Fortnite auf der Switch: und als nächstes die Weltherrschaft!

Ein Wochenende mit der Handheld-Version.

Dieses Spiel sollte einem eigentlich immens unsympathisch sein. Dickster Trend seitdem auf einmal absolut niemand mehr sein Brot schneiden lässt, klarer Trittbrettfahrer eines Titels, der vor ihm kam und ein Personalmagnet, der dafür sorgt, dass bei Epic alle Mann für Fortnite an Deck sind und alles andere stehen und liegen lassen. Einschließlich des "echten", eigentlichen Fortnite, Save the World (für das einige Leute Geld bezahlt haben), und Unreal Tournament, das eigentlich nach Spaß aussah. Aber nein, ich bringe für dieses Spiel einfach keinen Hass auf. Im Gegenteil: Es ist sonnenklar, warum Fortnite steht, wo es gerade ist.

Bei aller Ähnlichkeit zum vormals heißesten Ding auf dem Planeten - PUBG - ist es in einigen entscheidenden Punkten doch ein klarer Gegenentwurf und greift damit die Leute ab, die dem Konkurrenten noch durch die Lappen gingen. Wo Battlegrounds mit Ostblock-Postapokalpyse-Look nicht nur ein bisschen einfallslos daherkam, sondern auch noch generisch und gesichtslos, blieb an Fortnite nach dem Anlehnen an Overwatch eine gute Portion freundlicher Pepp kleben. Wo PUBG mit seinen realistischen Waffen samt diverser Aufsätze abschreckend, weil militaristisch exkludierend und elitär, wirken kann, reißt Fortnite beide Arme auf und heißt auch Spieler ohne K/D willkommen, bei der man sich nicht sicher ist, ob sich der Computer verrechnet hat. Und dann der Minecraft-Aspekt, aus Rohstoffen mitten im Gefecht eine Basis zu bauen ...

Ich bin nicht sicher, ob es Methode hatte oder ob Epic durch einen bloßen glücklichen Zufall auf diese Formel gestoßen ist. Aber es wirkt fast schon chirurgisch präzise, wie sie den Reiz der Vorlage übernahmen und gleichzeitig alle potenziellen Abturner eliminierten. Es ist wohl der sprichwörtliche perfekte Sturm aus Umständen, Zeitgeist und Maßnahmen, dem wir zu verdanken haben, dass man Fortnite aktuell nicht entgehen kann (ein Satz, den ich vor einem Jahr, als ich über das ursprüngliche Fortnite schrieb, nie für möglich gehalten hätte). Jetzt nicht einmal mehr auf der Switch, wo ich mir das Spiel die vergangenen Tage mal genauer ansah.

Fortnite Switch - Trailer

Ich sage gleich vorneweg: Als PUBG-Spieler wird sich Fortnite für mich wohl nie komplett natürlich anfühlen. Es geht einfach gegen mein Arma-, DayZ-geschultes Denken, beim Anblick eines gegnerischen Spielers nicht als erstes auf ihn zu schießen, sondern mir Gedanken zu machen, ob und wie ich mir durch ein Instant-Fort einen taktischen Vorteil erbasteln könnte. Das ist auch die eine Sache, bei der mir der Erfolg des Spiels dann doch wieder ein wenig schleierhaft ist: Während es den Spieler in Fortnite zwischen Einigeln und Angreifen in jeder Auseinandersetzung hin und herzerrt, landet man häufig genug im Bereich dazwischen, wo das Spiel plötzlich wahnsinniges Multitasking auf einem randvollen Controller einfordert und Casuals rigoros aussortiert werden. Da wirkt Fortnite auf einmal sehr viel mehr "hardcore", als Blueholes aus einer Militärsim geborenes Jeder-gegen-jeden.

Und doch: Ich hatte meinen Spaß an diesem Wochenende, und dass ich eine Runde sogar gewinnen konnte, weil ich mich an der richtigen Stelle auf die Lauer legte - manche taktischen Manöver greifen eben doch hüben wie drüben - war eine schöne, Endorphine ausschüttende Überraschung. Eine, die mich letzten Endes länger ans Spiel fesselte, als ich erwartet hatte.

Ein paar Herausforderungen hat die Switch-Version aber schon noch vor der Brust, damit ich sie zur definitiven Art erkläre, Fortnite zu spielen. Es ist wundervoll, dieses Spiel überall mit hinnehmen zu können und die Performance ist mehr als annehmbar. Tatsächlich absolvierte ich eine Reihe Spiele im Garten über den LTE-Hotspot meines Smartphones und war sogar zufrieden damit, wie diese Matches in Sachen Verbindungsqualität liefen. Aber die Sticks der Joycon sind ein Problem. Zielen ist damit einfach unfassbar schwierig, wenn es dermaßen in die Vertikale geht wie hier. Allerorts ist der bevorzugte Fortbewegungsmodus extremes Bunnyhopping, und sobald in einem Schusswechsel gebaut wird, muss man ebenfalls die Waffe ständig rauf oder runter reißen.

Digital Foundry: Fortnite-Vergleich: Switch und XBox One.

Andere - meine Gegner - hatten damit offenbar weniger Probleme als ich und am Fernseher mit Pro Controller wird es noch einmal besser. An PS4 und Xbox, geschweige denn PC, kommt das Spielgefühl aber nie ran. Seit selbst die normalen PS4- und Xbox-Konsolen Fortnite in 60 FPS spielen dürfen, ist es einfach schwer, zu einer 30 FPS-Präsentation mit dynamisch die Auflösung etwas unschön verpixelndem Bild zurückzukehren. Manches in der Ferne sieht man deshalb sogar etwas zu spät. Aber das war auf einem Handheld-Bildschirm vermutlich ohnehin nicht anders zu erwarten.

Eine Lösung, die zumindest Teile dieser Kritik nachhaltig zu entkräften könnte, hätte die Nintendo-Konkurrenz von Splatoon parat: Würde Epic auf die Gyroskope der Switch zugreifen, könnte man kleinere Zielkorrekturen durch leichtes Schwenken des Handhelds beziehungsweise des Controllers erreichen (was im Übrigen auch Sony vermehrt machen sollte) und damit sogar eine deutlich höhere Genauigkeit erzielen als auf den anderen Konsolen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Amerikaner in diesem Moment genau darüber nachdenken. Und auch wenn die Hardware technisch und optisch nicht mehr ganz so viel Luft nach oben lässt, wäre es nicht das erste Mal, dass zumindest das dynamische Skalieren der Grafik wegfällt, der Pixel-Count stabil und das Bild jederzeit gleich scharf bleibt.

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Ansonsten zeigt sich das Spiel komplett und bei bester Gesundheit. Die Spielvermittlung klappt wahnsinnig schnell, das grundlegende Steuerungs-Template funktioniert - ungeachtet meiner Präzisionsbedenken - auch auf den Joycon ziemlich gut und allgemein verbringt man auf dieser Kampfinsel eine wirklich gute Zeit. Schon jetzt liebe ich die Switch-Version für gleich zwei Präzedenzfälle, die sie darstellen dürfte. Erstens: Einfach Headset an die Kopfhörerbuchse und schon wird auch eure Stimme mitübertragen. Ich sehe schlicht nicht, wie Nintendo nach Fortnite weiter doppelt an Smartphone und Konsole gedongelte Kopfhörerlösungen rechtfertigen sollte. Überhaupt: Hier war schon immer ein vierpoliger 3,5mm Anschluss verbaut - wie kamen sie überhaupt darauf, dass die Smartphone-App eine gute Idee wäre?

Zweitens? Nun, auch auf Sonys unschöner Crossplay-Verweigerung übt die Switch Version - wer schon mal auf PS4 spielte, kann seinen Account nicht auf der Switch verwenden - Druck aus. Und wenn der Druck vom größten Spiel auf dem Planeten kommt, könnte der sehr wohl Dinge in Gang setzen.

Zurück zum Thema: Ich hatte nicht damit gerechnet, aber für's erste werde ich Fortnite auf der Switch tatsächlich weiterspielen - auch wenn ich davon ausgehe, dass sich das erledigt, sobald PUBG seine Mobile-Version auf die Nintendo-Konsole zwängt. Abzüglich des Gyro-Versäumnis hat Epic gute Arbeit geleistet und schenkt der Switch dank Crossplay einen Dauerbrenner, der die eine oder andere Konsole zusätzlich unter die Leute bringen dürfte. Nein, Antipathie generiert man wahrlich anders.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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