Endlich Octoling sein: Splatoons Octo Expansion steckt euch in die Schuhe eines der Tentakelköpfe, der an Bord einer mysteriösen U-Bahn ein Netzwerk aus Platformer-Leveln mit breit gefächerten Aufgabenstellungen durchquert. Und zwar so lange, bis er oder sie die vier Macguffins einstecken hat, die den Weg zurück an die Oberfläche ebnen.

Unterwegs durch die 80 Herausforderungen, durch die man sich wie durch ein U-Bahnnetz bewegt und dabei meist zwischen einer von zwei Richtungen wählen darf, lernt man neue verrückte Charaktere kennen, unter anderem CQ Cumber, den seegurkigen Zugführer, und ein sprechendes Telefon. Klingt logisch und wunderbar nach Nintendos erster neuen Marke seit Ewigkeiten.

Splatoon 2 Octo Expansion - Trailer

Die Handlung hält sich zu Beginn vornehm zurück, nimmt zum Finale hin aber immer bizarrere Züge an, wie sie eigentlich nur von Splatoon kommen können. Die Art und Weise, wie die Level dargereicht werden, als unzusammenhängende Herausforderungen, zu denen man sich Zutritt - in Form eines Dreierpacks von Bildschirmleben - mit Spielwährung erkaufen muss, erzeugt zu Beginn noch den Eindruck einer etwas schmucklosen, auf bloßen Inhalt abzielenden Erweiterung. Aber dieser Eindruck rückt schnell in den Hintergrund, wenn man merkt, wie viel Spaß man in diesen knallharten Leveln hat.

Was hier in den Herausforderungen passiert, mag mit seinem Testparkour-Antlitz optisch nicht den Zauber eines Super Mario Odyssey erwecken, ist designerisch aber von vergleichbar packender Güte - nur eben unfassbar viel kniffliger. Ich bin nicht sicher, wann eine Story-Erweiterung es das letzte Mal riskierte, seine Spieler wiederholt so vehement zu fordern. Aber wenn man darüber nachdenkt, dass das Basisspiel mittlerweile knapp ein Jahr auf dem Buckel hat, ist der Schwierigkeitsgrad genau richtig gewählt. Wer jetzt noch dabei ist, dem ist das hier durchaus zuzutrauen.

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Durchpusten und nochmal versuchen. (Splatoon 2 Octo Expansion - Test)

Was genau? Nun, unter Einsatz der bekannten Inkling-Werkzeuge - von Farbkleckskanone bis hin zu Baller und Inkjet - und ihrer naturgegebenen Talente, durch Farbe zu schwimmen natürlich, löst ihr bisweilen haarsträubend knifflige Sprung-Sequenzen, geleitet eine Kugel zum Ziel oder tragt auf einer Arena, deren Bodenelemente unter Beschuss wegbrechen, Farbgefechte mit fliegenden Feinden aus.

Was ihr in der Kampagne des Basisspiels erlebt habt, war wenig mehr als ein müdes Tutorial gegen die Dinge, die hier von euch verlangt werden. Das System mit den Leben, mit dem man sich, so lange das Geld reicht, wieder in einen Level einkauft, nachdem man das dritte Mal stirbt, sah ich zunächst noch kritisch, bis ich die Nuancen bemerkte: Zunächst einmal provoziert diese zumindest scheinbare Verknappung auch eine gewisse Jetzt-erst-recht-Reaktion, samt dazugehöriger Jubelstürme, wenn dann mal doch der nächste Checkpunkt nach einer schwierigen Passage erreicht wurde.

Zum anderen motivieren viele Level durch das Angebot, ein bestimmtes Loadout zum Lösen der Challenge einzusetzen, und dafür größere Belohnungen zu erhalten. Ich war skeptisch, mit der Zeit - und etwas Übung - gefiel mir die doch sehr klassisch anmutende Limitation aber sehr. Und so nah dran, geldmäßig auf dem Trocknen zu sitzen, war ich ohnehin nie.

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Es tummeln sich allerlei seltsame Gestalten in dieser Metro. (Splatoon 2 Octo Expansion - Test)

Technisch ist's ein Traum in 60 Bildern, der Stil immer noch ohne Gleichen und die Musik der schrägste Kram der letzten Jahre. Wer mit allen Leveln fertig ist, darf fortan als Octoling in den Mehrspielerpartien antreten und auch eine Reihe kosmetischer Items nimmt man aus der Kampagne mit in den Multiplayer, was Dauer-Splatoonistas, von denen es nicht wenige gibt, freuen dürfte.

Alles in allem ist der Preis von immerhin knapp 20 Euro für die Qualität der hier feilgebotenen Level sicher nicht zu hoch gegriffen. Es steckt viel Arbeit und eine Portion Vertrauen in die Spielerschaft drin, wie man sie nur selten sieht, in der Octo Expansion. Ich hatte ausgelassene acht Stunden Spaß - eher mehr - damit und nehme die Gelegenheit, mir online meine flott frisierten Tentakel unter ein Cappy zu zwängen, sehr gerne wahr.

Entwickler/Publisher: Nintendo - Erscheint für: Switch - Preis: ca. 20 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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