

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Die Oberfläche fühlt sich gut an, könnte aber noch für ihre Touch-Funktion weiter optimiert werden. (beyerdynamic Aventho wireless - Test)

Neben dieser Steuerung habt ihr natürlich noch einen sehr dezenten, aber gut zu ertastenden und mit exaktem Druckpunkt ausgestatteten Knopf zum Anschalten und für die Bluetooth-Verbindung, die mit jedem getesteten Gerät absolut tadellos funktionierte. Der Aventho wurde immer sofort gefunden und hat sich anstandslos in einer Sekunde gekoppelt, etwas das ich leider nicht von allen Konkurrenten behaupten kann. Daneben sitzt der Eingang für 3,5mm-Klinke, für den "Offline"-Betrieb und der USB-C-Eingang. Dieser ist vielseitiger, als man denken mag, denn er dient nicht nur zum Laden, sondern kann auch direkt mit einem Player gekoppelt werden, um dann bis zu 24/48er-Files abzuspielen, ein Format, das mit Bluetooth aktuell niemals zu realisieren wäre. Der Akku ist wie gesagt mit 1050 mAh für einen Kopfhörer nicht zu klein und das zeigt sich in den 30 Stunden, die als maximale Laufzeit angegeben werden. Diese kann ich nicht bestätigen, ich landete eher bei 20 plus eine oder zwei, aber wenn man ganz leise hört, dann sind die 30 vielleicht machbar. So oder so, mehr als genug Laufzeit auch für lange Reisen und notfalls läuft er ja auch mit Kabel.

Und wie hörst du so?

Jetzt wird es aber Zeit, über die größte Besonderheit des Aventho zu sprechen und die ist nicht, dass er AptX HD bietet. Es ist eine neue Software in App-Form, die sich beyerdynamic ausdachte und den Kopfhörer ganz speziell auf euer Gehör und Hörverhalten anpassen soll. Die eigentliche Software kommt dabei von der Berliner Firma Mimi Hearing und wurde dann für die beyerdynamic-eigene App lizensiert. Diese MIY-App - "Make It Yours" - gibt es für Android und iOS und auf Android habe ich bezüglich der Stabilität noch so meine Probleme. Während sie auf einem älteren HTC 10 tadellos lief und auch auf einem Lenovo-Android-Book, zog sie sich zuerst meinen Zorn auf sich, als sie sich auf meinem Primärgerät, einem Sony XZ Premium von ihrer zickigen Seite zeigte. Das Gute ist, dass jede einmal ausgeführte Konfiguration auf dem Aventho selbst gespeichert wird und es mir, einmal konfiguriert, egal sein kann, dass das Sony nach wie vor bei der Neueinrichtung des Kopfhörers abstürzt. Alle anderen Funktionen der App laufen hier nämlich tadellos. iOS hat schon seine Vorteile, wenn man sich als Entwickler mit einer so einheitlichen Umgebung beschäftigen muss. Auf einem iPhone 8 funktionierte die Konfiguration übrigens auch tadellos.

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Auch wenn sie mein Sony nicht mag: Die App ist aufgeräumt und leicht verständlich einzurichten. Der Hörtest dauert etwa 5 Minuten, danach wird das Profil im Kopfhörer gespeichert. Die App muss also nicht ständig laufen. (beyerdynamic Aventho wireless - Test)

Diese Konfiguration ist manchem Handy-Nutzer schon bekannt, denn HTC bietet etwas Ähnliches schon seit einer Weile an. Der Prozess ist im Grunde ein Hörtest, der etwa fünf Minuten dauert und ihr eine Reihe von Tönen hört. Ihr drückt eine Onscreen-Taste und immer, wenn ihr den Ton nicht mehr hören könnt, lasst ihr los und der nächste Ton fängt an. So geht die App alle Frequenzen für beide Ohren getrennt durch und weiß ziemlich gut, welche Eigenheiten euer Hörvermögen so hat. Darauf werden dann Frequenzen und Balance abgestimmt. Es ist keine Pflicht, das zu nutzen, in der MIY App lässt sich die Anpassung komplett abschalten oder in fünf Schritten in der Intensität erhöhen, sodass ihr einfach probieren könnt, was für euch am besten klingt.

Diese persönliche Anpassung ist auf den ersten Blick nichts anderes als eine Art individuell ermittelte Equalizer-Einstellung, bei der bestimmte Frequenzen, die euch biologisch verloren gingen, erhöht werden, um den gesamten Bereich so nah wie es geht an das ideale Gehör anzupassen und die Balanceregelung sorgt dafür, das mögliche Unterschiede im Hörvermögen angeglichen werden. Das allein wäre noch keine Magie, aber eine extrem praktische Funktion, für die ich mein HTC sehr geschätzt und sie im Sony schmerzlich vermisst habe. Hier geht es aber noch den entscheidenden Schritt weiter, diese Einstellungen abhängig von der Lautstärke dynamisch anzupassen. Wenn ihr leise hört, wird der Klang auf euren individuellen Frequenzbereich angepasst, um euch ein möglichst ideales Klangbild zu geben, selbst wenn ihr eigentlich nicht in der Lage wärt, es von euch aus so zu hören. Dreht ihr dann auf, flachen die Frequenzkurven der Anpassungen ab und sind schließlich linear zum ursprünglichen Klangbild. Laut genug hört ihr eh den gesamten Bereich, da ist also keine Anpassung mehr nötig, aber leise hören soll mehr Spaß machen.

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Blick ins Innere, das sich diesmal leicht erreichen lässt. (beyerdynamic Aventho wireless - Test)

Die große Frage ist natürlich, was diese Individualisierung klanglich bringt. Wenn ihr zu den 0,0001 Prozent der Menschheit mit dem berühmten "goldenen Ohr" gehört, dann nicht viel, weil ihr die Frequenzen und Balance eh hört, wie es sein sollte. Da aber der Rest von uns Schwächen und Unterschiede im Gehör hat, eine ganze Menge. Schraubt ihr die Anpassung auf 100 Prozent und schaltet sie dann ein und aus und hin und her, denkt ihr zuerst, dass es eine Art Loudness-Funktion wäre. Eine solche verändert aber den Klang deutlich aktiver, während es hier weit subtiler ist, wenn ihr länger zuhört. Euch fällt beim Umschalten auf, dass weniger die Frequenzbereiche betroffen sind und verändert werden, die ihr eh schon gut hört. Diese bleiben weitestgehend unberührt.

Stattdessen gewinnen die dazu, die euch vorher nicht auffielen, weil sie einfach in der Regel jenseits eures Hörvermögens lagen. Bei 100 Prozent ist mir der Effekt zu überbetont und ich würde auch sagen, dass es hier zu sehr in die normal hörbaren Bereiche eingreift. Der Effekt ist dann mit dem des HTC vergleichbar. Schaltet man aber auf 60 Prozent zurück, dann empfinde ich persönlich ihn als ideal. Ihr gewinnt einfach Bereiche dazu, erreicht eine höhere Hördynamik, da das Spektrum größer wird, aber der generelle Klang wird nicht oder nur sehr minimal beeinflusst. Sehr beeindruckend und sicher eine Technik, von der wir in Zukunft noch viel hören werden, bis sie eines Tages praktisch Standard sein wird. Das ist etwas, das ich mir auch für moderne Heimkopfhörerverstärker wünschen würde und vielleicht sogar für Anlagen generell. Wird halt nur schwierig, wenn mehr als eine Person zuhören möchte.

Dieses Problem gibt es beim Aventho höchstens, wenn ihr ihn verleiht und die Regelung aktiviert lasst. Diese wird wie gesagt im Kopfhörer gespeichert, womit ihr bei einem Wechsel auf ein anderes Gerät nicht die MIY App installieren und starten müsst, um die letzte Einstellung weiter genießen zu können. Wovon ich allerdings abraten würde, ist eine Nutzung zusammen mit anderen Equalizer-Apps. Irgendwie schienen diese sich in die Quere zu kommen und die üblichen Presets klangen ziemlich schräg.

Lautstärke? Kann er!

Eine weitere Funktion ist das, was ich den Babysitter nenne. Der Aventho schneidet mit, wie lange ihr am Tag hört und wie laut. Je lauter ihr hört, desto schneller wird er euch sagen, dass es jetzt für heute vielleicht reicht, weil es eurem Gehör mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zuträglich ist, wenn ihr damit weitermacht. Dreht ihr runter, wird es sehr viel länger dauern, bis die Erinnerung kommt und bei niedrigen Lautstärken wird das wohl so gut wie nie passieren. Das Beste daran ist, dass ich den Babysitter auch ignorieren kann, was ich, unvernünftig wie ich bin, auch oft genug tat. Als Letztes könnt ihr in der App noch die Empfindlichkeit des Touch-Feldes am Kopfhörer einstellen, was ein wenig geholfen hat, um gegen die etwas widerspenstige Oberfläche anzukämpfen, aber nicht viel.

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Kraftvoll: Die kleinen Treiber können nicht nur elegant, sondern auch richtig, richtig laut. (beyerdynamic Aventho wireless - Test)

Lautstärke ist übrigens ein wichtiges Thema beim Aventho und eine große Stärke, wie auch seine größte Schwäche. Die Stärke ist die schiere Power. Während andere Bluetooth-Kopfhörer auch aus Gehörschutzgründen ausgebremst sind und relativ schnell an die Grenze kommen, bei der aufgrund der Bauart ja auch kein externer Verstärker eingreifen kann, ist der Aventho schlicht brutal. Technisch gesehen nutzt er natürlich auch die Gehörschutznorm als Maßstab, aber eben auch den gesamten möglichen Lautstärkebereich. Im Ergebnis heißt das, dass ich den auf 100 Prozent nicht hören kann und niemand sollte das auch nur für Minuten tun, wenn er sein Hörvermögen nicht in Rekordzeit ruinieren möchte. Das Ding geht richtig, richtig, ehrlich laut und das auch sauber, mit nur leichten Verzerrungen im Extrembereich, der eh jenseits allem ist, was ihr euch auch nur kurzfristig antun solltet. Wow, so muss das sein, ich will meinen Metal laut und der Aventho kann mehr laut als sogar mir lieb ist.

Die Kontrolle über diese Kraft empfand ich mitunter etwas eigenwillig - ich denke immer noch, dass ein analoges Drehrädchen das Non-Plus-Ultra einer Lautstärkereglung ist. Hier funktioniert es so, dass ihr die Lautstärke am Handy so hoch einstellt, wie es für euch gerade noch tragbar ist und dann regelt ihr es fein mit der Touch-Oberfläche am Aventho runter. Es funktioniert, manchmal, manchmal auch nicht so richtig gut, aber elegant ist auf jeden Fall was anderes. Das sieht wohl auch beyerdynamic so, denn ein Firmware-Update ist bereits in Arbeit, dass die Lautstärkekontrolle besser in den Griff bekommen soll. Bis dahin nutze ich dann halt Apps wie Precise Volume. Aber trotzdem und nur so als Gedanke: Analoges Rädchen... Hat sich bewährt, muss nicht alles neu erfunden werden.

beyerdynamic Aventho wireless: Soundcheck

Sollte dann doch die ideale Lautstärke gefunden sein, wird es Zeit, mal zu hören, was man für 450 Euro so auf die Ohren bekommt. Wortwörtlich, sitzt der Aventho doch direkt auf den Ohren. Das allein war für mich ungewohnt, ich hatte seit Jahren keine On-Ears mehr und ich war sehr überrascht, wie bequem das sein kann. Das geringe Gewicht, der angenehme Andruck und die bequemen Polster sorgten dafür, dass ich in mehrstündigen Sessions, etwa einer fast ganztägigen Bahnfahrt, nur selten eine kurze Lüftungspause brauchte. Auch der Bügel sitzt absolut tadellos. Sehr, sehr bequeme Kopfhörer, kann ich nicht anders sagen.

Was dann an Klang kommt, steht dem nichts nach. Ich habe hier mal Tidal und Bandcamp-FLAC-Files genommen, um dem AptX HD was zu tun zu geben, schließlich reicht für Spotify Extrem - 320 Kbit OGG Vorbis - auch der alte Standard. Das ist auch ein wenig der Witz bei dem Format: Wenn ihr eh nur Standard-Signale wie Spotify nutzt, dann bringt euch HD am Ende nicht so viel. Ein wenig, aber nicht viel.

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Die Polster lassen sich einfach austauschen, dafür ist dann kein Schrauben nötig. (beyerdynamic Aventho wireless - Test)

Das generelle Klangbild ist erstaunlich neutral gehalten, folgt fast ideal der klanglichen Mittellinie und scheint nur in den Höhen dann am Ende etwas abzufallen. Auch die Bässe bleiben klar definiert und werden nicht überbetont. Ehrlich gesagt ist der Aventho damit fast neutraler als so mancher nur so betitelte Studio-Kopfhörer, was mich bei einem Gerät, das im Pro-Bereich zumindest in der kabellosen Version nicht häufig zu sehen sein wird, überrascht. Aber ja, wenn ihr als Musiker Neutralität über AptX HD haben möchtet, dann ist das wohl die aktuell beste Wahl. Noch erstaunlicher ist es, was beyerdynamic an Bühnenweite aus einem On-Ear herauskitzelte. Normalerweise ist der Klang eines On-Ear baubedingt sehr direkt und eher mit dem Sound von In-Ears als selbst geschlossenen Over-Ears zu vergleichen. Der Aventho jedoch geht, wenn der Klang es erfordert, mehr in die Räumlichkeit als es selbst mancher offene Over-Ear hinbekommt und das mit einer Präzision und Reaktionsfreudigkeit auch bei komplexer Klangstaffelung, die bei dieser Bauweise fasziniert. Ich konnte mich klanglich nicht mit vielen Over-Ears anfreunden, aber dieser hier sticht heraus wie kaum ein anderer.

Ausgesprochen gut ist übrigens auch die Schallisolierung nach außen. Wenn ihr wirklich aufgedreht, dann wird auch der Sitznachbar ein wenig mitbekommen, aber wenn er sich dann zu euch umdreht, wird er euer schmerzverzerrtes Gesicht sehen, denn an diesem Punkt ist eh schon alles viel zu laut. In die andere Richtung ist es nicht schlecht, gerade für einen nicht das ganze Ohr umschließenden Hörer, aber es ist weit von Noise Cancelling entfernt. In ruhigen Passagen werdet ihr das Rumpeln der Bahn oder das spielende Kind hinter euch hören. Als Reisebegleiter ist der Aventho damit keineswegs ungeeignet, aber für eine lange Flugreise würde ich dann doch einen anderen Kopfhörer bevorzugen.

Zeit, Sachen anzuhören. Ich beginne mal mit ein wenig Synthpop von ALEX, der sich sonst eher im Synth-Darkwave einen hochwertig produzierten Namen machte. Sein neuestes Werk jedoch - Hero - geht zumindest in den ersten beiden Tracks in eine ganz andere Richtung. Ich denke, er hat ein JRPG gespielt. Irgendeines. Und jetzt will er mit der Sängerin Megan McDuffee heroisch netten Pop machen. So oder so, die beiden Tracks Quest und Hero zeigen gut einige der Stärken des Aventho. Ihr habt die pointierten, starken Bässe relativ nah bei euch, wie auch die solide Stimme, die ganz klar eine Center-Positionierung ausfüllt, ohne sich dabei anstrengen zu müssen. Die Hooks und Melodien dagegen umfließen diese Elemente fast schon weit und erzeugen so erstaunlich viel Bühne, die sich nicht nur klar in die Tiefe der Front zu staffeln scheint, sondern ungefähr 270 Grad um euch herum. Nice.

Mal gucken, wie es wirklich mit Dynamik auf der großen Bühne steht. Pet Shop Boys Integral wird mit jedem Facebook-Skandal textlich nur besser und keine Version davon ist so gelungen wie die Ausgeburt der puren Dekadenz in Form der Live-Version mit dem BBC Orchester, zu finden auf dem Album Concrete. Und ja, von den ersten ominösen Zeilen, zu den Streichern, die den unglaublichen Hook übernehmen bis zu Tennants einzigartiger Stimme geht auf dem Aventho alles noch mehr nach vorn, als das sonst schon der Fall ist. Die komplexe Struktur des Arrangements wird mit absoluter Präzision getragen, keine Spur geht dem Gehör verloren, egal, auf welches Instrument ihr im Hintergrund lauscht. Angesichts eines Pop-Song-Arrangements, weit weg von der Reinheit einer üblichen Symphonie-Aufnahme ist das keine Kleinigkeit. Die Drums springen glasklar in den Raum, die weite Bühne des Aventho trägt den Song mit Leichtigkeit und es ist nicht möglich, dass ich einen On-Ear-Kopfhörer trage. Lasst mich nachgucken... Doch, tue ich. Niiice.

Gehen wir mal etwas mehr Lo-Fi. Mit San Diego produzierten The Eternal Afflict aus Essen Anfang der 90er einen echten Evergreen des Elektro Wave, den ich zuletzt immer noch auf einer Tanzfläche hörte - und der diese füllte, als wäre es wieder 1995. Jetzt vielleicht nicht der Track, für den man aptX HD braucht, aber solche Musik hat man ja auch genug. Zum Beispiel auf dem "We Came To Dance IV"-Sampler, auf dem man auch Schätze wie Kain und Abel von Das Ich findet. Beide Tracks zeigen die HiFi-Ambitionen des Aventho, indem ihr klar hört, wo die Produktionsschwächen liegen. Die Bässe bleiben dünn, wie sie sind, daran ändert sich hier wenig. Es zeigt sich aber auch, dass der Aventho durch seine Präzision in der Wiedergabe schön die Kälte im Klang der Instrumente des letzten Viertels von Kain und Abel rausholt, so wie es auch eine ganz klare Staffelung zwischen der kreischenden Stimme in San Diego und den geloopten Pseudo-Chören aufbaut. Der Sound klingt sehr plastisch und greifbar präsent. Nicht schlecht, wenn man die Qualität des Materials bedenkt. Ni... Okay, ich höre auf damit.

Ich nähere mich mal vorsichtig dem Rock-Genre an, und zwar mit dem Remix-Meister par Excellence Neil Cicierega. Nie gehört? Macht nichts. Ist nur einer der erfolgreichsten validen Künstler, der neue Medien wie Youtube für sich entdeckte. Der "Picasso unserer Zeit" sagen manche. Ich nicht. Aber ich sehe - und höre -, woher es kommt. Und ihr werdet System of a Downs Chop Suey! nie wieder so hören wie vorher, wenn ihr es einmal zum Beat und Takt und der Abmischung von Elton Johns Crocodile Rock gehört habt. Ganz klare, starke Dynamik, Lebendigkeit und Schwung kommen über die Ohrmuscheln des Aventho, die diesen Culture-Clash-Clusterfuck als die legitime Kunst behandeln, die es fast ist. Alles sitzt euch diesmal sehr direkt auf den Ohren, ohne dabei an Auflösung einzubüßen. Jede gestörte Stereoseparation wandert mit Schwung den kurzen Weg durch euren Schädel wie die Kugel des self-righteous suicide, dem man nicht vertrauen kann. Da weint man doch glatt, wenn Engel es verdienen, zu sterben. Ach so. Ja. Richtig. Runterladen. Hier. Und ein paar Euro bezahlen. Schon allein, weil ihr danach nur zwei Tracks weiter Love Shack hört wie nie zuvor. Wer hätte gedacht, dass der Song als Horror-Story so gut funktioniert. Ni... Halt, ich sagte ja, ich mache das nicht mehr. Ah, fuck it. That's for you Neil, you crazy bastard: "NICE!" Allein für Space Monkey Mafia. Was das ist? REM und Billy Joel remixed als Humpta-Explosion mit Chiptune-Gasm fürs Finale. Sagte da jemand Album dieses traurigen Jahrhunderts? Passt. Und noch besser dank Aventho.

Ein bisschen Metal muss sein: Operation Ground and Pound von Dragonforce, einfach weil ich, wenn ich das hier nebenbei höre, kaum tippen kann. Es ist einer der wenigen Songs die ich bei Guitar Hero auf Level 5 beherrschte - überleben, nicht 100 Prozent - und die Reflexe greifen praktisch sofort. Und ja, für eine Band, die zwar solide Production-Values an den Tisch bringt, aber auf einem HiFi-Level nie wirklich toll klang - vergleicht ihre Base mal mit Priests Turbo-Remaster, ganz andere Liga -, kommt es erstaunlich druckvoll. Genug zumindest. Die Drums liegen direkt auf den Ohren, eine Einheit mit den beiden Leads und der Stimme, im Hintergrund klar aufschlüsselbar der Synth. Es ist erneut erstaunlich, wie analytisch der Aventho an das ungewohnte Material herangeht und es fast wie eine klassische Symphonie behandelt, bei der er die Bühne bereitet, diese auf die Größe eines Clubs schrumpfen lässt, die Wände heranrutscht und es so klingen lässt, wie man es haben möchte. Ich bin begeistert.

Bevor wir zu Spiel und Film kommen, noch ein letzter Song und es ist ein besonderer: Nick Caves The Ship Song. In der 1993er Live Seed Aufnahme und auch nur der. Wenn ich dann eines Tages beerdigt werde, soll dieser Song in dieser Version laufen. Nur in dieser. Ich würde ihn als einen der besten Songs bezeichnen, die je geschrieben wurden und in dieser Version in der besten Form verewigt wurde. Wenn es nicht bald eine Vinyl gibt, werde ich mir selbst eine pressen lassen. Also Aventho, Du unvollendetes Stück Technik und meine Ohren, unwürdig, wie ihr seid, was macht ihr daraus? Es technisch zu beschreiben, ist fast schmerzhaft, weil ich das Ding auf den mitgelieferten Bügeln meines 1984er Walkmans hören könnte und es wäre immer noch Gold. Aber okay. Ja, ich bin schwer beeindruckt. Das Material ist von einem HiFi-Aspekt weit entfernt von perfekt - No More Shall We Part kriegt ein Remaster, aber das hier nicht???? -, aber die Aventhos nehmen es und arbeiten damit. Erst einmal ist erstaunlich, wie viel Dynamik herausgeholt wird und wie lebendig die eher dumpfe Aufnahme klingt. Die einmalige Stimme hat viel Kraft, das Piano übernimmt zum Finale nicht weniger stark, die oft sehr distanzierte Gitarre steht präsent klagend dahinter. Ich bin fasziniert, dass das hier besser klingt als auf dem offenen Amiron home, weil es einfach das richtige Maß an Druck herausholt, wo sonst nicht viel davon zu holen ist und so einen schon intensiven Song noch einmal dramatischer gestaltet.

Es geht zu Filmen und den Übergang gestalten wir mal mit dem 90s-Mantra Fight Club, This is Your Life. Und nein, das ist nicht Bon Jovi, das ist eine starke Base-Line, die den auf den Aventhos sehr direkten Hintergrund zu Tyler Durdens Philosophie-Stunde gibt. Keine Bühne, keine breite Fächerung, ein ganz kleiner Raum. Es ist faszinierend, was für ein Chamäleon dieser Kopfhörer sein kann. Nehmt ihr dagegen Ennio Morricones Abolisson, dann springt er bei gleicher direkter, freudiger Dynamik auf die breite Stage, lässt die Chöre in die Tiefe gestaffelt wirken und das wiederum mit nicht weniger Kraft.

Kann der Aventho diese Qualitäten auch für andere Medien beweisen? Ich starte einfach mal mit God of War und auch hier zeigt sich die erstaunliche Flexibilität des Kopfhörers im Umgang mit Soundkulissen. In den engeren "Dungeon"-Passagen ist der Klang deutlich näher an euch dran, die Schläge klingen wuchtiger und direkter, während in den Außenbereichen mit mehr Weite in der Landschaft auch dieses Gefühl unterstützt wird, indem die wieder erstaunlich weite Bühne genutzt wird. Noch besser wird dies nur mit einem offenen Set, aber die, die ich im Vergleich anschaute, hatten dann nicht ganz den direkten Einschlag in den anderen Arealen. Nicht nur "für einen On-Ear", sondern generell, das ist eine ausgesprochen beeindruckende Eigenschaft.

In Call of Duty: Infinite Warfare dann zeigt der Aventho, dass seine Bässe zwar nicht die wuchtigsten sind, die man sich holen kann, aber dass sie immer noch tief genug gehen, genug Kraft haben und vor allem extrem schnell und sauber ansprechen. Es ist ein Vergnügen, jedes einzelne Krachen so präzise verfolgen zu können, ohne dass die restliche Soundkulisse auch nur irgendwie darunter leiden würde. Es ist ein sehr ausgewogenes Bild, fast schon neutral mit nur einem leichten Abfall in den Höhen über das ganze Spektrum hinweg, womit sich der Aventho für eigentlich fast alles empfiehlt. Er ist hier so stark, wie er es auch in einer Runde Cotton auf der PC-Engine ist. Gute Güte, das ist die Soundqualität, von der wir damals nur träumen konnten, weil keiner sich damals solche klangvollen Kopfhörer holte. Das Geld musste für Spiele ausgegeben werden!

Bei Filmen nehme ich mal Mission Impossible 4, die bessere Bond-Reihe unserer Tage - oder zumindest die, die den Spaß an der Sache noch nicht verloren hat und nicht zu einem zweistündigen Schmollfest mit grantigem Star verkam. Egal, was man sonst über Tom Cruise denken mag, der Mann hat augenscheinlich Freude daran, die gradlinige Action zu liefern. Was als Erstes in der Wolkenkratzer-Actionsequenz auffällt und vielleicht etwas zu sehr vom Aventho betont wird, ist wie lustig Soundeffekte in einem Kampf eigentlich sein können. Das hat schon fast Bud-Spencer-Niveau, wenn ein Typ aus einem Meter Höhe auf ein paar Stufen fällt und dabei klingt, als hätte jemand einen Sack mit zwei Tonnen Kartoffeln fallen gelassen. Schuss-Sounds kommen auch hier klar, präzise und schnell und das Rumpeln des Sandsturms, der über die Stadt wie eine Subraum-Schockwelle hereinbricht, ist zwar intensiv und ausgesprochen gut aufgelöst und nuanciert, könnte aber mehr Bühne vertragen. Hier stößt das On-Ear-Konzept dann auch mit dem Aventho an seine Grenzen, aber für einen solchen ist es immer noch beeindruckend genug.

Für die Sprachverständlichkeit nehme ich mal den absurd gut besetzten Kalter-Krieg-"Thriller" Dame, König, Ass, Spion. Eine Studie, wie man einen Agentenfilm in Zeitlupe filmt und in dem keiner der Beteiligten eine Bewegung zu viel macht, einfach weil ihre Charaktere in dem, was sie tun, so routiniert sind, dass es nicht nötig ist. Ob der Film gut ist, darüber bin ich auch nach dem zweiten Gucken unschlüssig, aber er besteht nur aus Dialogen und Schweigen, hat gefühlt keinen Soundtrack, schon gar keine Action und arbeitet in so viel Raum, wie ein dreckiges Londoner Hinterzimmerbüro zu bieten hat. Aber es sind phänomenale Schauspieler, die alle mit ihren Stimmen arbeiten und die langen Pausen wiederum arbeiten mit sehr subtilen Geräuschen des Raums oder der Abwesenheit solcher. Klangliche Präzision bis in die Nuance ist gefordert und der Aventho fühlt sich hier wie Zuhause. Jede subtile Stimmvariation von Oldman oder Firth wird eingefangen und euch zur Interpretation weitergereicht, der Staub der traurigen Kulisse wird durch Präsenz leisen Ambientes akustisch fast greifbar. Spannungen entstehen unter der bewusst hörbaren Oberfläche und als Arthouse-Kopfhörer für das Nichtgesagte eignen sich die Aventhos damit fast noch besser als für die brachiale Action.

Das gibt es noch mit AptX HD

Wow, das war anstrengend. Ich musste ganz schön herumtelefonieren, um zumindest zwei weitere AptX-HD-Kopfhörer mal einen Tag zum Vergleich zu haben. Die sind halt noch selten. Das Erste ist ein idealer Reisebegleiter und hat die eine Funktion, die der Aventho schon allein aufgrund der Bauart nicht bieten kann: Der Bowers & Wilkins PX hat Noise Cancelling. Welches fantastisch funktioniert. Klanglich würde ich allerdings dem Aventho zunicken. Nicht, dass der PX schlecht klänge, aber auch ohne die Klangpersonalisierung einzuschalten, hat der Aventho mehr Räumlichkeit und Dynamik. Es klingt alles über die Genres hinweg etwas frischer. Mit der Personalisierung wird es nur besser, aber auf der Bahnfahrt dann würde ich den PX wiederum jeden Tag bevorzugen, um meine Ruhe und immer noch exzellenten Klang zu haben. Zumal der Preis mit 400 Euro sogar ein klein wenig freundlicher ist. Etwas.

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Von links nach rechts zwei Bowers & Wilkins PX, dann der Audio-Technica ATH-DSR9 und der ATH-DSR7 BT.

In der Verarbeitung nehmen sich die beiden nichts und das gilt auch für den mit 530 Euro etwas teureren Kandidaten Audio-Technica ATH-DSR9 BT. Deutlich größer als der immer noch recht schlanke B&W sitzt der AT über den Ohren und klanglich sind diese Dinger wirklich beeindruckend. In Sachen Räumlichkeit und Dynamik liegen sie wieder vor dem Aventho, was vielleicht, aber nicht unbedingt, an einer ziemlich abgefahrenen Technologie liegt, bei der der komplette Signalweg bis zum Treiber digital bleibt und die D/A-Treiber selbst das Digitale in Ton umsetzen. Klingt spannend, aber vielleicht sind es auch einfach sonst fantastische Kopfhörer, die ein klein wenig mehr kosten und leider kein Noice Cancelling bieten. Es gibt auch einen DSR7BT für 300 Euro mit AptX-HD, aber etwas schlichterer Digital-Ton-Umsetzung. Klingt sicher auch nicht schlecht, ist bestimmt einen Versuch wert.

Auf der Seite von Qualcomm findet ihr eine Übersicht über die Geräte, die schon AptX HD unterstützen.

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beyerdynamic Aventho wireless AptX HD: Bluetooth kann es also doch

beyerdynamic Aventho wireless AptX HD auf Amazon.de

450 Euro für einen Bluetooth-Kopfhörer sind heute scheinbar nicht mehr ganz so absurd, denn AptX HD hat sich im Falle des Aventho bewiesen. Es ist natürlich nicht ganz die Reinheit, die ihr mit Kabel auf einem ähnlich teuren normalen Kopfhörer bekommt, aber nah genug dran und das für sich ist schon beeindruckend. Das gilt aber auch für andere AptX HDs, die sich in ähnlichen Preisbereichen bewegen. Was also noch? Die Verarbeitung ist tadellos, lediglich der Oberfläche der Touch-Seite fehlt noch das gewisse Etwas, um ganz dem Preis und dem Rest des Sets gerecht zu werden. Die Klangpersonalisierung ist ein sehr interessantes Feature, das auch praktischen Nutzen mit sich bringt. Viele Menschen haben leicht unterschiedlich gute Ohren und dies ein wenig auszumessen und den Klang entsprechend anzupassen, ist ein großartiger Service, den es viel häufiger geben sollte. Nicht nur dass, auch das dynamische Ausbalancieren der Frequenzen entsprechend der Lautstärke ist eine Leistung, die man kaum genug würdigen kann.

22 beyerdynamic Aventho wireless - Test

Und dann ist da der Klang selbst. On-Ears waren bisher für mich immer der schlechte Kompromiss zwischen leichterem Gewicht und etwas offenerem Klang. In dem einen sind die In-Ears unschlagbar, das andere ist die Domäne der Over-Ears, die On-Ears hingen in einer halbherzigen Mitte. Der Aventho rüttelt ordentlich daran. Sicher, sie haben nicht die unglaubliche Bühne eines Beyerdynamic Amiron, aber es ist der Mix aus der direkten Nähe und genug Weite, beides immer dann, wenn es gebraucht wird und das mit hoher Dynamik und Reaktionsfreudigkeit, die es schafft, auch gestaffelte Klang-Strukturen sauber aufzustellen. Der größte Makel bleibt die noch nicht ideal gelöste Lautstärkesteuerung. Ich bin eh der Meinung, dass ein analoges Rad dafür gesetzliche Pflicht sein sollte. Aber andere Hörer lösen das Problem der nicht perfekten Steuerung der mobilen Geräte besser als der Aventho, der einfach nur auf diese zugreift. Man kann damit leben, man gewöhnt sich an alles, aber gerade mit Blick auf all die anderen eleganten Qualitäten und Lösungen erstaunt hier die Faulheit im Design.

Trotzdem, ich war anfangs sehr skeptisch, sei es wegen On-Ear oder dem Preisschild in Verbindung mit Bluetooth. Ich glaubte nicht, dass mich der Aventho am Ende wirklich überzeugen könnte. Aber all das hat sich in den letzten Wochen erledigt. Starke Features, fantastischer, für die Bauart sogar phänomenaler Klang und die gewohnt hohe Verarbeitungsqualität rechtfertigen den Preis. Es ist kein Gerät, das man sich eben mal holt, sicher. Aber wenn man dann so viel Freude damit hat, dann passt das.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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