Warum die Switch Octopath Traveler gut gebrauchen kann

Mehr eigene Franchises für Nintendos Flaggschiff!

Manchmal zweifle ich schon ein bisschen am Händchen japanischer Spielentwickler für gute Spielenamen. Nehmen wir als Beispiel Metal Gear Rising: Revengeance. Was soll das sein? Die Mischung aus Revenge und Vengeance, weil eins davon nicht reicht? Ähnlich für hochgezogene Augenbrauen sorgt der Titel Octopath Traveler. Geht einfach nicht gut von der Zunge, diese Wortschöpfung, auch wenn sie sich inhaltlich ganz nett auf die acht Wege bezieht, die sein Oktett an Protagonisten durchs Spiel nimmt.

Aber hey, das liegt im Auge - oder Ohr - des Betrachters. Bevor ich abschweife, lieber zum Spiel selbst, denn eigentlich freue ich mich doch sehr auf Squares markantes neues Rollenspiel. Allein deshalb, weil die Switch genau so etwas gebrauchen kann: Ein klassisches RPG, das die Grafik großer Klassiker wie Secret of Mana oder Chrono Trigger behutsam in die Jetztzeit transportiert, ohne am Ende auszusehen wie ein drittklassiges Handyspiel.

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Über die Feinheiten des Kampfsystems von Octopath Traveler gibt es noch nicht viele Details. So jedenfalls wird es jedenfalls aussehen.

In jüngster Vergangenheit sind zwar immer wieder solide Umsetzungen von älteren Spielen für die Switch erschienen, darunter auch solche, von denen man das nicht unbedingt erwartet hätte, etwa Doom. Jenseits der Nintendo-Eigenproduktionen mangelt es dem Gerät aber an eigenen Franchises - wenn dann ein Studio wie Square Enix einen Exklusivtitel für Nintendos Konsolenflagschiff herausbringt, kann ich das nur begrüßen. Immerhin haben die mit Bravely Default vor ein paar Jahren ja schon bewiesen, dass sie immer noch wissen, was klassische Rollenspiele sind. (Noch so ein komischer Name übrigens.)

Und ich will gar nicht zu sehr in die Verklärung der Vergangenheit abdriften, da malt man sich die Dinge bekanntlich auch schöner, als sie tatsächlich waren. Aber ich muss trotzdem loswerden, wie herzallerliebst ich die Spezial-Edition finde, die zum Veröffentlichungstermin erscheint. Neben einer netten Karte der Spielwelt und einer kleinen Münze, kommt sie nämlich mit einem Aufklappbuch daher, das Dioramen aus dem Spiel enthalten wird. Diese Idee stammt allerdings nicht aus dem Nirgendwo, denn tatsächlich sieht die Spielwelt aus wie ein solches Buch.

Die Welt ist grundsätzlich dreidimensional, die Figuren wirken aber flach wie Pappaufsteller in Pixelgrafik. Die Entwickler haben dem ganzen den Namen "HD-2D" gegeben. Man hat auch schon griffigere PR-Begriffe für bestimmte Spiele-Features gelesen, aber mir ist schon klar, was die Entwickler damit meinen: Octopath Traveler sieht nicht aus wie ein klassisches Japano-RPG, es sieht aus wie ein Japano-RPG wie ihr es in eurer Erinnerung habt. Klar waren die Figuren pixelig aber zumindest in meinem Kopf erinnere ich mich nicht so sehr an die miserable Auflösung alter Super-Nintendo-Spiele. Wenn Pixel, dann doch bitte scharf gestellt.

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Es mag Geschmackssache sein, aber ich finde den Art Style von Octopath Traveler großartig - und er ist genau das, was die Switch aktuell braucht.

Wir sind aber längst über den Zeitpunkt hinaus, an dem Pixelgrafik nur ein Appell an das Kind in uns ist, das sich gerne an seine alten Konsolen erinnert. Octopath Traveler zeigt, dass die Darstellung mit groben Pixeln schlicht zu einem eigenen Art Style geworden ist, noch dazu zu einem, der absolut perfekt auf die Switch passt. Pixel sehen auch nicht schlecht aus, wenn ihr sie auf einem sehr kleinen Monitor seht. Ich gehöre zu jenen Menschen, die die Switch auch dann oft lieber im Handheld-Modus benutzen, wenn ein Fernseher eigentlich durchaus zur Verfügung steht. Das liegt daran, dass ich dann bestimmen kann, wo der Bildschirm gerade ist, ich kann mich auf den Rücken legen, zur Seite, auf den Bauch. Oh Mann, bin ich bequem geworden ...

Möglicherweise ist das aber der Grund, warum ich meine Switch so mag. Ich habe das Gefühl, die Konsole passt sich fast automatisch meiner aktuell bevorzugten Spielweise an. Aber für sowas braucht's eben auch passende Spiele. Octopath Traveler erscheint mir wie so eines. Acht verschiedene Figuren und damit auch Charakterklassen gibt es, jede mit Spezialfähigkeiten.

Square Enix verspricht überdies ein leicht zu erlernendes, rundenbasiertes Kampfsystem - auch so ein Ding, das bei portablen Spielen von Vorteil ist. Spielen unter Zeitdruck fühlt sich eben ziemlich hektisch an, wenn ihr gerade in der U-Bahn angerempelt werdet.

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Kein klassisches Rollenspiel ohne Shops in Dörfern.

Das Beste überhaupt: Erscheinen wird Octopath Traveler laut Nintendo am 13. Juli dieses Jahres, also sehr bald. Wer wie ich von den jüngsten Entwicklungen der Final-Fantasy-Reihe eher enttäuscht war, könnte hier wieder fündig werden. Klassisch anmutende JRPGs gibt es viele, nicht so viele aber, die die Qualität eines klassischen Square-Enix-Titels haben. Octopath Traveler ist eines der Spiele, von denen ich mir jetzt schon gut vorstellen kann, dass ich es verschlingen werde. Phonetisch ungelenker Name hin oder her: Ich hoffe, Squares acht Wege führen genau dorthin, wohin sich die Entwickler dieses Spiel wünschen. Gegen eine neue erfolgreiche JRPG-Reihe, die alte Genre-Werte hochhält und sie gleichzeitig auf heutige Spielgewohnheiten anpasst, hätte ich absolut nichts einzuwenden.

Entwickler/Publisher: Square Enix/Nintendo - Erscheint für: Nintendo Switch - Geplante Veröffentlichung: 13. Juli

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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