Die Gilde 3: Warum der Entwicklerwechsel notwendig war und was als Nächstes passiert

Im Gespräch mit Producer Heinrich Meyer und Game Director Milo Gutmann.

Es läuft nicht rund in der Gilde. Mit Die Gilde 3 brachten THQ Nordic und GolemLabs im vergangenen September einen neuen Teil der Reihe auf Steam in den Early Access. Die Reaktionen darauf sind, um es mit den Worten von Valves Plattform zu sagen, "ausgeglichen". Von knapp 2.100 Nutzerreviews sind 47 Prozent positiv.

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass THQ Nordic die Notbremse zog. Ende Juni gab der Publisher bekannt, dass das kanadische Studio GolemLabs (bekannt für seine SuperPower-Spiele) nicht länger für die Entwicklung verantwortlich ist. Mit der Fertigstellung von Die Gilde 3 ist jetzt das in diesem Jahr in Wien gegründete Studio Purple Lamp beauftragt.

Ziel des Teams ist, das Ruder herumzureißen und das Spiel noch in die richtige Richtung zu lenken. Ein mutiger Schritt, denn ein Entwicklerwechsel während der Produktion ist nicht ohne Risiken und keine Garantie für einen Erfolg.

THQ Nordic und Purple Lamp sind überzeugt davon, dass es der richtige Schritt war, wie THQ Nordics Producer Heinrich Meyer und Purple Lamps Game Director Milo Gutmann im Gespräch mit Eurogamer.de verrieten. Das dabei viel Arbeit vor ihnen liegt, ist ihnen bewusst.

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Purple Lamp soll aus Die Gilde 3 das machen, was GolemLabs nicht gelang.

"Als wir die Entwicklung von Die Gilde 3 angestoßen hatten, hatten wir ein klares Bild von diesem Spiel", sagen sie. "Als beim Early Access klar wurde, dass unsere Erwartungen und die Erwartungen der Fans höchstwahrscheinlich nicht erfüllt werden können, haben wir uns nach einem weiteren Developer umgesehen und sind mit Purple Lamp schließlich fündig geworden. Das Studio ist zwar neu, besteht aber aus erfahrenen Leuten, die wir schon seit Jahren kennen, und wir trauen ihnen dieses Spiel definitiv zu."

Purple Lamp hat sich mittlerweile in den Code eingearbeitet, versichern beide. Da er aus fremder Hand stammt, dauere es an einigen Stellen länger, was sich im Laufe der Zeit aber relativiere. Durch die Probleme und den Entwicklerwechsel bleibt das Spiel länger im Early Access als geplant. Einen neuen Termin für die ursprünglich noch für dieses Jahr geplante finale Version gibt es derzeit nicht.

Grundlegende Veränderungen am Spiel sind nicht zu erwarten. Die Vision bleibt dieselbe. Als allererstes beschäftigt sich Purple Lamp damit, die Basics des Spiels zu überarbeiten. Dazu zählen Dinge wie die Kamera, Steuerung, der Markt, die Produktion und mehr. Anschließend befassen sich die Entwickler mit der Fertigstellung von fehlenden Features des Spiels.

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Zuerst beschäftigen sich die neuen Entwickler mit den Basics des Spiels.

"Unser Ziel ist es, möglichst immer auf Bestehendem aufzubauen. In manchen Fällen hat es sich allerdings als sinnvoller herausgestellt, bestehende Funktionen durch neue zu ersetzen", heißt es.

Die Spieler haben Erwartungen, die bislang nicht oder nur zum Teil erfüllt wurden. Daher ist der Druck verständlicherweise hoch und die Übernahme der Entwicklung für Purple Lamp eine Herausforderung. Beide bezeichnen den bisherigen Start des Studios als "gut gelungen".

Die anfangs angesprochenen Steam-Bewertungen sind verständlicherweise nicht förderlich für den Verkauf. Es gilt, dem in Zukunft entgegenzuwirken, für eine positivere Stimmung zu sorgen. Der Plan sieht wie folgt aus: "Durch gute und ehrliche Kommunikation mit der Community. Und - viel wichtiger: durch richtig gute Updates! Wie oben schon beschrieben - erst werden alle Probleme beseitigt, dann die neuen Features implementiert. Dann wird das Spiel für sich sprechen", erzählen Meyer und Gutmann.

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Anschließend kümmern sie sich um neue Features und die Fertigstellung.

Dass ein Entwicklerwechsel für viele Spieler nicht als positives Zeichen zu verstehen ist - obwohl dieser ja dazu gedacht ist, die Situation zu verbessern -, wissen THQ Nordic und Purple Lamp. Eine leichtfertige Entscheidung war es nicht, betonen sie: "Wir haben uns für diesen Schritt entschieden, da wir denken, dass es das beste für Die Gilde 3 ist. Wir denken, dass wir das Vertrauen mit regelmäßigen, stabilen Updates und intensiverer Kommunikation mit der Community wiederherstellen können."

Wichtig dafür ist unter anderem, das Feedback der Spieler zu berücksichtigen. Das war von Anfang an wichtig, aufgrund der mangelnden Stabilität des Spiels war es bislang nicht möglich, vieles davon umzusetzen. Derzeit schafft Purple Lamp eine Basis, die es dem Studio erlaubt, Die Gilde 3 gemeinsam mit der Community weiterzuentwickeln. Das ist jedenfalls der Plan und das war er den Unternehmen zufolge von Beginn an.

Vorgesehen sind aktuell zirka zwei Updates pro Monat. Mit diesen möchten die Entwickler das Core-Gameplay geraderücken. Anschließend geht es ans Eingemachte, an die großen Features. Die Dinge, die noch fehlen, damit die ursprüngliche Vision von Die Gilde 3 nicht nur auf dem Papier existiert, sondern in der Realität.

Um das zu erreichen, haben die Entwickler einen steinigen Weg zu überwinden. Ob ihnen das gelingt, zeigen die kommenden Monate, in denen den Worten der Macher zufolge Taten folgen. Dass THQ Nordic während der Produktion einen Entwicklerwechsel durchführt, verdeutlicht, welchen Wert der Publisher darauf legt, aus Die Gilde 3 ein gutes Spiel zu machen. Hoffen wir, dass es ihnen gelingt.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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