Noch in meinem PC-Test zu Everspace habe ich geschrieben, dass ich mich in diesem Weltraum sehr zu Hause gefühlt habe, obwohl ich mein Raumschiff mit der Maus gesteuert habe. Denn ich war es von anno dazumal gewohnt, Weltraumgeballer mit einem Joystick zu bedienen. Jetzt, grob ein Jahr später, wirkt diese positive Bewertung der Maus seltsam, denn der Test der PS4-Version des Spiels hat mich gezwungen, zum Controller zu greifen und mir gezeigt: Hey, das steuert sich viel direkter. Am Spiel selbst hat sich derweil nicht viel verändert: Ihr steigt an Bord eines Raumjägers und springt damit von Sternsystem zu Sternsystem. Sterbt ihr, beginnt die Odyssee von vorn, bestimmte Rohstoffe behaltet ihr aber und könnt sie nach eurem Ableben verwenden, um euer Vehikel aufzuwerten, was wiederum eure Lebenserwartung deutlich steigert.

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Hier werden gerade Rohstoffe aus Asteroiden abgebaut. Ist eigentlich nur Beiwerk, sieht aber äußerst beeindruckend aus. (Everspace - Test)

Die einzelnen Sternsysteme werden jeweils zufällig generiert und das fühlt sich auch so an: Wenn ihr Glück habt, kommt ihr relativ schnell von einem Sprungtor zum nächsten, habt ihr Pech, ist das Weltall von Piraten verseucht und ihr müsst euch euren Weg freischießen. Gerade mit einem frühen Raumschiff kann das aber ziemlich riskant sein, weshalb ihr immer einplanen solltet, ins Gras zu beißen. Bei der Konsolenfassung ist gleich der erste große DLC "Encounters" integriert, der das Spiel noch einmal um ein neues Schiff, neue Zusatzmissionen, neue Waffen und neue NPCs erweitert. Das merkt man nicht sofort, letztlich fühlt sich Everspace jetzt aber noch vielfältiger an, jeder Run ist ein kleines neues Abenteuer und gerade wenn ihr erfolgreich seid, ist es dann später umso trauriger, in einer unglücklichen Situation abzuleben.

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Im Kampf ist es bei Everspace manchmal nicht ganz leicht, den Überblick zu bewahren. (Everspace - Test)

Everspace erzählt bei jedem neuen Start in seine Galaxis eine neue Geschichte, die sich mit dem Add-on noch mehr anfühlt wie eure eigene, exklusive Erfahrung. Ich habe mir gerade erst den Han-Solo-Star-Wars-Film im Kino angesehen und ehrlich gesagt fühlte ich mich mit diesem Erlebnis im Hintergrund immer ein bisschen wie der weltbeliebteste Space-Pirat, wenn ich mitten im Weltall meine Systeme wieder repariert habe und mit Mühe und Not noch den Sprung ins nächste Sonnensystem geschafft habe, stets mit dem Gefühl im Hinterkopf, dass meine Weltraum-Mühle nur von Klebeband und Reißnägeln zusammengehalten wird. Nur ohne Wookies leider, denn nach wie vor seid ihr in Everspace ganz allein in eurem Schiff. Was wiederum zur allgemein recht zynischen Atmosphäre des Spiels passt. Die Entwickler erklären euer permanentes Wiederauferstehen, indem es euch als Klon deklariert, die grungige Gitarrenmusik im Hintergrund untermalt auch noch den 43. Run mit der seltsamen Gewissheit, dass ihr auch diesmal wieder abgeschossen werdet, so traurig das sein mag.

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In welches System ihr als nächstes springen wollt, könnt ihr auf Bildschirmen wie diesem entscheiden. (Everspace - Test)

Irgendwann fand ich diese Bildschirmtode aber gar nicht mehr wirklich traurig. Stattdessen habe ich mich auf den nächsten Run gefreut und das ist genau, was ein Roguelike schaffen muss. Nicht frustrierend sein, den Tod als Chance präsentieren. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil sich Everspace einfach lernen lässt. Euer Raumschiff fühlt sich nicht so sehr an als würde es fliegen, sondern viel mehr als würde es schweben, was im Kontext des Weltraums ja auch mehr den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht. Diese Leichtigkeit wird aber immer wieder gebrochen, wenn feindliche Jäger in euer Sonnensystem springen, in Ruhe erkunden könnt ihr trotz simpler Steuerung also nur begrenzt. Aber auch das schnelle Weiterfliegen von System zu System hat seine Grenzen, denn irgendwann geht euch der Treibstoff aus und neuen müsst ihr euch aus Asteroiden oder feindlichen Schiffen holen. Konflikte sind bei Everspace also unausweichlich.

Eine Neuerung des Add-Ons sind die Fabrik-Raumstationen. Dort könnt ihr andocken und euer Schiff kostenlos reparieren lassen, was die im Original teilweise nur fünf Minuten langen Runs noch einmal deutlich verlängert. Zudem sieht alles, was bei Everspace größer ist als ein Gesteinsbrocken, einfach sensationell aus. Fast schon zu sauber wirkt das Spiel, wenn sich das Licht irgendwelcher Alien-Sonnen auf metallischen Oberflächen spiegelt. Effekte übrigens, die umso beeindruckender wirken, wenn ihr mit der Blitz- oder Neutronenkanone auf Gegner feuert, ebenfalls Neuerungen des Add-Ons. Sollte das Spiel jemandem bisher zu leicht gewesen sein (mir war's das nicht), gibt es jetzt zudem einen Hardcore-Modus. Außerdem haben die Entwickler ein paar nette neue Schiffs-Upgrades integriert, etwa den Decoy-Generator, mit dem ihr feindliche Jäger ablenken könnt. Klappt gut und sorgt für mehr Spieltiefe - ein gänzlich anderes Spiel wird Everspace dadurch aber nicht.

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Vorbeiflug an einem großen Raumkreuzer. (Everspace - Test)

Muss es aber auch nicht, denn das Grundprinzip funktioniert nach wie vor. Zumal die Steuerung mit dem Controller eine neue Ebene der Immersion ins Spiel bringt. Während ihr mit der Maus nur grob dahin zeigt, wo euer Schiff als nächstes fliegen soll, reagiert es auf Eingaben mit dem Analog-Stick sehr direkt. Ich fühlte mich mit dieser Steuerungsvariante weit weniger wie der Raumschiff-Manager als der ich mir noch auf dem PC vorkam, viel mehr wie jemand, der wirklich am Steuer sitzt und um sein Leben kämpft. Ein Leben, das dann letzten Endes doch nur austauschbar ist. So ist das als Klon halt.

Ob ich Everspace nun letzten Endes lieber am PC oder auf der Konsolen spielen wollte - ich könnte es wirklich nicht sagen. Es steuert sich auf beiden Systemen super, auf der Konsole fühlt es sich ein wenig direkter an. Der Encounters-DLC baut die ohnehin schon vorhandenen Stärken des Spiels noch weiter aus, was aber bleibt ist das Gefühl, nach jedem Tod noch einmal spielen zu wollen. Und noch einmal. Und, komm, einmal noch, auch wenn es schon spät ist. Solltet ihr es noch nicht gespielt haben, glaubt mir, es ist jeden Cent wert. Es fühlt sich großartig an, sein Raumschiff aufzuwerten, umso besser die errungenen Upgrades im Kampf einzusetzen. Dieser Weltraum kann eurer sein. Ihr müsst ihn nur dazu machen.

Entwickler/Publisher: Rockfish/Rockfish - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 25 bis 30 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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