Je mehr die Dinge sich ändern ... 28 Jahre ist es wohl her, dass ich mit Blick auf die Zugspitze auf einem Balkon saß und statt des Naturpanoramas einen Nintendo-Screen betrachtete. Damals war das natürlich der erste Game Boy in Schwarz und Grün-Grau, heute ist es die Switch in all ihrer portablen Glorie und statt Batman von Sunsoft läuft nun die Mega Man Collection im Doppelpack. So ganz ehrlich: Dieses erste Batman mochte ich immer lieber als Mega Man auf dem Game Boy. Die Musik war dank Sunsoft einfach so viel besser.

Aber jetzt habe ich natürlich kein schnödes Schwarz-Weiß-Mega-Man vor mir, sondern in der ersten Collection Teil 1 bis 6 und in der zweiten Teil 7 bis 10. Diese sind natürlich nicht neu und damit meine ich nicht die ursprünglichen Spiele. Für die anderen Plattformen erschien die erste Sammlung bereits 2015 und die zweite letztes Jahr. Hier findet ihr den Test zur Mega Man Legacy Collection 1 und hier zur Mega Man Legacy Collection 2. Alles, was dort an Features zu lesen ist, gibt es auch hier auf der Switch, die Frage ist nur, ob sich was geändert hat.

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Die Hintergründe sind optional, schlechte Menschen dürfen das Bild auf Widescreen strecken und auch sonst gibt es ein paar Optionen.

Der Preis jedenfalls nicht. Je 15 Euro werden als Download fällig, was für beide Sammlungen ein durchaus faires Angebot ist, nicht zuletzt dank zahlreicher Zusatzfeatures wie Soundtracks, Scans von alten Postern und Boxen zu jedem der Spiele und einer Menge Artworks, die sich auch auf der Switch nett heranzoomen lassen, um sich in der Werbeglorie der 80er und 90er zu ergehen. Die Emulation wurde von Digital Eclipse solide genug getroffen, es wurde sogar an eine Prozessorbremse gedacht, um die Slowdowns des Originals bekommen zu können - ich bin mir nicht ganz sicher, aber auf den anderen Versionen gab es das "Turbo"-Feature. Sicher, ganz original ist immer noch ein wenig anders, aber passt schon gut genug, wenn ihr nicht gerade professioneller Mega-Man-2-Speedrunner seid. Ein normaler Emulator hat zwar immer noch mehr Features, was Scanlines und ähnliche Spielereien angeht, aber auf der anderen Seite: Verglichen mit den Versionen der Virtual Console und deren Preisen ist das hier eine Feature-Flut zum Schnäppchenpreis.

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Wer viel Freizeit oder sehr lange Bahnreisen hat, kann sich an den ziemlich heftigen Herausforderungen versuchen.

Mit dem Schnäppchen endet es dann bei der Box-Version. So schick es auch ist, eine zu haben, fast 60 Euro für den Doppelpack und damit den doppelten Preis der Downloads, das ist schon grenzwertig und wirklich nur etwas für harte Sammler. Andererseits, es ist Mega Man auf einer erfolgreichen Nintendo-Plattform, da fällt der Wert über die Jahre nicht unbedingt ... Ich sollte noch eine bestellen. Nur für alle Fälle und die Altersvorsorge und so.

Der Schwierigkeitsgrad ging ein wenig nach unten, vor allem, weil ihr jederzeit mit der Schultertaste zurückspulen dürft. Gespeichert werden darf überall in der ersten Collection, die zweite ist da etwas restriktiver, aber schließlich sind die Spiele ja auch minimal moderner und haben sich zu dem Thema ihre eigenen Gedanken gemacht. Solltet ihr mit allen sechs beziehungsweise vier Spielen durch sein, habt ihr noch einen Schwung an Herausforderungen zu jedem Titel vor euch, in Form von Zeitlimit-Rushes. Als Bonus für die Switch könnt ihr mit dem Mega-Man-Amiibo noch ein paar Herausforderungen extra freischalten.

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Schlagt mich, aber ich mag Teil 7 lieber als Teil 2...

Ein Problem auf der Switch gibt es aber schon, zumindest wenn man sie so nutzt wie ich gerade und zwar portabel mit den Joy Con an den Seiten. Ich vermisse wirklich das Steuerkreuz. Und sie aufstellen und den Pro-Controller vor holen, das kommt nun auch nicht in Frage. Mit dem Stick steuert es sich okay und nach ein paar Runden dachte ich auch nicht mehr groß drüber nach, aber ein optionaler linker Joy Con mit einem Steuerkreuz... Ich würde extra dafür Geld ausgeben. Für Mega Man, aber noch mehr für die Street-Fighter-Collection in Kürze.

Und die Spiele selbst? Erneut, an den Tests hat sich nichts geändert. Warum auch? Selbst da waren alle Titel schon schwer in die Jahre gekommen. Ich persönlich akzeptiere vollkommen, dass die erste Collection die berühmteren und zum größten Teil auch besseren Spiele an Bord hat, habe aber ein wenig mehr Spaß mit der zweiten Collection, vor allem, weil ich einer der rareren Fans von Teil 7 und 8 bin. Aber so oder so, mit beiden Sammlungen liegt ihr gut, was die Entscheidung natürlich nicht leichter macht, wenn ihr nur das Geld für eine habt oder ausgeben wollt.

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Und sogar der etwas kontroverse Teil 8 hat einen Platz in meinem Herz. Hier aber wohl hinter Teil 2. Knapp.

Boxed-Version für die Switch: Sie ist teuer. Aber ist sie eine Wertanlage? Wer weiß... (Amazon.de)

Bei diesen Amiibos weiß man das ja auch nie. Hier jedenfalls der Mega-Man-Amiibo, der ein paar Herausforderungen freischaltet. (Amazon.de)

So oder so, wie ihr euch auch entscheidet, wenn ihr diesen Retro-Kick sucht, dann werdet ihr mit beiden Sammlungen auf exzellente Art fündig. Saubere Emulation, ausreichend Features und Extras und das Ganze für unterwegs, selbst wenn dann in aller Regel das Steuerkreuz fehlen dürfte, das sind zwei wirklich gute Klassikerpakete mit hohem Charme-Faktor. Das gilt auch für die Neuzeit, denn in Zeiten von Indie-Pixelart fällt der Look gar nicht so aus der Rolle. Das Level-Design ist damals wie heute ausgezeichnet und bei aller Fairness ist das immer noch ein ganzer Satz an Lektionen, wie die guten alten Spiele es lieben, euch umzubringen und auf die harte Art das Spiel lernen zu lassen. Aber das ist okay. Auf der kommenden langen Bahnfahrt hatte ich eh nicht viel vor.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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