E3 2018: Kann Assassin's Creed: Odyssey ein Witcher sein?

Und ist die Verwandlung nicht schon längst abgeschlossen?

Während der Ubisoft-Pressekonferenz der E3 2018 wurde betont, dass Assassin's Creed: Odyssey nun ein vollwertiges Rollenspiel sei. Okay... Was bedeutet das eigentlich? Nehmen wir einmal Witcher 3, ein Spiel, das sich bezüglich seines Genres nie rechtfertigen musste. Vergleicht man diese Spiele, dann fällt auf, dass Assassin's Creed, zumindest nun mit Odyssey, nichts groß anderes ist.

Die Frage ist am Ende, wie man ein Rollenspiel im Jahr 2018 definieren möchte? Wer nur die klassische Party-Variante zulässt, der würde auch kein Witcher in diese Gruppe zulassen. Es geht also um das Solo-Charakter-Action-Rollenspiel und hier gibt es keine nennenswerten Unterschiede mehr. Im Gegenteil: In Sachen Charakterauswahl scheint Odyssey sogar eins weiter zu sein, gibt es doch zwei Figuren, die man spielen kann.

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Und sonst? Beide Spiele haben große, offene Welten, mit NPCs und Questgebern, die auf der Karte großzügig markiert herumstehen. Was folgt, ist eine geskriptete kleine Geschichte innerhalb der großen Geschichte, die über die ganze Karte führt. Beide Spiele haben ein Kampfsystem, das auf verschiedenen Angriffskombos basiert, wobei Assassin's Creed hier flexibler sein darf. Schließlich ist der Witcher professionsbedingt nun mal auf Schwerter fixiert, während antike Kämpfer alles Mögliche nehmen dürfen. Spielerfigur wie Gegner sind in Level unterteilt, sodass große Teile der Spielprogression an euren Level gebunden sind. Ein klassisches Merkmal eines Rollenspiels, die mit wenigen Ausnahmen seit Anbeginn der Zeit ihrer Gebiete in Levelbereiche unterteilen.

Beide Spiele haben einen umfangreichen Fertigkeitenbaum und einige der Kräfte in Assassin's Creed lassen sich auch nur als "Magie" mit einem anderen Namen beschreiben. Beide haben Crafting in der einen oder anderen Form, wobei das System in Assassin's Creed deutlich simpler gehalten sein dürfte, was ich durchaus begrüße. Heilung ist in beiden Spielen kein großes Thema. Die Zeiten, in denen man ein "Inn" brauchte, sind im Action-RPG zumindest in diesem Mainstream-Bereich eh vorbei.

Ein wichtiger Unterschied war bisher natürlich die Einflussnahme des Spielers auf die Geschichte. Assassin's Creed war bis jetzt extrem starr. Zu einem NPC gehen, die Punkte ablaufen, fertig. Das war es auch, was Origins noch vom RPG-Genre trennte, aber Odyssey bietet genau das. Die eine große Frage, die jetzt noch bleibt, ist, wie viel Einfluss diese verschiedenen Antworten in Odyssey bieten. Ich würde davon ausgehen, dass man sich noch nicht so viel traut, dass die Hauptgeschichte in Stein gemeißelt ist und ihr eher im Kleinen den Ausgang einzelner Quests beeinflusst. Aber wer weiß, vielleicht könnt ihr auch am Ende wahlweise als der erste Assassine oder Templer dastehen - beides wohl eher im Geiste, denn schließlich sollte ja eigentlich das später spielende Origins den Anfang dieser Gruppen markieren.

Insoweit: Ist Assassin's Creed: Odyssey ein Rollenspiel? Ich würde sagen ja, unter dem Vorbehalt, dass zumindest ein guter Teil der Quests unterschiedliche Ausgänge kennt. In allen anderen Punkten bietet es nicht mehr oder weniger als die großen Titel, die in genau dieses Genre einsortiert werden. Oder vielleicht doch mehr, denn durch seine langsame Evolution vom Actionspiel hin zu diesem Punkt hat es sich eine sehr viel bessere Beweglichkeit des Spielers in der Welt gewahrt. Während selbst der Witcher mitunter etwas steifbeinig einen verfallenen Turm von innen mit etwas ungelenken Sprüngen erklimmen muss, klettert der Assassine einfach schnell mal nach oben, um zu gucken, ob dort was rumliegt.

Andere Punkte wären zum Beispiel die Spielwelt, die in einem Rollenspiel ausdefiniert sein muss. Mit eigener Lore, Büchern und Tafeln, die gelesen werden wollen, um mehr Hintergründe zu erfahren. NPCs, die einem ein wenig Lokalkolorit der jeweiligen Regionen mitgeben. Auch in diesem Punkt hat Assassin's Creed mittlerweile viel zu bieten, wobei es hier natürlich viel Historisches der realen Welt zu sehen gibt. Aber warum auch nicht, schließlich sind antike Sagen und Geschichten nicht weniger spannend als das, was in einer fiktionalen Welt wie zum Beispiel in Skyrim passiert.

Also, wer traurig ist, dass es dieses Jahr vielleicht kein großes Mainstream-RPG mehr gibt und all diese auf 2019 oder noch später verschoben wurden: Da ist eine Serie, die scheinbar klammheimlich das Genre wechselte und nun in diesem Punkt so zuversichtlich ist, dass auch der Publisher das die Welt wissen lassen möchte.

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Martin Woger

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