World of Tanks Mercenaries - Neue Welt (Un-)Ordnung

Der neue PvE-Modus unter der Lupe.

Ich muss zugeben: Ich bin kein besonders talentierter Panzerfahrer. Mir ist zwar um die Schwachstellen der Stahlkollosse bewusst, dennoch prallen gefühlt die Hälfte meiner abgefeuerten Geschosse an der metallenen Haut der Kontrahenten ab, wenn ich World of Tanks spiele. Die Feinde dagegen treffen praktisch immer, sezieren die zentimeterdicke Stahlhülle mit wenigen Schüssen und befördern mich zurück in die Garage.

Was das mit World of Tanks Mercenaries zu tun hat? Nun, in diesem neuen Update für die Konsolenfassung des Spiels trifft man vor allem auf computergesteuerte Gegner, wenn man die neuen PvE-Episoden zockt. Und die ballern, als wären sie auf Steroiden - oder, was an Aufputschmitteln bei Scharfschützen eben so angesagt ist.

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Die Panzer wurden aus den Bauteilen verschiedenster WoT-Nationen zusammengefriemelt, historisch korrekt sollen sie dennoch sein

Die Konsequenz: Ich muss in der für Journalisten auf einem Vorab-Event spielbaren Mission "Der Diebstahl" taktisch vorgehen, anstatt einfach nur blindlings von einem Gefecht ins nächste zu rattern. Zum einen nutze ich Deckung, die mir das industrielle Bahnhofsgelände bietet, verschanze mich hinter rostenden Bahnwaggons, Verladerampen, Brückenpfeilern oder verwende die dicken Mauern von Lagerhäusern als Schutzschilde. Ich schaue tunlichst nur mit dem Kanonenrohr ums Eck, exponiere so wenig Fläche wie möglich, um eine minimale Trefferzone anzubieten. Außerdem schicke ich meine KI-Kameraden voraus. Wobei: Das erledigen die ganz allein. Befehle kann und muss ich gar nicht geben. Sie eilen mir voran, ziehen das Feuer auf sich und erlauben mir, Gegner an ihrer schwächsten Stelle zu treffen: dem Heck.

Dennoch muss ich auf der Hut sein, denn zum einen ist die Konsolensteuerung auch nach dem Update etwas hakelig. Bis ich mich in die exakte Richtung ausgerichtet habe und auf plötzliche Attacken reagiere, dauert es manchmal einen Tick zu lang. So kassiere ich doch immer wieder Treffer, weil strategisch aufgestellte gepanzerte Verteidigungstürme ausnutzen, dass ich ungeschickt ins Kreuzfeuer fahre. Diese Türme auszuschalten, ist übrigens eine Nebenaufgabe beim Versuch, das in einem alten Fort gelegene Hauptquartier des Feindes zu stürmen und nukleares Material von Amis und Sowjets zu klauen.

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Wer Verträge erfüllt, schaltet damit wertvolle Elite-Panzer frei

Amerikaner und Sowjets betreiben eine gemeinsame Anlage? Wie, ihr versteht kein Wort? Ok, dann muss ich ein wenig weiter ausholen: Mercenaries ist kein simples Grafik-Update, wie es Wargaming seinem PC-Paradepferd bereits im April spendiert hatte. Klar, auch hier könnt ihr jetzt mit 4K- und HDR-fähigen Konsolen und TVs eine schönere Grafikpracht bewundern. Im Zentrum steht aber, dass die Konsolenfassung viele neue PvE-Inhalte erhält, die auf den zuvor veröffentlichten Kriegsgeschichten aufbauen.

Drum herum spinnt Entwickler Wargaming West (früher Day One Studios) ein Narrativ, das uns in ein alternatives Universum verfrachtet. Das ist thematisch zwar an den Zweiten Weltkrieg angelehnt. Die Mini-Kampagne in zahlreichen Akten versetzt uns jedoch in eine Sphäre, in der es eben keine Ordnung mehr gibt, keine politischen Grenzen, wie wir sie kennen. Sprich: NATO und Warschauer Pakt existieren nicht, die Welt ist destabilisiert und die Mächte führen Stellvertreterkriege, für die sie Söldner engagieren. Also: uns.

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Die Maps aus dem PvE-Modus werden in den PvP-Modus übernommen - häufig sind es Original-Karten, die jetzt vormals intakte Orte vollkommen zerstört zeigen.

Ein wilder Haufen aus aller Herren Länder, der aber im Sinne von World of Tanks eine komplett neue Nation bildet. Mit eigenem Panzer-Stammbaum, individueller Sprache (extra vertont), frischen Crews. Dementsprechend vielfältig sind die Söldner-Tanks zusammengefräst- und geschweißt worden: Hier ein Chassis aus den USA, das Kanonenrohr kommt von den Franzosen, verwendet werden nur die besten Bauteile aller anderen Nationen. Aber - weil es den Fans wichtig ist - mit den stets korrekten Attributen ihrer Originale versehen.

Wer sich die Elite-Panzer unter den Nagel reißen will, hat zwei Optionen: Er erfüllt entweder Söldner-Verträge, spielt also die Missionen der Kampagne allein oder kooperativ mit ein paar Kumpels, was das oben beschriebene Szenario kontrollierbarer macht. Wer darauf keine Lust hat und mit den neuen Panzern einfach nur das PvP aufmischen möchte, zückt stattdessen die Brieftasche.

Was wir auf dem Event gespielt haben, war nur die Spitze des Eisbergs, sagt Wargaming. Wenn es exemplarisch dafür steht, was noch alles kommt, dann wird das für mich durchaus ein Grund sein, die Konsole anzuschmeißen und World of Tanks in der neuen Fassung zu installieren. Die Handlung ist zwar sicherlich in Aufmachung und Ausgestaltung nicht preisverdächtig, aber sie könnte Leute wie mich zum einen wieder ins Spiel holen. Zum anderen kann der kooperativ spielbare PvE-Modus einfach als Spielwiese und Trainingsparcours genutzt werden, um gegen herausfordernde KI-Gegner das eigene Spiel zu verbessern. Und sich dann vielleicht mit den Elite-Panzern der Söldner in PvP-Schlachten zu stürzen.

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Über den Autor:

Nedzad Hurabasic

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