Es ist E3 2018 und das heißt viele Pressekonferenzen und wie jedes Jahr besprechen wir diese ein wenig im Nachgang. Dieses Jahr machen wir das in einem etwas anderen Format, das sich euch unten leicht erschließen sollte. Viel Spaß mit EA, weitere Termine für die E3 2018 Konferenzen findet ihr hier.

Die Show: Nach einer ersten halben Stunde in der Sonne mit ein paar etwas zu hippen und bemühten Moderatoren, trotzdem ganz sympathischen Fan-Interviews und Werbung zu sehr peinlichen Mobile-Games, die wie eine Madden-Zeitreise zurück ins Jahr 2004 wirkten, folgte ein solider Kick-off mit Trailerpower und einem Blick auf die Klappstühle im Zelt. Zum Start ging es voll Hologramm mit Anthem. Nice.

Und dann brach alles zusammen. Es sah eh schon alles nach einem kleinen Bierzelt aus und so präsentierte sich dann auch die von der Präsentation her bestenfalls solide Show ohne roten Faden und vor allem ohne echte Inhalte. Jeder wollte alles über Anthem wissen, mehr, viel mehr zu Battlefield V und nichts davon kam. Beide Spiele waren in Minuten durchgehechelt, der Informationsgehalt gering, der Schauwert am unteren Ende. Nach ein wenig Mäandern durch das, was in Battlefront 2 noch so kommen soll - show, don't tell, das sollte man in 2018 nicht mehr dazusagen müssen - und dem Fakt, dass Respawn sich nicht mal zu einem Teaser herablassen wollte, schlingerte man durch eine verwirrende Präsentation von Madden, indem man zwei in den USA sicher bekannte Individuen Dinge sagen ließ.

Die Indie-Sektion brachte ein wenig Sonne mit - Kraftwerk-Shirt, nice! - , aber dann ging es immer bedrohlicher in Richtung Anthem und statt in die Vollen zu gehen, gab es eine traurige Mischung aus Phrasen-Roundtable und ein paar Blicken auf Kampf-Gameplay. Was Anthem wirklich wird, das wusste immer noch keiner - und den Release-Termin von Anthem wussten Twitter-Follower deutlich früher als jeder im Saal, ich meine natürlich "im Zelt" -, als dann die Ansage kam, dass es das wohl wäre und man nun zum FIFA-Turnier rüberschaltet.

Bestes Spiel: Das war wohl Anthem, selbst wenn alle wirklich wichtigen Antworten als Floskeln verpackt, statt als konkrete Ausführungen zurückkamen. Deine Story, unsere Welt? Das ist keine Lösung für ein Urproblem aller MMOs, dass jeder der eine Auserwählte ist, der die Welt rettet. Aber aussehen tut das Ding absolut irre und ich habe wenig Zweifel, dass es, egal was es sonst sein wird, als Shooter, sowohl Solo wie auch als Koop-Shooter, der Hammer wird. Aber ist uns das genug für ein Bioware-Spiel? Das überlasse ich euch, denn mein Vertrauen in das Studio ist noch groß genug, dass ich an etwas Außergewöhnliches jenseits eines Vier-Spieler-SciFi-Tony-Stark-Simulator glaube.

Am langweiligsten aussehendes Spiel: Das wäre für mich wohl FIFA - jetzt auch wieder mit Champions League - in jeder Form, aber das könnte auf nicht unberechtigten Widerspruch stoßen. Sonst sah das wenige, was zu sehen war, alles ganz reizvoll aus. Selbst Command & Conquer, bei aller Verachtung, die ich für die "Mobilisierung" eines weiteren großen, alten Franchises habe, schien durchaus nett.

Alles dazwischen: Kurz, knackig und nichtssagend. An nettesten waren natürlich mal wieder die Indies - Unravel 2 und Sea of Solitude -, die eine dankbare Position in der Mitte bekamen und ein wenig Gameplay und coole Trailer zeigen durften. Battlefield V gab den soliden Opener und überzeugte mit Panzern, die durch Häuser fuhren, Battlefront 2 machte einen weiteren Mea Culpa, gefolgt von einer ganzen Masse an neuen Inhalten für Battlefront 2. Inklusive böses Flashback-Material in Form von Bildern von General Grievous und anderem Murks aus der ersten Trilogie. Hat da jemand wirklich auf die Klonkriege gewartet? Okay, Bremse, schnell, bevor das ein zehnseitiger Rant über Episode I bis III wird.

Dann doch lieber Respawns lose Ankündigung zu Jedi: Fallen Order. Immerhin zwischen Episode III und IV, das klingt etwas besser. Und dann war da noch die Ankündigung, die alle umhaute: Madden kehrt auf den PC zurück! Nein ... das war es nicht. Ah! Die Champions League ist nach über zehn Jahren zurück in FIFA! Halt, nein ... das war es auch nicht ... Richtig! Battlefield V kriegt einen Battle Royale! Juhu! Oder so. Da ich jede Schlacht in BF wie einen Battle Royale spiele - verbündete Mitreisende in Panzern und Hubschraubern können ein Lied davon singen - war ja jetzt nicht so die große News, aber ein paar Leute wird das sicher begeistern.

Coolste Technik: Eigentlich wohl entweder Anthem oder Battlefield, aber ich nehme mal Madden 19. Dieser Trailer sah sowas von cool aus, dass ich sofort dachte, dass ich endlich mal wieder ein Madden spielen muss! Nur um mich daran zu erinnern, dass ich diese Versuche stets schnell wieder abbrach, weil US-Football mich doch langweilt. Aber diese Animationen und so ... irre.

Das will ich nicht!: Die Battlefront-2-Erweiterung, die die Klonkriege als Thema hat. Immer, wenn ich Episode I bis III fast vergessen habe, kommt sowas um die Ecke und reißt alte Wunden wieder auf.

Innovationen: Origin Access Premiere als Service klang irgendwie neu. War es aber nicht, denn das ist nur eine Art - sicher teurere - Premium-Variante des EA-Access, bei dem ihr dann auch die großen, ganz frischen Titel wie BF V, Madden und Anthem direkt im Paket mit drin habt. Die Neuigkeit ist, dass EA nun auch einen Streaming-Service für Games aufbaut. Ich weiß, willkommen im Club und wirklich innovativ ist das nicht, aber hier muss man nehmen, was man kriegt.

Überraschung!: Die Überraschung des Abends war sicher die Rückkehr von Command & Conquer, aber das hebe mich mir für eine andere Kategorie auf. Also sage ich einfach mal Unravel 2 kommt, es sieht viel interessanter als der Vorgänger aus und es ist jetzt, hier und heute da! Von der Messe in den Download-Bereich, Test vielleicht morgen schon, eine schöne Überraschung.

WTF!!!: Was uns zu Command & Conquer bringt. Okay, da sind zwei Shoutcaster, da sind zwei Pro-Player, aber was ist dieses nach 2002 aussehende Pixel-Etwas auf dem Screen? Das ist, was die spielen, das ist, was gezeigt werden soll? DAS IST COMMAND & CONQUER??? Jap, C&C goes mobile, so wie so viele alte, legendäre Franchises, die EA erst in der Schublade vergaß und dann hervorholte, um die traurigen Reste endgültig in den Staub zu treten. Die gute Nachricht ist wohl, dass Rivals auf den ersten Blick nach einem wirklich ganz netten Mobile-Game aussieht. Immerhin. Wer gucken will, kann das ja auf Android auch sofort tun.

Das war die EA-Show der E3 2018: Sicher, EA war immer mehr der Laden, der bestehende Spiele pflegt, Erweiterungen präsentiert und nicht einen neuen Namen nach dem anderen raushaut. Aber das taten sie normalerweise mit Stil. Das hier war eine Zeitreise zurück zur E3 vor 10 oder mehr Jahren, nur dass damals mehr Spiele gezeigt wurden. Und die hatte man ja eigentlich mit Battlefield, Anthem, Madden, Sea of Solitude und Unravel. Aber alles wirkte orientierungslos dargeboten, inhaltlich mager - selbst für einen solchen Rahmen - und vor allem lustlos. Ja, das sind halt so die Games, die wir haben. Wir gehen jetzt mal FIFA spielen. Also, EA, ihr seid besser als das, ihr habt die Games, aber diese Show, das war unter der Würde.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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