E3 2018: Der Horror in Death Stranding

Unaussprechlicher Wahnsinn!

"Unser Spiel wird durch zahlreiche Stränge, Fäden und menschliche Verbindung zu einem Teppich gewoben", erklärt Hideo Kojima im Playstation-Blog und könnte damit kaum weniger über das Spiel verraten als der Trailer, den wir im Rahmen der E3 zu Gesicht bekommen haben. Die Entwickler zielen schlichtweg auf das "Was-zum-Teufel?!"-Gefühl ab, das schön geschnittene Filmschnipsel wie diese bei uns auslösen. Könnte man meinen.

Ganz so ist es aber nicht, denn im Trailer steckt mehr, als man zunächst annehmen könnte. Kojima hat in den letzten Monaten mehrmals grob geschildert, worum es in Death Stranding gehen soll. So ungefähr, zugegeben. Dass es eben nicht eine einfache Sci-Fi- oder Endzeit-Geschichte ist, wie man aufgrund des Trailers annehmen könnte, sondern dass es um die Wahrnehmung von Leben und Tod geht. Etwas, das übrigens auch hervorragend zum Baby aus dem Trailer passt.

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Ich weiß ja nicht, ob ich mit diesem Rucksack über diese Leiter laufen würde.

Die Entwickler um Kojima setzen bei Death Stranding auf eine etwas ältere Form des Horrors - eine, die nicht so sehr davon lebt, schrecklich deformierte Monster in die virtuelle Kamera zu werfen, sondern eine, die das Unbekannte als die wahre Gefahr thematisiert.

In diesem Sinne ist Death Stranding relativ nahe am Horror eines H. P. Lovecraft, für den nie die tatsächliche Gefahr durch irgendwelche Außerirdischen ein Grund war, sich zu fürchten. Sondern die Tatsache, dass diese Entitäten so viel weiter entwickelt sind als die Menschen, dass wir mit unseren Ameisenhirnen überhaupt nicht begreifen können, was ein Cthulhu überhaupt von uns wollen könnte. Wir werden beim Anblick schlichtweg wahnsinnig und dieser Wahnsinn ist im Lovecraft-Duktus schlimmer als der Tod selbst.

Nun lebt Kojima selbst ja nicht im luftleeren Raum, was er sich ausdenkt ist also inspiriert von anderen Werken. Von erstaunlich weltlichen sogar, denn Death Stranding zieht relativ viel seiner Welt aus einer isländischen Kriminalgeschichte namens The Draining Lake, in der nach einem Erdbeben der Wasserstand eines Sees sinkt und so eine Leiche freilegt.

Eine andere Inspirationsquelle könnte der Manga Black Paradox von Junji Ito sein, in dem es eben genau um das geht, was Kojima als Kern von Death Stranding bezeichnet: Dass der Tod nicht das Ende ist, sondern er alles nur auf sehr bizarre Art und Weise verändert. Ich glaube selbst übrigens nicht an sowas und finde es mehr als befremdlich, dass die Dame am Ende des E3-Trailers eine Made auf dermaßen ekelhafte Weise zerkaut, dass mir fast das Frühstück hochkommt.

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Das Monster. Unser Protagonist kann es laut Trailer auch nicht sehen, wohl aber fühlen.

Aber irgendwie ist es eben auch diese brutale Abartigkeit, die die Welt von Death Stranding auszumachen scheint. Wie schon erwähnt: das Fremde. Einerseits bekommen wir es im Trailer mit relativ gängigen Konzepten der Science Fiction zu tun, Walking-Dead-Liebling Norman Reedus zieht hinter sich schwebende Transportcontainer her, überquert über einer viel zu dünnen Leiter eine Schlucht und er bekommt es mit unsichtbaren Monstern zu tun, die in ihren Fußspuren eine Art Quecksilber oder Rohöl hinterlassen.

Das ist harter, einsam stimmender Tobak. Und dann wechselt der Trailer eben doch wieder zu Szenen, in denen Reedus sich vor Feinden fürchtet, bizarrerweise ein Baby in einer Art portabler Brutkammer mit sich herumträgt und sich vor schwebenden Geistern hüten muss, die noch am ehesten aussehen wie das Smoke-Monster aus Lost.

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Muss außer mir noch jemand an Lost denken?

Ich fürchte, Kojima wird sich relativ bald entscheiden müssen, welche Art der Bedrohung er in seinem Spiel gerne hätte. Denn die komplett irre, Lovecraft-artige und fremdartige Gefahr ist nicht zwangsläufig kompatibel mit jener aus klassischen Monsterfilmen. Das eine ist kosmischer Horror, das andere greifbarer, wie zum Beispiel die Alien-Reihe. Hier wird dem Zuschauer zwar zumindest im ersten Film lange nicht gezeigt, wie das Monster aussieht, aber letzten Endes hat es eben doch eine konkrete Form und ist besiegbar. Das Böse in Death Stranding sollte eher nicht zu besiegen sein. So wie Kojima sein Spiel aktuell aufbereitet, darf es einfach nicht damit enden, dass Reedus am Ende mit Frau und Familie auf dem Sofa sitzt.

Ob es aber wirklich ein schlaues Ende für ein Szenario wie dieses gibt, das bleibt abzuwarten. Der E3-Trailer macht mir diesbezüglich aber große Hoffnung. Ich freue mich darauf, herauszufinden, was hinter alldem steckt - und bis dahin, weiter mit euch über Death Stranding zu spekulieren.

Entwickler/Publisher: Kojima Productions/Sony - Erscheint für: PS4 - Geplante Veröffentlichung: ?

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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